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VERGLEICHSTEST: Mittelklasse-Limousinen: Ein Hybrid kämpft gegen die gute alte Welt


auto Test - epaper ⋅ Ausgabe 10/2019 vom 25.09.2019

Im ersten Vergleichstest muss der neue Toyota Camry gegen Mazda 6 und Opel Insignia zeigen, wo er steht


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Fotos: S. KriegeFotos: Krieger

Opel Insignia Grand Sport 1.5 DI Turbo

Toyota Camry Hybrid 2.5

Mazda 6 Skyactiv-G 165

Da haben wir wohl was verpasst. Der Toyota Camry war in Europa in letzter Zeit so selten wie die blaue Mauritius, legte aber eine steile Karriere in Amerika hin. Dort setzt Toyota durchschnittlich 32000 Einheiten ab – und zwar im Monat! Da juckt es dem Autotester schon in den Fingern, wenn so ein erfolgreicher Typ vorbeischaut. Das tut er übrigens, weil sein Cou-sin geschwächelt hat. Den ...

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... Avensis haben sie letztes Jahr mangels Nachfrage eingestellt. Ob der Camry Aussichten auf eine langfristige Karriere in Europa hat, soll der Vergleichstest gegen den Mazda6 und den Opel Insignia Grand Sport klären.

Die inzwischen achte Camry-Generation wird bei uns nur als Hybrid angeboten. Kaum mehr Spielraum gibt es bei der Ausstattung: Zum Grundpreis von 39990 Euro lässt sich noch die Executive-Ausstattung für 2400 Euro ordern. Dann montiert Toyota unter anderem 18-statt 17-Zoll-Räder, zusätzliche Assistenzsysteme (Spurhalte-, Rückfahrassistent und Totwinkelwarner), LED-Scheinwerfer und ein Navi mit 8-Zoll-Monitor. Weitere Investitionsmöglichkeiten beschränken sich dann lediglich auf die Lackfarbe – schön einfach! Aber einfach auch eine schöne Stange mehr Geld, als Opel und Mazda kosten. Die vertrauen dafür nur auf ihre 165 PS starken Benziner. Und mit ihren schwungvollen Dachlinien vermeiden beide den Grundriss klassischer Limousinen, die in der alten Welt ja nicht so gut gehen. Hat den Nachteil, dass Passagiere beim Einstieg in den Fond von Insignia und Mazda6 den Kopf weit einziehen müs-sen. Die Beinfreiheit passt dann bei allen dreien. Doch Sitzriesen stoßen im Insignia und vor allem im Mazda schnell mit dem Kopf an den Dachhimmel.

Der Camry – ohne schwungvolle Coupélinie – bietet hinten deutlich mehr Kopffreiheit. Sein Kofferraum fasst auch einen Tick mehr Gepäck. Zumindest vom Volumen her, weil der NickelMetallhydridAkku (6,5 Ah Kapazität) platzsparend unter der Rückbank verschraubt wurde. Aber schon der Mazda darf einen guten Zentner mehr zuladen, der Opel gar knapp 100 Kilo mehr. Und außerdem reißt sein Fließheck die Klappe am weitesten auf, was für Familien glatt als KombiAlternative durchgehen könnte.

Auch hinterm Steuer lockt der Insignia Grand Sport mit guten Argumenten: weite Verstellbereiche, viel Platz und die besten Sitze vorn. Die CamrySessel haben weniger Seitenhalt, sind weicher (viele Senioren unter den USKunden), bieten aber ebenfalls eine Lendenunterstützung. Die suchen MazdaFahrer vergeblich. In puncto Verarbeitungsqualität lässt sich keinem etwas ankreiden. Doch Oberflächenhaptik und CockpitGestaltung sind im Camry teilweise bieder ausgefallen. Die aufgeräumten Cockpits von Opel und Mazda wirken edler.

Beim Fahren nehmen wir es gleich vorweg: Der Hybridantrieb des Camry überzeugt nicht erst an der Tankstelle. Ja, es bleibt beim stufenlosen Planetengetriebe, das sehr indirekt mit dem Motor verbunden scheint. Doch wirkt die ganze Einheit viel entspannter als etwa im Prius, der 2,5LiterMotor läuft kultivierter als der kleine 1.8er. Obendrein ist der Camry aufwendig gedämmt, die Motoraufhängung über Hilfsrahmen von der Karosserie entkoppelt. Anspringen und Ausschalten des Verbrenners laufen so richtig flauschig ab. Dröhnig wird es nur, wenn der Motor im Stand generatormäßig die Akkus lädt. Davon abgesehen ist der Camry aber extrem leise, stets entspanntes Dahingleiten und der dieselähnliche Verbrauch sind die Folge. Gegenteilig das Empfinden im Mazda, dessen Vierzylinder ohne Zwangsbeatmung immer mit Drehzahl bei Laune gehalten werden will. Der Sauger spricht schnell an – doch es tut sich enttäuschend wenig. Um am abgeregelten Camry vorbeizuziehen, braucht es sehr viel Anlauf. Der Turbo des Opel bietet da mehr Druck, dämmt dazu viel Motorlärm weg. Die Spritzigkeit des Camry, der kraft seiner Hybrideinheit jederzeit dynamisch und linear davonspurtet, besitzt er allerdings nicht.

Mit sensibel ansprechender Federung (trotz der 20Zöller), sehr guten Bremsen und präzise abgestimmter Lenkung liegt der ausgewogene Opel letztlich vor Toyota und Mazda. Immerhin kassiert der Camry den 6er im ersten Anlauf deutlich. Und das, obwohl er deutlich teurer ist. Aber am Insignia Grand Sport kommt das Hybridmodell aus Japan dann doch nicht vorbei. Die gute alte Welt – ja, sie lebt noch!

Fazit

Der neue Toyota Camry ist in vielen Punkten auf Augenhöhe mit dem Opel Insignia Grand Sport. Vor allem sein sehr effizienter Hybridantrieb überzeugt. Mit seinem außergewöhnlichen Motorenkonzept kommt der Mazda gegen die Kontrahenten nicht heran. Aber am Ende siegt mit dem Rüsselsheimer ein Antrieb aus der alten Welt. Ein Opel, der Spaß macht.

Preis-Leistungs-Sieger: Opel Insignia Grand Sport

Neben dem Gesamtsieg holt der Opel auch den Preis-Leistungs-Sieg. Hier landet der deutlich teurere Toyota mit 71,13 Euro noch hinter dem Mazda (64,05 Euro).

Preis pro

Wertungspunkt:59,63 €