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VERBORGENE SCHÄTZE


fotoMAGAZIN - epaper ⋅ Ausgabe 80/2021 vom 09.07.2021

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Artikelbild für den Artikel "VERBORGENE SCHÄTZE" aus der Ausgabe 80/2021 von fotoMAGAZIN. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
John Mayall: Edward Prince of Wales und Alfred, Osborne House, August 1855. Ein Motiv aus der Fotosammlung des Münchner Stadtmuseums.

ULRICH POHLMANN

Oberkonservator der Sammlung Fotografie, Münchner Stadtmuseum.

„Im Herbst 2015 erhielt die Sammlung Fotografie des Münchner Stadtmuseums eine hochkarätige Stiftung aus fränkischem Privatbesitz: drei Originalalben mit zirka 300 Originalfotografien aus den Jahren 1850 bis 1860. Diese Alben hatten Dr. Ernst Becker gehört, Privatsekretär von Prinz Albert von Großbritannien und deutscher Erzieher der königlichen Prinzen Alfred und Edward, dem späteren König Edward VII. Die Aufnahmen stammen von den berühmtesten britischen Fotografen wie Roger Fenton, John Mayall oder William Bambridge. Das Besondere: Die Bilder geben erstmals einen Einblick in die privaten Lebensverhältnisse der königlichen Familie: der Weihnachtsbaum und geschmückte Gabentisch, die Königsschlösser, die Bediensteten der Königsfamilie und deren engste Verwandte. Es waren Erinnerungsalben, deren Inhalt nicht für die ...

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... Öffentlichkeit bestimmt war. Vereinzelt wurden die Bilder von der Königin Victoria als Geschenk an die europäischen Adelshäuser weitergegeben. Außer im Münchner Stadtmuseum finden sich die Aufnahmen heute nur noch in den Royal Collections im Schloss Windsor.

Fotoalben werden äußerst selten in Ausstellungen gezeigt. Wenn, dann kann man nur eine Doppelseite in der Vitrine zeigen. Gelegentlich werden sie auch digitalisiert und über einen Screen sichtbar gemacht. Diese Fotoalben sind bislang nur ein einziges Mal gezeigt worden. Und aufgrund der Empfindlichkeit und Einzigartigkeit der Originale werden die Alben auch nicht ausgeliehen.“

THOMAS SEELIG

Leiter der Fotografischen Sammlung, Museum Folkwang Essen.

„Heute haben wir im Museum rund 65.000 fotografische Objekte, die die meiste Zeit in unseren Depots lagern. Diese werden projektbezogen angeschaut, beforscht oder ausgestellt. Die Sammlung hat also eine Tiefe, die auf unterschiedliche Aktivierung wartet. Einen verborgenen ‚Schatz‘ kann man durch Zufall entdecken, weil man einer bestimmten Spur folgt oder weil man eine ‚Probebohrung‘ macht. In diesem Fall interessierten mich vor allem die ersten aktiven Erwerbungen der Fotografischen Sammlung. Ute Eskildsen hatte 1979 als neue Leiterin ein kleines Konvolut von Chargesheimer-Fotografien erworben. Die Vintage-Abzüge bestechen technisch durch ihr tiefes Schwarz und die dynamischen Kontraste. Letztlich ist es aber wohl die Sehnsucht auf ein baldiges soziales Leben, welche diese Fotografie auf berührende Weise in mir auslöst.“

MARIAM BACHICH

Wissenschaftliche Mitarbeiterin des Ethnologischen Museums Berlin und Kuratorin der Ausstellung „Von … bis … Zarkashat Turathia“.

„Ethnologische Fotoarchive sind voll von Bildern aus teils längst vergangenen Feldforschungen, die Mitarbeiter des Museums oft nicht alleine interpretieren können. Um besser zu verstehen, worum es sich handelt, werden oft Stimmen aus der jeweiligen Kultur gebraucht. Mir wurde das in letzter Zeit noch einmal sehr deutlich, weil ich gemeinsam mit der syrischen Community in Berlin eine Ausstellung erarbeite, die auch historische Fotos aus dem späten 19.

Jahrhundert zeigen wird. Dafür habe ich den syrischen Fotobestand des Museums gesichtet, der bisher im Archiv schlummerte. Zum Beispiel dieses Foto, das 1895 vom deutschen Fotografen und Forschungsreisenden Hermann Burchardt in Südsyrien aufgenommen wurde. Durch das kulturelle Wissen der Community konnten wir herausfinden, dass der abgebildete Mann Druse ist und eine lokale Respektsperson sein muss. Er ließ sich beim Essen zuhause aufnehmen. Das Foto ist authentisch und ungestellt, transportiert gelebte Kultur. So eingebettet, wird aus einem im Depot vergessenen Foto ein Ausstellungsobjekt.“

MIRIAM SZWAST

Kuratorin der Fotografischen Sammlung im Museum Ludwig.

„Fotoalben wurden von der Fotogeschichte lange vernachlässigt, etwa weil es galt, ikonische Einzelwerke im Bildgedächtnis zu verankern. Das Album aber ist ein Ort, in dem viele Bilder zusammenkommen und wo erst im komplexen Gefüge Deutungen gelingen. Johannes Baargeld fertigte als Dada-Künstler Collagen, außerdem war er ambitionierter Bergsteiger. Mit nur 35 Jahren starb er während eines Unwetters im Gebirge. Dieses Album zeigt Gebirgsaufnahmen. Bemerkenswert ist die Anordnung der Bilder auf den Albumseiten, die die Leere und das Nichts genauso zum Thema machen wie Hänge und Gipfel.“

CLAUDE W. SUI

Leiter des Forum Internationale Photographie der Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim.

„Eine prächtige Trouvaille ist dieses Fotofamilienalbum aus Cleveland, Ohio, ein Dokument deutscher Auswanderergeschichte im 19. Jahrhundert. Es zeigt nicht nur Porträts der Auswanderer oder von Freunden und Bekannten aus der alten und neuen Welt. Es war in Europa nicht unüblich, in Familienalben jener Zeit Mitglieder aus Königshäusern, Repräsentanten aus Politik, Kirche und Kultur in die Fotofamilienchronik zu integrieren. So findet sich in dem Album beispielsweise eine Abbildung des bayerischen Königs Ludwig II. mit seiner Verlobten Sophie Charlotte. Das private Album stammt aus der frühen goldenen Ära der sogenannten Carte-de-Visite. Diese wurden ab 1860 im Format von ca. 6x 9 cm preiswert angeboten, was für große Popularität in allen Gesellschaftsschichten sorgte. Dies war der Beginn einer neuen medialen Nutzung, die zu einer massenhaften Vervielfältigung von Porträts führte. Das Album ist eine Rarität. Von außen wirkt es wie eine kostbare Bibel mit Messingbeschlägen und eingefassten Porzellanperlen auf aufwendig verziertem Leder. Es wurde von der Firma Altemus & Co. Philadelphia hergestellt. Wir haben das Glück, dass wir aus der ersten Serienproduktion von 1863 ein Album ohne Gebrauchsspuren besitzen. Es wurde bisher nur einmal in einer Sonderausstellung im Haus der Bayerischen Geschichte 2004 gezeigt. Seitdem schlummert es wieder in unserem Depot.“

ASTRID MAHLER

Kuratorin der Fotosammlung, Albertina in Wien.

„Hans Reiters Fotografie entstammt einer Mappe prämierter Einsendungen des Internationalen „Rollei“-Wettbewerbs aus den Jahren 1954-1955. Als ich die beiden Damen in der Geisterbahn, erfasst im Moment des Erschreckens, zum ersten Mal gesehen habe, war ich hingerissen und überaus amüsiert. Doch ist diese Aufnahme wohl zu kurios, zu sehr eine Zeitkapsel, als dass sie sich im Kontext einer Ausstellung in ein aktuelles künstlerisches Thema einordnen ließe.“