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VERSCHÜTTET UND GERETTET VON VIER PFOTEN


Der Hund - epaper ⋅ Ausgabe 2/2020 vom 08.01.2020

Einmal eine Situation miterleben, die man sich im echten Leben nicht wünscht: Verschüttet werden und auf Rettung hoffen. Wie es sich anfühlt und wie nützlich Rettungshunde bei der Suche nach Vermissten und Verschütteten sein können, zeigt unsere Reportage einer Trümmersuchübung.


Artikelbild für den Artikel "VERSCHÜTTET UND GERETTET VON VIER PFOTEN" aus der Ausgabe 2/2020 von Der Hund. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Der Hund, Ausgabe 2/2020

Gleich geht’s in die Röhre! Als verschüttete Person lasse ich mich von den Rettungshunden suchen.


Wir treffen uns Ende November 2019 im Trainings-Zentrum des BRH Bundesverband Rettungshunde e. V. im baden-württembergischen Mosbach. Seit über 40 Jahren leisten Freiwillige des BRH Unterstützung bei der Rettung von Menschenleben, sei ...

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... es bei Erdbebeneinsätzen oder wenn Menschen als vermisst gemeldet werden. Für diese Arbeit stiftet die Boehringer Ingelheim Vetmedica GmbH im Rahmen der Aktion „Hier wirke ich“ 15.000 Euro für den BRH-Fond „Verletzte und erkrankte Rettungshunde“, die sie im Rahmen einer Vorstellung mit anschließender Live-Vorführung an den Verein überreicht. Mit dabei: ich, sowohl beobachtend und fotografierend als auch als zu rettende Person.

Im Trümmerversteck

Ein leichtes Trappeln – wie von Mäusen – hinter meinem Rücken lässt mich wissen, dass die Suche im Gange ist. Sonst dringt wenig an mein Ohr, in der engen Betonröhre, in der ich hocke. Vor einiger Zeit – gefühlt war das lange her – habe ich das Signalhorn eines Rettungswagens gehört. Doch auch das kam nur sehr gedämpft in dem Betonversteck an, in den nur durch einen kleinen Spalt vom Rand her Tageslicht schimmert. Ich halte unbewusst die Luft an, damit ich mich nicht zu früh bemerkbar mache – schließlich ist es meine Aufgabe, als verschüttete bewusstlose Person auf meine Rettung zu warten. Doch was, wenn der Trümmersuchhund mich nicht findet? Er ist ja schon wieder weg – an meinem Versteck vorbei gelaufen. Was, wenn er durch den Luftspalt zwischen Blechdeckel und Röhrenrand nicht genug Witterung bekommt? Wann wäre es an der Zeit, dass ich mich doch anders bemerkbar machen muss?

Rettung naht

Ich habe dazu keine Instruktionen bekommen. Wie sich allerdings fast sofort herausstellt, zu Recht. Denn während ich noch überlege, kehrt das Laufgeräusch zurück. Ein Schatten verdunkelt den Spalt, durch den der graue Herbsthimmel bis eben noch meinen nicht wirklich gastlichen Unterschlupf erhellt hat. Ein Bellen und aufgeregtes Schnüffeln an der Stelle begleiteten das Ganze. Qessi hat tatsächlich ganz ohne mein Zutun zu mir gefunden und ihrer Hundeführerin Anke Gareis angezeigt, dass hier jemand in den Trümmern steckt. Zum Glück lässt sich der Blechdeckel, der die Röhre verschließt, von außen abheben. Doch ganz wie bei einer echten Verschüttetensuche geht das auch nur schrittweise. Davor werde ich angesprochen. Die Suchenden wollen eine Reaktion von mir, um zu wissen, ob ich noch bei Bewusstsein bin. Natürlich antworte ich – zu meiner und zur Erleichterung der Suchmannschaft mit: „Ja, ich bin hier“. Ruhig und sachlich gibt meine Retterin die Information: „Person gefunden“ daraufhin per Funk weiter, noch bevor ich mich wieder aufrichten kann. Die Hündin hat zuvor kurz einen Blick in mein Versteck geworfen, und sich überzeugt, dass sie erfolgreich war. Sie wartet nun, ohne größeres Interesse an mir, auf ihre Belohnung.

Belohnung ist alles

In ihrem Fall sind das Fleischwürfelchen – welche Anke Gareis mir in einer verschlossenen Plastikdose gibt und normalerweise nur selbst als Belohnung an Qessi füttert. Doch wir sind ja zum Üben hier und so darf ausnahmsweise ich mich damit bei der vierjährigen Schäferhündin für die erfolgreiche Suche bedanken. Das Interesse an mir ist danach allerdings endgültig vorbei – auch, wenn wir uns bei dieser Rettungsübung an dieser Stelle zum ersten Mal begegnet sind. Qessi hat ihre Aufgabe erfüllt, es gibt für sie keinen Grund, noch zu bleiben oder sich um mich zu kümmern. Dafür sind auch im echten Einsatz andere – menschliche – Helfer zuständig.

Die gesamte Übung, vom Losschicken des Hundes bis zum Finden, hat sicher keine fünf Minuten gedauert, doch für mich hat es sich angefühlt wie eine kleine Ewigkeit. Wie muss es da echten Opfern gehen, die noch nicht einmal wissen, dass zu ihrer Suche und Rettung ein Hund unterwegs ist? Wenn man also tatsächlich bei einem Häusereinsturz unter Trümmern feststeckt? Ich jedenfalls bin froh, wieder aus der unbequemen Lage befreit zu sein und die Betonröhre auf eigenen Füßen verlassen zu können.

Spektakuläre Kulisse fürs Training

Das ist das gar nicht so einfach. Das Trümmergelände des Bundesverbandes Rettungshunde BRH e. V. ist nämlich tatsächlich ein vor Ort absichtlich zerstörtes Gebäude. Entsprechend wackelig und stolperanfällig ist der Untergrund, auf dem ich gehe. Dass Schutt und Balken oder Steine nicht ganz fest liegen, ist einer der Gründe, warum Rettungshunde zunächst alleine auf die Suche in Trümmern geschickt werden, während die Hundeführer in der Regel am Rand bleiben. Dabei suchen sich die Hunde selbstständig ihren Weg – sie müssen selber sehen und spüren, wo sie laufen können. Es kann durchaus sein, wie wir bei der Übung mit einem weiteren Hund noch sehen, dass er Hilfe braucht. Das zeigt der Hund dann deutlich und wartet, bis er diese bekommt.

Die Rettungshundeführerinnen schicken zunächst ihre Hunde los und warten am Rand der Trümmer.


Die Hunde nutzen unterschiedliche Anzeigeformen, um darauf aufmerksam zu machen, dass sie etwas gefunden haben. Vizsla-Mix Sam nutzt das Vorstehen.


Fotos: Susanne C. Steiger (2)

Die Übung beweist, dass Hund und Halter ein eingespieltes Team sind, egal wie lange sie schon als Rettungshundeteam unterwegs sind. Jedes Mensch-Hund-Team kommuniziert dabei individuell, manche mehr mit Worten, andere mehr mit Gesten und Signalen. Das Wichtige dabei ist, dass der Hund die Bedeutungen gelernt hat und weiß, was er tun darf und was nicht. Auf der anderen Seite müssen die Menschen die Signale des Hundes eindeutig verstehen: Wenn der Vizsla-Dackel-Mix Sam durch Vorstehen anzeigt, etwas gefunden zu haben, macht sich seine Hundeführerin Bettina Fieß auf den Weg durch den Schutt. Ein anderes Team arbeitet – wie bei meiner Rettung – mit Lautgeben.

Die Retter sind da! Schäferhündin Qessi hat mich in der Betonröhre gefunden und ihre Hundeführerin Anke Gareis auf mich aufmerksam gemacht.


Fotos: Susanne C. Steiger (3)

Übung macht das Team

Das Übungsgelände des Vereins in Mosbach wartet nicht nur mit einem verfallenen Gebäude auf, es sind auch beschädigte Fahrzeuge und ganze Häuser als Suchflächen vorhanden. Verschiedene Szenarien können dort nachgestellt und als Test durchgespielt werden, von der Suche nach Patienten, die bei einer Krankenhausevakuierung zurückblieben, bis zur Suche im verdunkelten Kinosaal. Manchmal ist es erforderlich, den Tieren Glöckchen anzuziehen, damit die Hundeführer den Weg ihrer Helfer per Gehör verfolgen können, selbst wenn diese außer Sichtweite sind.

Bis es aber soweit ist, dass die Retter sich voll und ganz auf ihre Hunde verlassen können, vergehen viele Stunden des Übens und Trainierens. Und bevor ein Team dann tatsächlich bei der Vermisstensuche helfen kann, stehen Prüfungen an. Zur Sicherheit von Mensch und Hund sind diese vorher üblich und nötig. Gerade bei der Trümmersuche steht die Sicherheit des Hundes an erster Stelle – dafür muss sich sein Teamkollege hundertprozentig auf ihn verlassen können. Für die Ausbildung wenden die allesamt Ehrenamtlichen viel Zeit auf – und Engagement. Umso erfreulicher, dass beim BRH in über 85 Staffeln deutschlandweit mehr als 700 geprüfte und einsatzfähige Rettungshundeteams zu jeder Tages- und Nachtzeit für Rettungseinsätze bereitstehen. Sie werden von Behörden angefordert und ihre Einsätze sind in der Regel kostenfrei – der Verein finanziert sich aus Spenden und über Sponsoren. Da kommt eine solche Hilfe wie die Spende für den BRH-Fond „Verletzte und erkrankte Rettungshunde“ gerade recht – denn nicht immer bleiben die Retter auf vier Pfoten von Verletzungen verschont.

Jeder Rettungshund freut sich über eine andere Belohnung. Bei meiner Retterin Qessi ist es Futter, die Aldeutsche Hütehündin Finja mag Spielzeug

So sind Rettungshunde organisiert

Mehrere Organisationen betreuen überregional Rettungshundestaffeln in Deutschland, u. a.:

BRH Bundesverband Rettungshunde e. V.
www.bundesverband-rettungshunde.de

Arbeiter Samariter Bund e. V.
www.asb.de

Deutsches Rotes Kreuz DRK e. V
www.drk.de

DRV Deutscher Rettungshundeverein e. V. ► www.drv-rettungshunde.de

Viele Rettungshundestaffeln sind auch regional in Vereinen organisiert.


Foto: © Boehringer Ingelheim Vetmedica GmbH