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VERSTÄRKUNGEN: VOLLE KRAFT voraus


Mein Pferd - epaper ⋅ Ausgabe 110/2019 vom 11.10.2019

Ein korrekt gerittener, schwungvoller, starker Trab oder Galopp ist dieKönigsdisziplin der Verstärkungen. Mit der richtigen Vorarbeit und einergefühlvollen Einwirkung können auch Sie Ihr Pferd zumSchweben bringen


Artikelbild für den Artikel "VERSTÄRKUNGEN: VOLLE KRAFT voraus" aus der Ausgabe 110/2019 von Mein Pferd. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Mein Pferd, Ausgabe 110/2019

Ein korrekter, starker Trab kann nur aus einer guten Versammlung entwickelt werden. Dazu ist eine entsprechende Vorarbeit nötig


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Das Geheimnis einer guten Verstärkung liegt in der Vorbereitung. Selbst wenn das Pferd eine gewisse Begabung und entsprechende Grund- Gangarten ...

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... mitbringt, ist die regelmäßige Gymnastizierung sowie die Arbeit an Takt, Losgelassenheit, Anlehnung, Schwung, Geraderichtung und Versammlung Voraussetzung. Es bringt also nichts, das Pferd ständig im Mitteltrab über die Diagonale zu schicken und zu hoffen, dass sich die korrekte Verstärkung mit der Zeit ergibt. Vielmehr muss zunächst die Basis gesichert werden. Dazu gehört auch, dass der Reiter in der Lage ist, den Bewegungen des Pferdes zu folgen und die Rahmen-Erweiterung mit der Hand zuzulassen. Verstärkungen sind mit einem hohen Kraftaufwand für das Pferd verbunden. Es muss die Schubkraft aus der Hinterhand über den Rücken übertragen können, ohne dabei aus dem Takt zu kommen. Doch auch die Vorhand benötigt ausreichend Kraft, um das Vorderbein aus der Schulter heraus weit genug nach vorne zu bringen. Zudem ist der Gleichgewichtssinn des Pferdes stark gefordert.

Ohne Übergänge geht es nicht

Verstärkungen müssen langsam aufgebaut werden. Die wenigsten Pferde sind anfangs in der Lage, eine komplette lange Seite oder Diagonale durchzuhalten. Reiten Sie deshalb lieber öfter kürzere Strecken, um das Pferd nicht zu überfordern und Fehler zu vermeiden. Bevor es losgeht, ist es wichtig, dass Takt, Anlehnung und Losgelassenheit gesichert sind. Erst dann kann an der Schwung- Entfaltung gearbeitet werden. Einige Dressurausbilder beginnen sogar erst mit den Verstärkungen, wenn das Pferd bereits an piaffiert ist. Als Vorübung sind Übergänge zwischen den einzelnen und innerhalb einer Gangart unerlässlich. Dazu gehören auch Schritt-Galopp- und Galopp-Schritt-Übergänge. Dadurch wird nicht nur das kraftvolle Abfußen aus der Hinterhand gefördert, sondern auch die Versammlung. Durch das Zulegen und Abfangen innerhalb einer Gangart wird das Pferd aufmerksamer, und der Reiter kann seine Hilfengebung verfeinern. Zudem lernt das Pferd, sich selbst zu tragen, Schub aus der Hinterhand zu entwickeln und auf die Hilfengebung des Reiters zu warten. Im

Trab können Sie Tempowechsel beispielsweise an der langen Seite üben: Legen Sie ein paar Tritte zu und fangen Sie Ihr Pferd dann wieder ab. So fördern Sie auch das Zusammenspiel zwischen den halben Paraden und den Schenkel- beziehungsweise Gewichtshilfen. Machen Sie Ihr Pferd zunächst durch halbe Paraden aufmerksam und schicken Sie es dann durch treibende Schenkelhilfen vorwärts. Dabei wird die Hand leicht vorgeschoben, damit sich das Pferd im Hals dehnen kann. Das Abfangen wird ebenfalls mit halben Paraden eingeleitet.

MERKSATZ


„DAS TRITTE BEZIEHUNGSWEISE GALOPPSPRÜNGE VERLÄNGERN ÜBER KURZE STRECKEN IST DIE VORSTUFE DES MITTELTRABS BEZIEHUNGSWEISE DES MITTELGALOPPS.“


WHAT IS WAS

Verstärkungen müssen immer langsam und logisch aufgebaut werden. Vom Tritte oder Galoppsprünge verlängern bis hin zum starken Trab oder Galopp.

Bei jungen Pferden kann es hilfreich sein, beim Tritte verlängern leichtzutraben, um den Rücken zu entlasten


Im Mitteltrab bleibt das Genick des Pferdes der höchste Punkt


Im starken Galopp wird die Schubkraft aus der Hinterhand maximal genutzt


Tritte und Galoppsprünge verlängern
Das „Tritte verlängern“ ist die Vorstufe des Mitteltrabs. Es wird als allmähliche Steigerung vom Arbeitstrab zum Mitteltrab geritten. „Die Tritte sollen länger, aber nicht eiliger werden“, beschreibt Walter Zettl. Der Takt bleibt erhalten. Um die Tritte zu verlängern, muss genug Schwung vorhanden sein, außerdem ist eine gewisse Rahmen-Erweiterung notwendig. Gleiches gilt für das Galoppsprünge verlängern als Vorstufe zum Mittelgalopp. Hier sollen die Sprünge länger, aber nicht eiliger werden.

Mitteltrab
„Im Mitteltrab sollen die Tritte länger als bei dem Verlängern der Tritte sein, ohne dass Takt und Losgelassenheit verloren gehen“, sagt der Dressurausbilder. Die Bewegungen des Pferdes werden raumgreifender, schwungvoller und erhabener. Der Rahmen erweitert sich etwas, und die Nase des Pferdes sollte ein wenig deutlicher vor der Senkrechten sein. Das Genick stellt den höchsten Punkt dar. Der Reiter muss die Rahmen- Erweiterung mit der Hand zulassen. Damit die Hinterhand über die Spur der Vorhand treten kann, ist eine entsprechend stärkere Schubentwicklung aus der Hinterhand notwendig. Durch den größeren Raumgriff gewinnt das Pferd mehr Boden, ohne in der Trittfolge eiliger zu werden.

Starker Trab
Um den größtmöglichen Raumgriff zu entfalten, verlangt der starke Trab die größte Steigerung der Schubentwicklung aus der Hinterhand. „Der starke Trab sollte eine deutlich längere Streckphase aufweisen als der Mitteltrab“, so Walter Zettl. „Der Rahmen muss sich der Trittlänge entsprechend erweitern, damit der Vorhand der größtmögliche Vortritt erlaubt wird.“ So wird der Hinterhand ermöglicht, so weit unterzutreten, wie es der Trittlänge der Vorhand entspricht. Die Nase des Pferdes muss gut vor der Senkrechten und das Genick der höchste Punkt sein. Der Reiter lässt dabei die Trabverlängerung durch leichtes Nachgeben heraus.

Mittelgalopp
Die Sprünge sollten länger und raumgreifender, aber nicht eiliger sein als im Arbeitsgalopp. Dabei gewinnt das Pferd durch eine kraftvollere Hinterhand mehr an Raum. „Die kraftvollen Sprünge der Hinterhand sollten weit unter den Körper des Pferdes vorgreifen“, erklärt der Experte.

Starker Galopp
Im starken Galopp muss der Sprung noch länger, aber nicht eiliger werden als beim Mittelgalopp. So wird der größtmögliche Bodengewinn bei entsprechender Rahmenerweiterung erzielt. Die Nase sollte deutlich vor der Senkrechten sein, um dem Pferd die Möglichkeit zu geben, sich gut auszubalancieren. „Die Verbindung zum Pferdemaul muss aufrechterhalten bleiben“, betont Walter Zettl. Durch leichtes Nachgeben mit der Hand lässt der Reiter jeden Sprung heraus. Im starken Tempo wird die Schubkraft aus der Hinterhand maximal genutzt.

DIE SKALA DER AUSBILDUND

Beim Erarbeiten von Verstärkungen ist die Skala der Ausbildung eine wichtige Orientierungshilfe.

Verstärkungen sind immer nur so gut wie ihre Vorbereitung. Um Schub entwickeln zu können, muss sich das Pferd in den Hanken beugen und Last aufnehmen. Takt, Losgelassenheit und Anlehnung sind die ersten drei Punkte der Ausbildungsskala. Die Versammlung folgt nach Schwung und Geraderichtung. In der Vorbereitung muss also an diesen Punkten gearbeitet werden.

Das Gleichgewicht schulen

Eine gute Verstärkung gelingt nur, wenn Reiter und Pferd ausbalanciert sind. Ohne Balance kommt es unter anderem schnell zu Taktfehlern. Eine gute Übung um das Gleichgewicht des Pferdes zu verbessern sind viele Übergänge in Verbindung mit dem Rückwärtsrichten und daraus Antraben. So fällt es später leichter, das Pferd im Aufnehmen von hinten zu schließen. Ebenso ist es wichtig, dass die Paraden gut durchkommen, um das Pferd nach den Verstärkungen aufzunehmen. Zudem ist Galopparbeit förderlich, um Kraft aufzubauen. Pferde mit einer guten Galoppade und einer guten Galoppverstärkung zeigen in der Regel auch eine gute Trabverstärkung. Achten Sie stets darauf, dass Ihr Pferd nicht ins Rennen kommt. Es soll eine Rahmen-Erweiterung bei gleichbleibendem Takt zeigen, aber nicht davonlaufen.

Das Tritte oder Sprünge verlängern wird aus dem Arbeitstempo entwickelt. Dazu muss genügend Schwung vorhanden sein. In einigen Dressuraufgaben wird das Tritte verlängern verlangt. „Das wird sehr begrüßt, da der Reiter nicht gezwungen wird, die meist noch sehr jungen und unausbalancierten Pferde durch einen Mitteltrab zu überfordern“, schreibt der mittlerweile verstorbene renommierte Ausbilder Walter Zettl in seinem Buch „Dressur in Harmonie“. So könne das junge Pferd durch die verlängerten Tritte in eine allmähliche Leistungssteigerung hineinwachsen.

Schub- und Tragkraft

Ohne die entsprechende Trag- und Schubkraft sind Verstärkungen nicht möglich. Damit die Tritte oder Sprünge länger werden, ist eine Erhöhung der Schubkraft nötig, damit sie größer werden hingegen eine Erhöhung der Tragkraft. Abhängig vom Grad der Verstärkung sollen die Hinterbeine des Pferdes vermehrt Schub erzeugen und über die Spur der Vorderbeine treten. In der Dressurarbeit steht die Entwicklung der Schubkraft im Allgemeinen vor der Trag kraft. Aus diesem Grund wird auch mit dem Tritte verlängern begonnen. Durch das vermehrte Vortreten der Hinterhufe unter den Schwerpunkt entsteht eine Verlängerung der Bewegung. Das Pferd schiebt sozusagen bei größerer Schwungentfaltung vermehrt nach vorne. Im Verlauf der weiteren Ausbildung gewinnt das Pferd an Kraft und die Trabverstärkungen werden ausdrucksvoller. Dann schieben die Hinterbeine nicht nur mit mehr Schwung vorwärts, sondern sie sind auch in der Lage, den Körper des Pferdes etwas länger in der Schwebephase zu halten. Dadurch kann die Schulter weiter vorwärts-aufwärts arbeiten. In der Verstärkung wird also auch mehr Schulterfreiheit erreicht.

Die Schub- geht immer der Tragkraft voraus. Erst wenn das Pferd die nötige Schubkraft entwickelt hat, kann vermehrt an der Tragkraft gearbeitet werden, und zwar nicht nur im Dressurviereck beziehungsweise unter dem Sattel. Auch das Training im Gelände, Hand- und Longenarbeit können die Hinterhand stärken und sowohl Schub- als auch Tragkraft fördern.

Mittel-, starker und versammelter Trab (von oben nach unten)


Der Mitteltrab kann nur so gut sein wie die Versammlung, aus der sich die notwendige Kraft für die Hinterhand entwickelt


Starker, Mittel- und versammelter Galopp (von oben nach unten)

Mit Ruhe und Gefühl

Während des Zulegens sind Korrekturen nur noch bedingt möglich. In keinem Fall sollte das Pferd durch überfallartige Einwirkungen mit dem Schenkel, den Sporen oder der Gerte während der Verstärkung gestört werden. Ebenfalls bringt es nichts, Anlehnungs- oder Taktfehler korrigieren zu wollen. Wenn das Zulegen nicht gelingt, heißt es: Zurück zu den Vorübungen. Anstatt eine Diagonale nach der anderen im Mitteltrab zu reiten, sollten Sie wieder an Übergänge und Co. denken. Anschließend können Sie auf kurzer Strecke das Antreten überprüfen.

Auch beim Aufnehmen sind die richtige Vorarbeit und Gefühl gefragt: Viele Reiter machen den Fehler, das Pferd regelrecht mit der Hand zu bremsen oder es mit den Hilfen zu überfallen. Doch genauso wie das Zulegen sollte auch das Aufnehmen gut vorbereitet und eingeleitet werden. Das Pferd muss an den Hilfen stehen, und der Reiter das Tempo jederzeit kontrollieren können. Es ist also kontraproduktiv, das Pferd auf die Diagonale zu schicken und kurz vor der Ecke irgendwie abzubremsen. Im Aufnehmen richten Sie Ihren Oberkörper etwas auf und kippen das Becken nach hinten, ohne dass es festgestellt wird. So wird das Schambein entlastet und die Sitzbeinknochen vermehrt belastet. Dabei dürfen die Schenkelhilfen nicht einfach aussetzen. Damit sich Ihr Pferd von hinten schließt und Last aufnimmt, müssen Sie weiter mit treibenden Hilfen einwirken.

Der Gesundheit zuliebe

Wie stark Verstärkungen das Pferd beanspruchen, hängt entscheidend von der Vorbereitung, der Ausführung und den Wiederholungen ab. Wird das Pferd, ohne die entsprechende Trag- und Schubkraft zu besitzen, immer wieder über Tempo nach vorne geschickt, oder werden ständig besonders erhabene Tritte gefordert, dann ist Verschleiß vorprogrammiert. Ebenso führen fehlende Losgelassenheit oder Kondition sowie Faktoren, die den natürlichen Bewegungsablauf stören, wie Stellungsfehler oder fehlerhafte Hufbearbeitung, zu gesundheitlichen Problemen.

Auch die Einwirkung des Reiters spielt eine entscheidende Rolle: Hält dieser den Kopf des Pferdes fest, wird die Rahmen- Erweiterung verhindert. Das Pferd kann in der Vorführphase die Vorhand nicht frei aus dem Schultergelenk nach vorne bringen. Stattdessen wird das Vorderbein durch den Kopf-Arm-Muskel, der an der Unterseite des Halses verläuft, nach vorwärts-aufwärts gezogen und das Schultergelenk verstärkt gestreckt. Hinzu kommt, dass die Sehnen des Pferdes in der Verstärkung maximal belastet werden. Regelmäßige Pausen im Schritt am langen Zügel sind wichtig. Beachten Sie immer die Grenzen Ihres Pferdes und bauen Sie das Zulegen langsam auf. Wenn Ihr Pferd nicht überfordert ist und motiviert mitarbeitet, werden auch die Verstärkungen erhabener und ausdrucksstärker.

PROBLEME EINFACH LÖSEN

Korrekt gerittene Verstärkungen gelingen nicht von heute auf morgen. Das kann helfen, wenn

Auch in den Verstärkungen muss die weiche, stete Verbindung zum Pferdemaul erhalten bleiben


Wenn das Pferd aus dem Mitteltrab angaloppiert, muss wieder an der Basis gearbeitet werden


Die Arbeit an der Doppellonge ist ein gutes Krafttraining


… das Pferd nicht richtig nach vorne zieht
Fehlt dem Pferd der Zug nach vorne beziehungsweise der spontane Antritt in die Verstärkung, liegt es häufig daran, dass es bereits in der Vorbereitung nicht umgehend auf die vorwärtstreibenden Hilfen reagiert hat, in der Hinterhand nicht aktiv genug ist und sich im Rücken festhält. Hier können Tempowechsel innerhalb der Gangart helfen, bis das Pferd wirklich prompt reagiert und wieder sensibler am Schenkel wird. Wenn Sie Ihr Pferd mit ein, zwei energischen Einwirkungen dann vermehrt nach vorne schicken, ist es wichtig, in diesem Moment die Hände leicht vorzugeben und es nicht im Vorwärts zu begrenzen. Nehmen Sie Ihr Pferd nach wenigen Tritten oder Sprüngen wieder auf, damit Sie ihm zuvorkommen, bevor es abbremst oder auseinanderfällt. In der Vorbereitung können Sie eine Gerte zu Hilfe nehmen, in der Verstärkung selbst sollten Sie es allerdings nicht damit stören. Arbeiten Sie außerdem an der korrekten Versammlung.

… das Pferd in der Verstärkung ins Laufen kommt
Wenn das Pferd nur rennt und den Rahmen nicht erweitert, fehlt meist die Dynamik aus der Hinterhand. Das Pferd darf nicht einfach nur schneller geritten werden, denn wenn es über seinem natürlichen Tempo trabt, gerät es automatisch ins Rennen. Fordern Sie also anfangs lieber etwas weniger und arbeiten Sie daran, die nötige Spannung für die Verstärkung zu erreichen. Dabei können Tempowechsel und Übergänge helfen. Das Pferd darf zudem die Balance nicht verlieren. Dazu muss es die Hilfen des Reiters akzeptieren. Eine wichtige Rolle spielen also auch Takt, Anlehnung und Losgelassenheit. Behalten Sie stets die weiche Verbindung zum Pferdemaul und geben Sie mit der Hand nur so weit vor, wie sich Ihr Pferd beim Zulegen dehnt. Bei der Erarbeitung der Trabverstärkung können auch Trabstangen helfen. Anfangs legen Sie die Stangen so, dass Ihr Pferd in einem ruhigen Arbeitstempo darüber traben kann. Erweitern Sie die Abstände Schritt für Schritt, sodass Ihr Vierbeiner ruhig bleibt und den größeren Abstand nicht durch Rennen ausgleicht.

… das Pferd Taktfehler macht oder stolpert
Taktfehler können viele Ursachen haben. Meist liegt das Problem an der Einwirkung des Reiters. Ein unruhiger Sitz oder ein springender Zügel stören das Pferd. Ebenso gehen Takt und Rhythmus schnell verloren, wenn der Reiter zu viel Druck macht und über Tempo reitet. Arbeiten Sie an Ihrem Sitz, einer feinen Hilfengebung und der eigenen Losgelassenheit. Legen Sie zunächst lieber nur etwas zurückhaltender und für ein paar Tritte oder Sprünge zu und steigern Sie die Anforderungen langsam. Der taktreine Gang steht im Vordergrund. Übrigens bauen gerade Pferde mit sehr guten Gängen vor den Verstärkungen oft zu viel Spannung auf und verspannen sich dann. Achten Sie auch darauf, auf gerader Linie einen gleichmäßigen Druck auf den Zügeln zu haben. Pferden, die immer wieder ins Stolpern geraten, fehlt häufig die Kraft in der Hinterhand, sie verlagern das Gewicht zunehmend auf die Vorhand. Hier hilft Krafttraining – nicht nur in der Halle, sondern etwa auch durch Klettern im Gelände oder durch die Arbeit an der Doppellonge. Wenn Taktfehler oder Stolpern plötzlich auftreten, obwohl das Pferd sonst sicher in den Verstärkungen war, sollten Sie nach den Ursachen suchen. Möglicherweise können die Probleme Anzeichen für eine Verletzung, Schmerzen oder Verspannungen sein.

… die Anlehnung nicht stimmt oder sich das Pferd auf die Hand legt
Anlehnungsfehler verhindern gute Verstärkungen. Bei einer zu starken Einwirkung mit der Hand kann das Pferd nicht durchschwingen und hält sich im Rücken fest. Springt der Zügel, oder ist die Anlehnung zu lose, wird das Pferd in Takt und Balance gestört. Es tritt nicht korrekt mit der Hinterhand über den Rücken nach vorne an die Hand heran. Wenn sich das Pferd auf die Hand legt, muss der Reiter darauf achten, nur so viel zuzulegen, wie er auch loslassen kann, ohne dass Takt, Losgelassenheit, Anlehnung und Schwung verloren gehen. Erarbeiten Sie die Verbesserung beziehungsweise Sicherung der Anlehnung über entsprechende Übungen. Hilfreich kann zum Beispiel das Zulegen und Abfangen in kurzen Sequenzen sein, ebenso Übergänge sowie grundsätzlich das Reiten von halben Paraden. Je nach Ausbildungsstand des Pferdes ist es zudem wichtig, aus einer korrekten Versammlung heraus zuzulegen, und zwar nur dann, wenn sich das Pferd im Gleichgewicht befindet.

… das Pferd immer angaloppiert oder sich nicht aufnehmen lässt
Achten Sie darauf, immer gerade auf die lange Seite oder die Diagonale zu kommen und Ihr Pferd geradezurichten. Viele Reiter machen den Fehler, zu früh zuzulegen. Das Pferd befindet sich noch halb in der Ecke – und schon wird es mit vorwärtstreibenden Hilfen überfallen. Ebenso kann eine störende Einwirkung, wie Sporen- oder Gerten-Einsatz während der Verstärkung, zu Fehlern führen. Das Pferd kommt im Trab aus dem Gleichgewicht und fällt in den Galopp. Hier heißt es also wieder: Die richtige Vorbereitung ist alles. Wenn sich Ihr Pferd nicht wieder aufnehmen lässt, ist es meist ins Rennen gekommen und steht nicht richtig an den Hilfen. Auch hier heißt es: An der Basis arbeiten und zunächst immer nur ein paar Tritte zulegen. Üben Sie den Mitteltrab nicht immer an denselben Stellen, sondern beginnen Sie zum Beispiel erst ab der Mitte der langen Seite oder der Diagonalen und nutzen Sie die darauffolgende Ecke zum Abfangen. So lernt Ihr Pferd, auf die Reiterhilfen zu warten und ruhig zu bleiben.


Fotos: slawik.com (7), Grafik (2), AdobeStock (1)