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VERHALTEN: Knurren erlaubt!


Partner Hund - epaper ⋅ Ausgabe 5/2020 vom 01.04.2020

Wenn ihr Hund anderen Hunden oder Menschen droht, möchten viele Hundehalter dieses Verhalten im ersten Moment am liebsten unterbinden. Warum jedoch Drohverhalten wichtig und wann es berechtigt ist, erklärt die Trainerin Frauke Loup


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Bildquelle: Partner Hund, Ausgabe 5/2020

Wir haben in unserem Hundeschul-Alltag häufi g mit schwierigen Hunden zu tun. Diese Hunde verhalten sich für Hunde nicht untypisch, aber so, dass es aus menschlicher Sicht problematisch ist. Teilweise entstehen Missverständnisse zwischen Mensch und Hund bereits im Welpenalter. Es ist beispielsweise in unseren Welpenstunden ab und an der Fall, dass Halter regelrecht erbost ...

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... sind, wenn ein Hund einen anderen energisch abwehrt, weil dieser zu grob wurde, oder wenn es mal laut wird, weil um einen gefundenen Tannenzapfen gerangelt wird. Dabei ist es wichtig und lehrreich, wenn sich Hunde ein Stück weit darin üben können, Konfl ikte zu lösen. Sie sollen Drohsignale zeigen und Reaktionen des Gegenübers erleben dürfen und dadurch wichtige Erfahrungen sammeln können.

Drohverhalten stellt zunächst eine Warnung dar. Reagiert das Gegenüber adäquat und akzeptiert diese Warnung, dann löst sich die Situation in der Regel auf. Ansonsten kann jeder der Beteiligten in Gefahr geraten, wenn es einen Schritt weitergeht. Schmerzen und Verletzungen können die Folge sein. Das gilt es für die Beteiligten abzuwägen und dafür braucht es Übung. Uns Menschen geht es schließlich nicht anders. Jeder erinnert sich an Streitigkeiten in der Kindheit zwischen Geschwistern oder unter Schulfreunden. Von außen betrachtet und aus Erwachsenensicht gesehen oft „pillepalle“, aber ein wichtiges Lernen für später für den „Ernstfall“.

Wir erleben häufi g in der Welpenstunde, dass Hundehalter ihren Welpen am liebsten auf Schritt und Tritt folgen würden, wenn sie mit anderen Hunden interagieren. Wenn allerdings immer gleich Menschen parat stehen, die ständig eingreifen und die Hunde trennen, dann fehlen diesen später wichtige Strategien, um selbstständig Streitigkeiten aufzulösen. Das ist so, als würde man jeden Schritt und jede Bewegung von Kindern auf dem Spielplatz begleiten.

Drohsignale erkennen und einordnen

Aggressionsverhalten gehört zum Leben dazu. Die Frage ist, ob dieses angemessen gezeigt wird oder völlig aus dem Ruder läuft. Der entscheidende Punkt im Umgang mit Hunden ist, sie und ihre Körpersprache lesen und verstehen zu können. Wir hören immer wieder, dass ein Hund „ganz plötzlich“ und „ohne Vorwarnung“, quasi aus heiterem Himmel gebissen habe. In der Regel ist es so nicht. Nur weil viele Menschen meinen, dass ein Knurren das ausschlaggebende Signal ist, halten sich Hunde noch lange nicht daran. Ihre Körpersprache ist enorm vielfältig und aussagekräftig. Zudem verhält sich jeder Hund individuell und situativ unterschiedlich. Zum Drohen gehört das Fixieren, hierbei ist der Blick starr, meist sind die Pupillen verkleinert. Das Fell kann aufgestellt sein, teils werden die Zähne gezeigt, die Körperspannung ist erhöht, der Gang wird steif und die Bewegungen sind oft verlangsamt. Mal ist die Phase des Drohens sehr kurz, mal kann sie lang anhalten. Die Bandbreite ist groß. Es gibt ein sogenanntes off ensives und ein defensives Drohen und teilweise sogar Mischformen. Mithilfe von Video-Aufnahmen und mit Unterstützung eines Hundefachmannes kann man sehr gut das Auge schulen, was die Körpersprache und das Ausdrucksverhalten anbelangt.

Die Kunst besteht darin, zu erkennen, was noch im Rahmen ist, und zu sehen, wann es kritisch werden kann. Das gilt unter anderem für Hundebegegnungen. Wenn wir erkennen, dass sich mehr und mehr Spannung aufbaut und womöglich eine Rauferei anbahnt, dann ist es besser, die Situation aufzulösen. Es gibt beispielsweise zwischen ungefähr gleichaltrigen Rüden, die mental ebenbürtig sind, immer mal solch brenzlige Konstellationen, bei ermahdenen absehbar ist, dass keiner wirklich nachgeben möchte. Die Halter sollten in einem solchen Fall mit ihren Hunden dann besser getrennter Wege gehen oder die Hunde müssen entsprechend gesichert werden, wenn es sich nicht um harmloses Geplänkel handelt.

Drohsignale gehören unter Hunden zur Kommunikation dazu


Frauke Loup

ist langjährige Mitarbeiterin der Hunde-Akademie Perdita Lübbe und vertraut mit den großen und kleinen Nöten von Hundebesitzern und Hunden. Im Einzelunterricht, in Gruppenkursen und Workshops unterstützt sie Hundehalter darin, das Verhalten ihres Vierbeiners zu verstehen, eine hundegerechte Kommunikation aufzubauen und in einer harmonischen Mensch-Hund-Beziehung zu leben. Außerdem arbeitet Frauke Loup mit schwierigen Tierheimhunden, um die Chancen für eine Vermittlung zu erhöhen. Des Weiteren ist sie als IHK-Prüferin bei Tierpfleger-Abschlussprüfungen tätig. www.hundeakademie.de

Hunde kommunizieren vor allem über die Körpersprache. Jeder Halter sollte Drohsignale kennen und zu deuten wissen


Darf ein Hund Menschen Drohverhalten zeigen?

Wie sieht es im Mensch-Hund-Miteinander aus? Ein Hund, der anzeigt, dass er sich unwohl fühlt und sich anspannt, wenn man sich zum Beispiel beim Abtrocknen über ihn beugt, ist womöglich gut händelbar, zumindest, wenn man die Gegebenheiten verändert und sich weniger einengend und bedrängend verhält. Es kann das Mensch- Hund-Team sogar noch mehr zusammenschweißen, wenn der Hund feststellt, wie gut die Bezugsperson ihn lesen und verstehen kann. Ist man sich unsicher, ob Schmerzen oder Ähnliches dazu führen, dass der Hund angespannt reagiert, dann sollte dieser unbedingt tierärztlich durchgecheckt werden, sonst tut man ihm am Ende unrecht.

Es ist allerdings gefährlich, wenn ein Hund den Menschen nicht nur androht, sondern wenn er einen Schritt weitergeht und beißt, sobald die Pfoten abgetrocknet Training regelmäßig mit Hunden zu tun, die das nicht zulassen, zum Beispiel, da sie ungern die Kontrolle abgeben.

Wenn ein Hund einen Menschen androht, kann das viele Ursachen haben


FOTOS: SHUTTERSTOCK (2), TRIO BILDARCHIV (2)

Verhalten entsteht schon früh

Manchmal läuft es übrigens bereits im jungen Alter in die falsche Richtung. Ist der Hund noch klein, dann machen sich Hundehalter bei vielen Verhaltensweisen wenig Gedanken. Junge Hunde sind oft zappelig und auch mal schnappig, wenn es darum geht, in die Ohren und ins Maul zu schauen. Das ist verständlich, aber umso wichtiger, genau dies zu üben. Es ist sinnvoll, Untersuchungen immer wieder einmal auch an verschiedenen Orten in Angriff zu nehmen. Dadurch wird es zur Selbstverständlichkeit, dass der Mensch den Hund jederzeit überall anfassen kann. Hingegen kann es ausgesprochen problematisch sein, wenn ein Hund dies nicht gelernt hat. Es gibt Kandidaten, die bei jeder Kleinigkeit in Narkose gelegt werden müssen, weil sie beißen, wenn es um Behandlungen geht. Da kann man dann bereits beim Griff nach der Pfote erkennen, wie sich die Haltung versteift und wie sich der Blick verändert.

Die menschliche Reaktion ist vielfach, den Hund zu ermahdenen nen, wenn er droht. Das hat häufi g den folgenschweren Nachteil, dass die Th ematik damit nicht behoben ist. Manches Mal macht man es sich und dem Hund dadurch sogar letztendlich noch schwerer und schadet vor allem dem Vertrauensverhältnis. Darf der Hund keine Drohsignale zeigen, so bleibt ihm oftmals als Lösung lediglich die nächste Stufe, nämlich direkt die Zähne einzusetzen und zu beißen. Meist hakt es an anderer Stelle, und danach gilt es zu schauen. Nehmen wir folgendes Beispiel: Der Hund liegt abends gemütlich in seinem Körbchen. Ein Kind der Familie möchte mit dem Hund kuscheln. Dieser ist bereits im Schlaf-Modus. Als sich das Kind mit ins Körbchen setzt, droht der Hund. Dies wird von den Eltern unterbunden, aber die Situation ansonsten nicht verändert. Hört die Bedrängung damit aber nicht auf, dann kann der nächste Schritt sein, dass der Hund nach dem Kind schnappt oder beißt, um es auf Abstand zu bringen. Besser wäre es in diesem Fall, das Kind aufzufordern, den Hund zumindest in diesem Kontext zufrieden zu lassen.

Die zweitbeste Variante wäre, weil es im Notfall schnell gehen muss, den Hund aus dem Körbchen herauszurufen und dadurch die Lage zunächst zu entschärfen. Wenn Hunde nicht selber auf Alternativen kommen und von sich aus eine andere Lösung fi nden, so benötigen sie manchmal Unterstützung. Es gibt zahlreiche andere Fälle, in denen es besser ist, die Situation bzw. den Umgang insgesamt zu verändern, statt das Drohverhalten zu unterbinden.

Bedrohliche Situationen souverän managen

Weshalb droht der eigene Hund einen entgegenkommenden Artgenossen oder einen Passanten an? Manches Mal gibt der Mensch zu wenig Führung, sodass der Hund übernimmt. Oftmals nimmt der Hund seinen Menschen insgesamt im Alltag so stark in Beschlag, dass der Hund ihn dadurch bedingt abschirmt. Dann hieße es, hier anzusetzen und erst einmal an sich selbst zu arbeiten. Man kann es lernen, zu führen und Sicherheit zu geben. Wenn man dem Hund ansonsten viele Freiheiten lässt und er unzählige Entscheidungen treff en darf, dann ist es aus Hundesicht nicht nachvollziehbar, weshalb mit ihm geschimpft wird, wenn er einen anderen Hund anbellt. Schauen wir also lieber zunächst in Richtung Ursachen, wenn deutlich wird, dass etwas entgleist. In der Regel hakt es auch an anderer Stelle, wenn ein Hund meint, sich nicht bürsten lassen zu wollen, wenn er keine Besucher reinlässt oder wenn er Beute verteidigt. Hatte ein Hund bereits Erfolgserlebnisse darin, seine eigenen Ziele durchzusetzen, und der Halter möchte etwas ändern, dann braucht es unter Umständen zumindest für bestimmte Situationen (Besuch kommt etc.) die Absicherung mittels Maulkorb. Das ist ein sehr gutes Hilfsmittel, um in kritischen Momenten dennoch gelassen bleiben zu können und weder Menschen noch andere Hunde in Gefahr zu bringen. Im Zweifelsfall ist es sinnvoll, sich von einem Profi helfen zu lassen und Rat in einer Hundeschule zu suchen.

FRAUKE LOUP