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Versuche zur Bekämpfung von Unkräutern in Callunen


GB Gärtnerbörse - epaper ⋅ Ausgabe 9/2018 vom 01.09.2018

Bei Calluna vulgaris sind Herbizidspritzungen mit Metribuzin-haltigen Pflanzenschutzmitteln (Sencor WG, Sencor Liquid) seit vielen Jahren die Standardmasnahme zur Unkrautbekampfung. In einem Versuch der LVG Bad Zwischenahn wurden Alternativen zu dieser Masnahme untersucht – einerseits im Bereich der Herbizide und andererseits bei Mulchverfahren.


Fur den Versuch wurden Callunen der Sorte ‘Marlies’ am 27. und 28. April 2017 aus Multiplatten in 9-cm-Topfe (270 ml Inhalt) mit Torfsubstrat getopft und anschliesend auf einer mit Bandchengewebe abgedeckten Kulturflache praxisublich mit Flussigdungung ...

Artikelbild für den Artikel "Versuche zur Bekämpfung von Unkräutern in Callunen" aus der Ausgabe 9/2018 von GB Gärtnerbörse. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: GB Gärtnerbörse, Ausgabe 9/2018

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... kultiviert.

Calluna ‘Marlies’ in Variante 1 (Kontrolle) am 12. 6. 2017


‘Marlies’ in Variante 2.1 (Sencor Liquid) am 12. 6. 2017


ZUM VERSUCH: BEHANDLUNGSPLAN

1. Kontrolle unbehandelt
2. Herbizideinsatz
2.1 Sencor Liquid 0,3 l/ha*
2.2 Proman 3,0 l/ha
2.3 Devrinol FL 2,75 l/ha
2.4 Sencor Liquid 0,3 l/ha* + Devrinol FL 2,75 l/ha
2.5 Callisto 0,7 l/ha**
2.6 Callisto 0,7 l/ha** + Devrinol FL 2,75 l/ha
2.7 Flexidor 1,0 l/ha
2.8 Flexidor 1,0 l/ha + Devrinol FL 2,75 l/ha
* Zulassung maximal 0,9 l/ha
** Zulassung maximal 1,5 l/ha

3. Mulchauflagen (Mulchschicht 2 cm)
3.1 Pinienrinde 7–15 mm
3.2 Pinienrinde 2–8 mm
3.3 TerrAktiv Containermulch
3.4 Naturabdeckmulch
3.5 Nadelholzspane
3.6 Leca Geo 1–5 mm (2016)
3.7 Leca Geo 1–5 mm neu (2017)
3.8 Garrest 1
3.9 Garrest 2

Am 26. September wurde die Wurzelbildung begutachtet. Sie war allgemein gut und dicht, zum Teil waren die obersten ein bis zwei Millimeter der Substrate nicht durchwurzelt – besonders in den Versuchsgliedern 2.2 (Proman), 2.6 (Callisto + Devrinol FL), 3.1 (Pinienrinde 7–15 mm), 3.4 Naturabdeckmulch, 3.6 und 3.7 (beide Leca Geo). Die Mulchschichten waren alle undurchwurzelt.

Ab dem 1. Mai 2017 setzte der Anflug von Weidensamen (Salix caprea ) ein, der bei den kurz davor getopften Pflanzen zu einer starken Verunkrautung durch die jungen Samlinge fuhrte. Ab dem 5. Juni folgte ein starker Anflug anderer Weiden-Arten.

Gute Wirksamkeit im Juni

Am 12. Juni wurden die Weidensamlinge und Unkrauter in jedem Topf gezahlt. In der Kontrolle waren es durchschnittlich ein bis zwei Exemplare pro Topf (uberwiegendSalix - Samlinge). Die Herbizidbehandlungen mit fast allen Produkten hatten gut bis sehr gut gewirkt, nur der Wirkungsgrad von Devrinol FL lag lediglich bei rund 70 Prozent. In den mit Flexidor behandelten Topfen waren keine Weiden zu finden, sondern Weidenroschen (Epilobium tetragonum ), Knoterich (Polygonum spp.) und Einjahriges Rispengras (Poa annua ), alles bekannte Wirkungslucken.

In den meisten Varianten mit Mulchauflagen keimten ahnlich viele Weiden wie in der Variante mit Devrinol FL (Wirkungsgrade um 70 Prozent), nur in denen mit Mulchschichten aus Pinienrinde oder Leca Geo waren es bedeutend weniger. Am 20. Juni wurden die Pflanzen in allen Varianten von Hand gejatet.

Calluna ‘Marlies’ in Variante 2.2 (Proman) am 12. 6. 2017


Calluna ‘Marlies’ in Variante 2.5 (Callisto) am 12. 6. 2017


Abbildung 1: Frischgewicht von Calluna ‘Marlies’ in den Varianten am 26. 9. 2017 (Grenzdifferenz 0,05 nach Tukey-Test = 4,5 g pro Pflanze)


Keimung begünstigt

Nach dem Jaten keimten erneut Unkrauter. Auserdem begannen sich manche Weidensamlinge zu entwickeln, die beim Jaten am 20. Juni noch sehr klein gewesen waren. Die hohen Niederschlage im Juli 2017 begunstigten die Keimung und Entwicklung der Unkrauter und Weidensamlinge, die zum Teil aus der zweiten Anflugperiode Anfang Juni stammten, deutlich.

Am 12. Juli und am 2. August wurden die Weidensamlinge und Unkrauter in jedem Topf gezahlt. In der Kontrolle waren es durchschnittlich ein bis zwei Exemplare in funf Topfen, meist Weiden, Sternmoos (Sagina procumbens ) und Einjahriges Rispengras.

Die Herbizidbehandlungen liesen in der Wirkung etwas nach, besonders Flexidor (Abbildung 2). Devrinol FL zeigte nur noch wenig Wirkung (12. Juli) beziehungsweise gar keine Wirkung mehr (2. August), sodass sich viele Weidensamlinge entwickelten. Bei den mit Flexidor behandelten Pflanzen keimten ebenfalls vor allem Weiden, aber auch einige Exemplare von Sternmoos.

Ende Juli begann sich in der Kontrolle und in den Varianten mit Flexidor und Devrinol FL Lebermoos (Marchantia polymorpha ) zu entwickeln. Am 2. August wuchsen in den Topfen vor allem Weiden, auser in der Variante mit Sencor Liquid, in der stattdessen nur einzelne Exemplare von Sternmoos zu finden waren.

Viele Weidensämlinge

In den meisten Varianten mit Mulchauflagen war die Situation ahnlich wie in der Variante mit Devrinol FL (wenig oder keine Wirkung, viele Weidensamlinge), nur in denen mit Mulchschichten aus Leca Geo waren es bedeutend weniger. In einigen Varianten war deutlich mehr Unkraut zu finden als in der Kontrolle. Vermutlich keimten nach dem regnerischen Wetter im Juli einige Samen und es entwickelten sich Samlinge, die in der Kontrolle schon gekeimt und am 20. Juni gejatet worden waren. Am 2. August (nach der Bonitur) wurden die Pflanzen aller Varianten von Hand gejatet.

Nachdem die Triebe der Callunen am 26. September zur Messung des Frischgewichts abgeschnitten worden waren, wurde der Bedeckungsgrad der Substratoberflachen mit Moosen und Unkrautern geschatzt (Abbildung 3). Vorrangig handelte es sich zu diesem Zeitpunkt um Laub- und Lebermoose, die sich im Laufe des August entwickelt hatten.

‘Marlies’ in Variante 3.1 (Pinienrinde 7–15 mm) am 12. 6.


‘Marlies’ in Variante 3.5 (Nadelholzspane) am 12. 6.


Hier zeigte sich die recht gute Wirkung der Herbizide Sencor Liquid und Proman sowie der meisten Mulchvarianten. Nur auf der Mulchschicht aus den Gärresten, besonders Gärrest 1, konnten sich die Moose gut ausbreiten. Auffällig war in der Variante mit Sencor Liquid ein hoher Anteil an Sternmoos (etwa ein Viertel des Deckungsgrades). Aber auch in den Mulchvarianten war relativ viel Sternmoos zu finden, das sich offensichtlich dort, wo sich die Laub- und Lebermoose nicht stark ausgebreitet hatten, gut entwickeln konnte.

Mulchmaterial und pH-Wert

Die Mulchmaterialien hatten sehr unterschiedliche chemische Eigenschaften (Tabelle 1). Zum Teil waren ihre pH-Werte sehr hoch (Gärreste, Leca Geo), zum Teil auch die Salzund Nährstoffgehalte (Gärreste, Naturabdeckmulch).

Zum Versuchsende lag der pH-Wert bei den ungemulchten Kontrollpflanzen mit 4,2 in einem mittleren, günstigen Bereich (Tabelle 1). In den Mulch-Varianten lag er dagegen im oberen Grenzbereich um 4,5, mit Gärrest 2 sogar bei 4,7.

Abbildung 2: Unkrautbesatz in Töpfen von Calluna ‘Marlies’ in den Varianten am 2. 8. 2017 – Anzahl Pflanzen (fast alles Salix) pro Wiederholung (n = 30) (Grenzdifferenz 0,05 nach Tukey-Test = 6,6 Pflanzen)


Abbildung 3: Moos und Unkraut in Töpfen von Calluna ‘Marlies’ in den Varianten am 26. 9. 2017 – prozentualer Deckungsgrad


Diskussion

Unter den Versuchsbedingungen war der Einsatz des Herbizids Sencor Liquid die effektivste Methode der Unkrautbekämpfung inCalluna . Durch Beimischung von Devrinol FL konnte die Wirkung noch geringfügig verbessert werden. Die Pflanzenverträglichkeit von Sencor Liquid war beiCalluna sehr gut, in den mit Sencor Liquid behandelten Varianten wurden die größten Pflanzen gemessen. Das liegt vermutlich an der fehlenden Unkrautkonkurrenz im Vergleich zur Kontrolle und zu den meisten anderen Varianten.

In manchen Praxisbetrieben wird eine Minderwirkung von Sencor Liquid gegen Einjähriges Rispengras und/oder Sternmoos beobachtet. Zumindest gegen Einjähriges Rispengras könnte in solchen Fällen eine Beimischung von Devrinol FL sinnvoll sein.

Proman wirkte zwar recht gut, war aber beiCalluna nicht verträglich. Devrinol FL war gut verträglich, die Wirkung gegen Weidensämlinge reichte aber unter den Versuchs - bedingungen nicht aus.

Sowohl Flexidor als auch Callisto (in der verringerten Aufwandmenge von 0,7 l/ha) wirkten recht gut, Callisto noch etwas besser als Flexidor. Allerdings blieben die mit diesen beiden Produkten behandelten Callunen etwas kleiner. Eine Beimischung von Devrinol FL, die gegen die Wirkungslücken beider Herbizide bei Gräsern sinnvoll sein kann, verringerte die Verträglichkeit nicht.

Tabelle 1: Salzgehalte und pH-Werte der Mulchmaterialien im Anlieferungszustand vor der Verwendung und Substrat-pH-Werte zum Versuchsende


Wirkung ließ stark nach

Die Effekte der Mulchbehandlungen waren unter den Versuchsbedingungen nicht ganz so gut wie die von Sencor Liquid, Flexidor und Callisto. Die Wirkung der meisten Produkte gegen Weidensämlinge und Unkräuter war mit Wirkungsgraden von etwa 70 bis 80 Prozent zunächst (Juni) akzeptabel, nach den hohen Niederschlägen im Juli ließ sie aber stark nach.

Gegen Lebermoos war die Wirkung der meisten Mulchmaterialien recht gut. Leca Geo wirkte von allen Mulchmaterialien am besten. Allerdings fällt Leca Geo beim Versand stark von den Töpfen ab, sodass viele Kunden es als Mulchmaterial ablehnen.

Bei den Mulchvarianten ist zu berücksichtigen, dass in einzelnen Fällen mehr oder weniger leichte Wachstumsdepressionen beobachtet wurden. Eventuell litten die Pflanzen zeitweise unter geringem Stickstoffmangel. Mögliche negative Auswirkungen der Mulchschichten auf pH-Wert und/ oder Salzgehalt des Substrates schienen kein Problem zu sein.

Allerdings muss beachtet werden, dass gerade bei so kleinen Töpfen wie in diesem Versuch eine Mulchauflage von zwei Zentimeter Höhe eine Reduzierung der Substratmenge von über 30 Prozent bedeutet. In einem Zwei-Liter-Container würde eine gleich hohe Schicht nur 20 Prozent des Substratvolumens ausmachen und in einem Fünf-Liter-Container nur 14 Prozent. Der hohe Anteil des Mulchmaterials kann sich zum Beispiel in einer geringeren Wasserkapazität des Gesamt-Topfballens niederschlagen.

Außerdem war der pH-Wert der Substrate in einen ungünstigen Bereich um 4,5 gestiegen, bei dem es unter Umständen zu leichten Wachstumsdepressionen kommen kann.

Fazit des Versuchs

Zusammenfassend ist zu sagen, dass sich der Einsatz des Herbizids Sencor Liquid unter den Versuchsbedingungen bewährt hat. Zur Wirkungsverbesserung könnte versuchsweise Devrinol FL beigemischt werden, vor allem in Betrieben, in denen Sencor Liquid nicht mehr ausreichend gegen Einjähriges Rispengras wirkt.

Flexidor oder Callisto (verringerte Aufwandmenge von 0,7 l/ha) können Alternativen zu Sencor Liquid sein, waren aber im Versuch etwas schlechter verträglich und weniger wirksam, unter anderem, weil sie nicht gegen Gräser wie Einjährige Rispe wirken.

Wenn auf Herbizide verzichtet werden soll, lässt sich mit Mulchauflagen eine gewisse Wirkung erzielen. Diese ist aber deutlich schwächer als die von Sencor Liquid. Zu prüfen ist, ob Düngung und/oder Bewässerung angepasst werden müssen.

Kritische Anmerkungen

Mehrere der geprüften Herbizide besaßen zum Anwendungszeitpunkt keine Zulassung für Zierpflanzen. Für einen Einsatz wäre daher eine einzelbetriebliche Genehmigung nach Paragraf 22 Absatz 2 Pflanzenschutzgesetz (PflSchG) nötig.

Die Verträglichkeit der geprüften Herbizide ist unter anderen Bedingungen als denen im hier beschriebenen Versuch nicht unbedingt gegeben, auch wenn in diesem Versuch keine stär - keren Schäden auftraten. Vor einem Einsatz in der Praxis müssen daher die Kulturverträglichkeit und die Zulassungssituation geklärt und bei der Entscheidung über die Anwendung berücksichtigt werden.

Heinrich Beltz,
LWK Niedersachsen,
LVG Bad Zwischenahn;
Dr. Thomas Brand, Frank Lehnhof,
LWK Niedersachsen,
Pflanzenschutzamt


Fotos: Heinrich Beltz