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VERSTECKTE SCHÄTZE


TAUCHEN - epaper ⋅ Ausgabe 70/2019 vom 06.06.2019

Die Sieglseen in Tirol/Österreich sind nicht gerade einfach zu erreichen. Man braucht festes Schuhwerk und eine gute Portion Kondition. Gerald Nowak nahm das Abenteuer auf sich.


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Bildquelle: TAUCHEN, Ausgabe 70/2019

Die beiden fast kreisrunden Seen liegen in dichtem Wald versteckt.


Vorsicht: Der Zugang zu den Seen ist stellenweise herausfordernd.


D ie Sieglseen leuchten verführerisch türkis aus dem satten Grün hervor. Wie verwunschen liegen die beiden Seen im dichten Wald am nördlichen Rand der Alpen in der Nähe des Lechtals. Wer sie sieht, möchte einfach sofort hineinspringen. Doch um sie zu betauchen, benötigt man eine Genehmigung. Diese – ...

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... und das ist das Gute – kann jeder erhalten. Vor vielen Jahren hat Harald Zeller, der Gründer des Allgäuer Taucherhofs, eine Ausnahmegenehmigung fürs Tauchen erwirkt, und so können drei Mal pro Jahr eine Handvoll Taucher die beiden außergewöhnlichen Seen betauchen. Seit 2015 leitet seine Tochter Julia Zeller mit ihrem Mann William den Taucherhof, und sie führen diese Tradition fort.

Frühmorgens brechen wir am Allgäuer Taucherhof auf. Die Fahrt nach Reutte in Tirol dauert gut eine Stunde. Von hier geht es weiter ins Lechtal, bevor wir von der Hauptstraße abbiegen und über schmale, steinige Forstwege bergauf fahren. Nach einer knappen halben Stunde entlang steiler Schluchten hält der Wagen inmitten eines bewaldeten Tals. Nun heißt es ausladen, denn der weitere Weg kann nur zu Fuß erfolgen. Die nahezu kreisförmigen Gewässer sind zwei Dolinen-Seen, die auf 1205 Meter Höhe im Schwarzwassertal liegen. Vermutlich vor circa 500 Jahren brachte ein lang anhaltendes Unwetter die Höhlendecke der heutigen Sieglseen zum Einsturz. Wie türkisfarbene Perlen schimmern sie durch die Bäume des Waldes, als wir unterhalb des Großen Roßkars näher kommen. Die beiden Krater sind fast kreisrund und mit kalkhaltigem Quellwasser gefüllt. Man sollte schon ein wenig fit sein, wenn m sich dieser Herausforderung stellt, denn jeder muss seine Ausrüstung gut 15 Minuten erst bergauf und dann steil bergab schleppen. Doch die Schufterei lohnt sich, denn wer die Seen vor Augen hat, wird die Strapazen schnell vergessen. Zwei bis drei Tauchgänge sind dann in den kleinen, klaren Quelltöpfen vorgesehen.

KRAFTEINTEILUNG

Um nicht komplett ausgelaugt anzukommen, transportieren wir die Ausrüstung in zwei Etappen. Trocki, Jacket, Flasche, Blei und ABC kann man ja vielleicht noch auf einmal tragen, aber dann auch noch die Kameraausrüstung schultern? Nein, das ist einfach zu viel.

Nach einer guten halben Stunde ist die komplette Ausrüstung auf einem schmalen Grünstreifen am kleinen See deponiert. William hält das Briefing und es geht in Zweierteams in den See. Um so wenig wie möglich aufzuwirbeln, steigen wir sehr vorsichtig und mit Hilfe helfender Hände ins Wasser. Einen richtigen Einstieg gibt es nicht, jedoch eine Stelle, an der überwiegend Kies liegt. Besonders im kleinen Sieglsee ist so gut wie alles mit Schleimalgen überzogen. Wie in einem Märchenwald liegen überall Bäume und Äste kreuz und quer übereinander. Alles scheint in Watte verpackt, so zauberhaft und skurril ist die Unterwasserwelt. Vom Einstieg tauchen wir im Uhrzeigersinn durch den kleinen See. Selbst in der Tiefe von knapp neun Metern sind die umliegenden Bäume oberhalb der Wasseroberfläche immer noch klar zu erkennen. Alles verläuft wie in Zeitlupe. Obwohl ich schon einige „Märchenseen” mit Schleimalgen betaucht habe, bin ich einfach von dieser wunderschönen Szenerie überwältigt.

Typisch für den kleineren Sieglsee: bizarre Schleimalgen, die alles überziehen.


Das türkis leuchtende Wasser und die guten Sichtweiten machen Tauchgänge in den Seen zum Hochgenuss.


Auf halbem Wege kreuzen wir den Einlauf des Sieglbachs. Hier schwimmen mehrere kleine Seesaiblinge umher. Sie kennen keine Scheu und schwimen dicht vor unseren Masken. Der Wechsel von Wolken und Sonne sorgt im Minutentakt für veränderte Lichteindrücke. Wir sind begeistert!

Nach einer Oberflächenpause steht noch der zweite Tauchgang im großen See an. Hier ist die Sicht etwas schlechter.

Knapp unter der Oberfläche ist sie noch am besten. Auf der Westseite treibt ein Baumstamm mit der Wurzel nach oben – ein etwas ulkiger Anblick. Auch in diesem See liegen an den steilen Abhän- gen unzählige Baumstämme, und im Wechsel von Sonne und Wolken ergeben sich ständig andere Perspektiven.

INFO DAS BESONDERE DER SIEGLSEEN

Der kleine Sieglsee (rund 30 Meter Durchmesser und zwölf Meter tief) lockt bereits von oben mit einem surrealen, geweihartigen Astgebilde, das man schon durch die Oberfläche sehen kann. In Ufernähe besteht der Grund aus Schleimalgen, die zipfelartig nach oben wachsen. Ein absolut irrer Anblick! Als zöge ein Magnet den Bewuchs gen Sonne ist auch unter Wasser alles, was sich in Oberflächennähe befindet, von diesen Zipfeln überzogen. Darin verfangen sich Millionen von Luftbläschen, die, woher sie auch kommen, vielleicht nie die Oberfläche erreichen werden.

Die schönste Stelle im kleinen Sieglsee befindet sich am Abfluss. Hier stapeln sich unzählige Baumstämme wie bei einem Mikado-Spiel. Auch diese Bäume sind kräftig mit watteartigen Schleimalgen bewachsen, die sich entweder der Oberfläche entgegensehnen oder über die Baumstämme nach unten wachsen, als wären sie flüssig.

In den Seen ist eine sehr gute Tarierung wichtig, denn die Schleimalgen reagieren sehr empfindlich auf jegliche Berührung sowie den Wasserdruck von forschen Flossenschlägen. Besonders wichtig ist das behutsame Einsteigen in den See, sonst ist die Sicht gerade im kleinen Sieglsee sofort bei null. Die Wassertemperatur ist fast immer einstellig und steigt auch im Hochsommer nicht darüber hinaus.

Tipp: Unbedingt mitbringen sollte man warme Sachen und feste Schuhe (Wanderschuhe). Wer eine Kamera mitnimmt, sollte sie für den Transport gut verpacken, denn auf den unbefestigten Wegen rutscht man schnell aus. Zum Tauchen kann man kleinere Flaschen nehmen, da man wenig Luft benöti

REISE-FACTS

Im Ällgäuer Taucherhof gibt es drei Ferienwohnungen.


ALLE FOTOS: G. NOWAK