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VERWICKLUNGEN IN DEN HAMPTONS


Bücher - epaper ⋅ Ausgabe 3/2019 vom 20.03.2019

Mit „Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“ feierte der frankophone Schweizer Joël Dicker in ganz Europa seinen ersten großen Erfolg. Jetzt erscheint sein dritter Roman auf Deutsch und wieder ist es eine Kriminalgeschichte, eingebettet in ein soziales Panorama in den Hamptons.


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Bildquelle: Bücher, Ausgabe 3/2019

Worum geht es in „Das Verschwinden der Stephanie Mailer“?
Man kann das Buch als Krimi lesen, in dem 20 Jahre nach einem vierfachen Mord noch einmal ermittelt werden muss, weil neue Fakten aufgetaucht sind und eine junge Journalistin verschwindet. Oder man liest es als eine Geschichte um eine ganze Reihe von Menschen, die während ...

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Worum geht es in „Das Verschwinden der Stephanie Mailer“?
Man kann das Buch als Krimi lesen, in dem 20 Jahre nach einem vierfachen Mord noch einmal ermittelt werden muss, weil neue Fakten aufgetaucht sind und eine junge Journalistin verschwindet. Oder man liest es als eine Geschichte um eine ganze Reihe von Menschen, die während eines Sommers in der fiktiven Stadt Orphea in den Hamptons aufeinandertreffen. Und jeder von denen hat eine persönliche Wunde, die heilen muss.

Sie leben in Genf: Warum die Hamptons in den USA?
Ich kenne die Gegend sehr gut und durch den weit entfernten Schauplatz nehme ich Abstand von meinem Alltag, um ganz in den fiktionalen Prozess einzutauchen. Ich sehe mich selbst als junger Autor, da gibt es noch viel zu lernen. Das absolute Eintauchen in die Fiktion ist schwieriger in Genf. Zum Beispiel gibt es in den Hamptons kaum Schnee, in Genf dagegen sind auch mal die Straßen blockiert. Darüber könnte ich dann nicht schreiben, es wäre zu real. Die Realität steht für mich in Opposition zur fiktionalen Realität.

Sie wechseln in eine ganz andere Welt?
Ja. Ich empfinde es so: Sobald Autobiografisches erscheint, verliert man etwas. Ich fühle mich dann nicht frei.

Es gibt Autoren, die sehr intensiv ihr eigenes Leben einbeziehen …
Ich meine nur mich. Es gibt kein Rezept und jeder muss seinen sehr persönlichen Weg zu seiner Kreativität finden.

JOËL DICKER: Das Verschwinden der Stephanie Mailer
Übersetzt von Amelie Thoma Piper, 672 Seiten, 25 Euro Erstverkaufstag: 2. April

Hörbuch
Gelesen von Torben Kessler Osterwold, 1200 Minuten/ 3 MP3-CDs, 25 Euro Erstverkaufstag: 25. April

VERLOSUNG

BÜCHERmagazin verlost fünfmal „Das Verschwinden der Stephanie Mailer“ (Piper). Teilnahmebedingungen auf S. 4. Viel Glück!

JOËL DICKER

wurde 1985 in Genf geboren. Der studierte Jurist hat bislang drei Romane veröffentlicht. Sein DebütDie Wahrheit über den Fall Harry Quebert , das bei einem kleinen Verlag erschien, wurde in Frankreich zu der literarischen Sensation des Jahres 2012, die Übersetzungsrechte in über 30 Sprachen verkauft und der Roman mit demGrand Prix du Roman der Académie Française sowie demPrix Goncourt des Lycéens ausgezeichnet.

Es ist ein sehr umfangreiches Buch. Erarbeiten Sie vorher einen Plot?
Mein Plot ist, nicht zu plotten. Ich empfinde einen Plot als einengend, die Möglichkeiten dann limitiert. Wenn du den Plot zu dir kommen lässt, kannst du alles machen. Ein Beispiel: Statt Google Maps für den direkten Weg zu nutzen, nimmt man die ungefähre Richtung und findet vieles, das man sonst nicht gesehen hätte.

Das Buch ist sehr komplex, und Sie wissen nicht, worauf etwas im Einzelnen hinausläuft?
Es gibt Figuren, die sind freundlich, andere voller Hass. Und von dem Moment an, an dem man fragt, warum das so ist, wird es interessant. Es gibt immer einen guten Grund, warum Menschen sind, wie sie sind.

An welchem Punkt beginnen Sie eine Geschichte?
In diesem Buch wollte ich eine starke Frauenfigur erschaffen und begann bei Anna, der stellvertretenden Polizeichefin in Orphea. Ich wollte an dem Figurenprozess arbeiten: In „Harry Quebert“ gibt es eine Frau, von der Leser sagten, sie käme ihnen schwach vor. Das hatte ich nicht intendiert, ich hatte sie stark angelegt, als eine, die alles hinbekommt.

Die Figuren haben eine ausgefeilte Biografie. Wie arbeiten Sie an den Charakteren?
Ich schreibe vorher keine Biografie oder Ähnliches, um einen Charakter zu kreieren. Es ist ein wenig, wie wenn man jemanden in einer Bar trifft: Es gibt einen ersten Eindruck, aber später realisiert man, dass die Person nicht so ist, wie man erwartet hat. Ich habe Figuren teils auf einem Klischee aufgebaut und dann Stück für Stück sieht man das ganze Bild. Wie sie in den Roman kommen, ist immer ein interessanter Prozess, denn sie existieren schon: Du fühlst sie und die Energie, die sie in die Geschichte bringen. Es ist ein wenig wie eine Geburt.

Sie wechseln zwischen zwei Zeitebenen, wie planen Sie das?
Gegenwart existiert nur mit Vergangenheit. Und Vergangenheit existiert nur mit der Zukunft. Ich habe das Buch exakt so geschrieben, wie Sie es lesen. Von vorne nach hinten und ich bin immer wieder dann in der Zeit zurückgegangen, wenn ich spürte, dass jetzt eine Erklärung notwendig ist. An einem bestimmten Punkt muss man den Leser mit Informationen füttern. Ich weiß nicht genau, ob dieser Prozess bewusst ist oder einfach passiert, aber es ist eine Frage des Vertrauens in sich selbst. In die Art, wie man die Geschichte erzählen möchte.

Sie waren schon immer sehr ambitioniert. Als Zehnjähriger haben Sie ein Magazin herausgegeben, „La Gazette des animaux“, das sieben Jahre lang fast monatlich erschien und für das Sie sogar ausgezeichnet wurden …
Natur und Tiere haben mich sehr interessiert. Es gab 1995 kein Internet. Wenn ich zum Beispiel Bilder brauchte, bin ich ins Museum gegangen und habe die ausgestopften Tiere fotografiert(lacht) . Ich habe die Bilder eingeklebt, alles kopiert, gefaltet und das Magazin mit der Post versandt. Die ganze Produktion … das hat mir großen Spaß gemacht.

Sie haben kurz Schauspiel studiert, dann Jura abgeschlossen. Sie machen nebenbei Musik und haben immer geschrieben. Wie haben Sie herausgefunden, was Sie wirklich machen möchten?
Man muss sich irgendwann entscheiden und auf eine Sache konzentrieren. Ich habe mich irgendwann mit dem identifiziert, bei dem ich bereit war, härter zu arbeiten als die anderen. Die Schauspielschule habe ich genossen, es hat Spaß gemacht, aber ich habe andere gesehen, die früher kamen und später gingen. Und ich wusste, dazu wäre ich hier nicht in der Lage. Das war das Signal: Wenn ich nicht so hart arbeiten will, dann sollte ich es lassen. Denn ich will das Beste geben. Nicht im Vergleich zu anderen, sondern aus mir selbst heraus. Und so kam ich zum Schreiben.

Ist es mehr harte Arbeit, das Schreiben, oder macht es mehr Spaß?
Das ist kein Gegensatz. Manchmal macht es Spaß, hart zu arbeiten!


Foto: Joël Dicker © Valery-Wallace-Studio-CYAN