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VERSAMMLUNG: Gebündelte Kraft


Mein Pferd - epaper ⋅ Ausgabe 100/2019 vom 06.09.2019

Versammlung ist ein Ziel, das jeder im Dressursattel anstrebt. Hier zeigt sich die geballteKraft des Pferdes, die Reiter so fasziniert. UnsereDressur- Expertin Imke Kretzmann erklärt, welcheÜbungen das Pferd darauf vorbereiten und warum es so wichtig ist, zwischenrichtiger undfalscher Versammlung zu unterscheiden


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Bildquelle: Mein Pferd, Ausgabe 100/2019

Für eine korrekte Versammlung ist viel Kraft und Balance erforderlich


Der Begriff Versammlung trifft wortwörtlich das, was er bezeichnen soll: Die Kraft des Pferdes wird konzentriert, also versammelt“, sagt Imke Kretzmann. Sie bildet Pferde bis zur schweren Klasse aus und ist als ...

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... Reitlehrerin am Birkenhof in Hamburg-Rissen sowie an weiteren Ställen im Hamburger Raum tätig. Den Vorgang der Versammlung beschreibt sie so: „Die Hinterbeine treten unter den Körper, die Grundfläche, auf der das Pferd sich ausbalanciert, verringert sich. Die große Bewegung des dynamischen Vorwärts wird gewandelt in eine kraftvoll geballte Aufwärtsbewegung. Sie ist die Krone der Dressurreiterei und ein durch und durch erstrebenswertes Ziel. Wer einmal auf einem richtig versammelten Pferd gesessen hat, kann sich in seinem Leben eigentlich nichts anderes mehr wünschen, als das noch einmal erleben zu dürfen – so geht es mir jedenfalls.“

Absenken der Hinterhand

Bei der Versammlung kommt es zu einer maximalen Lastaufnahme der Hinterhand. Das Pferd winkelt seine Hüft-, Knie,- und Sprunggelenke an, was als Hankenbeugung bezeichnet wird. Das Becken führt eine ganz leichte Kippbewegung aus. „Durch das Absenken der Hinterhand richtet sich das Pferd entsprechend in der Vorhand auf, es kommt in die relative Aufrichtung: Die Aufrichtung der Vorhand steht in Relation zur abgesenkten Kruppe. Die Oberlinienmuskulatur des Pferdes wird lang und gedehnt, die Bauchmuskulatur zieht sich zusammen“, erklärt die Ausbilderin. Durch den versammelnden Prozess werden die Bewegungen federnder, das Pferd erscheint mehr im „Bergauf “, seine Schulterfreiheit verbessert sich und der Reiter kann leichter und komfortabler sitzen sowie den Vierbeiner auf kleinstem Raum wenden. Hieraus resultiert das Gefühl von Leichtigkeit, das die Trainerin eingangs beschrieben hat.

Die Versammlungsfähigkeit eines Pferdes ist eng an sein Vermögen zur Schwungentfaltung gebunden. „Schwung entwickelt sich aus der Losgelassenheit, über die das Pferd gelernt hat, vertrauensvoll und energisch an die gewährende Reiterhand heranzutreten (Anlehnung). Aus dieser zuerst erarbeiteten Schubkraft entwickelt sich über das Reiten der richtigen Lektionen nach und nach die Tragkraft, also die Versammlung, wobei die Bewegungen nie ihre Lockerheit, Dynamik und Elastizität einbüßen sollen. Ein Pferd, das, aus welchem Grund auch immer, keine schwungvolle Bewegung ausführen kann, ist auch nicht zu echter Versammlung in der Lage, es wird nur verkürzte, verkümmerte Bewegungen zeigen“, warnt die Expertin.

Versammlung beginnt bereits beim Reiten von Tempounterschieden, im vorsichtigen Ausdifferenzieren des Arbeitstempos in verlängerte und verkürzte Bewegungen. „Je mehr Kraft und Geschicklichkeit das Pferd erworben hat, desto mehr Verstärkung und Versammlung wird es zeigen. Im Trab kann über die Tempounterschiede die Verkürzung bis zu den Halben Tritten vorangebracht werden, bis es schließlich in der höchsten Form der Versammlung im Trab mündet, der Piaffe. Im Galopp gilt dasselbe: Aus dem Arbeitsgalopp wird einerseits über den Mittel- und starken Galopp die Schwungentfaltung erarbeitet, auf der anderen Seite der versammelte Galopp. Die Pirouette ist dabei die höchste Versammlungsform im Galopp“, erläutert Kretzmann.

Schub- und Tragkraft

Welchen Grad an Versammlung Ihr Pferd leisten kann, hängt davon ab, wie gut die Schubkraft bereits ausgebildet ist. „Sobald das Pferd verstanden hat, was es bei den Tempounterschieden tun soll, wird es, vorausgesetzt der Reiter hat seinem Pferd die Aufgabe gut vermittelt, selbsttätig mitarbeiten und schnell mehr Kraft erlangen. Die Übergänge werden immer leichter abrufbar (störungsfreies Zulegen und Abfangen ohne Takt- und Anlehnungsfehler). Das Pferd wird nach und nach durch die steigende Kraft und Balance von sich aus mehr Verstärkung und Versammlung anbieten“, sagt die Ausbilderin. Wenn es dies nicht tut, gibt es dafür immer eine Ursache. Das kann zum Beispiel an einer fehlerhaften reiterlichen Einwirkung liegen, aber auch physische oder psychische Gründe haben.

„Sobald das Pferd überfordert wird – sei es durch unverständliche oder überfallartige Anweisungen oder körperliche Überlastung –, kommt es zu Stressreaktionen, und damit zu Verspannungen und Leistungsabfall“, mahnt die Reitlehrerin. Nur eine planvolle Vorbereitung auf die versammelnden Lektionen sowie eine für das Pferd transparente Aufgabenstellung mit sinnvoller, angemessener Wiederholung der Übungen gewährleiste eine ruhige und konzentrierte Mitarbeit des Tieres. Damit es seine ihm gestellte Aufgabe verstehen und sich weiterentwickeln könne, müsse der Reiter sich im Ausbildungsweg gut genug auskennen und wissen, welche Lektion auf welcher aufbaue und was er wann fordern kann. „Eine beliebige Aneinanderreihung von Lektionen nach dem Motto ‚Was kann ich denn jetzt noch reiten?‘ lässt beim Pferd kein Verständnis für die Arbeit entstehen. Zudem müssen die Lektionen in der richtigen Reihenfolge abgerufen werden – von der Lösungsphase zur Arbeitsphase, vom Leichten zum Schweren“, erklärt sie.

Zeigt sich der Vierbeiner bereit für die Versammlung, ist eine wichtige Regel zu beachten: Weniger ist mehr! Die vom Pferd verlangte Hankenbeugung bedeutet nämlich einen enormen Kraftaufwand und ist in etwa vergleichbar mit Kniebeugen. Machen Sie einmal zehn Kniebeugen hintereinander. Das klingt zunächst einfach, dürfte aber fast jedem, der kein Berufssportler ist, schwerfallen. Genauso ergeht es dem Tier. Wie lange oder wie stark ein Pferd versammelt gehen sollte, hängt also immer von seinem Trainingszustand ab. „Bei einem unangemessenen Einsatz kann die Versammlung zu vorzeitigem Verschleiß führen – ganz abgesehen davon, dass nichts unmotivierender ist, als eine Aufgabe gestellt zu bekommen, die einen überfordert. Das gilt für Pferde genauso wie für Menschen“, gibt Kretzmann zu bedenken.

Kurze Reprisen reiten

Um das richtige Maß zu finden und zu spüren, wie viel Leistung dem vierbeinigen Partner abverlangt werden kann, benötigt der Reiter viel Feingefühl im Sattel. „Wenn das Pferd korrekt an die Versammlung herangeführt wurde, seine Aufgabe gut bewältigt hat, dann jedoch bei erneutem Abruf eine schlechtere Leistung zeigt, ist die Muskulatur höchstwahrscheinlich überlastet. Oft wird im Eifer des Gefechts vergessen, dass ein Pferd auch mal einer Pause bedarf “, betont die Expertin. Daher sollten versammelnde Lektionen nicht über einen langen Zeitraum, sondern in kurzen Reprisen abgerufen werden. Dennoch solle der Reiter versuchen, in jeder Reprise kurz an die Leistungsgrenze seines Pferdes heranzukommen, um dessen Leistungsfähigkeit langfristig zu steigern.

Apropos Reiter: Er ist das eigentliche Zünglein an der Waage, denn ohne eine entsprechende reiterliche Qualifikation ist eine anspruchsvolle Ausbildung bis hin zur höchsten Versammlung nicht möglich. „Der Reiter ist der Lehrer seines Pferdes, und jeder Schüler kann nur so gut werden, wie sein Lehrer ihm den Lernstoff vermittelt“, sagt die Reitlehrerin. Dazu gehört zunächst ein guter, ausbalancierter Grundsitz. Möchte der Reiter ein sensibles und fein zu reitendes Pferd haben, muss er in der Lage sein, entsprechend fein auf sein Pferd einzuwirken. „Desweiteren muss das Zusammenspiel der Hilfen verstanden und gut koordiniert umgesetzt werden können.“ Dieses Zusammenspiel der Hilfen beginnt mit dem Sitz.

Der abfangende Sitz ist das Zentrum der reiterlichen Einwirkung in der Versammlung. Über das Becken wird das Pferd gelenkt, abgefangen und letztlich auch aufgefordert. „Zunächst schwingt das Becken des Reiters passiv mit, um die Bewegung des Pferdes in sich aufzunehmen und vom Pferd nicht als Fremdkörper wahrgenommen zu werden. Ist der Reiter auf diese Weise gewissermaßen zum Teil seines Pferdes geworden, kann er nun aus der gemeinsamen Mitte heraus das Pferd in Wendungen reiten oder die Bewegungen seines Pferdes verlängern oder verkürzen. Das geschieht, indem er die Bewegung seines Beckens länger oder kürzer ausführt, als sein Pferd das gerade tut. Dieses subtile ‚Hinter-der- Bewegung-des-Pferdes-bleiben‘ ist eigentlich gemeint, wenn von ‚Gegensitzen‘ die Rede ist, was leider häufig falsch verstanden wird“, erklärt Kretzmann anschaulich.

Mit einem kräftigen Ziehen am Zügel lässt sich kein Pferd versammeln


Sanftes Abfangen

Wichtig ist, dass auch in der Rückführung in die Versammlung nach vorne geritten wird. Das bedeutet jedoch nicht, beim Abfangen wild mit den Schenkeln zu treiben. Es darf auch niemals mehr gegengehalten werden, als das Pferd von sich aus, veranlasst durch den treibenden Impuls des Reiters, an die Hand heranzieht. „Alles, was der Reiter ‚in der Hand‘ hat, muss er zuerst einmal durch vernünftiges Vorwärtsreiten erritten haben. Hat er eine solide, vom Pferd ausgehende Zügelverbindung, treibt er durch einen leichten Schenkelimpuls bei gleichzeitigem kurzen Anspannen seines Kreuzes („Gegensitzen“) das Pferd vermehrt an die Hand und fängt es durch ein einfaches Zudrücken derselben ab. Die gesamte Einwirkung ist dabei so gering, dass sie für den Betrachter vollständig unsichtbar bleibt“, beschreibt die Expertin.

Zu Abwehrverhalten kommt es schnell, wenn das Pferd überfordert wird


Dabei muss der Reiter ein sicheres Gefühl dafür haben, ob das, was das Pferd tut, gut oder nicht gut ist. So sollte er beispielsweise fühlen können, wenn die Nase vor oder hinter der Senkrechten ist, die Hinterhand seitlich ausweicht oder der Rücken des Pferdes aufgewölbt oder weggedrückt ist. „Wenn der Reiter nicht spürt, ob sich eine Bewegung verbessert oder verschlechtert hat, kann er sein Pferd nicht sinnvoll schulen. Das Gefühl ist der Kompass jedes Reiters, ohne es reitet er sozusagen im Blindflug“, merkt sie an.

Die Kombination aus Know-how, reiterlicher Einwirkung und Gefühl ist es also, die maßgeblich an der Versammlung beteiligt ist. Sie entscheidet auch über die korrekte oder inkorrekte Ausführung des letzten Punktes der Ausbildungsskala. „Ob ein Pferd richtig oder falsch versammelt wurde, erkennt man äußerlich zuerst einmal an seinem Seitenbild. Das korrekt versammelte Pferd (siehe Kasten Seite 40) zeigt auch in der äußersten Verkürzung den charakteristischen Viertelkreisbogenin der Halslinie, das Genick bleibt am höchsten Punkt und die Stirnlinie an bzw. leicht vor der Senkrechten. Der Reiter hat das Gefühl, am höchsten Punkt des Pferdes zu sitzen, da sich der Rücken unter ihm maximal aufwölbt und ihn anhebt“, erläutert Kretzmann. Leicht erkennbar ist auch die Bemuskelung eines korrekt gerittenen Pferdes: Es zeigt eine gut ausgeprägte Hals-, Rücken- und Kruppenmuskulatur.

HÄUFIGE FEHLER

Abb. 1 Relative Aufrichtung


Abb. 2 Absolute Aufrichtung


Fehler: Versammeln über die Hand (Abb. 1 & 2)Der häufigste Fehler ist das Versammeln- Wollen über die Hand. Anstatt das Pferd über den Sitz abzufangen und auch in der Rückführung nach vorne an die Hand zu reiten (was einiges an reiterlichem Geschick verlangt), wird über starres Gegenhalten oder sogar Ziehen am Zügel das Vorwärts unterbunden, während „hinten“ weiter getrieben wird. Das Pferd kann die Kruppe aufgrund des blockierenden Zügels nicht absenken, und der gegebene treibende Impuls wird statt nach vorne-unten nach hinten-oben umgesetzt. Die erwünschte Hankenbeugung findet nicht statt. Die Hinterhand versteift und der Rücken fällt durch.

Fehler: Absolute Aufrichtung (Abb. 3)Problematisch ist auch der Versuch, das Pferd durch das Anheben der Hand aufrichten zu wollen. Die hohe Hand führt dazu, dass sich das Pferd im Hals eng macht. Statt in die relative Aufrichtung wird es in die absolute Aufrichtung gebracht. Der Pferdehals wird künstlich angehoben, ohne dass sich dabei die Hinterhand absenkt. Das führt zu einer Stauchung der Halswirbelsäule, der Rücken wird infolgedessen nach unten weggedrückt, und die Kruppe hebt sich, bedingt durch das Versteifen der Hintergliedmaße, an. Die Last kommt auf die Vorhand. Dabei kann es so weit kommen, dass das Pferd eine „hüpfende“ Hinterhand bekommt, d. h. seine Hinterbeine werden höher angezogen als seine Vorderbeine. Dies zeigt, dass auf der Hinterhand keine Last ruht.

Abb. 3 Aufrichtung über die Hand


Abb. 4 Zu frühe Versammlung


Fehler: Zu frühes Versammeln (Abb. 4)Ein weiterer häufiger Fehler ist das zu frühe Versammeln. Voraussetzung für die Versammlung ist, dass das Pferd sicher an die Reiterhand heranzieht, seine Oberlinie trägt und seine Hinterhand energisch abfußt. Es lässt den Reiter auch beim Reiten einer Verstärkung gut sitzen und vermittelt ihm das Gefühl, in den Sattel hineingezogen (und nicht hinausgestoßen) zu werden. Ein solches Pferd hat eine gut bemuskelte Oberlinie, eine kräftige Hinterhand und beugt bereitwillig die Gelenke. Ist dieser Zustand noch nicht erreicht oder noch nicht stabil, geht bei erhöhter Anforderung die Dehnung der Oberlinie verloren, da das Pferd nicht die Kraft und die nötige Spannung hat, um sich bei vermehrtem Druck auf die Hinterhand weiter zu tragen. Das Pferd schiebt sich einfach nur von vorne nach hinten zusammen. Statt mit dem Hinterbein nach vorne zu greifen, schiebt das Pferd sein Vorderbein unter die Last.

Fehler: Verwechslung mit LangsamkeitOft wird langsames Reiten mit Versammlung verwechselt. Wenn ein Pferd ruhig und zwanglos trabt, ist es zwar losgelassen, was ein wichtiger Meilenstein in der Ausbildung ist, es ist deswegen aber noch lange nicht versammelt. Ein Pferd, das nie reell nach vorne an die Hand geritten wurde und eine positive Grundspannung aufgebaut hat, kann auch nicht reell versammelt werden.

Falsche Versammlung

Eine falsche Versammlung (siehe Kasten Seite 39) ist vor allem an einer schwach ausgeprägten Oberlinie festzustellen. Beim Reiten macht sie sich zudem durch Anlehnungsprobleme bemerkbar. „Ein Pferd, das durch energisches Gegenhalten ‚zurückgeritten‘ wurde, zieht nicht an die Hand heran, sondern drückt immer wieder gegen sie. Es kann gar nicht anders, da ihm der blockierende Zügel die Möglichkeit nimmt, sich auszubalancieren. Es ist eng im Hals, die Stirnlinie kippt hinter die Senkrechte, und oft entsteht ein falscher Knick. Durch das Gegenhalten wird es auf die Vorhand gezwungen. Die Hinterbeine können sich nicht beugen, sondern bleiben gerade und steif. So kann keine Lastaufnahme mit der Hinterhand stattfinden“, sagt die Reitlehrerin.

Besonders gut sichtbar wird eine falsch verstandene Versammlung in der Verstärkung, die ja Bedingung für die Versammlungsfähigkeit ist. „In der Trabverstärkung kommt es leicht zu Taktfehlern. In der Galoppverstärkung wird das Pferd die Kruppe hochschieben und in sich schief werden“, so die Expertin. Leider sind diese Bilder auch in den höheren Klassen keine Seltenheit.

Bei allem Bedürfnis, das Pferd bis zur Versammlung zu bringen, sollte das Wohlergehen des Vierbeiners immer über allem stehen – vor allem über dem reiterlichen Ehrgeiz, ist Kretzmanns abschließender Rat. „Nicht jedes Pferd ist zum vollendeten Tänzer geboren, wie auch die meisten Menschen keine Hochleistungssportler werden können, selbst wenn sie es wollten. Jeder Reiter sollte versuchen, seinem Pferd die bestmögliche Ausbildung zu bieten, aber seine ihm gesetzten Grenzen – sowie auch seine eigenen – zu akzeptieren. Wie heißt es so schön: Der Weg ist das Ziel. Ich glaube, nirgends ist dieser Satz so wahr wie in der Reiterei“, so die Ausbilderin abschließend.

UNSERE EXPERTIN

IMKE KRETZMANN ist als Reitlehrerin am Birkenhof in Hamburg- Rissen und an weiteren Ställen im Hamburger Raum tätig. Sie bildet Pferde bis zur Klasse S aus und bietet Reitunterricht und Beritt gemäß der Skala der Ausbildung an.
www.besser-reiten.hamburg

RICHTIGE VERSAMMLUNG

Abb. 5 Junges Pferd


Junges Pferd (Abb. 5)Das Pferd muss zu Beginn seiner Ausbildung lernen, unter seinem Reiter in Losgelassenheit und im Gleichgewicht zu laufen. Die sicher gefundene Anlehnung ist die Basis für jede weitere Ausbildung.

Abb. 6 Beginnende Versammlung


Beginnende Versammlung (Abb. 6)Durch den erfolgreich errittenen Spannungsbogen in der Oberlinie prägen sich die entsprechenden Muskelgruppen aus. Häufiges Reiten von Übergängen lockert und kräftigt die Hinterhand, die gesamte Oberlinienmuskulatur formt sich mehr und mehr plastisch heraus. Das Pferd trägt sich und beugt bereitwillig seine Gelenke.

Abb. 7 Versammlung


Versammlung (Abb. 7)In der Versammlung ist die Oberlinie des Pferdes so weit ausgebildet und gekräftigt, dass das Pferd über sein Hüft-, Knie- und Sprunggelenk ein maximales Maß an Last aufnehmen kann. Der Hals bildet einen Viertelkreisbogen, das Genick ist am höchsten Punkt, die Stirnlinie an der Senkrechten, die Hankenbeugung deutlich erkennbar.

Ein ausbalancierter Sitz ist wichtig, um die richtigen Hilfen geben zu können


6 ÜBUNGEN FÜR DIE VERSAMMLUNG

Beim Rückwärtsrichten muss das Pferd seine Hanken stark beugen


Das Reiten von Übergängen zwischen den Grundgangarten und innerhalb einer Gangart sowie das Rückwärtsrichten sind förderlich für die Versammlung. Sie sorgen für aufmerksame Mitarbeit, Reaktionsschnelligkeit, Geschicklichkeit und Balance.

Kraft in der Hinterhand steigern

Übung 1:Trab-Schritt-Trab-Übergänge lockern über das stetige Beugen und Abfußen die Hinterhand, kräftigen sie aber auch zugleich.

Übung 2:Galopp-Schritt-GaloppÜbergänge fördern ebenso die Kraft in der Hinterhand. Auf gebogener Linie können die Übergänge (sowohl im Trab als auch im Galopp) auch in leichter Schultervor-Tendenz geritten werden, um eine verbesserte Lastaufnahme durch das innere Hinterbein zu erzielen.

Übung 3:Tempiwechsel sind ideal für mehr Power in den Hinterbeinen. Beim Zulegen und Abfangen sowohl im Trab als auch im Galopp muss aber darauf geachtet werden, dass das Pferd nicht sein Gleichgewicht verliert und auf die Hand gerät oder eng im Hals wird. Es empfiehlt sich, mit wenigen Takten die Tempounterschiede zu beginnen, bis das Pferd die Aufgabe begriffen hat und körperlich problemlos umsetzen kann. Erst dann sollte eine Steigerung gefordert werden.

Hankenbeugung trainieren

Übung 1:Wiederholte Übergänge „Halt– Rückwärtsrichten–Antraben“ trainieren die Hankenbeugung. Wichtig ist hier zweierlei: Erstens, dass das Rückwärtsrichten ohne Widerstand abrufbar ist, d. h. das Pferd die Hinterbeine willig beugt. Es darf in der Rückwärtsbewegung weder eng im Hals werden noch gegen die Hand gehen, denn beides ist ein Indiz für fehlende Lastaufnahme der Hinterhand. Und zweitens, dass das Halten ausreichend lange durchgehalten wird, sonst wird das Pferd schnell unruhig. Aus dem Rückwärtsrichten wird dann direkt und flüssig angetrabt, um aus der Beugung der Hinterhand direkt ins energische Vorfußen zu kommen.

Übung 2:Wiederholte Übergänge „Halt– Rückwärtsrichten–Galopp“ sind für fortgeschrittene Reiter-Pferd-Paare ideal. Zur Steigerung der Effektivität kann direkt in eine Volte angaloppiert werden.

Übung 3:Im Anschluss kann das Rückwärtsrichten „herausgekürzt“ werden und können stattdessen erste versammelte Tritte bzw. Sprünge abgerufen werden. Es ist empfehlenswert, zu diesem Zweck die Übung – egal ob im Trab oder Galopp – zunächst an immer demselben Punkt zu reiten. Das Pferd erwartet die Rückführung und lässt sich erheblich leichter abfangen. So lassen sich recht einfach die ersten Halben Tritte und versammelten Sprünge abrufen. Wichtig ist, dass es aus jeder Rückführung immer wieder ins Vorwärts entlassen wird, damit keine verkümmerte Bewegung entsteht.


Fotos: slawick.com (4), imago images/ sportfotodienst (1), Privat (1), Grafik (7)