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Versuche der Universität der Bundeswehr: Pflanzen als Terrorschutz


TASPO - epaper ⋅ Ausgabe 49/2018 vom 08.12.2018

Pflanzen können eine Explosionswirkung deutlich reduzierendas haben Wissenschaftler der Universität der Bundeswehr München bei Sprengversuchen herausgefunden. So könnten etwa Bäume die Schutzwirkung vor Terroranschlägen auf großen Plätzen in Innenstädten erhöhen. VonMichael Brauns


Artikelbild für den Artikel "Versuche der Universität der Bundeswehr: Pflanzen als Terrorschutz" aus der Ausgabe 49/2018 von TASPO. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Sprengversuch: die getesteten Ringgeflechte fünf Meter vor einer explodierenden fünf Kilogramm TNT-Ladung.


Fotos (2): Norbert Gebbeken/Universität der Bundeswehr München

Reduktion des Explosionswellen-Drucks: Taxus erzielt den besten Wert.


Foto: BGL ...

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Ringgeflechte: nicht nur gestaltgebend, sondern auch druckreduzierend.


Können die Stoßwellen einer Explosion von Pflanzen abgeschwächt werden? Wenn ja, in welchem Ausmaß? Das untersuchte ein Wissenschaftsteam um Professor Norbert Gebbeken der Universität der Bundeswehr München. Die Ergebnisse der Sprengversuche waren beachtlich: Die Pflanzen brachten bis zu 45 Prozent Druckreduktion.

Die Sprengungen wurden Mitte September auf einem Testgelände der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung in der Nähe von Berlin durchgeführt. Projektverantwortlicher ist der Bauingenieur Paul Warnstedt, der sich an der Universität der Bundeswehr München schon seit längerem mit diesem Thema beschäftigt.

Taxus erzielt besten Wert und ist hinterher noch in gutem Zustand

Die Pflanzen wurden in einer Entfernung von fünf Metern zu einer fünf Kilogramm TNT-Ladung angeordnet. Dabei kamen unterschiedliche Pflanzenarten wie Bambus, Berberitze,Thuja und Eibe zum Einsatz.

Die Wirkung der Explosionswelle wurde mit Sensoren gemessen, die hinter den Pflanzen standen. Die Referenzwerte kamen von Sensoren, die in der gleichen Entfernung zur Sprengladung standen und keinen Pflanzenschutz hatten. Die Reduktion des Drucks der Explosionswelle ist beachtlich: Den besten Wert erzielte die Eibe mit 45 Prozent. Dahinter lag dieThuja mit 40 Prozent sowie die Berberitze und der Bambus mit jeweils rund 30 Prozent. „Die Eiben und Thujen haben nicht nur diese hohen Werte erzielt, sie waren nach der Explosion sogar noch in einem guten Zustand“, erklärt Warnstedt.

Auch Ringgeflechte reduzieren Explosionsdruck

In weiteren Versuchen wurde der Schutz von sogenannten Ringgeflechten, quasi übergroßen Kettenhemden, untersucht. Die Ringe aus Edelstahl hatten einen Durchmesser von 1,2 Zentimetern. Und auch diese Ringgeflechte waren wieder in einer Entfernung von fünf Metern zu einer fünf Kilogramm TNT-Ladung angeordnet. Auch diesmal waren die Ergebnisse erstaunlich. Die Reduktion des Drucks der Explosionswelle lag bei rund 20 Prozent.

Die Wissenschaftler ließen dann über das Ringgeflecht einen Wasserfilm laufen und konnten so die Druckreduktion auf 60 Prozent steigern. Solche Ringgeflechte werden derzeit vor allem als architektonische Gestaltungselemente verwendet. In Zukunft können sie nun auch gezielt als Schutzelemente eingesetzt werden.

Pflanzen als Teil eines Sicherheitskonzeptes

Doch wo und wie könnten die Pflanzen eingesetzt werden? „Überall dort, wo wir an Orten mit vielen Menschen keinen Schutz vor möglichen Anschlägen mit Explosivstoffen haben. Das könnten etwa große Plätze in den Innenstädten sein“, so Warnstedt.

Die Pflanzen müssen natürlich in ein gesamtheitliches Sicherheitskonzept integriert werden. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe beschäftigt sich mit solchen Sicherheitskonzepten und ist auch der Auftraggeber von Professor Gebbeken und seinem Team für diese Sprengversuche.

Der Autor

Michael Brauns, Pressesprecher Universität der Bundeswehr, München