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Versuche zur Bekämpfung von Glomerella bei Calluna


GB Gärtnerbörse - epaper ⋅ Ausgabe 9/2018 vom 01.09.2018

Triebsterben durch den pilzlichen Schaderreger Glomerella cingulata kann bei Calluna vulgaris-Kulturen hohe Ausfalle verursachen. In Versuchen an der LVG Bad Zwischenahn in Kooperation mit dem Pflanzenschutzamt Niedersachsen in den Jahren 2015 und 2016 wirkten Fungizide mit Wirkstoffen aus den Gruppen der Strobilurine oder der Carboxamide sowie Kombinationsprodukte daraus nicht ausreichend. Behandlungen mit anderen chemisch-synthetischen Fungizid-Praparaten wie Sportak 45 EW / Mirage 45 EC, Switch, Malvin WG, Score oder Askon waren hingegen erfolgreich.

Artikelbild für den Artikel "Versuche zur Bekämpfung von Glomerella bei Calluna" aus der Ausgabe 9/2018 von GB Gärtnerbörse. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: GB Gärtnerbörse, Ausgabe 9/2018

Blick auf die Glomerella-Versuchsanlage an der LVG ...

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... Bad Zwischenahn mit Calluna vulgaris ‘Amethyst’ am 5. September 2017


Vor dem Hintergrund der Forderung vieler Abnehmer nach moglichst wenig Ruckstanden von Pflanzenschutzmittelwirkstoffen auf den Pflanzen wurden in einem Folgeversuch im Jahr 2017 an der LVG Bad Zwischenahn vor allem Produkte gepruft, deren Ruckstande von den Abnehmern als nicht relevant angesehen und daher nicht untersucht werden.

Versuchsdaten

Am 26. April 2017 wurden Jung - pflanzen vonCalluna ‘Amethyst’ in 10,5-cm-Topfe getopft und auf einer Kulturflache unter Gieswagenbewasserung mit Flussigdungung kultiviert. Pro Versuchsglied wurden vier Wiederholungen mit je elf Pflanzen an - gelegt und in einer randomisierten Blockanlage aufgestellt.

Ein Teil der Pflanzen wurde ab dem 21. Juni insgesamt sechsmal regelmasig alle zwei Wochen mit Fungiziden, Pflanzenstarkungsmitteln oder Dungern behandelt (siehe Kasten „Behandlungsplan“). Der Bruheaufwand lag meist bei 600 Liter pro Hektar.

Um das Wirkungspotenzial der einzelnen Fungizide einschatzen zu konnen, wurden diese ohne Berucksichtigung der in der Zulassung beschrankten Anwendungshaufigkeit angewendet.

In der Praxis waren sie stattdessen in Spritzfolgen einzusetzen, in denen die Einsatzhaufigkeit der einzelnen Produkte reduziert werden konnte.

Die Pflanzen wurden am 16. Juni gestutzt und am 21. Juni begannen die Spritzbehandlungen. Weitere Behandlungen folgten am 4., 17. und 31. Juli sowie am 14. und 28. August.

Zum Versuchsbeginn waren die Pflanzen frei von Schadsymptomen. Bei den regelmasigen visuellen Bonituren wurden bis Ende Juli keinerlei Anzeichen von Befall durch Schaderreger beobachtet. Am 19. Juli wurden die Pflanzen mitGlomerella inokuliert, indem krankeCalluna -Zweige auf die Flachen zwischen den Pflanzen gestreut wurden. Nachdem Ende Juli noch kaum Symptome von Triebsterben aufgetreten waren, wurden die Pflanzen am 8. August erneut inokuliert, kurz vor einem langeren Regen.

Am 3. August waren in den Kontrollen und in einzelnen anderen Varianten die ersten Symptome vonGlomerella - Befall zu erkennen, die dann mit der Zeit starker wurden. Am 23. August und erneut am 5. September wurde der Befall an jeder Einzelpflanze bonitiert. Danach endete der Versuch.

Ergebnisse

Anders als in fruheren Versuchen waren zu keinem Zeitpunkt Pflanzenschaden oder Unterschiede im Pflanzenwachstum erkennbar, daher wurde auf eine Messung der Pflanzen - grose verzichtet.

Zum Versuchsende wurden die pH-Werte der Substrate einiger Versuchsglieder gemessen, um zu prufen, ob sie durch die Behandlungen mit Loschkalk, Netzschwefel oder Kaliumhydrogencarbonat beeinflusst worden waren. Lediglich der Loschkalk hatte einen geringen Anstieg des pH-Wertes um 0,2 Stufen verursacht, die anderen beiden Behandlungen hatten keinen Einfluss.

Die Pflanzen zeigten unterschiedlich deutliche Symptome von Triebsterben durchGlomerella -Infektionen (Fotos unten und Abbildung 1). Der Befall schwankte allerdings von Wieder - holung zu Wiederholung sehr stark, sodass die Unterschiede zwischen den Behandlungen statistisch nicht signifikant waren.

Calluna ‘Amethyst’: unbehandelte Kontrolle am 5. 9. 2017


Calluna ‘Amethyst’ mit Cuprozin progress behandelt (5. 9.)


Calluna ‘Amethyst’ mit Netzschwefel behandelt (5. 9.)


Glomerella-Triebsterben an Calluna in fruhem Stadium


Glomerella-Triebsterben an Calluna vulgaris: Hohe Pflanzenausfalle sind moglich


Abbildung 1: Nekrotische Blattflache von Calluna vulgaris ‘Amethyst’ in den unterschiedlichen Behandlungsvarianten am 5. September 2017


ZUM VERSUCH: BEHANDLUNGSPLAN

1. Kontrolle unbehandelt
2. Standard: Mirage 45 EC (Prochloraz), 1,2 l/ha
3. Cuprozin progress (Kupferhydroxid), 2,0 l/ha
4. Kumulus WG (Netzschwefel), 2,5 kg/ha
5. Kumar (Kaliumhydrogencarbonat), 3,0 kg/ha
6. VitiSan (Kaliumhydrogencarbonat), 3,0 kg/ha
7. Loschkalk (Calciumhydroxid Ca(OH)2 ), 15,0 kg/ha (in 1000 l/ha, bei Feuchtigkeit oder fruh morgens oder spat abends)
8. Serenade ASO (Bacillus amyloliquefaciens ), 8,0 l/ha (in 1000 l/ha)
9. Prestop (Gliocladium catenulatum ), 10,0 kg/ha
10. Myco-Sin VIN (Schwefelsaure Tonerde + Pflanzenextrakte), 5,0 kg/ha + Wetcit (Netzmittel), 1,0 l/ha

Die meisten eingesetzten Produkte liesen keine Wirkung erkennen (Abbildung 1). Lediglich in den Versuchsgliedern 2 (Mirage 45 EC) und 3 (Cuprozin progress) waren die Pflanzen tendenziell gesunder als in der unbehandelten Kontrollvariante.

Fazit des Versuchs

Unter den Versuchsbedingungen war tendenziell eine Wirkung der Fungi - zide Mirage 45 EC und Cuprozin progress zu erkennen. Die Produkte Kumulus WG, Kumar, Vitisan, Loschkalk, Serenade ASO, Prestop und Myco-Sin VIN zeigten keinerlei Wirkung.

Nach den Versuchsergebnissen kann also das kupferhaltige Fungizid Cuprozin progress sinnvoll in Spritzfolgen gegenGlomerella integriert werden. Die ubrigen gepruften Produkte versprechen dagegen keinen Erfolg.

Kritische Anmerkungen

Ein Teil der eingesetzten Produkte besas zum Anwendungszeitpunkt keine Zulassung oder Genehmigung nach Artikel 51 der EU-Zulassungsverordnung fur Zierpflanzen. Die Vertraglichkeit der gepruften Produkte ist unter anderen Bedingungen als im Versuch nicht unbedingt gegeben, auch wenn in diesem Versuch keine starkeren Schaden auftraten. Vor einem Einsatz in der Praxis mussen daher die Zulassungssituation und die Kulturvertraglichkeit geklart und bei der Entscheidung uber die Anwendung berucksichtigt werden.

Heinrich Beltz,
LWK Niedersachsen,
LVG Bad Zwischenahn;
Dr. Thomas Brand, Frank Lehnhof,
LWK Niedersachsen,
Pflanzenschutzamt


Fotos: Heinrich Beltz