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Verspannungen lösen


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St.GEORG - epaper ⋅ Ausgabe 110/2021 vom 18.10.2021

MASTERSON

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Bildquelle: St.GEORG, Ausgabe 110/2021

Jim Masterson übt sanften Druck auf einen Punkt an der Halswirbelsäule aus.

Da das Genick und der Oberhals des Dressurpferdes im Besonderen fest und schmerzhaft sein können und dadurch bei der Behandlung sehr herausfordernd sind, beginnen wir oft eine Körperarbeitssitzung mit dem Lösen der Scapula (des Schulterblatts). Dies fällt dem Pferd oft leichter. Mit dem Lockern des Schulterblatts werden im Pferde-System Endorphine freigesetzt, die ihm helfen, im ganzen Körper zu entspannen.

Achtung!! Bildqualität zu schlecht

TECHNIK 1

Scapula-Lösungspunkte

ZIEL: „Lösen des Scapulabereichs“ ist eine Technik, um das Schulterblatt im entspannten Zustand vorsichtig zu bewegen.

ERGEBNIS: Es gibt eine sehr einfache Möglichkeit, die Schulter auf diese Bewegungen vorzubereiten und so das „Lösen des Scapulabereichs“ für das Dressurpferd zu erleichtern. Benutzen Sie die Suchen – Reaktion – Warten – Loslassen (SRWL) – Technik, finden Sie „Blinzelpunkte“ wie auf Foto 2 gezeigt vor, über ...

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... und hinter dem Schulterblatt. Verwenden sie so viel Zeit mit diesen Punkten, bis Sie eine Reaktion des Loslassens bekommen. Dies wird signifikant die Anwendung des „Lösen des Scapula bereichs“ erleichtern. Obwohl diese Blinzelpunkte typischerweise über Ansätzen und Verbindungen von Muskeln der Schulterregion liegen, brauchen Sie sich keine Sorgen um die anatomische Genauigkeit zu machen. Das Pferd weiß selbst, wo Sie sind! Seien Sie nicht überrascht, wenn Sie viel, viel mehr als fünf Blinzelpunkte in der Schulterregion finden. Konzentrieren Sie sich zunächst auf die Stellen, die auf dem Foto 2 gezeigt sind. Verwenden Sie die Druckstärke „Mit Zwischenraum“- oder „Eigelb“-Druck (so wenig Druck wie auf ein Eigelb, ohne dass es zerplatzt), finden Sie die Reaktionen und warten Sie auf das Loslassen (größere Anzeichen von Lösen).

Sicherheitshinweis

Wenn das Pferd nicht angebunden ist oder es von einer Person gehalten wird, halten Sie den Führstrick immer auf der Seite des Pferdes, auf der Sie gerade arbeiten.

Lassen Sie sich mit diesen Punkten Zeit (Foto 3 links). Wenn Sie ein Blinzeln erhaschen, bleiben Sie lange genug an dieser Stelle, um dem Pferd eine Chance zum Loslassen zu geben, besonders wenn Sie fortgesetzt Blinzler bekommen.

Lösen des Scapulabereichs

Das „Lösen des Scapulabereichs“ ist besonders wichtig, weil es zur Beweglichkeit der Vorderbeine und der freien Beweglichkeit des Schultergürtels beiträgt (Foto 5 oben). Das „Lösen des Scapulabereichs“ ist kein Stretching. Die Technik lädt das Pferd ein, seine Verspannungen in der Muskulatur rund um das Schulterblatt, den Widerrist und das Brustbein loszulassen, indem Sie das Gewicht des Beins unterstützen, wenn das Pferd das Schulterblatt entspannt und absenkt. Das Bein wird vorsichtig dazu genutzt, das Loslassen und Fallen der Scapula zu erleichtern. Das Ziel des „Lösens des Scapulabereichs“ ist, die Schulter zu entspannen (Fotos 1–4 rechts):

nach hinten/unten (1)

nach vorne/unten (2)

in einem Bogen zur Seite

(3) nach vorne über die Mittellinie (4)

Anmerkung zu Lösen vs. Bewegen

Es besteht ein Unterschied zwischen einer aktiven Bewegung des Schulterblatts nach hinten/unten, wie z. B. im Schritt, und zum Lösen des Schulterblatts: Wenn sich die Scapula in einer normalen Bewegung nach hinten/unten absenkt, ist die eingebundene Muskulatur aktiv. Wenn Sie aber die gleiche Bewegung in einem entspannten Zustand ausführen, lösen Sie Verspannungen in der beteiligten Muskulatur. Es ist auch anders als ein passives Stretching. Bei einem passiven Stretching ziehen Sie gegen die Muskulatur. Mit dem Lösen versetzen Sie das Pferd in die Lage, es „geschehen zu lassen“. Beobachten und fühlen Sie das Loslassen!

Tipps beim Lösen des Scapulabereichs

Wenn das Pferd nicht in der Lage ist, das Bein bequem nach unten und in irgendeiner Position zu entspannen, bedeutet dies, dass durch Verspannung die Bewegung in diesem Bereich einschränkt ist. Um das Pferd dazu zu bringen, diese Spannung zu lösen, beginnen Sie mit einer Position, in der sich das Pferd wohlfühlt, oder kehren Sie zu dieser zurück, und unterstützen Sie das Gewicht des Beins (nach unten oder seitwärts) und begleiten Sie es durch den gewünschten Bewegungsbereich in einen entspannten Zustand. Das Pferd wird Ihnen durch sichtbare Reaktionen (Lecken, Kauen oder Gähnen) und/oder fühlbare Reaktionen (Lösen von Verspannung in den Gliedmaßen) zeigen, wenn es die Spannung gelöst hat.

Wenn Sie an der Vorhand arbeiten, arbeiten Sie gleichzeitig auch an der Hinterhand. Oft, wenn sich die Schultern durch „Lösen des Scapulabereichs“ und die vielen anderen Schultertechniken der Masterson-Methode lockern, beginnt das Pferd, sein Gewicht von einem Hinterbein auf das andere zu verlagern, manchmal das Hinterbein anzuheben oder sogar mit den Hinterfüßen auf den Boden zu stampfen. Dies ist ein Zeichen dafür, dass sich die Spannung in der Hinterhand löst oder das Pferd vielleicht ein Kribbeln verspürt, wenn sich die Muskeln entspannen.

Das „Lösen des Scapulabereichs“ wirkt sich positiv auf die Muskeln des Longissimus dorsi aus, die Vorhand und Hinterhand verbinden. Das Nervensystem des Pferdes übernimmt die Arbeit, um die Spannung in seinem Körper zu lösen. Sie ermöglichen dies nur.

TECHNIK 2

Lösen des Scapulabereichs – nach hinten/unten

ZIEL: Das Schulterblatt in einem entspannten Zustand nach unten und zurückfallen zu lassen über den normalen lockeren Bewegungsrahmen hinaus.

ERGEBNIS: Das Loslassen von Verspannungen an der Muskulatur, die an den Vordergliedmaßen des Pferdekörpers ansetzen; die tiefe Muskulatur des Halses und der Widerristregion; Schlüsselmuskeln, die Genick und Atlas und die Hinterhand beeinträchtigen. Es gibt Verbesserungen im Bewegungsspielraum in den Vorder beinen, Elastizität und „Dämpfungs“-Funktion der Vorhand; Lösung von Spannung in der Hinterhand und eine Verbesserung der Ko ordination von Vor- und Hinterhand.

nach vorne/unten(1) nach hinten/unten(2) in einem Bogen zur Seite (3) nach vorne über die Mittellinie (4)

1 Als Erstes stellen Sie sich vor, dass sich um das Vorderbein das Zifferblatt einer Uhr befindet. Die 6 Uhr-Position befindet sich direkt hinter dem Vorderbein, 12 Uhr ist vorne und 8, 9 und 10 Uhr sind in einem Bogen nach außen angeordnet.

2 Mit der auf den Fotos abgebildeten Handposition (1–4) laden Sie das Bein ein, auf die 6 Uhr-Postion zu kommen. Führen Sie es nicht zu weit nach vorne, sonst könnte das Pferd die Balance verlieren! Wenn Sie das Karpalgelenk strecken, achten Sie darauf, dass der Huf auf dem Boden steht. Das Pferd wird beunruhigt sein, wenn Sie nur das Karpalgelenk zurückbringen, nicht aber den Huf Richtung Boden führen.

Merke: Es ist wichtig, dass Sie Ihre Fesselkopfhand wirklich auf dem Gelenk platzieren und nicht am Fesselbein. Hierdurch kann der Huf locker pendeln, sodass das Pferd ihn beim Absetzen belasten kann

Vorteile in der Reitlektion

BEACHTEN SIE, dass Sie durch „Lösen des Scapulabereichs“ nach hinten/unten und im Bogen zur Seite Einschränkung in den Muskeln finden und lösen, die direkt mit der Bewegung im Travers zusammenhängen. Sie folgen damit der gleichen Bewegung der Extremitäten, wie diese unter dem Sattel ausgeführt wird, jedoch in einem entspannten Zustand.

3 Zieht das Pferd zurück oder widersetzt sich, werden Sie mit Ihren Händen weicher (versuchen Sie nicht, das Bein weiter zurückzubringen), warten Sie und unterstützen Sie das Bein, bis Sie fühlen, dass es seinen Widerstand aufgibt. Dann bitten Sie es erneut, sein Bein nach hinten fallen zu lassen. Oft ist die Schulter sehr fest, und Sie müssen bei dieser Technik das Muster „Bitten – Anspannung – Weich werden – Nachgeben – Fortsetzen“ oft wiederholen. Sie arbeiten das Pferd über eine Vielzahl von Restriktionen, und es wird eine nach der anderen loslassen. Sie müssen alle geduldig abarbeiten, um ein gutes „Lösen des Scapulabereichs“ anzuwenden. Das Fallen des Schulterblatts fühlt sich in Ihrer Hand an, als würde der obere Teil des Beins weich werden. Sie können normalerweise neben dem Fühlen auch beachten, wie die Scapula „loslässt“. Das ist nicht sehr viel. Sie suchen nach einem kleinen – vielleicht 5–8 Zentimeter großen Fallenlassen – des Schulterblatts in einem entspannten Zustand.

Wenn Sie dann zur Seite treten, können Sie möglicherweise auch weitere Anzeichen fürs Loslassen sehen (z. B. wiederholtes Gähnen, Zurück rollen des Augenlides, Schnauben und Niesen, laufende Nase, Gewichts verlagerung, Hüfte kippen, Kauen und Lecken, Schütteln).

4 Bleibt das Pferd mit zurückgesetztem Bein stehen und hat das Gewicht auf dem gegenüberliegenden Bein, dann lassen Sie es so lange stehen, wie es will. Es wird noch mehr Spannung ablegen, solange es in dieser Position verharrt.

Sicherheitshinweis

Bevor Sie das Pferdebein aufnehmen, stellen Sie sicher, dass das Pferd gleichmäßig auf allen vier Beinen auf ebenem und guten Boden steht.

TECHNIK 3

Lösen des Scapulabereichs – nach vorne/ unten

ZIEL: Das Fallen der Scapula nach unten und nach vorne in einem entspannten Zustand, über den normalen lockeren Bewegungsrahmen hinaus.

ERGEBNIS: Verbesserungen in der Vorwärtsbewegung der Vorderbeine, gleichzeitig das Loslassen von Muskelverspannungen, die das Genick beeinträchtigen und die Vorderbeine mit dem Körper verbinden, Verbesserung des Dämpfungssystems der Vorhand und koordinierte Bewegung zwischen Vor-und Hinterhand.

1 Mit der Handposition von Foto 1 unterstützen Sie das Bein und bringen es nach vorne und unten in die 12-Uhr-Position. Der Huf soll nicht weiter vorgestreckt werden, als zu dem Punkt, der lotrecht unter dem Karpalgelenk ist bei horizontal gewinkeltem Vorderbein. Wenn Sie zu viel Reichweite abfragen, kann das Pferd seine Balance verlieren. Sie wollen, dass sich die Scapula lockert und rotiert, dazu muss das Bein weder gezogen, gedehnt oder für einen erweiterten Raumgriff gestreckt werden.

2 Das Lösen der Schulterbereiche ist von vorne betrachtet normal, über einen klaren diagonalen Verlauf der Brustmuskulatur, deutlich sichtbar. Das Bein, mit dem Sie arbeiten, ist deutlich tiefer als das andere. Dies geschieht, da das Schulterblatt nach unten fällt und der untere Teil der Scapula nach vorne kommt.

TECHNIK 4

Lösen des Scapulabereichs – in einem Bogen zur Seite

ZIEL: Ein Dressurpferd braucht gute Fähigkeiten in der Adduktion und Abduktion (um es zur Seite oder nach innen zu bewegen) für alle Seitengänge.

ERGEBNIS: Dieses Lösen hilft bei beidem. Rufen Sie sich in Erinnerung, dass sich die Brustmuskulatur vorne an der Brust und zwischen den Vorderbeinen entspannen und damit das Bein weggeführt wird, und gesund kontrahieren muss, damit es herangezogen wird. Suchen Sie nach „Blinzeln“, kann beim „Lösen des Scapulabereichs“ – in einem Bogen zur Seite bestens helfen.

1 Beim Lösen der Scapula bogenförmig zur Seite wiederholen Sie das „Lösen des Scapulabereichs“ wie beim Bein nach hinten/unten beschrieben (siehe Technik 2), nur eben in einem Bogen zur Seite, wie beim Zifferblatt der Uhr (Fotos 2–5). In jeder Position sollte das Pferd das Bein entspannen und das Gewicht auf dem gegenüberliegenden Bein behalten.

2 Folgen Sie nun einem Bogen zur Seite, der für das Pferd einen angenehmen Radius hat – nicht zu weit weg von ihm. Verändern Sie Ihre Körperposition beim Herumführen des Beins so, dass Sie dieses immer zu sich hinführen. Stützen Sie das Gewicht des Beins hinauf bis in die Schulter. Niemals dehnen Sie es oder ziehen daran. Es geht hier um das Entspannen, um loszulassen. Verspannungen werden nur dann gelöst, wenn die Schulter mit dem Bein in jeder Position relaxt.

3 Hat das Pferd in dieser Übung Schwierigkeiten, das Bein zu entspannen, können Sie ihm helfen, indem Sie eine Hand auf der Brustmuskulatur zwischen den Beinen platzieren und so diese Muskeln zum Nachgeben veranlassen (Foto 1 und siehe Brustmuskeln lösen, Technik 6).

Merke: Sie können mit dem Nach-hinten/ unten-Lösen beginnen und sich dann über den Bogen zur Seite nach vorne/ unten arbeiten, oder Sie beginnen mit nach vorne/unten und arbeiten sich weiter zum nach hinten/unten. Sie müssen nicht notgedrungen immer wieder das Bein aufnehmen und in jeder Position immer wieder neu ansetzen. Wenn das Pferd das Bein in einer Position entspannt hält, führen Sie es schlichtweg über den Boden in die neue Position.

TECHNIK 5

Lösen des Scapulabereichs – über die Mittellinie

ZIEL: Vorderbein und Scapula in einem lockeren Bewegungsrahmen vor dem Pferd über die Mittellinie bewegen.

ERGEBNIS: Das Lösen von Verspannungen in Muskeln, die eine mediale Bewegung (Adduktion) der Vordergliedmaße sowohl fordern als auch zulassen. Die Suche nach „Blinzeln“ an den Lösungspunkten rund um die Spitze der Scapula kann helfen, Verspannungen in Muskeln zu lösen, die das Bein übertreten lassen, und bei Pferden, die diese Technik schwierig finden.

1 Fahren Sie fort mit dem Lösen über die Mittellinie nach vorne (Foto links). Sollte das für das Pferd schmerzhaft sein, führen Sie es entspannt wieder zurück, stützen Sie es und bitten Sie es erneut langsam in diese Position. Dies kann durch die Kompensation von Schmerzen oder Schmerzhaftigkeit in dem einen oder anderen Vorderfuß, oft vom gegenüberliegenden Bein, verursacht werden.

TECHNIK 6

Brustmuskeln lösen

ZIEL: Verspannungen in der Brustmuskulatur finden und lindern.

ERGEBNIS: Das Auflösen und Lindern jeglicher Beschwerden in dieser Region verbessert die Bewegung des Pferdes. Die Brustmuskeln des Brustkorbes und des Rippenbogens (zwischen den Vorderbeinen) sind sehr wichtige Muskeln für die Seitengänge. Sie sind auch am Heben des Schultergürtels beteiligt, der für die Schwebephasen in den Gangarten und in der Versammlung so wichtig ist.

Es gibt zwei Hauptbereiche auf der Brust des Pferdes, in denen sich „Blinzelpunkte“ befinden, die helfen, Verspannungen im Brustkorb und in den Brustmuskeln zu lösen: zunächst etwas höher oben in der Nähe der Spitze des Brustbeins und der Basis des Halses, wo die Muskeln zwischen Schulterblatt und Brustkorb ansetzen; und zweitens unten zwischen den Vorderbeinen, wo die Muskeln an den Vordergliedmaßen und am Brustbein ansetzen. Die Zeit ist gut genutzt, wenn Sie den gesamten Brustbereich sanft absuchen. Es können sich viele Knoten in den Brustmuskeln befinden, aber auch versteckte Verkrampfungen.

Diese können durch den Suchen – Reaktion – Warten – Loslassen (SRWL)­ Prozess angegangen werden, der dazu beiträgt, die Beschwerden im Bereich von Schulter und Brustkorb aufzulösen und zu lindern. Dazu muss man nicht genau wissen, wo sich diese Muskeln befinden und was sie genau tun. Sie brauchen nur eine allgemeine Orientierung von Was und Wo, die Fähigkeit sich einzulassen und der Führung des Pferdes zu folgen, und Sie müssen ihm erlauben, Ihnen zu sagen, wo genau sich die Spannung befindet und wann sie losgelassen wurde. Sollten Sie einen Muskelknoten oder ein Blinzeln entdecken, nutzen Sie SRWL und erlauben Sie dem Pferd, die Spannung loszulassen.

Das Brustbein ist ein Knochen, der sich mittig auf der Brust befindet und wie ein Kanurumpf zwischen den Vorderbeinen verläuft. Hier setzt der Brustkorb (Thorax) an – die Muskeln der Vorderbeine und der Schultergürtel.

1 Auf einer Seite des Pferdes stehend, suchen Sie nach einem knöchernen Punkt am oberen Ende des Brustbeins in der Mitte des Brustkorbs (Foto 1). Seien Sie vorsichtig, da das Pferd hier höchstwahrscheinlich sehr empfindlich (schmerzhaft) sein wird. Beginnen Sie mit sehr weichen Fingern und „Mit Zwischenraum“-Druck.

2 Wenn Sie es gefunden haben, suchen Sie mithilfe von „Mit Zwischenraum“- oder „Eigelb“-Druck (Anmerkung: so wenig Druck wie auf ein Eigelb, ohne dass es zerplatzt) nach einer Reaktion, wie z. B. einem „Blinzeln“ oder ob das Pferd den Kopf fallen lässt, und streichen Sie die Muskeln mit sanften Bewegung, vom Brustbein weg aus – also auf Sie zu (Foto 2).

3 Beginnen Sie hier und suchen dann entlang des Brustbeins in der Muskelrille zu Ihrer Seite nach weiteren Reaktionen. Wiederholen Sie diesen Vorgang (Foto 3).

4 Es handelt sich weniger um eine Massage des Muskelgewebes als vielmehr um eine neurologische „Aufforderung“ der hier ansetzenden Muskeln, sich zu entspannen.

Es ist ebenso wichtig, Zeit darauf zu verwenden, nach „Blinzeln“ und dem Lösen von Verspannungen in den Brustmuskeln zwischen den Beinen und in der Gurtlage zu suchen. Nachdem Sie dies alles getan haben, wechseln Sie die Seite.

Buchtipp

Dieses Special zeigte einen Auszug aus dem neuen Buch „Besser reiten mit der Masterson-Methode – lösende Massage- Techniken für freie Bewegungen“. Darin erklärt der Amerikaner Jim Masterson anhand der Anatomie und Biomechanik des Pferdes, welche Muskelgruppen bei Dressurpferden beansprucht werden und häufig verspannen. Er zeigt auf, wie man solche Verspannungen erkennt und mit seiner Methode löst – von Schulter und Widerrist (diesen Bereich haben wir Ihnen hier vorgestellt), über Genick, Hals, Rücken bis zur Hinterhand.

Kosmos-Verlag, gebundene Ausgabe, ISBN: 978-3- 440-16836-3, 176 Seiten, 40 Euro. kosmos.de