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VERHALTEN: Guck mal, wer da klingelt?


Partner Hund - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 04.12.2019

Es läutet, der Hund läuft bellend zur Tür und ist nicht mehr zu bremsen. Das ist Alltag bei vielen Hundebesitzern. Aber warum verhält sich der Hund so, wenn Besuch kommt? Und: Wie kann ich das ändern? Hundetrainer Andreas Ohligschläger hat einige Tipps


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Bildquelle: Partner Hund, Ausgabe 1/2020

Kündigt Ihr Hund Besuch laut bellend an und will an der Haustüre die „Eintrittskarten entwerten“? Dieses Verhalten wird oftmals leider von Hundehaltern unbewusst unterstützt, ja sogar regelrecht gefördert. Das bedeutet: In den meisten „Fellen“ ist dieses Problem hausgemacht und dem Hund von seinem Halter ordentlich und gewissenhaft antrainiert worden. ...

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Denn viele Hundebesitzer lassen ihrem Vierbeiner zu Beginn des Zusammenlebens einige unerwünschte Verhaltensweisen „durchgehen“. Ihnen ist nicht bewusst, welche negativen Folgen diese Laisser-faire-Haltung hat. Anschließend wird viel Zeit und Geduld benötigt, um das hausgemachte Problem zu lösen, damit der Hund wieder ein erwünschtes Verhalten zeigt.

So „trainieren“ Sie unerwünschtes Verhalten

Ein Beispiel aus der „Menschenwelt“ veranschaulicht, wie es zu dem Problem kommen kann: Stellen Sie sich vor, Sie sitzen gemütlich und entspannt auf der Couch und lesen ein Buch oder dösen vor sich hin. Plötzlich klingelt in der Küche Ihr Handy. Sofort ist die Entspannung dahin, Sie springen auf, um schnellstmöglich Ihren „digitalen Besuch“ zu empfangen.

Die meisten Menschen haben nicht unbedingt eine entspannte Beziehung zum Klingeln ihres Handys. Meist ist uns gar nicht bewusst, dass unser Klingelton uns schon klassisch konditioniert hat. Er bedeutet: schnell zum Handy spurten oder danach greifen. Wir sind darauf trainiert, uns zu beeilen, wenn es klingelt – wie ein Arzt im Bereitschaftsdienst. Ein hektischer und lauter Klingelton verstärkt die Dringlichkeit und wirkt auf uns wie ein Alarm oder das Signal: Wir müssen schnell sein. Das Gleiche gilt für das Läuten an der Haustüre. Meistens springen wir auf, wenn es klingelt, und gehen rasch zur Türe, vielleicht noch begleitet durch den Ruf „Momentchen, ich bin sofort da!“.

Aber was hat das mit dem Verhalten unseres Hundes bei Besuch zu tun? Eine ganze Menge! Denn unsere fellnasigen Mitbewohner beobachten, ja studieren unser Verhalten und kennen uns nach einer gewissen Zeit besser als wir uns selbst. Mehr noch: Sie lernen durch Beobachten und Nachahmen. Durch unser hektisches Verhalten, sprich durch unser schnelles Aufstehen und eiliges Hechten zur Haustüre lösen wir unbewusst beim Hund etwas aus. So, wie wir durch das Klingeln von Handy und Haustür darauf trainiert sind, unverzüglich aktiv zu werden, „trainieren“ wir durch unser Verhalten den Hund darauf, sich ähnlich zu verhalten – obwohl wir das gar nicht beabsichtigen.


„Wir springen auf, wenn es klingelt – und unser Hund fühlt sich motiviert und springt mit“


Klingeln ist das Signal zur Revierverteidigung

Wenn der Hundebesitzer nun – womöglich sprechend oder sogar rufend – zur Türe eilt, um schnellstmöglich nachzuschauen, wer geklingelt hat, rennt und bellt der Hund natürlich mit. Aus Sicht des Vierbeiners macht das Sinn, denn schließlich gilt es, sein Revier territorial zu verteidigen. Übrigens: Wir Menschen tun dies unbewusst – der Hund nicht. Manche Hundebesitzer laden die Situation noch zusätzlich auf und animieren ihren Hund, sein Verhalten weiter auszubauen, indem sie ihn motivierend anspre- chen: „Ja, wer kommt denn da?“ Oder: „Sollen wir einmal schauen, wer da ist?“ Oder aber: „Dann geh mal schnell gucken!“! So einfach kann man seinem Hund beibringen, beim Klingeln an der Tür zu bellen …

Hier hat der Vierbeiner nichts zu suchen – der Mensch begrüßt den Besuch


Überschwängliche Begrüßung verstärkt den Effekt

Der Mensch kann das unerwünschte territoriale Verhalten seines Hundes noch weiter fördern, indem er beim Heimkommen den Hund überschwänglich und laut begrüßt. Wenn er nun auch noch akustische und körperbetonte Signale aussendet, wie zum Beispiel „Ja, wer ist denn da?“, Ja, freust du dich!“ wird der Hund dies zum Anlass nehmen, zu bellen und an seinem Menschen hochzuspringen. Reagiert der Mensch zudem mit einem freudig und laut gerufenen „Jajajajaja, da bin ich ja“, bestärkt er den Hund und zeigt ihm – aus Hundesicht – unmissverständlich: „Alles richtig gemacht.“ Das Ergebnis: Aus Sicht des Vierbeiners gehört dieses Ritual zur Begrüßung im Eingangsbereich einfach dazu. Damit wird die „unruhige Party“ an der Haustüre eröffnet.

Ebenso wichtig wie das Verhalten des Halters ist das der Besucher. Viele unterstützen das unruhige Verhalten des Hundes und loben ihn sogar noch: „Ja, du bist ein feiner Hund!“. Die Streicheleinheiten der Besucher wirken als positive Verstärkung für das Hochspringen und Bellen des Hundes. Es signalisiert der Fellnase: Mein Verhalten ist absolut korrekt.

Bringen Sie in zehn Schritten Ruhe in die Situation

Aber wie kann es gelingen, die hausgemachten Probleme wieder in den Griffzu bekommen? Am besten ist es, von Anfang an so handeln, dass sich der Hund gar nicht erst ein hektisches Verhalten abschaut. Ihr Vierbeiner macht schon Party, wenn es klingelt? Dann haben Sie durch eine Änderung Ihres Verhaltens ebenfalls gute Chancen, auch sein Verhalten zu ändern. Denn schließlich schaut er sich Ihren gelassenen Umgang mit dem Schellen von Ihnen ab und lernt durch Beobachtung und Nachahmung. Wichtig ist allerdings, dass Sie konsequent sind:
1 Bleiben Sie ruhig. Dies gilt zunächst einmal für Sie selbst. Entspannen Sie sich, auch dann, wenn es klingelt – egal ob es das Handy ist oder die Türklingel.
2 Bleiben Sie auch Ihrem Hund gegenüber vollkommen ruhig und gelassen.
3 Springen Sie nicht sofort auf, wenn es läutet. Warten Sie einfach mal einen Augenblick. Damit Sie sich die Zeit nehmen können und nicht zur Tür eilen müssen, um beispielsweise ein Paket in Empfang zu nehmen, sollten Sie mit Freunden und Bekannten üben. Laden Sie diese ein oder verabreden Sie, wann diese einfach mal klingeln kommen. So wissen Sie, dass Sie nicht schnell zur Türe gehen müssen, sondern sich Zeit lassen können.
4 Gehen Sie ruhigen Schrittes, gelassen und ganz selbstverständlich zur Türe, so als gingen sie zum Kühlschrank oder Kleiderschrank.
5 Freuen Sie sich, wenn der Hund liegen bleibt oder wenn er wenigstens ruhig bleibt, ohne direkt eine übermäßige Party zu machen und sich hektisch zu ereifern. Eine kurze verbale Bestätigung oder Berührung reicht als Lob bei diesem erwünschten Verhalten völlig aus. Weniger ist hier jedenfalls mehr.
6 Kümmern Sie sich beim Öffnen der Türe nicht um Ihren Hund, sondern um den Besuch.
7 Springt der Hund hektisch hoch und verbreitet Unruhe, ignorieren Sie ihn und üben Sie sich in Gelassenheit.
8 Sprechen und fassen Sie Ihren Hund nicht an, solange er unruhig ist!
9 Streicheln Sie ihn erst, wenn er zur Ruhe kommt. Handeln Sie bitte ganz ruhig.

10 Bitten Sie auch Ihren Besuch, sich an Ihre Hausordnung zur Beruhigung zu halten. So kann er Ihnen und Ihrem Vierbeiner helfen, Fortschritte zu machen.

Hier sind die Rollen klar verteilt. Der Mensch begrüßt, der Hund beobachtet nur


Ein kleiner Tipp: Stellen Sie ein Bild von Ihrem Hund und eine Spardose im Flur auf. Jeder, der sich dem aufgeregten Hund zuwendet, muss fünf Euro in die Büchse werfen. Weisen Sie Besucher freundlich, mit einem Augenzwinkern, aber dennoch ernsthaft darauf hin, dass der Hundetrainer, den Sie bei Problemen um Rat fragen, nicht mit Leckerlis bezahlt wird. Auf diese Weise können Sie Besuchern die „Hausregeln“ vermitteln.

Ein Sonderfall beim Training ist der Besuch von fremden Hunden. In diesem Fall rate ich Ihnen, erst mal einen kurzen gemeinsamen Spaziergang zu unternehmen. Dabei können die Hunde sich in Ruhe beschnuppern und kennenlernen. Auf neutralem Boden ist es für die Hunde stressärmer und entspannter als im territorialen Hausflur des eigenen Reviers. Zudem haben die Hundebesitzer auf dem Spaziergang die Möglichkeit, ein wenig Alltagsstress loszuwerden, sich in der Ruhe der Natur zu entspannen und kommen gelassener in die häusliche Situation zurück.

Lernen Sie, insgesamt ruhiger, gelassener und entspannter zu sein. Dieses Gefühl überträgt sich auf Ihren Hund. Erleben Sie gemeinsam, dass nicht jedes Klingeln eine Katastrophe auslöst, und freuen Sie sich, dass Ihr Hund Ihnen diese Gelassenheit mit seiner beruhigenden und liebevollen Art und Energie dankt.

Andreas Ohligschläger

betreut im „Revier für Hunde“, einer 8.000 m2 großen Hundetagesstätte in Eschweiler bei Aachen, jeden Tag rund 40 Hunde. Er ist Hunde-Coach, Fachbuchautor und ständiger Gast beim WDR, wo er eine eigene Serie hat: „Hunde verstehen“.

www.revier-fuer-hunde.de


FOTOS: GETTY IMAGES, STEINBACHPR