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VERLIEBT INS ALTMÜHLTAL


Slow Food Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 5/2020 vom 29.09.2020

Ein sacht mäandernder Fluss in gepflegter Kulturlandschaft, steinerne Zeugnisse früherer Erdzeitalter, Kirchen, Burgen und Gasthäuser – der Naturpark Altmühltal empfängt seine Besucher mit intakter Landschaft, gut ausgebauten Radwegen und vor allem mit vielen gastlichen Häusern, in denen Traditionsbetriebe und Quereinsteiger mal rustikale, mal fantasievolle Küche zelebrieren. Rozsika Farkas war dort.


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Bildquelle: Slow Food Magazin, Ausgabe 5/2020

Markante Jurafelsen in sanfter Hügellandschaft – die Altmühl zwischen Eichstätt und Nassenfels.


Melanie ist acht Jahre alt und hat es in den Beinen. Sie liegt im Schatten eines Ahorns und guckt schläfrig ...

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... ihren jüngeren, springlebendigen Artgenossinnen – mehrheitlich hellbraune Toggenburger mit keck aufragenden Hörnern – zu. Nach üblichem landwirtschaftlichem Kosten-Nutzen-Verständnis wäre Melanie eigentlich nicht mehr haltbar, der Ziegenhof Monheim ist aber alles andere als gewöhnlich. Herbert und Hedwig Summer haben vor fünf Jahren, nachdem sie ihre Jobs – sie bei der Lufthansa, er in der Chefetage eines Allgäuer Käseherstellers – aufgegeben haben, den Hof im südwestlichen Teil des Naturparks Altmühltal übernommen. Aus der Milch ihrer 42 Geißen stellen sie in Handarbeit ausgezeichneten Käse her, Spezialitäten wie »Ziegen-Knoferl« oder Ziegenfrischkäse mit Schabzigerklee.

Frisch und sauber riecht es nicht nur in den Räumen, in denen der Käse hergestellt und gelagert wird, selbst bei den Ziegen im Hof und im Stall riecht es kein bisschen bockelig. Das liegt daran, dass die Ziegendamen die meiste Zeit unter sich bleiben, und Damen müffeln nun einmal nicht. Nur alle zwei bis drei Jahre bekommen die Mädels Herrenbesuch, damit sich Nachwuchs einstellen kann. Zuletzt war es Bock Cäsar, mit dem die Ziegen ins Heu gingen. Die Summers halten wenig davon, die Tiere jedes Jahr decken zu lassen, auch wenn die Milchleistung nach einem Jahr allmählich abnimmt, aber Stressfreiheit ist oberstes Gebot auf dem Hof – jedenfalls für die Tiere.

Deutschlands langsamster Fluss

Melanie ist ein bisschen wie die Altmühl selbst: Unter den großen Flüssen Deutschlands ist die bayerische Altmühl, die unterhalb von Rothenburg entspringt und nach 227 Kilometern bei Kelheim in die Donau mündet, der langsamste. Gemächlich fließt sie dahin, und bis auf die allerletzten Meter, wo sie sich im Main-Donau-Kanal für die Schifffahrt nützlich macht, sind ihr keinerlei schwere Pflichten auferlegt. Die Radler, die an ihrem Ufer entlangfahren, beeinträchtigen sie nicht, die Kanus, die sich auf ihr tummeln, tun ihr nicht weh. Umweltmäßig wird sie mehr geschont als die meisten Flüsse, denn über die längste Strecke fließt sie durch den nach ihr benannten »Naturpark Altmühltal« – auf den sich unsere Genussreise konzentriert.

Kostbare Biotope

Auf Magerrasen wachsen dort – umflattert von Bläulingen – Küchenschelle, Karthäuser-Nelke, Sonnenröschen und verschiedene Orchideen. Der in seinem Bestand bedrohte Apollofalter hat nahe den Plattenkalk-Steinbrüchen bei Solnhofen ein sicheres Refugium, das er sich mit dem Segelfalter und der Rotflügeligen Ödlandschrecke teilt. Im Landkreis Eichstätt überraschen Enziane auf Wiesen und Frauenschuh in den Wäldern. In Auwäldern sind gelegentlich die gebänderte Prachtlibelle und der Eisvogel anzutreffen, Wanderschäfer lassen ihre Herden auf Wacholderheiden grasen, wo die Tiere dafür sorgen, dass die Kulturlandschaft erhalten bleibt.

Was den Namen der Altmühl betrifft, weiß Wikipedia zu vermelden, dass der alte keltische Begriff »Alcmona« sich vermutlich aus alk (sehr) und mun (sanft, ruhig) zusammensetzt. Nein, wirklich, der Altmühl haftet nichts Aggressives, Gefährliches an. Auch wenn die Jurafelsen trutzig-kantig aufragen, wenn Fossilien von den Urgewalten der Natur und wehrhafte Burgen von Kämpfen der Vergangenheit künden – heute präsentiert sich das Altmühltal einladend lieblich, wie geschaffen dafür, Gäste zu empfangen und mit den Erzeugnissen der Region zu bewirten.

Imker Burkhard Söllner


Käse von entspannten Ziegen


Geflügelhof Hüttinger


Allgegenwärtig: Ammoniten


Köstliches Schäufele


Gemeinsam stark

In dieser Disziplin erscheinen die Altmühltaler wahrhaft vorbildlich und beweisen jede Menge Sinn fürs Zusammenwirken. Kooperationen, wohin man schaut: In Hofläden vermarkten Landwirte gegenseitig ihre Produkte, Restaurants heben auf ihren Karten die Vorzüge ihrer jeweiligen Lieferanten hervor, ein Brauhaus fabriziert den Gerstensaft für die Eigenmarke eines Klosters und gibt den Biertreber an einen Bauern ab, der damit seine Schweine füttert und im Gegenzug das Brauhaus mit Gerste beliefert, aus der dort Malz hergestellt wird – auf dem Gebiet der Landwirtschaft/Gastronomie/Kulinarik ist man im Altmühltal offenbar bestens vernetzt.

Da Genossenschaften der Inbegriff der Kooperation sind und Walnüsse eines der köstlichsten Geschenke der Natur, sind wir neugierig auf die »Gelbe Bürg eG«. Entdeckt haben wir deren Walnusserzeugnisse – Öl, Nudeln, Mehl und Aufstriche aus Walnüssen – im Hofladen eines Geflügelhofs, auf den wiederum der Wirt eines Restaurants aufmerksam gemacht hat, wohin ein Tipp führte, dessen Ursprung sich in der Erinnerung verliert. So geht das hier. Wer es gern spontan hat, kann bei einer Adresse beginnen und sich entlang von Empfehlungen durch das gesamte Gebiet bewegen und stets in vorzüglichen Gasthäusern und bei großartigen Produzenten landen.

Die »Gelbe Bürg« also. Ihren Sitz hat sie in Dittenheim, wenige Kilometer von der Stelle, wo die Altmühl in das Gebiet »Naturpark« eintritt. Der für Vertrieb und Marketing zuständige Martin Lettenmeier, eigentlich Theologe und Redakteur, präsentiert die Produkte der Genossenschaft auf dem Gunzenhauser Wochenmarkt. Die »Gelbe Bürg«, 2013 gegründet, vereint 140 Mitglieder. Die meisten besitzen nur ein oder zwei Walnussbäume, die entweder auf Streuobstwiesen stehen oder einst vor Wohnhäuser gepflanzt wurden, um Mücken fernzuhalten. Jeder für sich genommen könnte die Nüsse kaum kommerziell verwerten. Nur gemeinsam gelingt es ihnen, die Schätzchen korrekt zu verarbeiten und daraus Öl und aus dem Ölpresskuchen wiederum Mehl zu gewinnen. Für das kaltgepresste Öl gab es 2019 auf der Nürnberger Verbrauchermesse »Consumenta « den Publikumspreis.

Schäufele mit Klöß’

Nächste Station ist Pappenheim, das Viertausend-Seelen-Städtchen mit seinen Fachwerkhäusern, Schlössern und der Burg samt Jagdmuseum und Folterkammer. Nach Stadtrundgang und Burgbesuch ist es Zeit für eine handfeste regionale Spezialität: das Schäufele. Besser als in der »Sonne« in Pappenheim, wo die Familie Glück ein gastliches Haus führt, kann man den aus der Schulter geschnittenen Braten vom Schwein kaum machen: resch die Kruste, saftig das Fleisch, würzig die kümmelduftende Dunkelbiersauce, locker die Kartoffelklöße. Das Wirtspaar Sven und Stefanie Glück – und das verbindet sie mit der Mehrzahl der guten Häuser hier – legt Wert darauf, dass die Zutaten weitgehend aus der Region kommen und, wo möglich, aus ökologischer Landwirtschaft. »Vom Altmühltaler Lamm«, so der Koch, »bekommen wir nur halbe oder ganze Tiere, keine Edelteile. Bauchfleisch vom Lamm ist aber bei den Gästen nicht so begehrt. Jetzt machen wir aus den weniger edlen Teilen Hackfleisch und verarbeiten es zu Lammstrudel in Blätterteig, den lieben die Gäste.«

Makel in der Idylle

Ein kurzes Stück flussabwärts befinden sich die Steinbrüche, aus denen der berühmte Solnhofener Plattenkalk stammt, und wo im 19. Jahrhundert der steinerne Abdruck des Archaeopteryx gefunden wurde. Gleich danach kommt Mörnsheim, eine Gemeinde, die in einzelne Einöden und Weiler zerfällt. In einem davon lebt der Imker Burkhard Söllner, der – wieder so eine Empfehlung – besonders guten Honig machen soll. Macht er wirklich! Köstlich sind sie alle, etwa der feine Lindenblüten- oder der aromatische Edelkastanienhonig. Doch einer qualifiziert sich auf Anhieb als neuer Lieblingshonig. Er stammt von Kirschblüten und ist unvergleichlich rund im Geschmack. Burkhard Söllner zeigt die Behausungen seiner Bienenvölker vor üppig blühenden Wiesen, zeigt, wie die Königin von ihren Arbeiterinnen umsorgt und gefüttert wird.

Die Altmühl entlang führt der Weg oft an Getreidefeldern vorbei, die von prächtigen Blühstreifen gesäumt sind, Mohnblumen dicht an dicht, Monet lässt grüßen. Ist doch schön, dass sich an den Feldrändern ein bisschen wilde Natur entfalten kann, dass dort Bienen und Schmetterlinge summen und flattern – oder? »Wenn das Feld hinter dem Blühstreifen ökologisch bewirtschaftet wird, ja«, schränkt Imker Söllner ein, »findet hinter den Blumen aber konventioneller Anbau statt, wird der Blühstreifen zur Falle.« Denn dann, so Söllner, locken die Blüten Insekten an, die anschließend, wenn die Felder gespritzt werden, der Giftdusche zum Opfer fallen. Gut gemeint, aber anscheinend nicht ganz zu Ende gedacht. Frau Klöckner, bitte nachbessern!

Gastlichkeit in Zeiten von Corona

Ein hübscher Ort reiht sich an den anderen. Alles ist wohlbestellt, ordentlich, aufgeräumt: die schmucken Stadt- oder Dorfkerne mit ihren barock geschwungenen Fassaden oder Fachwerkhäusern, die Gasthäuser mit den aufwendig gestalteten Nasenschildern. Die historischen Gebäude in- und außerhalb der Ortschaften sind picobello restauriert, die Kirchen mit ihren spitzen oder zwiebelförmigen Türmen akzentuieren die Landschaft vorteilhaft. In den Gasthäusern wird gut bis ausgezeichnet gekocht, und der Service funktioniert trotz Corona einwandfrei. Bedienungen in Dirndl und mit transparentem Mund-Nasen- Schutz überreichen freundlich frisch desinfizierte Speisekarten. Nur vereinzelt gibt es traurige Nachrichten. Der »Gasthof Bauer« in Rieshofen – eine Lieblingsadresse der angrenzenden Slow Food Convivien – bleibt krankheitsbedingt bis Ende des Jahres geschlossen, und im »Landgasthof Siebenkäs«, ebenfalls als gute Adresse im Genussführer verzeichnet, hat man die coronabedingte Schließung zum Anlass genommen, den Laden gleich ganz dichtzumachen, schließlich wäre es zum Ruhestand eh nicht mehr weit gewesen. Schade.

Florian Sochatzy und sein Mispelbrand


Familie Wagner und ihr Ceviche von der Goldforelle


Landwirtschaft des Klosters Plankstetten


Maximilian Krieger, Braumeister und Chef vom Riedenburger Brauhaus


Eichstätt: beste Küche, beste Brände

Dafür gibt es neue Adressen, die uneingeschränkt Freude bereiten. Ganz besonders hat es uns der »Ståderer« in der barocken Universitätsstadt Eichstätt angetan. Autodidakt Andreas Hofrichter zaubert hier fabelhafte und überraschende Kreationen wie Tatar von der Karotte oder Pichelsteiner vom Lamm. Untergebracht ist das Restaurant in einem Hotelneubau in unmittelbarer Bahnhofsnähe. Klingt nicht eben romantisch, und doch: Wer auf der breiten Terrasse mit Blick auf die Altmühl Hofrichters Köstlichkeiten genießt, ist mitten drin im schönsten Feinschmeckeridyll.

Weil es anschließend nicht zurück ins Auto, sondern nach oben in ein bequemes Bett geht, darf auch noch etwas Hochprozentiges probiert werden. Seit ein paar Jahren stellen die Brüder Florian und Philipp Sochatzy in Eichstätt fantastische Destillate her. Neben ihren eigentlichen Berufen machen sie das – nicht um Geld zu verdienen, sondern um selbst etwas Gutes im Glas zu haben. Sizilianische Zitronen und spanische Orangen, fränkische Zwetschgen, Äpfel vom Brombachsee oder kolumbianische Kakaobohnen verwandeln sie in betörend duftende Brände und Geister.

Ceviche und Backhendl

Unteremmendorf ist eine kleine Ansammlung von Häusern und Gehöften. Vom nahen Hang fließt der Mühlbach herab, direkt am Gasthof von Michael Wagner vorbei. Der Wirt hat von dem Bächlein ein Bassin abgezweigt, in dem sich, gesichert durch einen Gitterrost, Saiblinge und Forellen tummeln. Ein Kescher liegt bereit, und so muss Wagner nur das Gitter anheben und kann den Fisch, der gerade gebraucht wird, herausheben – frischer geht’s nicht.

Eine Besonderheit ist die Goldforelle, ein lokales Produkt, aus dem Wagner ein exotisches Gericht herstellt: Ceviche, mit seiner zitronigen Frische und der leichten Schärfe an einem Sommertag ein Labsal für den Gaumen. An Tagen, die schon von herbstlicher Kühle geprägt sind, gibt es kaum etwas Besseres als Wagner zart-mürben Altmühltaler Lammbraten mit einer dichten, kraftvollen Rotweinsauce. Als Reminiszenz an seine Kochzeit in Österreich serviert Michael Wagner Backhendl, schön knusprig außen, ganz saftig innen. Dass das Hendl so gut gelingt, ist einerseits Wagner Kochkunst zu verdanken, andererseits auch der Lieferantin, Roswitha Hüttinger, die das exzellente Fleisch liefert.

In Rapperszell, keine zwanzig Kilometer von Wagners Gasthof entfernt, hätschelt Roswitha Hüttinger ihr Federvieh. Hühner und Perlhühner, Enten, Gänse, Wachteln und Truthühner dürfen sich auf ihrem Anwesen bei ausreichend Auslauf im Freien wohlfühlen. Zwischen den Hennen läuft ein Kamerunschaf, »das hält den Hennavogl – den Hühnerhabicht – fern«. Jeden Donnerstag wird geschlachtet. Von den Puten wollen die meisten Kunden nur Brust oder Keule. Aus dem Restfleisch und der Leber macht Roswitha Hüttinger deshalb eine formidable eingeweckte Putenleberwurst.

Fuchs, Benediktiner und Riedenburger

Weiter geht es über das lebhafte Beilngries, wo sich ein Gasthaus ans andere reiht, und wir glücklich im »Fuchsbräu« mit seinem großen Wirtsgarten unterkommen. Küchenchef Sylvester Meyer kombiniert mürben Tafelspitz mit Pfifferlingen und legt zu Hirschfilet mit Spätzle und sahniger Sauce frittierten Salbei. Begeistert spricht er über die einzelnen Lieferanten, jede Zutat findet Beachtung, wird sorgfältigst verarbeitet. Das Ergebnis, so Meyer stolz: »Alles, was sich für Kulinarik interessiert, findet den Weg zum Fuchs.«

Von Beilngries ist es nur ein winziger Umweg zum Benediktinerkloster Plankstetten, dessen Mönche irdischen Genüssen offenbar recht zugeneigt sind – andernfalls hätten sie nicht eine so einladende Klosterschenke und einen derart schlaraffenlandmäßigen Hofladen, wo sie ihre eigenen hervorragenden Fleischund Wurstwaren, ihr wunderbares hausgebackenes Brot, ihr selbst angebautes Gemüse und ihr leckeres Bier anbieten – alles in zertifizierter Bioland-Qualität.

Gut, das Bier machen sie nicht selbst, das braut in ihrem Auftrag das rein ökologisch arbeitende Riedenburger Brauhaus ein Stück weiter die Altmühl abwärts. Dort setzt man neben Gerste, Weizen und Hopfen auf Urgetreide und will so den Auswirkungen des Klimawandels trotzen – in Zusammenarbeit mit rund 30 Biolandwirten aus der Region.

Zeitreisen

Nach mehreren Übernachtungen in entweder nagelneuen oder umfassend renovierten Häusern darf es jetzt bitte etwas mit Patina sein. »Wohnen im Denkmal« ist eine eigene Kategorie im Naturpark, zwei Adressen liegen praktischerweise auf dem Weg: der gut 500 Jahre alte »Gasthof Stirzer« in Dietfurt und das um 1600 erbaute Schloss Eggersberg. Von den Schritten der Bewohner in Jahrhunderten modellierte, knarzende Dielenböden und Holztreppen, schweres Gebälk und zarter Stuck versetzen einen atmosphärisch in andere Welten. Im »Stirzer« bleibt die Gegenwart fühlbarer, schließlich liegt der Gasthof mitten im Ort, der lauschige Innenhof ließe sich aber ohne größere Umstände als Kulisse für einen Mittelalterfilm einsetzen.

Bevor man sich hier zu perfekt zubereitetem Rehragout oder gebratener Forelle niederlässt, sollte man dem Mühlenmuseum gleich nebenan einen Besuch abstatten. Ein skurrileres Sammelsurium an Exponaten aus mehreren Jahrhunderten ist kaum vor-stellbar, ein Schwerpunkt ist die Zeit, in der Elvis hier mal vorbeigeschaut hat.

Wirklich raus aus dem Hier und Jetzt fühlt man sich auf Schloss Eggersberg. Man wohnt, umgeben von Antiquitäten, ohne W-Lan und TV, und vor der ersten Nacht fragt man sich, ob es womöglich doch Schlossgespenster gibt. Gespeist wird in aristokratischem Ambiente, bei schönem Wetter draußen im Park. Die Küche ist eher klassisch als modern, die Zubereitung makellos. Das Gastgeberpaar Michael und Renate Schwarz hat sich einst in das Schloss verliebt und kommt nun nicht mehr davon los. Ihre Arbeit endet nie, sie nennen das Schloss ihr »schönes Monster«.

Die Tour durchs Altmühltal endet mit einer Schifffahrt zum Kloster Weltenburg und dem Besuch des dortigen Biergartens. Die Altmühl selbst aber haben wir da bereits hinter uns gelassen und befinden uns auf der Donau. Hier beginnt eine andere Geschichte.

ADRESSEN

Empfehlungen des Conviviums Ingolstadt sind mit einem Sternchen * markiert. Slow Food Unterstützer erkennen Sie an der Ergänzung (SFU), Adressen aus dem Slow Food Genussführer erkennen Sie am +.

ESSEN & TRINKEN

1 Domherrnhof
Klassisch-elegante Küche in Perfektion. Domplatz 5, 85072 Eichstätt, Tel 08421. 61 26,
www.domherrnhof.de

2 Waldhaus Kösching
Wildspezialitäten aus den Wittelsbacher Jagdgründen. Köschinger Waldhaus 2, 85092 Kösching, Tel 08405. 92 49 20,
www.koeschinger-waldhaus.de

3 Entenstuben
Gut zubereitetes Federvieh aus Freilandhaltung. Unterdorf 2, 91757 Treuchtlingen-Dietfurt, Tel 09142. 67 07,
www.entenstube.de

4 Zum Kirchenschmied
Rustikal-schlichte Küche, bestens zubereitet. Papst-Viktor-Str. 21, 91795 Dollnstein, Tel 08422. 15 12,
www.zum-kirchenschmied.de

5 Schäferwagen an der Bruck *
Würstel und andere Kleinigkeiten von Helmut König aus Demeter-Anbau. An der Altmühl, zwischen 91795 Obereichstätt und 91795 Breitenfurt,
www.extraprimagood.de/tag/schaeferwagen-an-der-bruck

6 Klosterschenke Weltenburg (SFU)
Ideale Anreise per Fahrrad oder Schiff. Herrlicher Biergarten, alle Bayernklassiker von Obatzda über Wurstsalat und Schweinsbraten bis Kaiserschmarrn. Spezialität: Asamtorte. Asamstr. 32, 93309 Kelheim, Tel 09441. 675 70,
www.klosterschenke-weltenburg.de

SCHLEMMEN & SCHLUMMERN

7 Ståderer
Großes kulinarisches Vergnügen! Verblüffend köstlich: Tatar von der Karotte. Franz-Xaver-Platz 1, 85072 Eichstätt, Tel 08421. 602 90,
www.ibbhotels.com

8 Beckerwirt Böhmfeld (SFU) +
Bioküche, Zutaten teils aus eigenem Anbau. Unbedingt probieren: »Unkrautsuppe«. Hauptstr. 15, 85113 Böhmfeld, Tel 08406. 912 42,
www.gasthaus-beckerwirt.de

9 Landgasthof Wagner (SFU) +
Ausgezeichnete Küche aus regionalen Produkten; hinreißend: Ceviche von der Goldforelle. Unteremmendorf 5, 85125 Kinding, Tel 08467. 279,
www.landgasthof-wagner.de

10 Gasthaus Stark (SFU) +
Zwischen Eichstätt und Ingolstadt gelegener schöner Landgasthof mit einsehbarer Küche; sorgfältigst zubereitete Regionalküche. Dorfstr. 17, 85128 Nassenfels-Wolkertshofen, Tel 08424. 485,
www.gasthaus-stark.de

11 Straußen
Nette Terrasse, sorgfältig zubereitete bayerisch-italienische Küche. Marktplatz 2, 86655 Harburg, Tel 09080. 13 98,
www.hotel-straussen.de

12 Gasthof Gentner +
In Altmühl-Franken unterhalb der Burg Spielberg – Slowfood in Reinkultur. Spielberg 1, 91728 Gnotzheim, Tel 09833. 98 89 30,
www.gasthof-gentner.de

13 Hotel Gasthof zur Sonne +
Tadellos gelungene Regionalküche; besondere Empfehlung: Schäufele. Deisingerstr. 20, 91788 Pappenheim, Tel 09143. 83 78 37,
www.sonne-pappenheim.de

14 Fuchsbräu (SFU) +
Ausgezeichnete Regionalküche, schöner großer Wirtsgarten. Hauptstr. 23, 92339 Beilngries, Tel 08461. 65 20,
www.fuchsbraeu.de

15 Gasthof Stirzer (SFU) *
Tafeln und schlafen im Denkmal – rund 500 Jahre altes Anwesen mit lauschigem Innenhof, schönen Gaststuben und geräumigen Zimmern. Die Küche: rustikal in Perfektion! Hauptstr. 45, 92345 Dietfurt, Tel 08464. 602 59 90,
www.gasthof-stirzer.com

16 Schloss Eggersberg
Klassische Küche in aristokratischem Ambiente, mit Liebe zubereitet. Obereggersberg 18, 93339 Obereggersberg bei Riedenburg, Tel 09442. 918 70,
www.schloss-eggersberg.de

17 Forsts Landhaus Riedenburg +
Die Küche übt sich im Spagat zwischen regional und international. Mühlstr. 37b, 93339 Riedenburg, Tel 09442. 991 93 99,
www.forsts-landhaus.de

CAFÉS

18 Chocolatique *
Erlesenes aus Kakao- und Kaffeebohnen direkt am Marktplatz. Marktplatz 22, 85072 Eichstätt,
www.genussmanufaktur-chocolatique.de

19 Museumscafé Burg Kipfenberg
Verwunschen, abgelegen, ruhig. Sympathisches Café. Selbstgebackener Kuchen zu Biokaffee. Burg Kipfenberg, 85110 Kipfenberg, Tel 08465. 90 57 07,
www.kipfenberg.de

20 Café Lebenskunst
Vom Frühstück bis zum Nachmittagskaffee mit Kuchen – Inklusionscafé mit sympathischer Atmosphäre. Marktplatz 26a, 91710 Gunzenhausen, Tel 09831. 890 94 40,
www.cafe-lebenskunst.de

21 Orangerie-Café Schloss Dennenlohe
Kaffee und Kuchen in barockem Gewächshaus von 1750. Schloss Dennenlohe, 91743 Unterschwaningen, Tel 09836. 968 88,
www.dennenlohe.de

22 Maritas Art-Café
Entspannte Atmosphäre, gute hausgemachte Kuchen. Klosterstr. 4, 91788 Pappenheim, Tel 0172. 244 37 48,
www.maritasartcafe.de

23 Café Gröglinger Holzhaus *
Hausgemachte Kuchen und Torten, Eier von eigenen Hennen, eigenes Mehl aus alten Getreidesorten, Säfte aus Obst der nahen Streuobstwiesen. Grögling 3, 92345 Dietfurt, Tel 08464. 81 67,
www.extraprimagood.de/tag/cafe-im-holzhaus-grogling

BRAUEREIEN

24 Hofmühl
Gegründet 1492 vom Eichstätter Fürstbischof Wilhelm von Reichenau. Vollsortiment von Hell, Dunkel, Keller, Weizen, Pils, mit und ohne Alkohol. Hofmühlstr. 10, 85072 Eichstätt, Tel 08421. 98 08 20,
www.hofmuehl.de

25 Gutmann
Renommiertester Weißbiererzeuger im Altmühltal. Am Kreuzberg 1, 85135 Titting, Tel 08423. 996 60,
www.brauerei-gutmann.de

26 Schattenhofer
Traditionsbrauerei mit 600 Jahre alter Geschichte. Hauptstr. 44, 92339 Beilngries, Tel 08461. 641 30,
www.schattenhofer-beilngries.de

27 Riedenburger (SFU)
Die Biobrauerei der Region, von Emmer-Bier bis Indian Pale Ale. Produzieren auch das Bier fürs Kloster Plankstetten. Hammerweg 5, 93339 Riedenburg, Tel 09442. 99 16-0,
www.riedenburger.de

SONSTIGE ERZEUGER

28 So&So (SFU)
Destillate: Faszinierend reintönige Obstbrände und -geister. Favoriten: fränkische Hauszwetschge, Waldhimbeere, Zitrone, Kakao, Apfel aus dem Sherryfass; Online-Shop. 85072 Eichstätt Tel 0160. 997 809 34,
www.destillat-manufaktur.de

29 39 Spirits & Cigars
Brände von »So&So« im Verkauf. Pfahlstr. 39, 85072 Eichstätt, Tel 08421. 936 02 14,
www.39sc-shop.de

30 Schäferei Eichhorn
Lammfleisch: Immer auf Achse auf den Altmühltaler Wacholderweiden ist Alfred Eichhorn mit seiner Herde; seine Schafe leisten wichtige Dienste in der Landschaftspflege. Obereichstätter Weg 1, 85132 Schernfeld, Tel 08422. 796,
www.schaeferei-eichhorn.de

31 Geflügelhof Hüttinger
Hühner, Perlhühner, Enten, Gänse, Wachteln und Puten aus Freilandhaltung; Hofladen mit eigenem Geflügel und weiteren Produkten der Region; geöffnet Fr 15 – 18 & Sa 9 – 12 Uhr. Jurastr. 8, 85137 Rapperszell, Tel 08426. 98 83 80,
www.jura-gefluegel.de

32 Ziegenhof Monheim
Besser als hier kann es Ziegen nicht gehen! Die handgemachten Käse sind im nahen Umkreis begehrt und rasch ausverkauft. Hagenbuch 3-5, 86653 Monheim,
www.ziegenhof-monheim.de

33 Zandtmühle
Beste Brot und Backwaren mit Mehl aus eigener Mühle; köstlich: Rosmarinring. Zandtmühle 1, 91586 Lichtenau, Tel 09827. 64 19,
www.bio-fischer.de

34 Gelbe Bürg
Walnusserzeugnisse: Die Genossenschaft bietet Absatzmöglichkeiten für Nüsse von Streuobst- und Hofbäumen. Öl, Aufstriche, Nudeln. Windsfelder Str. 11, 91723 Dittenheim, Tel 0170. 383 31 89,
www.gelbe-buerg.de

35 Obstarche
Gleich hinterm Gasthof Gentner beginnt die Streuobstwiese mit historischen Apfelund Birnensorten. Spielberg1, 91728 Gnotzheim-Spielberg, Tel 09833. 98 89 30,
www.obstarche.de

36 Burkhard Söllner
Honig, köstliche Rarität: Kirschblütenhonig. 91804 Mörnsheim,
b.soellner@t-online.de

37 Landwirtschaftsbetrieb Hiermeier
Kürbiskernöl – der steirische Ölkürbis hat hier eine zweite Heimat gefunden. Marktstr. 1, 91809 Wellheim, Tel 08427. 12 64,
www.kuerbis-kern-oel.de

38 Stefan Grad
Braugerste und Schweine in der Kreislaufwirtschaft: Stefan Grad beliefert Riedenburger mit Braugerste, bekommt im Gegenzug Biertreber als hochwertiges Viehfutter. Oberndorf 40, 92339 Beilngries, Tel 08461. 70 57 50

39 Fischzucht Ullermann
Biologische Quellwasseraufzucht. Liefert die Goldforellen für das wunderbare Ceviche im Landgasthof Wagner. Hirschberg 73, 92339 Beilngries, Tel 08461. 470

40 Kloster Plankstetten (SFU)
Eigene Rinderzucht, großartige Wurstwaren, schöner Hofladen; Restaurant, Biergarten; Kochkurse – und auch Fastenwochen. Klosterplatz 1, 92344 Berching, Tel 08462. 20 60,
www.kloster-plankstetten.de

41 Luisengärten
Lageräpfel sowie sortenreine Säfte von historischen Apfelsorten aus Streuobstwiesen und Obstgärten im Naturpark Altmühltal. Harlander Steig 5, 93339 Riedenburg, Tel 09442.921 62 00,
www.naturpark-altmuehltal.de/direktvermarkter/luisengaerten-26542

WOCHENMÄRKTE

42 Mittwoch & Samstag
Direktvermarkter und Händler. Mi und Sa 7 – 12.30 Uhr. Marktplatz, 85072 Eichstätt,
www.eichstaett.de

Direkt neben der Brauerei in Riedenburg: Der Biergarten, wo in bayerischer Tradition auch selbst mitgebrachte Speisen verzehrt werden dürfen.


43 Donnerstag
Direktvermarkter aus der Region bieten umfangreiches Angebot an Obst, Gemüse, Wurst, Käse, Backwaren, Honig, Pflanzen. Do 8-13 Uhr. Hauptstraße, 91710 Gunzenhausen
www.gunzenhausen.de

44 Dienstag
Waren- und Krammarkt jeden zweiten Di 8 – 12 Uhr, also 13./27. Okt, 10./24. Nov usw. Hauptstraße, 92339 Beilngries,
www.beilngries.de

BURGEN

45 Burg Kipfenberg
mit Römer- und Bajuwarenmuseum. Burg 1, 85110 Kipfenberg, Tel 08465. 90 57 07,
www.kipfenberg.de

46 Schloss Harburg
Im schwäbischen Teil des Altmühltals an der Romantischen Straße: eine der größten und besterhaltenen Burgen mit Bauteilen aus Romanik, Gotik, Renaissance und Barock. Burgstr. 1, 86655 Harburg, Tel 09080. 968 60,
www.burg-harburg.de

47 Schloss Spielberg
Kunstgalerie Spielberg 16, 91728 Gnotzheim, Tel 09833. 357,
www.schlossspielberg.de

48 Burg Pappenheim
Burgkapelle beliebt für Trauungen. 91788 Pappenheim, Tel 09143. 83 89 10,
www.grafschaft-pappenheim.de

49 Burg Prunn
1566 fand sich dort eine vollständige Handschrift des Nibelungenlieds. 93339 Riedenburg, Tel 09442. 33 23,
www.burg-prunn.de

KURIOSA

50 Altmühltaler Mühlenmuseum
Elvis lebt! Jedenfalls im Herzen der Museumsbetreiber, die ein Buch über die kurze Zeit des Rock’n’Rollers am Ort herausgebracht haben. Hauptstr. 51, 92345 Dietfurt, Tel 08464. 209,
www.altmuehltalermuehle.de

INFO

51 Info Naturpark Altmühltal
Notre-Dame-Weg 1, 85072 Eichstätt, Tel 08421. 98 76 18,
www.naturpark-altmuehltal.de


Fotos: Rozsika Farkas

Fotos: Rozsika Farkas

Fotos: Rozsika Farkas

Karte: Wilhem Brauer

Foto: Riedenburger Brauerei