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Vertikal


Bergsteiger - Das Tourenmagazin - epaper ⋅ Ausgabe 10/2021 vom 10.09.2021

Rätikon | Klettersteig

Artikelbild für den Artikel "Vertikal" aus der Ausgabe 10/2021 von Bergsteiger - Das Tourenmagazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Bergsteiger - Das Tourenmagazin, Ausgabe 10/2021

Wo der Hammer hängt: Michi Senn im steilen Finale des Partnunblick- Klettersteigs

Über die steilsten Stellen helfen Trittbügel. Wo man keine braucht, sind auch keine.

Wie eine Modelleisenbahn: St. Antönien könnte auch einer alpinen Spielzeug-Miniaturlandschaft entsprungen sein. Das Bergdorf im Graubündener Prättigau wartet mit einem spitzen Kirchturm auf, zwei Wirtschaften gleich daneben, genau wie die Postauto-Haltestelle. Ein paar Bauernhöfe scheint ein Riese in die Landschaft an den Berghängen drumherum gewürfelt zu haben. Die Wiesen in sattem Grün und bis auf Streichholzlänge sorgsam gemäht. Schöner bekäme man es im Modell auch nicht hin, wenn künstliche Relief streute.

Beim Archetyp eines Schweizer Bergareals dürfen selbstverständlich die Felsen oberhalb der Siedlung nicht fehlen. Hier – in freier Wildbahn über dem typischen Walser Streudorf St. Antönien – sind diese nicht aus Spritzplastik, sondern aus solidem Kalkgestein. Kein Wunder, dass die ...

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... steilen Wände Kletterer jedweder Provenienz anziehen. Und auch Vertikalsportler, die sich lieber am Drahtseil als am kompakten Gestein hochhangeln – zum Beispiel an

1 Grau über grün: das Sulzfluh-Massiv über lieblichem Almgelände

2 Schwermetall: Trittbügel gibt es im Sulzfluh-Steig nur, wo es not tut.

3 Gemütliches Basislager für Klettersteiggeher: das Berghaus Sulzfluh

4 Balance-Übung: auf dem Deichmann-Steg an der Sulzfluh

Deren wuchtiges Massiv mit seinem grau-braunen Fels ist ein krasser Gegensatz zum lieblichen Almgelände darun- der mächtigen Südwand in die Gras- und Schotterhänge. Und wer von St. Antönien Platz zu dem grauen Steinhaus di- dem schmalen Pfad unterwegs sein. Erst nihorn, so zieht der Trail später an den Almhütten von Bodmen vorbei. Beglotzt schinasee erreicht – mit einer Überraschung: Dort ist eine Kahnfahrt möglich. Ein Ruderboot liegt vertäut neben dem ne Stunde Fußmarsch weiter taucht die Wanderer, Biker, Kletterer und Trekker auf dem Prättigauer Höhenweg«, lässt Stefan Bodenmann wissen, der bis zum vergangenen Herbst der Wirt der Hütte hier oben schlafen. In 40 Minuten zum steht es auf einem Ratgeber-Zettel im schneller am Einstieg und vor allen anderen am Start, die von Partnun heraufkommen«, verrät Bodenmann nach dem Abendessen noch.

Logische Linie

Frühstart also am nächsten Morgen. Bergführer Michi Senn wartet schon am Beginn des Drahtseils. Ein paar Meter leichte Kletterei gibt es zum Eingewöhnen. Nach der Stahlleiter in der Einstiegswand ist schnell klar, dass diese Ferrata hauptsächlich eine Richtung kennt: Nach oben! Anfangs vermitteln noch gestuftes Gelände und eine Rampe den Aufstieg, dann lehnt sich das Felsgelände immer mehr in die Vertikale. Das Drahtseil ist gut gespannt. Über die steilsten Stellen helfen Trittbügel hinweg. Wo man keine - - logisch und folgt den natürlichen Gegebenheiten. Da, wo es passt, dort kann und muss man am Fels klettern und die natürlichen Griffe und Tritte nutzen«, lobt der Bergführer aus dem nahen Landquart.

Nach dem Rastpunkt am Bänkli«nimmt die Metalldichte aber zu. Die Aufschwünge werden steiler und länger, immer öfter kann der Blick frei in die Tiefe mauer« führt dann zum Gipfelhang, wo sich das Gelände allmählich zurücklegt. Wenn man wieder freihändig gehen kann, dann ist auch das Routenbuch erreicht. Schließlich sind es nur noch ein paar Meter bis zum imposanten schwarzen Gipfelkreuz.

Während der Pause bietet Bergführer Michi Senn ein paar Schnitze von einem hartgeräucherten, dunkelbraunen stolz und zeigt zugleich auf einen bewal- sere Jagdhütte.« Es ist halt gut, wenn man weiß, wo der Proviant herkommt. Nach dem Verzehr der Köstlichkeit folgt der Abstieg gen Partnun. Aus der Tiefe blinkt das grüne Auge des Partnunsees herauf. Darauf treiben knallbunte Punkte hin und her, sie künden vom regen Bootsverkehr auf dem malerischen Bergsee. Auch diese Szenerie könnte einer Modellbau- Landschaft entstammen. Der Gebirgssee ist ein beliebter Treffpunkt für Familien: Kinder planschen am Ufer. Die El-tern fläzen sich in der Sonne, während Kletterer – bepackt mit Seil, Helm und Rucksack – zu den umliegenden Wänden streben.

1 Für die Pole-Position an der Sulzfluh: Schlafen auf der Carschina-Hütte!

2 Da weiß man, wo es langgeht: Der Auftakt zum Partnunblick-Steig soll abschrecken.

Kerzen und knarzende Dielen

Ganz in der Nähe – bei den Höfen von Partnunstafel – bietet das Berghaus Klettersteiggeher. Wer sich bei Patricia Dasen einquartiert, der muss sich allerdings auf einen Zeitensprung einstellen. Spätestens, wenn die sympathische junge Wirtin am Abend die Dämmerung in der alten Stube vertreibt, indem sie die Petroleumlampen anzündet. Heimelig wird es, wenn die Besucher dann an den Tischen in dem vertäfelten Gastraum zusammen- es nur in den moderneren Zimmern im Anbau«, erklärt Dasen das Konzept, die Atmosphäre des fast 150 Jahre alten Gasthofes mit seinen knarzenden Dielen zu bewahren. Wer ein Nostalgiezimmer im holzverschindelten Haupthaus gebucht hat, der muss dann auch bei Kerzenlicht zu Bett gehen.

Noch im Dunklen wird der Gast gelegentlich durch lautes Glockenbimmeln und Hundegebell aus dem Schlaf geschreckt, wenn die Kühe vom benachbarten Hof sich auf den Weg zur Weide machen. Gerade die rechte Zeit eigentlich, um aufzustehen und zeitig zu den beiden neuen Klettersteigen an der Gemstobelwand aufzubrechen. Andres Scherrer, der Industriekletterer und Bergführer aus dem nahegelegenen Putz, hat die zwei Drahtseillinien im vergangenen Sommer in die steile Kalkmauer gezogen. Die untere Sektion der Part- Klettersteig. Der Abstand zwischen den Trittbügeln sei auf Menschen mit kurzen können sich auch Einsteiger ausprobieren und zum Beispiel checken, ob sie Höhenangst haben.«

Belastungsfähiger Bizeps gefragt

Im oberen Abschnitt des neuen Partnunblick-Steiges dagegen werden viele Aspiranten den Tief blick auf den See wohl nur in wenigen Passagen entspannt genießen. Steil und ausgesetzt verläuft die Drahtseilroute kreuz und quer über Bäuche oder Steilaufschwünge und durch Überhänge der Gemstobelwand. Ob »Bombenlöcher«, »Spinatbäuche« oder »Kettenhammerzug«: Ein belastungsfähiger Bizeps ist hiervon Vorteil. Die Schwierigkeiten liegen durchwegs im oberen Teil der Ferrata-Skala. »Das Wichtigste ist Armkraft«, sagt Scherrer grinsend. »Mit viel Spinat und viel Bündner Gerstensuppe hat man aber genug Power«, so der Tipp des Bergführers. Immerhin haben er und seine Höhenarbeiter reichlich Eisen in der Route verbaut. Wer sich gerne an Metall durch die Natur hangelt, der wird also begeistert sein.

»Das Wichtigste ist Armkraft«, sagt der Bergfüherer grinsend. »Mit viel Spinat und viel Bündner Gerstensuppe hat man aber genug Power.«

Auf einer soliden Rastbank im Quergang vor der Schlusswand lassen sich nochmals Kräfte sammeln. Schließlich folgt das Finale der Dauer-Power-Arie in den Schlussrissen, wo abermals ein paar kräftige Armzüge nötig sind.

Vom Ausstieg auf der Gemstobel- Schmugglersteig als Weg ins Tal. Steil fällt der ausgesetzte Pfad neben den Ein- gen Partnun. Michi Senn zeigt derweil in die verkarstete Mulde unterm Gruobenpass. Hier ist der Kalkstein durchlöchert wie der sprichwörtliche Schweizer Käse. den Felsblöcken haben die Schmuggler früher ihre Depots gehabt«, erklärt der Bergführer. Tabak, Zucker, Schokolade und vor allem Kaffee fanden damals auf dem Rücken der Bauern ihren Weg von Graubünden nach Vorarlberg. Heute stöbern Touristen in den Ritzen nach Spuren der Schmuggler – so ergebnislos wie früher zumeist die Zöllner, die versuchten, den heimlichen Warenaustausch zwischen der Schweiz und Österreich zu unterbinden.

Service im Überblick bitte umblättern

In den Wänden des Rätikon in die Senkrechte zu gehen, hat Folkert Lenz allemal Spaß gemacht. Da war es fast egal, ob am Fels oder am Drahtseil.