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VENEZUELA LOS ROQUES: Bonefish, Barrakuda & das Blau des Meeres


FliegenFischen - epaper ⋅ Ausgabe 70/2018 vom 02.11.2018

Als mein guter Freund Ottmar vorschlug, wir könnten ja einmal nach Los Roques reisen, war ich Feuer und Flamme. Und tatsächlich erlebten wir traumhafte Tage in der Karibik. Mit pfeilschnellen Bonefish und grimmigen Barrakudas, liebenswerten Menschen und einer traumhaften Tierwelt. Keiner von uns beiden konnte ahnen, dass es unsere letzte gemeinsame Reise werden würde …


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Landeanflug auf Los Roques, die Karibik zeigt sich in ihren schönsten Blautönen …


Fotos: Josef Stöger

„Wir fischten in riesigen Bonefish-Schwärmen im türkisblauen Wasser.“


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„Ich konnte mich nicht sattsehen an den farbenfrohen Häuschen vor dem strahlendblauen Himmel.“


Gut gelaunt und immer für ein Späßchen zu haben. Wir schauten gerne bei den Fischern am Strand vorbei, auch wenn uns einer mit einer Muräne einen gewaltigen Schreck eingejagt hat …


Bin ich müde! 2 Uhr morgens aufstehen, 2:45 Uhr Abholung durch Stefan am Parkplatz. 35 Minuten später am Flughafen, Terminal 2. Abflug 6:20 Uhr nach Lissabon, drei Stunden Aufenthalt, um 12 Uhr Abflug nach Caracas in Venezuela, innere Uhr und die am Armband um 6 Stunden zurückstellen, Ankunft in Caracas um 16 Uhr Ortszeit …

Doch Ottmar und ich waren da, in Caracas, endlich! Wie mit dem Management unserer Unterkunft vor der Anreise besprochen, holte uns Hector vom Flughafen ab und brachte uns zum Hotel. Wir fühlten uns sofort wohl. Das Hotel war ganz neu, die Menschen sehr angenehm, und die Betreuung gut, obwohl wir kein Spanisch sprachen. Doch mit Händen, Füßen und dem Handy als digitaler Übersetzer, funktionierte alles. Zum Abendessen gab es gegrilltes Fleisch, Pommes und Dosenbier. Wir waren 20 Stunden auf den Beinen und gingen sehr, sehr müde zu Bett.

Am nächsten Morgen ging es nach einem tollen Frühstück weiter. Hector brachte uns zu einem kleinen Flughafen und bereits der Blick aus dem Fenster während des Flugs nach Los Roques ließ mein Herz höher schlagen. Unter uns glitten sanft weiße Wolken und kleine Inseln vorbei, umgeben von Wasser in sämtlichen Blautönen, von dunklem Petrolblau und Topas über Ozeanblau bis hin zu hellem Gletscherblau – schon erstaunlich, wie oft ausgerechnet diese Farbe in der Karibik zu sehen ist. Minute für Minute brachte uns die kleine Maschine unserem Traumziel näher …

EIN WUNDERBARES, FARBENFROHES FLECKCHEN UNSERER ERDE
Ein Boy holte uns nach der Landung in Los Roques ab und fuhr uns mit unserem Gepäck zu unserer Posada. Während der Fahrt saugte ich die Traumkulisse mit den vielen bunten Häuschen vor dem Karibikblau des Meeres förmlich in mich hinein. Nach einer viel zu kurzen Fahrt, ich konnte kaum genug bekommen, kamen wir bei unserer Unterkunft an – und wurden sofort mit einem großen „Hallo!“ begrüßt. Gerhard und seine Frau Pearl und Freunde aus Deutschland hatten zur Begrüßung auf uns gewartet. Auch sie verbrachten zeitgleich mit uns ein paar Tage auf Los Roques.

„Am späten Nachmittag fischten wir an der Küste bis in den Abend hinein auf eigene Faust.“


„In der Karibik ist man nie sicher, welche Fischart die Fliege nimmt. Vor allem die Farbenpracht einiger Fische begeisterten uns immer wieder.“.


Nach all den Eindrücken und der langen Anreise war ich froh, dass wir endlich ein wenig zur Ruhe kamen, obwohl ich keine Ruhe fand. Denn am Nachmittag wollten wir zum Fischen, und die Aufregung … nun, als echter Fischer wissen Sie, was ich meine …

Ottmar ging es ähnlich. An ein Nickerchen war nicht zu denken. Irgendwann setzten wir unsere Sonnenbrillen auf, als Europäer ist man das intensive, grelle Licht nicht gewohnt, drehten eine Runde und Ottmar zeigte mir die schönen Gassen und Fleckchen, die er bei seinen letzten beiden Reisen nach Los Roques schon sehen durfte, und ich fotografierte fleißig, um all die Eindrücke und Momente festzuhalten.

BEI DIESEM ANBLICK KANN MAN DAS FISCHEN SCHON MAL VERGESSEN
Um 16 Uhr machten wir unsere 8/9er Ruten fertig, um vom Ufer aus zu fischen. Was wir jedoch bei unserer Ankunft am Ufer erlebten war so beeindruckend, dass ich das eigene Fischen fast vergaß. Riesige Schwärme von kleinen Baitfish hatten sich am Ufer versammelt, die von großen Fregattvögeln und Pelikanen gejagt wurden. Auseinander spritzende Fischleiber, hektisch fressende Vögel, Geflatter und Geplatsche, der eine Vogel gönnte dem anderen seine Beute nicht – und um das Chaos perfekt zu machen, versuchten Möwen, den Fregattvögeln und Pelikanen ihre Beute streitig zu machen.

Als der Spuk irgendwann vorbei war, zeugten nur noch im Wasser glitzernde Schuppen von dem Naturschauspiel – und vollgefressene Seevögel, die jetzt einhellig Verdauungsschläfchen auf dem Steg machten.

Ach, und fast hätte ich’s vergessen: Vom Ufer fingen wir Bonefish, Yellowfish und Riffbarsche. Falls Sie es uns einmal gleichtun möchten und auf Los Roques vom Ufer aus fischen, dann nicht unter 0,30er Vorfach. Wenn Sie den ersten Fisch haken, wissen Sie warum … Wir hatten am Spätnachmittag immer eine aufregende Fischerei!

DIE SACHE MIT DEM VERTRAUEN UND DER KONTROLLE
Am nächsten Morgen saßen wir zusammen mit Portugiesen, Italienern und Schweden an unserem Frühstückstisch. Ein munteres Durcheinander der Nationen. An diesem Tag sollte es zum ersten Mal mit dem Boot hinausgehen, und wir machten mit unserem Guide Howard einen Termin fürs Tarpon-Fischen aus, das in der Früh am besten ist. Howard erschien pünktlich in aller Frühe am Strand. Das Boot war super, es war sogar mit einem Sonnenschutzdach aus Leinen ausgestattet, was sich als großes Plus herausstellen sollte. Die Tropensonne kann unbarmherzig brennen!

Kaum waren wir losgefahren spürten wir jedoch schnell, dass die Wellen zum Fischen zu hoch waren. Howard schaute uns an, lächelte, wendete das Boot und meinte, dass wir um 8:30 Uhr wieder bereit sein sollen. Dann wären die Bedingungen besser und wir würden unsere Fische fangen. Und in der Tat! Als wir erneut rausfuhren, waren die Wellen kleiner. Allerdings stünden die Chancen schlecht, bei diesen Wellen Tarpons zu fangen, Bonefish sei die bessere Alternative. Wir gaben unser Okay, denn wer würde sich schon über die Elemente hinwegsetzen?

12,5 Kilogramm schwer war dieser Barrakuda, den Josef Stöger erwischte.


Berge leerer Schneckengehäuse. Ob diese Tiere in den Küchen der Einheimischen gelandet sind? Die bis zu 30 Zentimeter großen Fechterschnecken gelten als Delikatesse.


Es war eine gute Entscheidung! Denn wir fuhren zu den Bonefish-Stellen und Howard machte sofort sehr viele Fische aus! Howard nahm uns mit in ein kleines Paradies, staunend sahen wir zahllose Tiere, angefangen bei riesigen Schildkröten über Rochen, Needlefish, Barrakudas, großen Seesternen und Bonefish, dazu noch Pelikane, Fregattvögel, Möwen und viele Vogelarten, die ich nicht kannte.
Alle paar Minuten staunten wir erneut.

Wie das Fischen war? Einmalig! Wir fingen viele Bonefish in verschiedenen Größen, doch selbst ohne Bonefish wäre diese Tour unvergesslich geblieben. Nicht nur wegen der unglaublichen Fauna.
Auch wegen der Kontrolle. Ja, Kontrolle.

Wir hatten Kontakt mit der Fischereibehörde. Ein Team von 10 Mann kontrollierte uns! 10 Mann!!! Doch die Kontrolle verlief freundlich und reibungslos, denn wir hatten unsere Lizenzen dabei, wie auch unser Guide Howard.

Mittagspause machten wir übrigens auf der Insel El Palafito Magallane, einem für Fischer und Seefahrer heiligen Ort, auf der sich auch eine Schutzunterkunft für in Not geratene Fischer befindet.

Es war ein sensationeller Tag, von dem wir das ganze Abendessen lang schwärmten. Es gab übrigens ein 4-Gänge Menü, bestehend aus Carpaccio, einem Reisgericht, Barrakuda und als Dessert ein feines Törtchen.

MOMENTE, DIE EIN ECHTER FISCHER NIE VERGISST
Die Tage auf Los Roques vergingen wie in einem schönen Traum, ereignisreich und unbeschwert. An fünf Tagen fuhren wir mit Howard auf das Meer hinaus und hatten jedes Mal eine Wahnsinnsfischerei. Wir sahen sehr große Tarpons, rund 50 Kilogramm schwer, da wir aber „nur“ die 10er Rute dabeihatten, sparten wir uns das Anwerfen dieser gigantischen Fische. Besser für die Tarpon und besser für uns.

Trotzdem erlebte ich einen Drill, bei dem meine Arme immer länger und länger wurden. Irgendwann eröffnete mir Howard, dass ich einen Stechrochen gehakt hatte. Der für meine Armmuskulatur wirklich schmerzhafte Drill, der Stingray hatte einen Meter Durchmesser, dauerte fast eine Dreiviertelstunde. Nun denn …

Ottmar Reuss mit einem prächtigen Bonefish, seinen größten schätzte der Guide auf 70 Zentimeter.


Jeder von uns beiden fing pro Tag 8 bis 10 prächtige Fische, fest in meinem Gedächtnis eingebrannt haben sich die großen Bonefish-Schulen mit jeweils rund 150 Fischen, die an uns vorbeizogen.

Ein ganz besonderer Fang ist für mich ebenfalls unvergesslich. Ottmar fing eines Abends im seichten Wasser auf eine seiner selbst gebundenen Fliegen einen sehr großen Bonefisch – der Guide schätzte den Bonefish auf 70 cm!

Auch ich durfte kurze Zeit einen sehr großen Bonefish drillen, verlor ihn aber. Dafür hatte ich das Glück, einen Barrakuda mit 1,20 m und 12,5 kg zu fangen. Der Barrakuda landete übrigens in der Küche. Die Guides teilten ihn und nahmen den Fisch für ihre Familien zum Essen mit nach Hause.

DIE HUNGRIGE MURÄNE UND DIE STEAKS
Apropos Fisch und Küche: Nach unserer Rückkehr kamen wir mit einem einheimischen Fischer ins Gespräch, der gerade seinen Fang filetierte. Es stellte sich heraus, dass er mit unserem Guide Howard verwandt war. Während wir plauderten, warf er die Fischabfälle neben uns ins Wasser.
PENG! Der Fisch war kaum im Wasser, da schoß eine riesige Muräne aus ihrem Versteck zwischen den Felsen unter dem Steg hervor und packte sich die Abfälle! Unsere Gesichter hätte ich in diesem Moment gerne gesehen! Das verschmitzte Lächeln auf dem Gesicht des Fischers verriet mir, dass sich er und die Muräne wohl schon länger kannten …

Die Währung und der Wechselkurs in Venezuela sind etwas gewöhnungsbedürftig – hier ist man in Nullkommanix Millionär. 5 Euro entsprechen tagesaktuell 1.430.931 Venezolanische Bolívar! Die Inflation in Venezuela ist schwindelerregend.


Fische, die Fischerei und das Essen von Fischen haben auf Los Roques eine zentrale Bedeutung, und Howards Bruder Koryn hatte die drei von uns an diesem Tag gefangenen Yellowfish für uns zum Abendessen mitgenommen. Als wir an unserer Unterkunft ankamen, wurden wir bereits von unserem Freund Gerhard mit seiner Frau Pearl erwartet. Und was hatten die beiden für Ottmar und mich dabei? Zwei Supersteaks! Ohne undankbar sein zu wollen: Nach dem vielen Fisch, und den hatten wir jeden Tag, waren diese saftigen Steaks eine wunderbare Abwechslung …

Informationen

Anreise: Wir sind von München über Lissabon nach Caracas geflogen. Von dort aus geht es vom internationalen zum nationalen Flughafen und dann weiter mit einer kleinen Maschine nach Los Roques. Der Flughafen mit der rund 1.000 Meter langen Asphaltpiste befindet sich auf Gran Roque. Die Flugzeit beträgt rund 45 Minuten. Die Transfers kann die Unterkunft oder gegebenenfalls der Reiseveranstalter für Sie organisieren. In unserem Fall klappte die Kommunikation zwischen der Unterkunft Posada und Hector perfekt!

Wichtig: Beim Gepäck muss man aufpassen! Es sollte bei der Ausreise unter 20 kg wiegen! Jedes Kilogramm drüber kostet 4 US-Dollar, ein Rucksack wird ebenfalls mit 4 US-Dollar berechnet, ebenso der Koffer als solcher.

Das Revier: Los Roques ist ein Archipel, der rund 170 km nördlich von Caracas in der Karibik liegt und aus knapp 70 Inseln besteht.

Saison: Beste Zeit zum Fischen ist von Ende Februar bis Ende März. Von Oktober bis Dezember ist der Wasserstand für die anderen Fischarten zu hoch, nur Bonefische sind ganzjährig zu fangen. Für Ihre Planung: Die Vollmond-Phase ist nicht besonders gut für die Fischerei.

Unterkunft und Fischen: Für das leibliche Wohl wurde auf der Posada bestens gesorgt. Es gab jeden Tag ein 4-Gänge Menü mit viel Fisch. Bei den Ausfahrten mit dem Boot wurden wir mit wunderbarem Essen und gekühlten Getränken von unserem Guide versorgt. Beim Fischen vom Ufer aus war zwischen 13 Uhr und 14 Uhr ein warmes Essen bereitgestellt. Das sehr freundliche und hilfsbereite Team der Posada hat uns jeden Tag erfreut. Etwas störend waren nur die vielen kläffenden Hunde und sowie freitags und samstags die etwas sehr laute Musik.
www.posadalagunita.com

Posada Lagunita, unsere Unterkunft. Hier fühlten wir uns wirklich wohl und wurden bestens umsorgt.