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Verstappen bügelt Boxen-Patzer aus


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Motor Sport aktuell - epaper ⋅ Ausgabe 46/2022 vom 26.10.2022

Formelsport

Rennanalyse GP USA

Warum war Hamilton im Finale chancenlos?

In der 37. Runde des US-Grand-Prix roch es stark nach dem ersten Saisonsieg von Mercedes. Max Verstappen war kurz zuvor zu seinem zweiten Boxenstopp abgebogen. Doch weil der Schlagschrauber vorne links streikte, verzögerte sich die Abfahrt um mehr als acht Sekunden. Dadurch schlüpfte nicht nur Lewis Hamilton, sondern auch noch Charles Leclerc durch. „Das war der Moment, an dem wir vom ersten Saisonsieg geträumt haben“, erklärte Toto Wolff später.

Verstappen sonderte einige f lapsige Funksprüche ab, besann sich dann aber doch auf seine Aufgabe. Nach drei Runden war Leclerc im zweiten Anlauf fällig. Weitere elf Runden später hatte er auch den führenden Hamilton vor der Flinte. Hier machte Verstappen kurzen Prozess. „Gegen seinen Topspeed konnte ich mich nicht wehren“, entschuldigte sich der Mercedes-Pilot.

Dabei hatte der Brite in der ersten Rennhälfte noch gut den Anschluss gehalten. „Max wollte gar nicht wegziehen“, verriet Red-Bull-Sportchef Helmut Marko später. „Wir wussten ja nicht genau, wie es mit der Strategie aussieht. Da haben wir uns angeschaut, was Mercedes macht und dann reagiert. Das war alles im kontrollierten Bereich.“

Erst der verpatzte Boxenstopp zwang Red Bull in die Defensive. Zum Glück hatte man noch einen Reifenjoker in der Hinterhand. Verstappen wurde ein frischer Medium aufgezogen, Mercedes hatte für das Finale nur noch harte Gummis. Das war ein klarer Nachteil. Die Entscheidung dazu fiel schon am Vortag. „Ferrari und Red Bull können die Qualifikation wegen ihres Speeds mit drei Soft-Reifen überstehen und sich einen extra Satz Medium für das Rennen auf heben. Wir brauchen stets vier Satz Soft am Samstag“, bedauerten die Ingenieure.

Red Bull machte mit dem hart erkämpften Sieg gleichzeitig den Konstrukteurspokal klar – und das einen Tag nach dem Tod von Rennstallbesitzer Dietrich Mateschitz. „Dieses Rennen hätte ihm richtig gefallen“, strahlte Marko.

Wer war schuld am großen Crash?

Seit 2015 hatte es in Austin kein Safety Car mehr gegeben, dieses Mal musste Bernd Mayländer gleich zwei Mal ausrücken. In Runde 18 hatte Valtteri Bottas seinen Alfa im Kiesbett eingebuddelt. Kaum war das Rennen wieder freigegeben, krachte es so richtig. Fernando Alonso versuchte, Lance Stroll auf der langen Geraden zu passieren, doch beim Ausscheren aus dem Windschatten blieb der Alpine am linken Aston-Hinterrad hängen.

Alonso hob bei 300 km/h mit der Nasenspitze ab und knallte deftig auf den Asphalt. Während der Spanier das Rennen nach einem Reparaturstopp fortsetzen konnte, musste Stroll an Ort und Stelle aufgeben. Alonso konnte es selbst nicht glauben: „Ich wollte das Auto abstellen und bekomme plötzlich frische Reifen und einen neuen Frontf lügel verpasst. Das Fahrverhalten war danach wieder ganz normal.“

Zur Schuldfrage hatte der Doppelweltmeister eine klare Meinung: „Ich zog raus, dann hat Lance die Tür zugemacht, und ich konnte nicht mehr reagieren“ Sein künftiger Teamkollege gab zu, dass er etwas spät gezuckt habe: „Der Speed-Unterschied war schwer zu berechnen. Er hätte aber auch früher rausziehen können und nicht so nah auffahren müssen.“

Der Meinung wollten sich die FIA-Kommissare nicht anschließen. Nach Analyse der Onboard-Aufnahmen wurde Stroll die Hauptschuld an der Kollision zugeschrieben. Der Kanadier kassierte zwei Strafpunkte. Beim Rennen in Mexiko muss er drei Plätze weiter hinten starten.

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Red Bull machte Max Verstappen das Leben schwer. Am Ende konnte den Weltmeister auch ein langsamer Reifenwechsel nicht stoppen
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Lewis Hamilton war so nah dran am ersten Mercedes-Sieg wie noch nie in dieser Saison. Im Finale konnte er Verstappen aber kein Paroli bieten
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Sebastian Vettel rang in der Schlussrunde noch Kevin Magnussen nieder. Beide profitierten von einer nachträglichen Strafe gegen Fernando Alonso

Warum legte Haas gleich zwei Proteste ein?

Zum ersten Mal nach sieben Nullrunden gab es wieder Punkte für Haas. Und das noch beim Heimspiel vor den Augen des neuen Titelsponsors MoneyGram. Trotzdem war Teamchef Guenther Steiner sauer. Wem drei Mal in einer Saison die schwarz-orange Flagge gezeigt wird, weil das Auto beschädigt ist, der reagiert gereizt, wenn andere Teams in vergleichbaren Fällen mit einem blauen Auge davonkommen.

Haas reichte nach dem Rennen gleich zwei Proteste ein. Gegen Sergio Pérez, weil der Mexikaner trotz baumelnder Frontf lügel-Endplatte nicht an die Box musste. Und gegen Fernando Alonso, weil sich dessen rechter Spiegel nach der Stroll-Kollision selbstständig machte. Pérez wurde freigesprochen. Red Bull konnte anhand von Fotos nachweisen, dass von dem Flügel keine Gefahr ausging, was der Technik-Delegierte Jo Bauer auch so bestätigte. Steiner widersprach: „Das war in unseren Fällen genauso.“

Immerhin bekam Haas im zweiten Fall Recht. Jo Bauer stufte Alonsos Alpine in der Phase, in der der Spiegel nicht mehr richtig befestigt war, als gefährlich ein, weil er hätte wegf liegen und einen Konkurrenten treffen können. Alonso bekam eine 30-Sekunden-Strafe aufgebrummt, was ihn von Platz 7 auf 15 warf. Vettel, Magnussen, Tsunoda und Ocon rückten in den Punkterängen nach oben. Das gab zwei Punkte mehr für Haas. Gegner Alpha Tauri profitierte nur mit einem Zähler mehr.

Was lief bei Sebastian Vettel schief?

Nach der Zieldurchfahrt wurde Sebastian Vettel von den Fans zum Fahrer des Rennens gewählt. Zwischendurch hatte der Heppenheimer das Feld sogar für zwei Runden angeführt. Die Pace von Sergio Pérez und George Russell vor ihm konnte er lange mitgehen, was auch daran lag, dass beide mit beschädigten Frontf lügeln kämpften. Ein sechster Platz wäre locker drin gewesen. Doch dann dauerte der zweite Reifenservice 16,8 Sekunden.

„Das Auto ist auf dem Wagenheber zur Seite gerutscht. Wir mussten noch einmal ansetzen und das Auto wieder hochbocken. Dabei ging viel Zeit verloren“, ärgerte sich Teamchef Mike Krack. Vettel blies aber nicht lange Trübsal und setzte zur großen Auf holjagd an. Nacheinander schnappte er sich Yuki Tsunoda, Guanyu Zhou, Alex Albon und – in der allerletzten Runde – Kevin Magnussen. Weil es für Alonso noch die erwähnte Strafe gab, reichte es am Ende immerhin noch für Rang 7.

Bekam Schumacher die falsche Taktik?

Haas brauchte dringend mal wieder ein Erfolgserlebnis. Nach einem schwachen Quali sah es lange nicht danach aus. Doch im Rennen zeigten sich die US-Ferrari in besserer Form. Hoffnungsträger war zunächst Mick Schumacher. Der Deutsche kämpfte sich in die Punkteränge vor und verteidigte dort bis zur 33. Runde seinen zehnten Platz.

Dann reagierte Haas auf Pierre Gaslys Boxenstopp. Gasly musste wegen eines Safety-Car-Vergehens eine Fünfsekunden-Strafe absitzen. Eine gute Gelegenheit, sich den Platz beim Boxenstopp zu schnappen. Der Plan ging auf. Nicht in der Rechnung war allerdings, dass Schumacher danach über Trümmerteile fuhr und sich den Diffusor beschädigte. „Das hat im Heck Abtrieb gekostet“, ärgerte sich Steiner. Schumacher bestätigte: „Danach war das Auto nicht mehr wie vorher.“

Jetzt musste es Kevin Magnussen richten. Der Däne hatte in der 18. Runde auf Medium-Reifen gewechselt. Da dachte noch keiner daran, dass der Satz bis ins Ziel durchhalten würde. Bis sich Magnussen zum Zeitpunkt des geplanten zweiten Stopps am Funk meldete: „Die Reifen sind noch gut in Schuss.“ Plötzlich lag er auf Platz 6. Und Haas riskierte ein Einstopp-Rennen. Zehn Runden vor Schluss kletterten die Rundenzeiten zwar über die 1.43-Minuten-Marke. Gegen Alonso, Norris und Vettel auf frischeren Reifen konnte sich Magnussen aber nicht wehren. Es reichte trotzdem für Punkte. ■

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