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VEGANE KOSMETIK: TEST VEGANE KOSMETIK: TIER GEWINNT


ÖKO-TEST Spezial Kosmetik und Wellness - epaper ⋅ Ausgabe 10/2018 vom 11.10.2018

Vegane Kosmetik ist die logische Konsequenz für jeden, der ohne tierische Produkte leben möchte. Aber ist vegane Kosmetik automatisch unbedenklich? Unser Test zeigt: Gut fürs Tier ist nicht automatisch gut für den Menschen.


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Bildquelle: ÖKO-TEST Spezial Kosmetik und Wellness, Ausgabe 10/2018

Rund acht Millionen Menschen ernähren sich in Deutschland laut Informationen des Vereins Proveg vegetarisch und 1,3 Millionen Menschen vegan. Doch gerade wer sich bewusst dafür entscheidet, vegan zu leben, hört damit in der Regel nicht an der Kühlschranktür auf. Vegan zu leben bedeutet, neben dem Konsum von Fleisch, Eiern, Milchprodukten und Honig auch in anderen Lebensbereichen auf ...

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Rund acht Millionen Menschen ernähren sich in Deutschland laut Informationen des Vereins Proveg vegetarisch und 1,3 Millionen Menschen vegan. Doch gerade wer sich bewusst dafür entscheidet, vegan zu leben, hört damit in der Regel nicht an der Kühlschranktür auf. Vegan zu leben bedeutet, neben dem Konsum von Fleisch, Eiern, Milchprodukten und Honig auch in anderen Lebensbereichen auf tierische Produkte zu verzichten. Leder und Pelz sind deshalb natürlich absolute No-Gos. Aber auch in Kosmetikprodukten können tierische Inhaltsstoffe stecken. Immer mehr Hersteller loben ihre Produkte deshalb als „vegan“ aus – sowohl Anbieter von konventioneller als auch von Naturkosmetik. Vegetarier und Veganer sind eine wichtige Zielgruppe.
Aber was bedeutet eigentlich vegan bei Kosmetikprodukten? Dass hier viel Unklar heit herrscht, zeigen Umfragen und Diskussionsbeiträge im Internet. Für viele bedeutet vegane Kosmetik in erster Linie, dass für die Produkte keine Tierversuche durchgeführt werden. Doch Tierversuche sind für Kosmetikprodukte, die in der EU verkauft werden, ohnehin seit dem 11. März 2013 verboten. Die Auslobung „vegan“ bezieht sich auf die Herkunft der Inhaltsstoffe. Diese dürfen nicht vom Tier stammen.
Aber ist vegane Kosmetik automatisch unbedenklich? Welche Inhaltsstoffe sind eigentlich tierisch, und welche veganen Alternativen können sie ersetzen? Einige der wichtigsten Inhaltsstoffe wollen wir hier vorstellen:
Bienenwachs
ist vor allem in Naturkosmetik ein beliebter Ersatz für erdölbasierte Fette, zum Beispiel in Lippenstift en oder Salben. Es wird aus Bienenwaben gewonnen, stammt also nicht vom toten Tier. In veganen Kosmetikprodukten ersetzen pflanzliche Alternativen wie Carnaubawachs oder Kokosnussöl das tierische Wachs.
Glycerin
kann sowohl tierischen, synthetischen als auch pflanzlichen Ursprungs sein. In der Inhaltsstoffliste muss das allerdings nicht genau angegeben werden. Glycerin ist ein Nebenprodukt der Seifenherstellung, der Ausgangsstoff ist in der Regel Rindertalg. Es entsteht aber auch bei der Verseifung pflanzlicher Fette und Öle. Glycerin bindet Feuchtigkeit und kommt in Cremes, Lotionen, Duschgelen und Shampoos wegen seiner feuchtigkeitsspendenden Eigenschaft en zum Einsatz.
Guanin
ist ein glänzendes Pigment, das vor allem in dekorativer Kosmetik wie Nagellack steckt. Tierische Grundlage für Guanin sind Fischschuppen. Ein veganer Ersatz ist zum Beispiel der mineralische Inhaltsstoff Mica (Glimmer).
Karminrot
auch Cochenillerot oder CI 75470 ist ein Farbstoff. Um ihn zu gewinnen, werden Cochenilleschildläuse zerdrückt. Das rote Farbpigment findet zum Beispiel in Lippenstift en und Nagellacken Verwendung. Vegane Kosmetik verzichtet auch auf Cochenillerot und setzt stattdessen entweder auf pflanzliche Alternativen wie Rote Bete oder auf mineralische Stoffe wie Eisen oxid. In konventioneller veganer Kos metik finden sich aber auch gesundheitlich bedenkliche, synthetische Farbstoffe wie Tartrazin, Allurarot AC oder Gelborange S.
Keratin
ist ein Faserprotein aus gemahlener Hornsubstanz, zum Beispiel aus Hufen oder Federn. Auch menschliches Haar besteht hauptsächlich aus Keratin. Deshalb packen Kosmetikhersteller den Stoff in Shampoos und Spülungen und versprechen, damit Haare zu reparieren und zu glätten. Veganer Ersatz kann unter anderem Sojaprotein sein.
Lanolin
ist Wollfett, es wird aus Schafwolle gewonnen und ist in vielen Fettcremes enthalten. Vegane Cremes verzichten auf Lanolin und enthalten stattdessen pflanzliche Wachse und Öle oder erdölbasierte Fette.
Schellack
wird aus den Ausscheidungen von Schildläusen hergestellt. In Haar- und Nagel lack soll es für Glanzeffekte sorgen. Vegane Produkte setzen hier entweder auf Mica (Glimmer), pflanzliche Wachse oder synthetische Polymere.

Wer vegan lebt, möchte auch auf tierische Produkte in Kosmetika verzichten. Das Angebot ist mittlerweile vielfältig.


Seide
steckt unter anderem in Make-up und in Mascara und stammt von Seidenraupen. Es kann durch verschiedene mineralische oder pflanzliche Substanzen ersetzt werden.
Stearinsäure entsteht bei der Verseifung tierischer oder pflanzlicher Fette. Stearinsäure dient häufig als Basis für Cremes und lässt sich in den Rezepturen durch pflanzliche Fette ersetzen.

DAS TESTERGEBNIS

Vegan = unbedenklich? Diesen Schluss können wir nach unserem Test leider nicht ziehen. Immerhin: Gut die Hälfte der 41 getesteten Produkte schneidet „sehr gut“ ab und sieben weitere mit „gut“. Aber es finden sich eben auch vier „ungenügende“ und drei „mangelhafte“ Produkte in der Testtabelle.

Problemgruppe: Die meisten Kritikpunkte haben wir in der Gruppe der dekorativen veganen Kosmetik. Hier können wir nur zwei der Wimperntuschen empfehlen. Vegane Lippenstifte, zum Beispiel, verzichten zwar auf tierische Inhaltsstoffe wie das aus Cochenilleläusen gewonnene Karminrot. Substanzen wie die synthetischen Farbstoffe Gelborange S und Tartrazin oder erdölbasierte Fette, die die Hersteller statt Bienenwachs verwenden, bergen jedoch Gesundheitsrisiken. Im Zoeva Luxe Matte Lipstick, Futuro Red wurden erhöhte Mengen des potenziell nervengiftigen Schwermetalls Blei, im BWC Mascara Full Volume, black zu hohe Werte des toxischen Antimons gemessen. Beide Werte liegen über den vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit festgelegten, technisch vermeidbaren Gehalten.

Schlusslicht in der Tabelle der veganen Rinse-off-Kosmetik – also der Produkte, die wieder abgewaschen werden – ist das Maui Moisture Coconut Milk Shampoo For Dry Hair. Wie wegen des deklarierten Diazolidinyl Urea zu erwarten, hat das Labor darin freisetzbares Formaldehyd nachgewiesen. Formaldehyd gilt als krebserzeugend, der EU-Verbotsprozess für Formaldehyd in Kosmetikprodukten läuft derzeit. Substanzen wie das Konservierungsmittel Diazolidinyl Urea, von denen bekannt ist, dass sie Formaldehyd freisetzen können, bleiben allerdings erlaubt. Das Maui-Moisture-Shampoo enthält außerdem PEG/PEG-Derivate, künstlichen Moschusduft und den Duftstoff Lilial, der sich im Tierversuch als fortpflanzungsgefährdend erwiesen hat.

Mit „mangelhaft“ nimmt das Ihre Klassiker Vitamin Kräuter Shampoo den vorletzten Platz der abspülbaren Kosmetik ein. Dieses Produkt des Naturkosmetikanbieters Logocos ist nicht als Naturkosmetik zertifiziert und lässt dann auch gleich hinsichtlich der Inhaltsstoffe zu wünschen übrig: Es enthält eine stark erhöhte Menge an Diethylphthalat, das den Schutzmechanismus der Haut beeinflusst, und den allergenen Duftstoff Cinnamylalkohol, außerdem noch PEG/ PEG-Derivate. Sehr bedauerlich, dass ein Naturkosmetikhersteller ein solches Shampoo anbietet.

Mittelmäßig: Unter den Cremes und Lotionen der Leave-on-Kosmetik, die also auf der Haut bleibt, schneidet das Produkt der Marke Florena am schlechtesten ab. Die 24h Feuchtigkeit Tagespflege Olivenöl Trockene Haut enthält den bedenklichen UV-Filter Octocrylen, der sich im Zellver-such als hormonwirksam erwiesen hat, und den Duftstoff Lilial.

Vertrauen ist gut, Kontrolle schwierig. Einige Inhaltsstoffe wie Glycerin und Stearinsäure können tierischen, synthetischen oder pflanzlichen Ursprungs sein. In der Inhaltsstoffliste kann man das nicht erkennen. Klar, dass die Hersteller angeben, in veganer Kosmetik die pflanzliche Variante zu verwenden. Einige schreiben das auch auf die Verpackung. Unsere Abfrage hat ergeben, dass sich die Hersteller hierbei in der Regel nur auf die Angaben ihrer Rohstofflieferanten verlassen. Der analytische Nachweis tierischer DNA im fertigen Kosmetikprodukt stößt allerdings aufgrund der oft geringen Menge des Stoffes in der Rezeptur an Grenzen.

Falsches Spiel. Der OZN Vegan & 7 Free Nagellack, Dorothee wirbt schon im Namen damit, frei von bestimmten problematischen Substanzen zu sein. Welche das sind, erfährt der Verbraucher auf der Website: „7 FREE, frei von Formaldehyd, Dibutylphthalat (DBP), Xylol, Campher, Silikon, Mineralöl, Aceton und Toluol.“ Im Labor zeigte sich, dass das nicht der Wahrheit entspricht: Vier der Substanzen wurden nachgewiesen, eine in abwertungsrelevanter Menge. Auch auf der Flasche des Alterra Nagellacks mit Bio-Arganöl, 05 Burgundy ist angegeben, dass er frei von Toluol sei – auch darin hat das Labor das Lösungsmittel nachgewiesen. Dafür gibt es Punktabzüge unter dem Testergebnis Weitere Mängel.

ÖKO-TEST RÄT

► Achten Sie neben einer „Vegan“-Auslobung auch auf eine Naturkosmetikzertifizierung, etwa von Natrue, Cosmos oder Ecocert. So finden Sie in der Regel Kosmetik, die weder Mensch noch Tier schadet.
► Naturkosmetik ist nicht zwangsläufig vegan: Die Zertifizierer schließen zwar meist Inhaltsstoffe aus, die von toten Wirbeltieren stammen. Substanzen vom lebenden Tier, wie Bienenwachs und Wollfett oder das aus Läusen gewonnene Karminrot, sind jedoch erlaubt.