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Verbraucher: Job-Chance für Frauen?: Die neue Brücken-Teilzeit


Bild der Frau - epaper ⋅ Ausgabe 29/2018 vom 13.07.2018
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Bildquelle: Bild der Frau, Ausgabe 29/2018

Vollzeit oder Teilzeit? Die Rückkehr auf eine volle Stelle wird einfacher


Mehr als 15 Millionen Menschen arbeiten Teilzeit, meistens Frauen. Ab 2019 wird es leichter, Arbeitsstunden nach einer Teilzeit-Phase wieder aufzustocken. Susanne Kulbars (l.), Fachanwältin für Arbeitsrecht in Hamburg, erklärt die Chancen

Jeder Arbeitnehmer hat jetzt schon unter bestimmten Voraussetzungen das Recht, seine Arbeitszeit zu verkürzen. Das bleibt auch so. Neu ist: Teilzeit kann befristet verlangt werden. Danach lebt der Vollzeitvertrag wieder auf.

Für wen ist diese Teilzeit auf Zeit möglich?
Für Arbeitnehmer, die ab 1. ...

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Für wen ist diese Teilzeit auf Zeit möglich?
Für Arbeitnehmer, die ab 1. Januar 2019 einen Teilzeitvertrag unterschreiben. Einen Grund, z. B. Kindererziehung oder Pflege eines Angehörigen, brauchen Sie dafür nicht zu nennen. Machen Sie, was Sie möchten: einfach mal kürzer treten, sich ehrenamtlich engagieren, weiterbilden, reisen.

Eine Chance gerade für Frauen?
Nicht unbedingt. Viele Frauen arbeiten in Mini-Firmen, z. B. im Büro vom Handwerksbetrieb, beim Arzt, im Friseur-salon. Für genau solche Kleinstunternehmen hat das Gesetz zwei Sonderregelungen: Erstens: In Betrieben mit weniger als 45 Beschäftigten besteht kein Anspruch. Zweitens: In Firmen mit 45 bis 200 Beschäftigten kann lediglich einer von fünfzehn Mitarbeitern auf Rückkehr in Vollzeit pochen.

Und wenn ich schon in der Teilzeitfalle festsitze?
Dann kommen Sie mithilfe des neuen Gesetzes raus, können Ihre Arbeitszeit wieder verlängern. Jedenfalls wird es dem Chef wesentlich schwerer gemacht, den Antrag auf Aufstockung der Arbeitszeit abzulehnen.

Wie viel Vorlauf brauche ich?
Spätestens drei Monate vorher muss der Chef Ihren Antrag auf Brückenteilzeit bekommen – und zwar in Textform, z. B. als E-Mail.

Und wenn der Chef mauert?
Berufen Sie sich auf das sogenannte Teilzeit- und Befristungsgesetz! Es besteht künftig ein Rechtsanspruch auf Teilzeit mit verlässlicher Rückkehr in Vollzeit. Lehnt der Arbeitgeber ab, muss er plausible Gründe nennen. Bisher galt: Wollte ein Mitarbeiter von Teilzeit auf eine volle Stelle wechseln, musste eine passende Stelle frei sein, einen Anspruch darauf gab es nicht.

Kann ich in einem neuen Job gleich Brückenteilzeit beantragen?
Nein, Sie müssen seit mindestens sechs Monaten in der Firma arbeiten.

Wie lange muss ich mich binden?
Mindestens für ein Jahr, maximal für fünf Jahre. Kürzerer oder längerer Brückenteilzeit muss der Arbeitgeber nicht zustimmen.

Wie viel darf ich reduzieren?
Alles ist erlaubt: ein paar Stunden, halbe Stelle oder mehr. Und: Sie können Wünsche zur Verteilung der Arbeitszeit nennen, auch auf bestimmte Tage. Dem muss der Arbeitgeber zustimmen, wenn nicht betriebliche Gründe entgegenstehen.

Wie kann ich ausrechnen, wie viel ich rausbekomme, wenn ich verkürze?
Über den Teilzeit-Netto-Rechner des Bundesarbeitsministeriums (www.bmas.de, Stichwort „Teilzeitrechner“ eingeben).

Wie viel Urlaub gibt’s?
Das kommt auf die Anzahl der Arbeitstage an. Sind es wie bei Vollzeit fünf Arbeitstage, nur mit weniger Stunden, bleibt der Urlaub gleich. Bei einer Dreitagewoche gibt’s entsprechend weniger. Beispiel: Hatten Sie vorher 30 Tage, sind’s dann nur noch 18.

Kann ich mehrmals von Teilzeit auf Vollzeit wechseln?
Ja, das ist möglich. Nach der ersten Teilzeitphase müssen Sie aber erst wieder ein Jahr Vollzeit arbeiten.

Ersetzt die Brückenteilzeit die Eltern bzw. Pflegeteilzeit?
Nein. Diese Teilzeitmöglichkeiten bestehen weiter, wenn die entsprechenden Voraussetzungen vorliegen. Die Brückenteilzeit ist lediglich eine Weiterentwicklung des Teilzeitrechts.

Freiwillig oder nicht – jeder Vierte arbeitet Teilzeit

→ Insgesamt haben immer mehr Menschen einen Job, aber die Vollzeitstellen nehmen ab. Arbeiteten im vergangenen Jahr rund 15,3 Millionen Menschen in Teilzeit, waren es zwanzig Jahre zuvor nur rund 8,3 Millionen.
→ Jeder vierte Arbeitnehmer hat keine Vollzeitstelle mehr – überwiegend Frauen.
→ Die meisten entscheiden sich bewusst für dieses Arbeitsmodell, weil sie sich zum Beispiel um ihre Kinder kümmern.


Fotos: Shutterstock, Reimar Palte