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VERTAUSCHT


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Reader´s Digest Deutschland - epaper ⋅ Ausgabe 8/2022 vom 25.07.2022
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Bildquelle: Reader´s Digest Deutschland, Ausgabe 8/2022

Die Gemeinde Come By Chance in Neufundland, Kanada

In der Nacht zum 7. Dezember 1962 schleppte sich die hochschwangere Rita Hynes die Holzstufen des Krankenhauses hoch. Ihr kugelrunder Bauch wurde bei jeder neuen Wehe hart. Kurz nach Mitternacht war das Baby auf der Welt. Es war ein Junge! Sie nannte ihn Clarence Peter. Er wurde im Säuglingszimmer in eine Wiege gelegt, seine Mutter schlief erschöpft auf der Entbindungsstation ein.

CLARENCE HYNES, von allen Clar genannt, wuchs im kanadischen Fischerort St. Bernard’s in Neufundland auf, am Rand der Fortune Bay. Sein Vater Ches war Fischer, und Clar war der älteste einer großen Geschwisterschar. Er teilte sein Zimmer mit seinen Brüdern, die alle helleres Haar und eine hellere Haut hatten als er – Clar hatte einen dunkleren Teint und dichtes dunkles Haar. Schlank, muskulös und mit markanten Gesichtszügen wurde er zum Schwarm aller Mädchen im Ort.

Mit 24 lernte Clar die hinreißende Cheryl in einer Bar ...

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... kennen. Für ihn war es Liebe auf den ersten Blick.

Cheryl gefiel seine aufmerksame und freundliche Art. Sie tanzten und redeten die ganze Nacht. Zwei Jahre später heirateten sie in Marystown.

Ein paar Jahre später diagnostizierten die Ärzte bei Clars Mutter Rita, damals 50, weit fortgeschrittenen Eierstockkrebs. Clar pflegte sie hingebungsvoll. In seinem auf einem Hügel gelegenen Elternhaus hielt er sie so in den Armen, dass sie das Meer sehen konnte. Während ihrer Krebsbehandlungen wohnte Rita bei ihm und Cheryl in St. John’s. Bis zu ihrem Tod ließ

Clar seine Mutter keinen Tag allein.

Fünf Jahre später starb sein Vater an Lungenkrebs.

Clar und Cheryl bekamen drei Kinder. 2014 arbeitete Clar als Schweißermeister auf dem Bull Arm, wo eine Ölplattform gleichen Namens gebaut wurde. Am 8. Dezember hörte er eine Frau auf dem Flur vor seinem Büro sagen: „Heute ist Craigs Geburtstag!“ Es war Tracey Avery, die als Reinigungskraft arbeitete. Sie sprach von ihrem Mann, der ebenfalls auf Bull Arm beschäftigt war. „Seltsam“, dachte Clar und sagte: „Ich habe auch Geburtstag.“

„Oh“, meinte Tracey. „Wie alt werden Sie?“

„52“, antwortete Clar.

„Wo sind Sie geboren?“

„In Come By Chance“.

Einen Moment hielt Tracey verdutzt inne. Dann ließ sie ihren Reinigungswagen stehen und rannte davon.

Von Anfang an anders

Es mag Zufall gewesen sein, dass die Wahrheit nach so vielen Jahren ans Licht kam. Vielleicht war es aber auch unvermeidlich. Neufundland hat eine zerklüftete Küste mit Hunderten von Dörfern, die sich an Fjorde und kleine Buchten schmiegen. Die weit verzweigten Sippen halten eng zusammen. Lange Zeit mussten sie es auch, denn in diesem kargen Landstrich konnten sie nur so überleben. In Neufundland entscheiden der Stammbaum und die Bucht, in der man lebt, noch heute darüber, wer man ist.

IN NEUFUNDLAND ENTSCHEIDEN DER STAMMBAUM UND DIE BUCHT DARÜBER, WER MAN IST

Die Ortschaften an der 9650 Kilometer langen, felsigen Küste waren schon immer schwer zu erreichen.

Anfang des 20. Jahrhunderts wurden Krankenhäuser auf dem Land an strategischen Stellen gebaut, damit sie Dutzende von Ansiedlungen versorgen konnten. Die ersten Kliniken wurden 1936 eröffnet. Dazu gehörte das Krankenhaus in Come By Chance mit einem Einzugsgebiet von mehr als 50 Fischerorten.

Viele Frauen suchten diese Krankenhäuser fast jährlich zur Entbin- dung auf. Darunter auch Mildred Avery, die aus einem Örtchen namens Hillview in der Trinity Bay kam. Mit 29 Jahren hatte sie bereits fünf Kinder, alles Jungen. Am 7. Dezember 1962 traf Mildred in Come By Chance ein, um ihr sechstes Kind zur Welt zu bringen. Am frühen Morgen des nächsten Tages wurde er geboren. Wieder ein Junge, knapp sechs Pfund schwer.

Mildred nannte ihn Craig Harvey. Er lag im Säuglingszimmer neben den anderen Neugeborenen, darunter Clar, der sieben Stunden zuvor zur Welt gekommen war.

Craig Avery war von Anfang an anders: Niemand in der Familie konnte sagen, wem er ähnlich sah. Er wuchs zu einem strammen jungen Mann heran, dem der Schalk im Nacken saß – anders als seine ruhigen, dunkelhaarigen Brüder. Craig hatte blaue Augen und Sommersprossen, sein Vater Donald hohe kantige Wangenknochen.

In der zehnten Klasse verließ Craig die Schule und arbeitete wie sein Bruder Wayne in einer Porzellanfabrik in Ontario. Er prügelte sich gern und stellte allen hübschen Mädchen nach.

Als er zurück nach Hillview zog, arbeitete er als Gärtner und Hilfsarbeiter beim Ausbau der Anlegestelle.

Craigs erste Frau, mit der er drei Kinder hat, stammte aus der Nachbarbucht. Nach der Scheidung traf er Jahre später die Frau seines Lebens – Tracey, die Schwester eines Spielers aus seiner Softball-Mannschaft. Sie war ein Energiebündel und ließ sich selten aus der Fassung bringen. Beide fanden Arbeit auf Bull Arm – wo auch Clar Hynes beschäftigt war. Tracey bemerkte als Erste die große Ähnlichkeit zwischen Clar und ihren Schwagern.

"ALL DAS, WAS ICH VERPASST HABE, LÄSST SICH NICHT NACHHOLEN.“

CRAIG AVERY

Clar hatte die gleichen braunen Augen und die markante Nase wie ihre Schwiegermutter Mildred Avery. Er hätte fast ein Zwilling von Craigs Bruder Clifford sein können.

Tracey dachte nicht weiter daran – bis zu jenem Dezembertag. In dieser Nacht saßen Tracey und Craig in ihrem Bett, redeten und tranken schwarzen Tee, bis die Sonne aufging.

Bestand die Möglichkeit, dass Craig bei der Geburt vertauscht worden war? Tief im Innern wusste Craig es.

Ein Teil seines Lebens hatte sich nie richtig angefühlt, und nun schien er zu wissen, weshalb. Dennoch hatte er unzählige Fragen: Wie konnte das passieren? Wie und bei wem wäre er aufgewachsen? Wo wäre er heute?

Suche nach Antworten

Kurze Zeit später beschlossen die Averys, ein Foto von Clar zu machen, um es Craigs Geschwistern zu zeigen.

Wenige Tage später ergab sich die Gelegenheit in der Kantine. Mit ihrem Handy machte Tracey heimlich ein Profilfoto. Craigs Geschwister konnten es kaum fassen. Sein ältester Bruder Clifford, der Clar zum Verwechseln ähnlich sah, erklärte sich zu einem DNA-Test bereit.

Als Tracey und Craig mit Clar über ihren Verdacht sprachen, fand er die Vorstellung ungeheuerlich. Er überlegte: „Craig sieht meinem Bruder verdammt ähnlich“ und erinnerte sich daran, wie er vor Jahren eine Frau in einem Spielwarenladen rufen hörte: „Cliff! Cliff!“ Dann hatte die Frau ihn angesprochen. „Oh“, sagte sie überrascht, als er ihr erklärte, er sei Clarence Hynes. „Ich habe Sie mit Cliff Avery aus Hillview verwechselt.“

Doch als die Averys ihn mit der Vermutung konfrontierten, konnte er nicht glauben, jemand anderer zu sein. Schließlich sah jeder Mensch irgendjemandem ähnlich.

Im Spätherbst 2015 erhielt Craig eine E-Mail mit den Ergebnissen des DNA-Vergleichs. Er war zu aufgeregt, um die Nachricht selbst zu öffnen, also tat Tracey es für ihn. Er und Clifford waren nicht im Entferntesten miteinander verwandt. Craig rief Clar Hynes an. Aber Clar wollte immer noch nicht glauben, dass ihn diese Nachricht betraf, obwohl sie eine tiefe Traurigkeit in ihm auslöste.

In diesem Winter rief Clifford Clar mehrmals an. Er wollte sich mit ihm treffen, aber Clar fand immer eine Ausrede. Im Frühjahr beging Clifford Selbstmord. Nach dem Tod seines jüngsten Sohnes hatte er jahrelang an einer Depression gelitten. Craig gab Clar die Todesanzeige auf der Arbeit.

Dieser nahm sie höflich entgegen, brachte es aber nicht über sich, sie zu lesen oder zur Beerdigung zu gehen.

Doch langsam drang die Wahrheit zu ihm durch. Zum ersten Mal in seinem Leben hatte Clar keine Lust, arbeiten zu gehen. Er schleppte sich vom Bett zur Couch, von der Couch ins Bett, zwischendurch saß er schluchzend am Küchentisch. Seine Frau Cheryl hatte Angst, er könnte sich das Leben nehmen. In manchen Nächten, wenn Clar nicht schlafen konnte, ging er zu seinem jüngeren Bruder Chesley, redete und weinte bis in die frühen Morgenstunden.

Chesley hatte seinen 17 Jahre älteren Bruder noch nie so erlebt.

Als Ältester war Clar immer eine Vaterfigur für ihn gewesen, besonders nach dem Tod ihres Dads. Ihn so zu sehen, erschütterte Chesley. Es dauerte mehr als ein Jahr, bis Clar dieses Tief überwand. Seine Frau und seine Schwestern überredeten ihn, zum Arzt zu gehen. Der diagnostizierte eine klinische Depression und verschrieb ihm Medikamente. Langsam fand Clar zu seinem alten Selbst zurück. Ab da nahm er sein Schicksal in die Hand.

Er wusste, dass es bei den Averys psychische Erkrankungen in der Familie gab und Clifford darunter gelitten hatte. Aus Sorge um seine eigene Gesundheit und die seiner Kinder musste Clar wissen, ob er ein Hynes oder ein Avery war und ließ einen DNA-Test machen.

Als Clar im Winter 2019 die Ergebnisse per Mail erhielt, rief er Craig an.

Auf dem Küchentisch lagen seine Ergebnisse neben denen von Clifford. „Alles stimmt überein“, sagte Clar.

Clifford war sein Bruder gewesen.

Was die Männer und ihre Familien seitdem nicht mehr losgelassen hat: Wie konnte das passieren?

Ein folgenschwerer Fehler

Die Suche führte zu der Krankenschwester Christina Anne Callanan. 1924 in Galway, Irland, geboren, ging sie nach ihrer Ausbildung nach Kanada. In ihren 30ern zog sie nach Come By Chance.

Callanan war tüchtig und geschickt und stieg zur Stationsschwester auf.

Für manche Kollegin war sie wie eine große Schwester, andere verglichen sie jedoch mit einem Feldwebel. Wegen ihrer aufbrausenden, herrischen Art nannten viele Untergebene sie heimlich Schwester Tigerkralle.

Das Säuglingszimmer war oft überfüllt. War keine Wiege mehr frei, legte man die Babys in Milchkisten. Die oft erst 16-jährigen Hilfsschwestern ohne medizinische Ausbildung waren häufig überlastet. Nachts kümmerten sie sich um die Babys, während die Mütter schliefen. Sie wärmten die Milchflaschen, beruhigten die schreienden Säuglinge und wechselten Windeln.

Laut Vorschrift mussten Wiegen und Milchkisten mit Etiketten versehen sein. Diese mussten gleich lauten wie die auf dem Armband der Babys.

Außerdem mussten sie mit der Beschriftung auf dem Armband der Mutter übereinstimmen. Doch manchmal passierte es, dass das Bändchen vom Handgelenk des Babys rutschte. War eine Schwester in Eile, kam es auch vor, dass ein Säugling in die falsche Wiege oder Kiste gelegt wurde.

"ICH GLAUBE NICHT, DASS CRAIG UND ICH DIE EINZIGEN WAREN, DIE VERTAUSCHT WURDEN.“

CLARENCE HYNES

Callanan führte ein strenges Regiment – bis zu jenem Tag, als sie nach einer besonders schweren Geburt eine Hilfsschwester, die dem Baby das Namensarmband anlegen wollte, genervt nach draußen schickte. Ab diesem Tag wurde diese Vorschrift lockerer gehandhabt. Die Namensbänder von Mutter und Kind konnten jetzt auch im Säuglingszimmer angebracht werden.

Christina Callanan hatte im Dezember 1962 Dienst, als Craig und Clar auf die Welt kamen. Sie betreute die Entbindung beider Kinder. Ihr Name, ihre Unterschrift mit dem verschnörkelten C steht oben auf den Geburtsberichten.

Nachspiel

Clar und Craig beschlossen, die kanadische Regierung wegen Fahrlässigkeit des Krankenhauses und dem entstandenen, nicht wiedergutzumachenden Schaden zu verklagen. Die Männer fanden heraus, dass wenige Monate vor Clars und Craigs Geburt einer anderen Familie das Gleiche passiert war – glücklicherweise bemerkten diese den Fehler aber rechtzeitig.

Hätte man danach Maßnahmen ergriffen, wären Craig und Clar vielleicht in ihr richtiges Zuhause gekommen.

Das Gesundheitsministerium hätte den Beschwerden nachgehen und klare Richtlinien erlassen müssen, wie nach der Geburt zu verfahren sei.

Die Familien bemühen sich, mit dem Geschehenen klarzukommen. Im Sommer 2019 fuhr Craig zum ersten Mal nach St. Bernard’s, wo Clar aufgewachsen war. Anderthalb Stunden stand er vor dem Haus, bevor er sich traute, einzutreten. Am Küchentisch knackte er mit Clar Hummer, während er daran dachte, dass all das – die Aussicht, die Menschen, das Haus – sein Zuhause hätte sein sollen.

Craig und Clar benehmen sich mittlerweile wie Brüder, und dennoch anders. Sie verbringen Zeit miteinander und mit ihren Geschwistern, machen Ausflüge. Sie finden Trost in den Macken und Eigenheiten, die sie aneinander entdecken, und die sie an geliebte Familienmitglieder erinnern.

Craig erinnert Clar an seinen Vater – die Art, wie er über seinen Teller gebeugt am Tisch sitzt. Und wenn Craig in Clars Augen schaut, sieht er die Augen seines Bruders Clifford oder die seiner Mutter.

Das Leben ist nicht leichter geworden. Craig hat seine Arbeit verloren, die Pandemie verschlimmerte die Lage. Ihm fiel es schwer, seine Tage sinnvoll zu gestalten und nicht nur seinen Gedanken nachzuhängen. Früher war er gelassener, heute braust er schnell auf. „All das, was ich verpasst habe, lässt sich nicht nachholen“, erklärt Craig.

Clar dagegen ist geschäftig. Wenn er nicht bei der Arbeit ist, baut er an einer neuen Garage und einer Holzhütte in St. Bernard’s. So kann er seine Gefühle im Zaum halten, besonders, wenn er an die Familie denkt, die er nie kennengelernt hat.

Beide Elternpaare – Rita und Ches, Mildred und Donald – sind bereits verstorben. Diese traurige Tatsache bedeutet aber auch, dass sich die Familien nicht mit dieser zusätzlichen Problematik befassen müssen.

2020 sah Clar zum ersten Mal ein Video von seiner leiblichen Mutter.

In der Aufnahme tanzte Mildred mit Craig im Pflegeheim. Ehrfürchtig nahm Clar das Bild dieser Frau in sich auf: ihr Kurzhaarschnitt mit den grauen Locken, die Augen, glänzend wie Flusskiesel, die lange Nase, die er von ihr hatte. Das war die Frau, die mit ihm in den Wehen gelegen und ihn bestimmt auf den ersten Blick geliebt hatte. Näher als beim Anschauen dieses Videos konnte er ihr nicht mehr kommen.

Nichts kann den schrecklichen Fehler, der in Come By Chance geschah, wiedergutmachen oder entschuldigen. Dennoch sind die beiden Männer in liebevollen Familien aufgewachsen. Durch eine grausame Wahrheit sind zwei fremde Familien aufeinandergetroffen. Heute sind sie untrennbar miteinander verbunden in liebevollem Mitgefühl füreinander.

Die Familie ist die älteste aller Gemeinschaften und die einzige natürliche.

JEAN JACQUES ROUSSEAU, FRANZ. PHILOSOPH U. PÄDAGOGE (1712–1778)