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Vater-Kind Kontakt nach Trennung und Scheidung: Die Bedeutung struktureller sowie intrafamilialer Faktoren


ZSE - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 01.03.2020

Father-Child Contact after Separation and Divorce: The Importance of Structural and Intrafamilial Factors


Die vorliegende Studie untersucht den bislang kaum gemeinsam analysierten Zusammenhang struktureller (z. B. Armut, Sorgerechtsregelung) sowie intrafamilialer Prädiktoren (z. B. Zeit seit Trennung, Coparenting) und der in der Literatur selten differenziert betrachteten Dimensionen (1) des Kontaktabbruchs und (2) der Kontakthäufigkeit getrenntlebender Väter und ihrer Kinder in Trennungsfamilien. Auf Datenbasis der DJI-Alleinerziehendenstudie (N=1261 Mütter mit einem Kind unter 15 Jahren) kann gezeigt ...

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Bildquelle: ZSE, Ausgabe 1/2020

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... werden, dass 85 % der Väter den Kontakt zu ihren Kindern aufrecht hielten und überwiegend (73 %) mindestens ein- bis zweimal pro Woche (persönlich, telefonisch o.ä.) Kontakt hatten. Das alleinige Sorgerecht der Mutter, eine vormals nichteheliche Beziehung und eine aktuelle neue Partnerschaft des Vaters erhöhten das Risiko für einen Kontaktabbruch. Die Kontakthäufigkeit wurde hingegen durch eine geringe Wohnentfernung, ein höheres Kindesalter, eine gute Vater-Kind-Beziehung sowie positives aber auch konflikthaftes elterliches Coparenting positiv vorhergesagt. Entsprechend sollten zukünftige Studien den Kontaktabbruch und die Kontakthäufigkeit klarer differenzieren und stets beide Gruppen von Faktoren berücksichtigen.

Schlüsselwörter: Trennung und Scheidung, Vater-Kind Kontakt, Kontakthäufigkeit, Coparenting

This study analyzes structural (e.g., poverty, custody arrangements) as well as intrafamilial factors (e.g., coparenting), which have rarely been analyzed in conjunction regarding their association with the hardly ever differentiated dimensions of (1) loss and (2) frequency of contact between non-residential fathers and their children after parental separation. Based on the DJI-Alleinerziehendenstudie (N=1261 lone mothers with children younger than 15 years) we show that 85 % of fathers maintained contact with their children, mostly (73 %) having contact at least once or twice a week. Furthermore, non-shared custody, a former nonmarital parental relationship and a new paternal partnership were related to an elevated risk of loss of contact. In contrast, the frequency of contact was predicted by residential distance, child’s age, relationship quality between father and child and positive as well as conflictual parental coparenting. Thus, future studies should differentiate the loss and frequency of contact more clearly and always consider both groups of influencing factors.

Keywords: separation and divorce, father-child contact, contact frequency, coparenting

1 Einleitung

Eine Trennung der Eltern ist für Kinder häufig mit umfangreichen Veränderungen der Lebensbedingungen verbunden, die sich u. a. in einem veränderten Kontakt zwischen den überwiegend getrenntlebenden Vätern und ihren Kindern widerspiegelt (Amato, 2010; Walper, 2016). Diese Veränderung im Kontakt kann nicht nur durch das Fehlen eines männlichen Rollenvorbildes, sondern auch durch das Wegbrechen verschiedener ökonomischer, sozialer und emotionaler Rollen weitreichende Folgen für die Entwicklung von Kindern haben (Lamb 2010, 2004; Amato 2000). Allerdings ist ein enger Kontakt zwischen getrenntlebenden Vätern und ihren Kindern nicht zwangsläufig positiv. So konnte nachgewiesen werden, dass vermehrter Kontakt bei gleichzeitig hohem elterlichem Konflikt zumindest kurzfristig mit erhöhten psychischen Symptomen in Zusammenhang steht (Elam, Sandler, Wolchik & Tein, 2016). Insgesamt zeigt dies, dass der Kontakt zwischen getrenntlebenden Vätern und ihren Kindern sowohl einen Schutzals auch einen Risikofaktor darstellen kann und ein wichtiges Momentum für das psychische Wohlbefinden für Kinder aus Trennungsfamilien darstellt (Fabricius, 2003; Fabricius & Luecken, 2007).

Die unterschiedliche Ausgestaltung von Kontaktarrangements spiegelt die komplexen Lebenswelten von Kindern aus Trennungsfamilien wider, die nur schwer unter einer Kategorie zusammengefasst werden können (Bernardi & Mortelmans, 2018). Um der selektiven Nutzung von Kontaktarrangements bzw. dem komplexen Gefüge der Effekte des Kontakts auf die Kinder vollständig Rechnung zu tragen, ist es von großer Bedeutung, die Prädiktoren des Kontakts in den Blick zu nehmen. Nur durch ein adäquates Verständnis dieser Zusammenhänge lassen sich langfristig familienrechtliche, sozialpolitische aber auch psychosoziale Maßnahmen ableiten, die dabei helfen, der Belastung von Kindern durch eine elterliche Trennung und damit verbundene Kontaktabbrüche bzw. veränderten Kontaktarrangements zu ihren Vätern entgegenzuwirken. Diesbezüglich gibt es umfangreiche empirische Befunde, die vor allem aus dem angelsächsischem Raum stammen (USA, UK, Canada; Köppen, Kreyenfeld & Trappe, 2018). In Europa und Deutschland hingegen gibt es kaum Forschungsarbeiten zu dieser Thematik. Das wirft die Frage auf, inwieweit die Befunde aus dem englischsprachigen Raum auf hiesige, bspw. gesellschaftliche, kulturelle und rechtliche Bedingungen übertragen werden können (Köppen et al., 2018; Seiffge-Krenke, 2016). Um zu einem vertieften Verständnis der selektiven Nutzung von Kontaktarrangements in Deutschland beizutragen, beschäftigt sich die vorliegende Studie daher mit der Frage, welche Faktoren den Kontakt zwischen getrenntlebenden Vätern und ihren Kindern nach einer elterlichen Trennung vorhersagen. Dabei wird bezüglich des Kontakts zwischen zwei Dimensionen, nämlich dem Kontaktabbruch und der Kontakthäufigkeit unterschieden. Seitens der Einflussfaktoren werden einerseits strukturelle, d. h. sozioökonomische, rechtliche und demographische, sowie andererseits intrafamiliale Faktoren, d. h. familienbiographische und familiendynamische Aspekte, beleuchtet.

2 Perspektiven der Scheidungsforschung und Forschungsstand

2.1 Scheidungswaisen, „deadbeat dads“ und der „package deal“

Bis in die 1970er Jahre wurden Kinder aus Trennungsfamilien als sogenannte „Scheidungswaisen“ angesehen, bei denen durch die elterliche Trennung ein Elternteil, zumeist der Vater, wegbrach. Ab den 1970er Jahren wurde diesem verbreiteten Bild das Konzept der „Zwei-Kern-Familie“ entgegengestellt: Das Kind sollte den Bezug zu beiden Haushalten der getrenntlebenden Eltern behalten (Ahrons, 1979). In Deutschland spiegelte sich das Ideal der sogenannten „Zwei-Kern-Familie“ nicht zuletzt in der Einführung des gemeinsamen Sorgerechts im Jahr 1998 wider (Seiffge-Krenke, 2016).

Die Idealvorstellung der gemeinsamen elterlichen Sorge nach einer Trennung schien sich jedoch in der Kontakthäufigkeit zwischen getrenntlebenden Vätern und ihren Kindern in der Realität lange Zeit nicht widerzuspiegeln (Walper, 2016). So zeigen Arbeiten aus den 1990er Jahren, dass sich der Kontakt zwischen außer Haus lebenden Vätern und ihren Kindern über die Zeit häufig stark reduzierte oder ganz abbrach (Nave-Herz & Krüger, 1992). Dies führte zu dem verbreiteten Bild, dass sich Trennungsväter generell nicht an der Erziehung beteiligten sowie abwesend und inkompetent wären („deadbeat dads“; Della Casa & Käppler, 2009; Furstenberg, 1988). Als Erklärung wurde in der Folge die Annahme eines „package deals“ aufgestellt, nach der das Engagement des getrenntlebenden Vaters zum Kind maßgeblich an das Vorhandensein einer Beziehung mit der Kindesmutter geknüpft ist (Furstenberg & Cherlin, 1991).

In letzter Zeit gibt es jedoch vermehrt Hinweise, die auf ein wachsendes Engagement von Trennungsvätern am Leben ihrer Kinder hindeuten (vgl. Walper & Langmeyer, 2019). Beispielsweise belegt eine amerikanische Studie anhand eines Vergleichs von vier bevölkerungsrepräsentative Befragungen, dass der Anteil getrenntlebender Väter, die mindestens einmal wöchentlich Kontakt zu ihren Kindern hatten, zwischen 1976 und 2002 von 18 % auf 31 % anstieg (Amato, Meyers & Emery, 2009). Eine jüngere niederländische Studie (Westphal, Poortman & van der Lippe, 2014) wies zudem anhand eines Vergleichs von vier Scheidungskohorten zwischen 1949 und 1998 nach, dass sowohl der Kontakt tagsüber als auch die Anzahl von Übernachtungen von Kindern bei ihrem nicht im Haushalt lebenden Vater in diesem Zeitraum zunahmen. Die wenigen deutschen Studien zur Ausgestaltung des Kontakts zwischen getrenntlebenden Vätern und ihren Kindern zeigen, dass der Kontakt in 16 % bis 32 % der Trennungsfamilien gänzlich abbricht (Amendt, 2006; Entleitner-Phleps & Langmeyer, 2015; Kalmijn, 2015; Schier & Hubert, 2015; Walper, Entleitner-Phleps & Langmeyer, 2020). In den Trennungsfamilien, in denen der Kontakt zwischen Vater und Kind noch besteht, findet dieser in 30 % bis 57 % der Fälle mindestens einmal in der Woche statt (Amendt, 2006; Entleitner- Phleps & Langmeyer, 2015; Köppen et al., 2018; Schier & Hubert, 2015).

Trotz der vor allem international zahlreichen Studien zum Kontakt zwischen getrenntlebenden Vätern und ihren Kindern zeigt sich, dass bisherige Arbeiten die zwei Dimensionen Kontaktabbruch und Kontakthäufigkeit häufig in einer Variable zusammengefasst und nicht differenziert untersucht haben (bspw. Amato et al., 2009; Juby, Billette, Laplante & Le Bourdais, 2007; Nepomnyaschy, 2007; Köppen et al., 2018; Schier & Hubert, 2015). Dies birgt die Gefahr, dass differentielle Mechanismen, die nicht mit beiden Dimensionen in Zusammenhang stehen, verwischt werden. So würde ein Vergleich zwischen Vätern mit und jenen ohne Kontakt wichtige Hinweise zu möglichen Prädiktoren des Kontaktabbruchs hervorbringen. Ob diese Erkenntnisse jedoch ohne weiteres auf die Kontakthäufigkeit innerhalb der Gruppe der Väter, die noch Kontakt zu ihren Kindern haben, übertragen werden könnten, wurde in bisherigen Arbeiten wenig bis gar nicht untersucht.

2.2 Prädiktoren des Kontakts zwischen getrenntlebenden Vätern und ihren Kindern

In der Forschungsliteratur werden vor allem zwei Kategorien von Faktoren diskutiert, die mit dem Kontakt zwischen getrenntlebenden Vätern und ihren Kindern zusammenhängen bzw. diesen erklären. Dabei handelt es sich einerseits um strukturelle Faktoren, zu denen insbesondere sozioökonomische, rechtliche und demographische Aspekte zählen, und andererseits um intrafamiliale Faktoren, die neben familienbiografischen Aspekten vor allem die Beziehung zwischen den Eltern betreffen. Hinsichtlich der strukturellen Faktoren wurde beispielsweise nachgewiesen, dass Väter, die Unterhalt zahlen (Amendt, 2006; Juby et al., 2007; Nepomnyaschy, 2007; Peters, Argys, Howard & Butler, 2004), und jene, die sich das Sorgerecht für das Kind mit der Mutter teilen, häufiger Kontakt zu ihren Kindern haben (Amendt, 2006; Köppen et al., 2018; Schier & Hubert, 2015; Seltzer, 1998). Sind hingegen viele Jahre seit der Trennung vergangen, so sind Kontaktabbrüche wahrscheinlicher (Haux, Platt & Rosenberg, 2015). Zudem wirkt sich eine höhere wohnräumliche Distanz zwischen getrenntlebenden Vätern und ihren Kindern (Cooksey & Craig, 1998; Manning & Smock, 1999; Schier & Hubert, 2015; Seltzer, Schaeffer & Charng, 1989; Stephens, 1996) sowie eine niedrigeres Einkommen bzw. eine höhere Armutsgefährdung der Väter negativ auf die Kontakthäufigkeit aus (Amendt, 2006; Bradshaw, Skinner, Stimson & Williams, 2002; Simpson, Jessop & McCarthy, 2003). Ferner belegen Studien, dass junge Väter weniger Kontakt zu ihren getrenntlebenden Kindern haben als ältere Väter (Landale & Oropesa, 2001; Manning, Stewart & Smock, 2003). Überdies haben Kinder von besser gebildeten Eltern häufiger mit den nicht im Haushalt lebenden Vätern Kontakt (Cooksey & Craig, 1998; Köppen et al., 2018). Darüber hinaus finden sich in der Literatur inkonsistente Befunde zum Zusammenhang zwischen den Merkmalen des Kindes und dem Kontakt zum Vater. Während der Vater-Kind-Kontakt mit steigendem Kindesalter in einigen Studien zunimmt (Manning et al., 2003; Seltzer, 1991), nimmt er in anderen Studien ab (Guzzo, 2009). Gleichzeitig gibt es Hinweise, dass es sich dabei um eine nicht-lineare Beziehung zwischen dem Kindesalter und dem Kontakt handelt, die zwischen verschiedenen Entwicklungsperioden schwanken könnte (Le Bourdais, Juby & Marcil- Gratton, 2002). Das Geschlecht des Kindes erwies sich zudem in einigen Studien als unbedeutend in Bezug auf den Kontakt zum getrenntlebenden Vater (Amato et al., 2009; Le Bourdais et al., 2002; Manning et al., 2003). Andere Studien zeigen jedoch, dass Väter seltener Kontakt zu Mädchen haben und diese weniger beim Vater übernachteten als Jungen (Bastaits, Ponnet, van Peer & Mortelmans, 2015; Grätz, 2017; Kalmijn, 2015; King, Harris & Heard, 2004).

Hinsichtlich der intrafamilialen Faktoren zeigen Studien, dass Väter, die vor der Trennung mit der Kindsmutter verheiratet waren, wahrscheinlicher den Kontakt zu ihren Kindern aufrecht halten (Aquilino, 2006; Cooksey & Craig, 1998). Führten die Eltern bei Geburt des Kindes eine Living-Apart-Together-Beziehung bzw. gab es keine feste Partnerschaft, so ist weniger Kontakt wahrscheinlich (Guzzo 2009). Zudem belegen Studien, dass der Kontakt mit zunehmender Zeit seit der elterlichen Trennung abnimmt (Seltzer, 1991). Außerdem konnte nachgewiesen werden, dass getrenntlebende Väter weniger Kontakt zu ihren Kindern haben, wenn die Mutter des Kindes einen neuen Partner hat (Juby et al., 2007; Landale & Oropesa, 2001). Eine neue Partnerschaft des Vaters erhöhte ebenfalls die Wahrscheinlichkeit eines Kontaktabbruchs zum Kind (Stewart, 2010). Juby und Kollegen (2007) konnten jedoch zeigen, dass dies nur der Fall ist, wenn die neue Partnerschaft relativ zeitnah zur Trennung eingegangen worden ist. Auch die Beziehungsqualität getrenntlebender Eltern sowie deren Zusammenarbeit in der Erziehung, das sogenannte Coparenting (Feinberg, 2003), scheint den Vater- Kind Kontakt zu beeinflussen (Carlson, McLanahan & Brooks-Gunn, 2008; Walper & Langmeyer, 2019). So stehen anhaltende elterliche Konflikte und eine mangelnde Kooperation in der Erziehung mit einer verringerten Kontakthäufigkeit der Väter zu den Kindern in Zusammenhang (Dunn, 2004; Dunn, Cheng, O‘connor & Bridges, 2004; Whiteside & Becker, 2000). Beispielsweise kann eine englische Studie aufzeigen, dass Väter, die die Mütter stärker in der Erziehung unterstützten, auch mehr Kontakt zu ihren Kindern hatten (Dunn, Cheng, O‘Connor & Bridges, 2004).

otz dieser vermeintlich breiten internationalen Befundlage basieren Studien, die den Zusammenhang von strukturellen Aspekten und dem Kontakt in Trennungsfamilien untersucht haben, häufig auf bevölkerungsrepräsentativen Erhebungen, die selten auch Daten zu intrafamilialen Aspekten erheben. Im Gegensatz dazu weisen jene Arbeiten, die intrafamiliale Faktoren in Trennungsfamilien erheben, häufig kleine Stichproben auf, deren Generalisierbarkeit eingeschränkt sein könnte. Darüber hinaus lassen sich bisher wenig Studien identifizieren, die sowohl umfangreiche strukturelle als auch intrafamiliale Faktoren und deren Zusammenhang mit dem Kontakt gemeinsam untersucht haben. Folglich mangelt es bislang an empirischer Evidenz - vor allem in Deutschland - ob oder welche der beiden Dimensionen einen stärkeren Einfluss auf den Kontakt zwischen getrenntlebenden Vätern und ihren Kindern hat.

2.3 Ziele und Hypothesen der vorliegenden Studie

Angesichts der oben skizzierten Forschungslücken verfolgt die vorliegende Studie das Ziel, strukturelle sowie intrafamiliale Prädiktoren zu identifizieren, die (1) den Kontaktabbruch und (2) die Kontakthäufigkeit getrenntlebender Väter und ihrer Kinder nach einer elterlichen Trennung erklären. Auf Basis bisheriger Arbeiten wird davon ausgegangen, dass unter den strukturellen Faktoren kei ne Armutsgefährdung, ein gemeinsames Sorgerecht, Unterhaltszahlungen, eine geringere Wohnortentfernung, ein geringeres Alter des Kindes und eine höhere Bildung der Eltern mit einem verminderten Risiko eines Kontaktabbruchs sowie einer erhöhten Kontakthäufigkeit in Zusammenhang stehen. Zudem wird erwartet, dass sich keine Assoziation zwischen dem Geschlecht des Kindes und einem Kontaktabbruch zeigt. Für die Kontakthäufigkeit hingegen wird erwartet, dass getrenntlebende Väter zu Söhnen häufiger Kontakt haben, als zu Töchtern. Bezüglich der intrafamilialen Faktoren wird davon ausgegangen, dass eine kürzere Zeit seit Trennung und eine längere Dauer der elterlichen Partnerschaft sowie eine vormalige elterliche Heirat mit einem niedrigeren Risiko eines Kontaktabbruchs und einer höheren Kontakthäufigkeit assoziiert sind. Zudem wird angenommen, dass eine neue Partnerschaft der Eltern mit einem erhöhten Risiko eines Kontaktabbruchs und einer verminderten Kontakthäufigkeit in Zusammenhang stehen. Zusätzlich dazu wird vermutet, dass ein positiveres Coparenting und eine bessere Beziehungsqualität zwischen dem getrenntlebenden Vater und der Mutter sowie dem Kind mit einer erhöhten Kontakthäufigkeit einhergehen.

3 Methode

3.1 Daten und Stichprobe

Die vorliegenden Analysen basieren auf Daten der DJI-Alleinerziehendenstudie, welche als Zusatzuntersuchung zur DJI-Kinderbetreuungsstudie U-15 (KiBS, Alt et al., 2017) durch das Deutsche Jugendinstitut e.V. im Jahr 2016 durchgeführt wurde. Für die Zusatzuntersuchung wurden aus insgesamt 35.068 Familien mit Kindern im Alter von 0 bis unter 15 Jahren aus KiBS 2.004 Bezugspersonen identifiziert, die angegeben hatten, vom anderen Elternteil getrennt und ohne Partner im Haushalt zu leben. Von diesen wurden 1.376 Personen für die Teilnahme an der Zusatzuntersuchung gewonnen und per Fragebogen zu verschiedenen Aspekten der Lebenswelt Alleinerziehender befragt. Somit betrug die Ausschöp- fungsquote 68.7 %. Da sich diese Arbeit auf den Kontakt zwischen Kindern und ihren getrenntlebenden Vätern bezieht, wurden die Angaben alleinerziehender Väter aus den Analysen ausgeschlossen (n=116). Die endgültige Stichprobe umfasste somit 1.261 alleinerziehende Mütter. Eine detaillierte Stichprobenbeschreibung liefert Tabelle 1.

Tabelle 1: Soziodemografische und familiale Charakteristika der Stichprobe

3.2 Instrumente

Der für diese Studie eigens entwickelte Fragebogen bestand aus 158 Fragen zu 15 verschiedene Themenbereichen. Für die vorliegende Fragestellung wurden Angaben aus der vorherigen KiBS-Befragung und der Zusatzuntersuchung der Alleinerziehendenstudie zusammengeführt. Angaben zu Kontaktabbruch und -häufigkeit, der Sorgerechtsregelung, Unterhaltszahlungen, Wohnortentfernung, Verheiratungsstatus, Beziehungsdauer vor der Trennung, Zeit seit Trennung, neuer Partnerschaft der Mutter und des Vaters, zur aktuellen Beziehungsqualität zwischen den getrennten Eltern sowie zwischen dem Kind und dem getrenntlebenden Vater, zum Coparenting und zum Bildungsniveau des Vaters stammen aus der Zusatzbefragung. Angaben zum Armutsrisiko, Geschlecht und Alter des Kindes, Alter der Mutter und des Vaters sowie Bildungsniveau der Mutter entstammen der KiBS-Studie.

Kontaktabbruch und Kontakthäufigkeit

Die Angaben zum Kontaktabbruch und der Kontakthäufigkeit zwischen Kind und getrenntlebendem Vater wurden im Kontext anderer Kontakt-Fragestellungen mit folgender Frage erhoben: „Und wie häufig hat [NAME KIND] insgesamt Kontakt mit [NAME]/dem anderen leiblichen Elternteil von [NAME KIND], egal ob persönlich, telefonisch oder auf anderem Wege?“. Den Müttern standen folgenden Antwortkategorien zur Verfügung: 1 = täglich, 2 = mehrmals pro Woche, 3 = 1-2 mal pro Woche, 4 = 1-2 mal pro Monat, 5 = seltener, 6 = nie. Für die nachfolgenden Analysen wurde daraus einerseits die Variable Kontaktabbruch (0 = nein, 1 = ja und andererseits die Variable Kontakthäufigkeit (5 = täglich, 4 = mehrmals pro Woche, 3 = 1-2 mal pro Woche, 2 = 1-2 mal pro Monat, 1 = seltener) gebildet. Fälle ohne Kontakt wurden aus den Analysen zur Kontakthäufigkeit ausgeschlossen.

Strukturelle Faktoren

Das Armutsrisiko wurde über das nach den Bedürfnissen der Haushalte gewichteten Pro-Kopf-Nettoeinkommen (Indexierung nach Haushaltszusammensetzung gemäß der neuen OECD-Skala) ermittelt. Der Schwellenwert für das Armutsrisiko wurde von der EU auf 60 % des medianen bedürfnisbereinigten Äquivalenzeinkommens des jeweiligen Landes festgelegt. Unter Verwendung dieses Schwellenwertes für Deutschland im Jahr 2016 wurde die vorliegende Stichprobe anhand der Angabe zum monatlichen Haushaltsnettoeinkommen und dem Alter der Haushaltsmitglieder in zwei Gruppen aufgeteilt (0=über der Armutsgrenze, 1=unter der Armutsgrenze).

Das gemeinsame Sorgerecht wurde mit der Frage „Wie ist das Sorgerecht für [NAME KIND] geregelt?“ und einem 4-stufige Antwortformat (1= Gemeinsames Sorgerecht mit [NAME VATER]/dem anderen leiblichen Elternteil von [NAME KIND], 2 = Alleiniges Sorgerecht liegt bei der Mutter, 3 = Alleiniges Sorgerecht liegt beim Vater, 4 = Alleiniges Sorgerecht bei einer anderen Person) erhoben. Für die vorliegenden Analysen wurde die Variable dichotomisiert (0 = nein, 1 = ja). Die Angaben zu Unterhaltszahlungen für das Kind erfolgten mit dem dichotomen Item „Wird der Unterhalt in voller Höhe gezahlt?“ und den Antwortmöglichkeiten „ja“ (1) und „nein“ (0).

Die Wohnortentfernung zum getrenntlebenden Elternteil wurde durch die Frage „Wie weit entfernt wohnt [NAME VATER] von Ihnen?“ ermittelt. Die Mütter konnten dabei zwischen fünf Antwortkategorien wählen: 1 = im selben Haus, in derselben Nachbarschaft, 2 = im selben Ort, aber mehr als 15 Minuten entfernt, 3 = im anderen Ort, aber weniger als eine Stunde entfernt, 4 = weiter entfernt, aber in Deutschland, 5 = weiter entfernt, in einem anderen Land.

Das Geschlecht des Kindes ging dichotom in die Analysen ein (1 = männlich, 2 = weiblich). Sowohl das Alter des Kindes als auch das Alter der Mutter und des Vaters wurden in Jahren erfasst.

Das schulische Bildungsniveau der Mutter und des Vaters wurde über die Ausprägungen 1 = Grundbildung (kein Schulabschluss/Hauptschulabschluss oder sonstige Schulabschlüsse); 2 = Mittlere Reife; 3 = Abitur erfasst.

Intrafamiliale Faktoren

Ob die Eltern vor ihrer Trennung miteinander verheiratet waren, wurde mit der Frage „Waren Sie jemals mit [NAME VATER]/dem anderen leiblichen Elternteil von [NAME KIND] verheiratet?“ (0 = nein, 1 = ja) erhoben.

Die Dauer der Beziehung vor der Trennung wurde anhand von zwei Fragen zum Jahr des Beginns und des Endes der Partnerschaft erfasst. Aus dem Jahr des Endes der Partnerschaft und dem Befragungszeitpunkt wurde zudem die Variable Zeit seit Trennung gebildet.

Außerdem gaben die Mütter an, ob sie (neue Partnerschaft der Mutter) oder der Vater (neue Partnerschaft Vater) sich zum Zeitpunkt der Befragung in einer neuen Partnerschaft befanden (0 = keine Partner, 1 = neuer Partner). Zu beachten ist, dass bei den Analysen lediglich Mütter eingeschlossen wurden, die sich in einer sogenannten Living-Apart-Together-Partnerschaft befanden, deren Partner also nicht im selben Haushalt lebten. Da die befragten Mütter oftmals nicht angeben konnten, ob der Vater in einer neuen Partnerschaft lebt, wurde für ausgewählte Analysen eine weitere Kategorie (2 = keine Angabe) aufgenommen.

Die Fragen zur Qualität des Coparenting der getrennten Eltern beschränkten sich ebenfalls auf Eltern, die Kontakt zueinander hatten, da ein Minimum an Austausch zwischen beiden Elternteilen für die Zusammenarbeit in der Erziehung erforderlich ist. Die verwendeten Fragen basieren auf der deutschen Version der Parent Problem Checklist (Dadds & Powell, 1991). Dabei wurden drei Dimensionen des Coparenting gemessen: Kooperation (2 Item-Skala, Cronbachs α = 0.83, z. B. „Wir sind als Eltern ein gutes Team“), Triangulation und Untergrabung (4 Item-Skala, Cronbachs α = .85, z. B. „Wir fallen uns gegenseitig in den Rücken“) sowie Konflikt und Differenzen (3 Item-Skala, Cronbachs α = .78, z. B. „Diskussionen über die Erziehung der Kinder enden häufig im Streit“).

Die aktuelle Beziehungsqualität zwischen der Mutter und dem getrenntlebenden Vater wurde mit der Frage „Wie gut verstehen Sie sich selbst mit [NAME Vater]/ dem anderen leiblichen Elternteil von [NAME KIND]?“ und einer 6-stufigen Likert-Skala (1 = sehr gut, 6 = überhaupt nicht gut) erhoben, sofern der Kontakt zwischen den Eltern nicht abgebrochen war. Analog dazu stuften die Mütter auch die Beziehungsqualität zwischen dem Kind und dem getrenntlebenden Elternteil ein, wenn diese, Kontakt hatten: „Wie gut versteht sich [NAME KIND] mit [NAME VATER]/dem anderen leiblichen Elternteil von [NAME KIND]?“ (1 = sehr gut, 6 = überhaupt nicht gut).

3.3 Analytisches Vorgehen

Die Überprüfung der Hypothesen erfolgt in drei Schritten. Im ersten Schritt wird die Verteilung der Variablen Kontaktabbruch und Kontakthäufigkeit deskriptiv dargestellt.

Im zweiten Schritt werden die verschiedenen strukturellen bzw. intrafamilialen Faktoren hinsichtlich des möglichen Zusammenhangs mit (1) dem Kontaktabbruch mit Hilfe von χ² -Tests und (2) der Kontakthäufigkeit anhand des Spearman’schen Rangkorrelationskoeffizienten bivariat analysiert. Zur Untersuchung der Determinanten des Kontaktabbruchs werden alle oben beschriebenen strukturellen Faktoren berücksichtigt sowie unter den intrafamilialen Faktoren die Variablen Verheiratet vor Trennung, Dauer der Beziehung, neue Partnerschaft der Mutter und neue Partnerschaft des Vaters. Die metrischen Variablen werden dafür per Mediansplit in dichotome Variablen transformiert. Die Angaben zu Beziehungsqualitäten und zum Coparenting als Prädiktoren können bei den bivariaten Analysen zum Kontaktabbruch nicht berücksichtigt werden, da diese Informationen nur für die Alleinerziehendenfamilien verfügbar waren, die angegeben hatten, mit dem getrenntlebenden Vater im Kontakt zu stehen. Um Zusammenhänge der strukturellen und intrafamilialen Faktoren mit der Kontakthäufigkeit zu untersuchen, wird die Stichprobe auf diejenigen Mütter reduziert, die angaben, dass das Kind Kontakt zum getrenntlebenden Vater hat. Darüber hinaus werden bei der Berechnung der Rangkorrelation nach Spearman alle der oben genannten unabhängigen Variablen berücksichtigt.

Die multivariaten Analysen überprüfen, ob sich die potentiellen bivariaten Assoziationen auch unter Kontrolle anderer unabhängiger Variablen zeigen. Aus diesem Grund werden die im zweiten Schritt analysierten Faktoren im dritten Schritt hinsichtlich ihres Zusammenhangs mit (1) dem Kontaktabbruch mit Hilfe einer binär logistischen Regression (Modell 1) und (2) der Kontakthäufigkeit mit Hilfe von zwei ordinal logistischen Regression (Modelle 2 und 3) untersucht. In die erste ordinal logistische Regression werden für einen Vergleich mit Modell 1 zum Kontaktabbruch dieselben Faktoren aufgenommen. Um auch die Variablen zu berücksichtigen, die lediglich in Familien mit Kontakt eine Rolle spielen (Copa renting und Beziehungsqualität zwischen Mutter, Vater und Kind), werden diese schließlich in das zweite ordinal logistische Regressionsmodell aufgenommen. Alle Analysen wurden mit dem Statistikprogramm R (R Core Team, 2019; Version 1.2.1335) durchgeführt.

4 Ergebnisse

4.1 Univariate und bivariate Analysen

Die Analysen zeigen, dass lediglich 15,0 % der Väter den Kontakt zu ihren getrenntlebenden Kindern abbrachen oder dieser Kontakt nie bestand. Die Mehrheit der Mütter (85,0 %) berichtet von Kontakten zwischen dem getrenntlebenden Vater und dem Kind. Dieser findet zumeist 1-2 mal pro Woche (29,7 %) oder mehrmals pro Woche (27,9 %) statt. 15,6 % der Mütter geben an, dass Kind und Vater täglich Kontakt haben und lediglich 17,5 % 1-2 mal pro Monat bzw. 9,4 % seltener.

Kontaktabbruch

Die bivariaten Analysen zum Kontaktabbruch belegen, dass nahezu alle Faktoren damit in Zusammenhang stehen (vgl. Tabelle 2). Lediglich das Geschlecht des Kindes und eine neue Partnerschaft der Mutter sind nicht relevant für den Kontaktabbruch zwischen getrenntlebenden Vätern und ihren Kindern. Abbildung 1 verdeutlich, dass in Bezug auf die strukturellen Faktoren vor allem eine niedrigere Wohnortentfernung und Unterhaltszahlungen mit einem verminderten Risiko eines Kontaktabbruchs verknüpft sind. Bei den intrafamilialen Faktoren steht vor allem die Zeit seit der Trennung sowie eine neue Partnerschaft des Vaters mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit in Zusammenhang, dass der Kontakt zwischen getrenntlebenden Vätern und ihren Kindern abbricht.

Abbildung 1: Bivariate Zusammenhänge zwischen strukturellen und intrafamilialen Faktoren und dem Kontaktabbruch von getrenntlebenden Vätern und ihren Kindern aus Trennungsfamilien (Odds Ratios und 95 %ige Konfidenzintervalle)

Tabelle 2: Bivariate Zusammenhänge struktureller und intrafamilialer Faktoren mit dem Kontaktabbruch zwischen getrenntlebenden Vätern und ihren Kindern aus Trennungsfamilien

Kontakthäufigkeit

Die bivariaten Analysen zur Kontakthäufigkeit ergeben ein differenzierteres Bild. Zwar steht auch hier die Mehrzahl struktureller Faktoren mit der Kontakthäufigkeit in Zusammenhang, jedoch sind Armutsgefährdung, Alter und Geschlecht des Kindes sowie mütterliche Bildung nicht damit assoziiert (siehe Tabelle 3).

Tabelle 3: Bivariate Zusammenhänge struktureller und intrafamilialer Faktoren mit der Kontakthäufigkeit getrenntlebender Väter und ihrer Kinder aus Trennungsfamilien

Während für den Kontaktabbruch eine Eheschließung vor der Trennung bedeutsam war, scheint dies für die Kontakthäufigkeit unbedeutend zu sein. Neben einer neuen Partnerschaft des Vaters kommt bei den intrafamilialen Faktoren insbesondere den Beziehungsqualitäten zwischen den Eltern, aber auch zum Kind sowie der Kooperation der Eltern in der Erziehung die stärkste Bedeutung zu. Dabei stehen positivere Beziehungen und eine positives Coparenting in Form von Kooperation mit einer vermehrten Kontakthäufigkeit in Zusammenhang.

Tabelle 4: Ergebnisse der multivariaten Analysen zu den strukturellen sowie intrafamilialen Einflussfaktoren auf den Kontaktabbruch (0= Kontakt vorhanden; 1 = Kontraktbruch) und die Kontakthäufigkeit (1 = seltener; 2 = 1-2 mal pro Monat, 3 = 1-2 mal pro Woche, 4 = mehrmals pro Woche, 5 = täglich) getrenntlebender Väter und ihrer Kinder aus Trennungsfamilien

4.2 Multivariate Ergebnisse

Blickt man auf die multivariaten Analysen, fällt auf, dass im Vergleich zu den bivariaten Analysen die Stichprobengröße deutlich reduziert ist. Dies ist auf die Summe der fehlenden Werte bei den unabhängigen Variablen und dem daraus resultierenden listenweisen Ausschluss aus den Analysen zurückzuführen. Die Ergebnisse zum Kontaktabbruch zeigen, dass unter Kontrolle der jeweils anderen Faktoren ein Großteil der bivariat signifikanten Effekte verschwinden. Bei den strukturellen Faktoren zeigt sich, dass ein gemeinsames Sorgerecht sowie tendenziell keine Armutsgefährdung und laufende Unterhaltszahlungen unter Kontrolle aller anderen Faktoren mit einem verminderten Risiko eines Kontaktabbruchs assoziiert sind.

Unter den intrafamilialen Faktoren zeigt sich eine vormalige elterliche Heirat sowie eine neue Partnerschaft des Vaters unter statistischer Kontrolle aller anderen Variablen mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit eines Kontaktabbruchs assoziiert. Zudem steht die Zeit seit Trennung tendenziell in negativem Zusammenhang mit einem Kontaktabbruch (siehe Tabelle 4).

Bei den ordinal-logistischen Regressionen zur Kontakthäufigkeit ergibt sich ein ähnliches Bild: Sowohl in Modell 2 als auch in Modell 3 steht bei den strukturellen Faktoren lediglich die Wohnortentfernung mit einer höheren Kontakthäufig keit in Zusammenhang. Hierbei scheint es weniger relevant zu sein, wie weit der Vater entfernt wohnt. Bereits ein Umzug innerhalb des gleichen Ortes geht mit weniger Kontakt einher als wenn er im gleichen Haus oder in der Nachbarschaft wohnt. In Modell 2 ergibt sich zudem ein Effekt der Bildung des Vaters: Väter mit Abitur haben häufiger Kontakt zu ihren Kindern als Väter mit anderen Schulabschlüssen. Dieser Effekt ist jedoch gegenüber der Hinzunahme der Variablen zur Qualität der Beziehungen in der Familie und zum Coparenting nicht robust. Alle anderen zuvor bivariat signifikanten Zusammenhänge der strukturellen Faktoren zeigen sich multivariat ebenfalls nicht robust. Interessanterweise geht in Modell 3 das Alter des Kindes mit einer erhöhten Kontakthäufigkeit einher, was sich bivariat nicht zeigte.

Seitens der intrafamilialen Faktoren zeigt sich in Modell 2 eine neue Partnerschaft des Vaters sowie längere Zeit seit Trennung als ausschlaggebend für weniger Kontakt zwischen Vater und Kind. Diese beiden Effekte verschwinden jedoch in Modell 3, in welchem die Daten darauf hindeuten, dass vielmehr ein gutes Verhältnis zwischen dem getrenntlebenden Vater und dem Kind mit einer erhöhten Kontaktfrequenz in Zusammenhang steht. Ferner sind sowohl ein kooperatives als auch ein von Differenzen geprägtes Coparenting mit einer erhöhten Kontakthäufigkeit verknüpft, wobei sich auch hier letzterer Effekt bivariat nicht zeigte (siehe Tabelle 4).

5 Diskussion

Ziel der vorliegenden Studie ist es, strukturelle sowie intrafamiliale Prädiktoren zu identifizieren, die (1) den Kontaktabbruch und (2) die Kontakthäufigkeit zwischen getrenntlebenden Vätern und ihren Kindern nach einer elterlichen Trennung vorhersagen. Die Befunde belegen, dass die überwiegende Mehrheit der Väter (85 %) den Kontakt zu ihren Kindern aufrecht hielt und häufig Kontakt hatte. Darüber hinaus zeigte sich, dass ein alleiniges Sorgerecht, keine vormalige elterliche Heirat sowie eine neue Partnerschaft des Vaters mit einem erhöhten Risiko eines Kontaktabbruchs zusammenhingen. Eine vermehrte Kontakthäufigkeit war hingegen mit einer geringeren Wohnentfernung, einem höheren Kindesalter, einer besseren Vater-Kind-Beziehung sowie kooperativem aber auch konflikthafterem Coparenting assoziiert.

5.1 Aktuelle Zahlen zum Kontakt zwischen getrenntlebenden Vätern und ihren Kindern in Deutschland

Der Befund, dass der Großteil getrenntlebender Väter den Kontakt zu ihren Kindern nicht abbricht entspricht vor allem neueren, bevölkerungsrepräsentativen deutschen Arbeiten und weist auf eine höhere Beteiligung der Väter im Vergleich zu älteren deutschen Studien hin (Amendt, 2006; Entleitner-Phleps & Langmeyer, 2015; Schier & Hubert, 2015). Dies könnte darauf zurückzuführen sein, dass auch in Deutschland eines stärkeres Engagement getrenntlebender Väter zu beobachten ist und diese nicht (mehr) als „deadbeat dads“ (Della Casa & Käppler, 2009; Furstenberg, 1988) angesehen werden sollten bzw. das Konzept des „package deals“ (Furstenberg & Cherlin, 1991) möglicherweise überholt ist. Zu beachten ist jedoch, dass in der vorliegenden Studie die Variable zum Kontakt auch nicht persönliche Kontakte umfasst. So könnte der relativ hohe Anteil an Vätern mit sehr häufigem Kontakt auch durch gelegentlichen Austausch per SMS oder Whatsapp erklärt werden.

5.2 Strukturelle Prädiktoren des Kontaktabbruchs und der Kontakthäufigkeit

Als Erklärung für den ebenfalls in anderen Studien gefundenen Zusammenhang zwischen der Sorgerechtsregelung und dem Kontakt (u. a. Köppen et al., 2018; Schier & Hubert, 2015) argumentieren Köppen und Kolleginnen (2018), dass das gesetzliche Recht am Leben der Kinder teilzuhaben die väterliche Identität stärkt und somit förderlich für den Vater-Kind Kontakt ist. Dementsprechend konnten sie zeigen, dass der Effekt des Sorgerechts unabhängig von der Familienform vor der Trennung ist, also auch für Väter gilt, die niemals mit ihren Kindern zusammengewohnt haben. Warum dieser Zusammenhang in der vorliegenden Studie unter Kontrolle aller anderen Prädiktoren lediglich mit dem Kontaktabbruch, nicht aber mit der Kontakthäufigkeit gefunden wurde, ist nicht eindeutig zu klären. Dies könnte sowohl auf unterschiedliche Kontaktmaße in anderen Studien als auch auf die fehlende Kontrolle intrafamilialer Variablen zurückzuführen sein.

Die vielfach nachgewiesene Beziehung zwischen Unterhaltszahlungen und dem Kontakt (u. a. Juby et al., 2007; Nepomnyaschy, 2007) kann bivariat und zumindest tendenziell unter Kontrolle anderer potentieller Einflussfaktoren hinsichtlich des Kontaktabbruchs nachgewiesen werden. Kein Zusammenhang ergibt sich jedoch mit der Kontakthäufigkeit. Dies ähnelt den Befunden von Köppen und Kolleginnen (2018), die ebenfalls zwar bivariat einen Zusammenhang nachwiesen, welcher sich unter Kontrolle anderer Variablen jedoch nicht robust zeigte. Möglicherweise ist dieser fehlende Effekt auf Unterschiede im Deutschen Rechtssystem im Vergleich zu anderen Ländern zurückzuführen (Köppen et al., 2018).

Die Assoziation zwischen der Wohnentfernung und der Kontakthäufigkeit entspricht ebenfalls den Befunden sowohl internationaler als auch deutscher Studien (Cooksey & Craig, 1998; Manning & Smock, 1999; Schier & Hubert, 2015; Seltzer et al., 1989; Stephens, 1996). Als eine mögliche Erklärung dafür wird diskutiert, dass ein Umzug zusätzliche zeitliche und monetäre Ressourcen für ein gleichbleibendes väterliches Engagement erforderlich machen, was die Häufigkeit des Kontakts zwischen dem getrenntlebenden Vater und seinem Kind verringern könnte (Cheadle, Amato & King, 2010). Interessanterweise zeigt sich diese Assoziation nicht für den Kontaktabbruch. Dies könnte auf das generell gestiegene Maß an väterlicher Involviertheit sowie bessere technische Möglichkeiten zurückzuführen sein, die ein Mindestmaß an niedrigschwelligem Kontakt - vor allem im Vergleich zu früher - deutlich vereinfacht.

Ferner entspricht auch der in Modell 2 aufgezeigte Zusammenhang zwischen dem Alter des Kindes und der Kontakthäufigkeit den Befunden bisheriger Studien (Manning et al., 2003; Seltzer, 1991). Begründet werden könnte dies damit, dass Väter, deren Kinder älter sind, tendenziell länger mit ihnen zusammengelebt und dadurch eine engere emotionale Verbindung aufgebaut zu haben (Cheadle et al., 2010). Allerdings deckt die hier untersuchte Stichprobe nicht das gesamte Altersspektrum der Kindheit ab, da sie keine Familien mit Kindern über 14 Jahre beinhaltet. Entsprechend kann nicht ausgeschlossen werden, dass es sich bei dieser Assoziation um keinen linearen sondern einen umgekehrt u-förmigen Zusammenhang zwischen dem Kindesalter und der Kontakthäufigkeit handelt (Le Bourdais et al., 2002). Auch hier könnte die nicht gefundene Beziehung zwischen Kindesalter und Kontaktabbruch auf das hohe Maß an zumindest niedrigschwelligen Kontakt zurückzuführen sein.

Die bivariat und zumindest im Trend auch unter Kontrolle aller anderen Faktoren gefundene Beziehung zwischen der Armutsgefährdung und dem Kontaktabbruch ist im Einklang mit bisherigen Studien (Amendt, 2006; Bradshaw et al., 2002; Simpson et al., 2003). Erklärt werden könnte dies dadurch, dass finanzielle Schwierigkeiten alleinerziehender Mütter häufig mit weitreichendere, bspw. psychisches Belastungen, einhergehen (Hope, Power & Rodgers, 1999). Dies könnte erhöhte Anforderungen an das Funktionsniveau sowohl der Mütter als auch der Väter stellen, geeignete Voraussetzungen für anhaltenden Kontakt zu schaffen, was möglicherweise die Wahrscheinlichkeit eines Kontaktabbruchs durch beide Seiten erhöht.

Insgesamt deuten die Ergebnisse, dass ein Kontaktabbruch mit der Sorgerechtsregelung sowie zumindest im Trendbereich mit Unterhaltszahlungen und der Armutsgefährdung des Kindes, die Kontakthäufigkeit aber mit der Wohnentfernung und dem Kindesalter assoziiert sind, darauf hin, dass beide Kontaktdimensionen durch unterschiedliche strukturelle Faktoren beeinflusst sind.

5.3 Intrafamiliale Prädiktoren des Kontaktabbruchs und der Kontakthäufigkeit

Der Zusammenhang zwischen einer vormaligen elterlichen Heirat und der verminderten Wahrscheinlichkeit eines Kontaktabbruchs ist ebenfalls im Einklang mit bisherigen Studien (Aquilino, 2006; Cooksey & Craig, 1998). Erklärt wird dies damit, dass Beziehungen verheirateter Paare stabiler sind als jene von nicht verheirateten Paaren. Dadurch leben verheiratete Väter durchschnittlich länger mit ihren Kindern zusammen und bauen eine stärkere emotionale Beziehung zu ihnen auf, was einen späteren Kontaktabbruch unwahrscheinlicher macht. Dies ist ebenfalls im Einklang mit der gefundenen Assoziation zwischen der Beziehungsdauer und dem Kontaktabbruch. So könnte eine längere elterliche Beziehungsdauer das Annehmen und Ausüben einer Vaterrolle begünstigen, was eben falls einen Kontaktabbruch unwahrscheinlicher machen könnte (Furstenberg & Cherlin, 1991).

Der Befund, dass eine neue Partnerschaft des getrenntlebenden Vaters das Risiko eines Kontaktabbruchs erhöht, unterstreicht vor allem die Ergebnisse bisheriger internationaler Studien (Juby et al., 2007). Potentiell könnte dieser Zusammenhang dadurch erklärt werden, dass Väter nur ein bestimmtes Zeitkontingent für emotionale Beziehungen haben. Dieses könnte durch eine neue Partnerschaft so sehr beansprucht werden, dass der daraus resultierende Mangel an Zeitressourcen wahrscheinlicher zu einem Kontaktabbruch führt (Cooksey & Craig, 1998). Hierzu passt auch der Befund, dass in Modell 2 eine neue Partnerschaft des Vaters in Zusammenhang mit der Kontakthäufigkeit steht. Interessanterweise zeigt sich, dass unter Berücksichtigung familiendynamischer Faktoren (Modell 3) dieser Effekt ausbleibt. Gelingt es demnach den Eltern trotz einer neuen Partnerschaft des Vaters eine gute Coparenting-Beziehung zu führen, so leidet auch der Kontakt zwischen Vater und Kind nicht unter dieser neuen Partnerschaft.

Bemerkenswert hinsichtlich des Zusammenhangs von Coparenting und Kontakthäufigkeit ist, dass sowohl positives, kooperatives als auch konflikthaftes Coparenting mit einer erhöhten Kontaktfrequenz verknüpft sind. Bisherige Studien stützen vor allem den Befund zu positiven Effekten eines kooperativen Coparenting (Carlson et al., 2008; Walper & Langmeyer, 2019). Möglicherweise ist die elterliche Kooperation eher als Voraussetzungen für häufigen Kontakt zwischen dem Vater und dem Kind anzusehen, welche in der Folge auch die Wahrscheinlichkeit von Differenzen erhöht. Entsprechende unterschiedliche Wirkrichtungen, die den beobachteten Zusammenhängen zugrunde liegen können, sind jedoch allenfalls längsschnittlich zu ermitteln.

Der bivariate Befund, dass die Beziehungsqualität zwischen dem getrenntlebenden Vater und der Mutter des Kindes mit der Kontakthäufigkeit zusammenhängt, bestätigt ebenfalls die Ergebnisse bisheriger Studien (Dunn et al., 2004; Whiteside & Becker, 2000). Dies wird in der entsprechenden Forschungsliteratur als möglicher Hinweis gesehen, dass für Mütter, die eine konfliktbelastete Beziehung zum Vater des Kindes haben, die Regulierung des Kontaktes ein Mittel darstellt, um dem getrenntlebenden Vater emotionalen Schaden zuzufügen („maternal gatekeeping“; Dunn, 2004). Es muss jedoch beachtet werden, dass sich dieser Effekt multivariat nicht robust zeigte. Hier kristallisiert sich vielmehr heraus, dass die Kontakthäufigkeit durch das Verhältnis zwischen Vater und Kind bestimmt ist, was ebenfalls im Einklang mit bisherigen Studien ist (Dunn et al., 2004; Fabricius, 2003; Fabricius & Luecken, 2007; Whiteside & Becker, 2000). So haben bereits frühere Arbeiten den positiven Zusammenhang zwischen der Qualität und Quantität des Vater-Kind Kontaktes aufgezeigt, wobei dieses stark von der Beziehung der Eltern abhängt (Fabricius, 2003; Fabricius & Luecken, 2007). Entsprechend könnte die Beziehung zwischen getrenntlebenden Vätern und ihren Kindern, welche bisherige Studien oftmals nicht berücksichtigen, den Effekt der elterlichen Beziehung überdeckt haben.

Insgesamt deuten auch hier die jeweiligen Ergebnisse zu Kontaktabbruch und Kontakthäufigkeit darauf hin, dass beide Kontaktdimensionen mit unterschiedlichen intrafamilialen Faktoren zusammenhängen. Während Kontaktabbrüche eher mit möglichen Anzeichen eines geringeren väterlichen Commitments verbunden sind, steht die Kontakthäufigkeit vor allem mit Aspekten der Beziehungsqualität in Zusammenhang.

Hervorzuheben ist auch, dass sich die Mehrzahl der bivariat gefundenen Zusammenhänge der strukturellen sowie intrafamilialen Faktoren sowohl mit dem Kontaktabbruch als auch der Kontakthäufigkeit gegenüber der statistischen Kontrolle aller anderen Faktoren als nicht robust zeigte. Dies könnte darauf hindeuten, dass die bislang in der Literatur gefundenen Zusammenhänge aufgrund der fehlenden statistischen Kontrolle konfundierender Variablen über- bzw. unterschätzt wurden. Unklar ist zwar, ob dieser Umstand durch die verringerte Stichprobengröße der multivariaten im Vergleich zu den bivariaten Analysen und der damit einhergehenden verringerten statistischen Aussagekraft bedingt ist. Allerdings wird die potentielle Erklärung der fehlenden Kontrolle konfundierender Variablen dadurch gestützt, dass sich einige Zusammenhänge (Bildung des Vaters, neue Partnerschaft des Vaters; Zeit seit Trennung) in Modell 2 bei gleicher Stichprobengröße gegenüber der Kontrolle des Coparenting und familialer Beziehungen nicht robust zeigten. Auffällig ist zudem, dass sowohl das Alter des Kindes als auch die Differenzen im Coparenting in den bivariaten Analysen mit der Kontakthäufigkeit zunächst nicht zusammenhingen, unter Kontrolle aller anderen potentiellen Prädiktoren aber schon. Dies könnte ein Hinweis auf Suppressoreffekte sein und unterstreicht die Notwendigkeit, Ergebnisse stets sowohl bivariat als auch multivariat zu berichten. Darüber hinaus sprechen die Befunde dafür, auch in zukünftigen Studien die hier analysierten strukturellen und intrafamilialen Aspekte stets gemeinsam multivariat hinsichtlich des Zusammenhangs mit einem Kontaktabbruch und der Kontakthäufigkeit getrenntlebender Väter und ihrer Kinder aus Trennungsfamilien zu analysieren.

5.4 Limitationen

Die vorliegende Studie weist einige Limitationen auf. Erstens basieren die Daten lediglich auf den Angaben und damit der Perspektive der Mutter. Entsprechend sind die gefundenen Zusammenhänge möglicherweise durch die subjektive Sichtweise der Mutter verzerrt. Zukünftige Studien sollten daher versuchen, die Auskünfte der Mutter mit denen des Vaters und des Kindes, beispielsweise unter Verwendung eines Multi-Informantenansatzes (Kraemer et al., 2003), zu kombinieren.

Zweitens ist die Aussagekraft der vorliegenden Befunde durch eine fehlende statistische Repräsentativität der Stichprobe in Bezug auf die Grundgesamtheit von Alleinerziehenden- bzw. Trennungsfamilien eingeschränkt. Beispielsweise zeichnen sich die Mütter der Stichprobe durch einen insgesamt hohen Bildungsgrad aus, der nicht dem durchschnittlichen Bildungsgrad in bevölkerungsrepräsentativen Umfragen entspricht (Statistisches Bundesamt, 2018).

Entsprechend sollten zukünftige Studien darauf abzielen, die in dieser Arbeit gefundenen Effekte in bevölkerungsrepräsentativen Stichproben zu replizieren.

Drittens sind die vorliegenden Daten querschnittlich erhoben und erlauben keine Rückschlüsse hinsichtlich der Richtung der Effekte. Beispielsweise könnte eine neue Beziehung der Väter zum Kontaktabbruch geführt haben. Gleichzeitig könnte diese aber auch erst nach dem Kontaktabbruch eingegangen worden sein, wenn die Väter einen starken Wunsch nach Familiengründung hatten und dies in der Konstellation der Trennungsfamilie nicht mehr möglich war. Entsprechend ist unklar, ob die in dieser Studie analysierten strukturellen sowie intrafamilialen Prädiktoren den Kontaktabbruch und die Kontakthäufigkeit beeinflussen oder ob dieser Effekt andersherum funktioniert.

5.5 Ausblick

Die DJI-Alleinerziehendenstudie zählt aktuell zu den deutschlandweit größten Studien, die eine Fülle an Daten sowohl zu strukturellen als auch intrafamilialen Aspekten der Lebenswelten alleinerziehender Mütter und ihren Kindern beinhaltet. Dennoch zeigen die oben diskutierten Limitationen, dass die Datenlage zu dieser Familienform - vor allem in Deutschland - nach wie vor unzureichend ist und ein genaues Verständnis über mögliche Herausforderungen des Lebensalltags von Kindern aus Trennungsfamilien erschweren. Entsprechende Fragestellungen sollten demnach im Rahmen von prospektiven Längsschnittdesigns analysiert werden. So könnten verlässlichere Aussagen zu kausalen Prozessen in Bezug auf die hier untersuchten Kontaktdimensionen getroffen werden, aber auch der Frage nachgegangen werden, inwieweit beim Kontaktabbruch und der Kontakthäufigkeit davon ausgegangen werden kann, dass es sich um zeitlich stabile Konstrukte handelt. Beispielsweise ist denkbar, dass ein Teil der getrenntlebenden Väter durch veränderte Beziehungsqualitäten über die Zeit hinweg den Kontakt nach vormaligem Abbruch wiederaufnehmen oder den anfänglich niederfrequenten Kontakt steigern. Entsprechend könnten prospektive Längsschnittstudien verlässlichere Befunde liefern, auf Basis derer evidenzbasiert sozialpolitische Maßnahmen zur Förderung eines positiven Vater-Kind-Kontakts abgeleitet werden, um der psychischen Belastung von Kindern aus Trennungsfamilien entgegenzuwirken.

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Dr. Jan Keil Universität Leipzig Medizinische Fakultät Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Kindes- und Jugendalters Liebigstraße 20a 04103 Leipzig jan.keil@medizin.uni-leipzig.de

Dr. Alexandra N. Langmeyer Deutsches Jugendinstitut e.V. Abteilung: Kinder und Kinderbetreuung Nockherstr. 2 81541 München langmeyer@dji.de

Eingereicht am: 30.08.2019 Überarbeitung eingereicht am: 12.11.2019 Angenommen am: 15.11.2019