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Verwunschen und geheimnisvoll


Münster! - epaper ⋅ Ausgabe 86/2019 vom 30.11.2019

Münster – Jahrhundertelang galt Münster als eine der bestbefestigten Städte Europas. Die Promenade zeichnet die alte Stadtmauer bis heute nach, die sogenannten Wasserbären sind Relikte des Schutzwalls. Was Viele jedoch nicht wissen: Letzte Reste der alten Stadtmauer sind bis heute zu finden, etwas versteckt an der Westerholtschen Wiese.


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Bildquelle: Münster!, Ausgabe 86/2019

ALTE ZEITEN Jahrhundertelang hegte die Mauer die Stadt ein. Idyllisch war es aber immer schon


Hier, im Schatten des Paulinum am Stadtgraben, direkt hinter der renaturierten Aa ist sie zu sehen. Zu besichtigen jedoch ist die Mauer nicht (mehr). Der Zugang erfolgt über das ...

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... Schulgrundstück. Zunächst geht es auf eine Anhöhe, dem Rondell, bebaut mit einem Haus aus den 1960er Jahren. Links führt ein kleiner, unscheinbarer Weg direkt den oberen Rand der Stadtmauer entlang. Es ist der alte Wehrgang. Eine ungewohnte Perspektive eröffnet sich: Etwa 7 bis 8 Meter tiefer liegt der gepflegte Garten mit seiner Hecke und parallel dazu die Aa in ihrem neuen Bett. Schießscharten sind im Mauerwerk eingelassen, teilweise zugewachsen von Efeu und anderen Pflanzen mit armdicken Ästen. Wie mag es vor 500 Jahren gewesen sein, als sich die Stadt anrückender Feinde erwehren musste? Standen hier Verteidiger, die aufmerksam und angespannt über die Mauer spähten?

MAUERGESCHICHTE

Durch ein Gartenpförtchen erreicht man den Fuß der Stadtmauer mit dem sich anschließenden Obstgarten und seiner Figurenhecke. Hier ist die Stadtmauer aus nächster Nähe zu betrachten. Der untere Teil besteht aus Bruchsteinen aus dem 12. Jahrhundert und ist etwa vier Meter hoch. Der obere Bereich wurde aus Ziegeln gemauert. Diese knapp 3 Meter hohe Backsteinmauer dürfte aus dem 16. Jahrhundert stammen. Die Stadtmauer ist heute zum größten Teil stark bewachsen, so dass ein Blick auf das Mauerwerk weitgehend verwehrt wird. Alte Fotografien zeigen das Bauwerk allerdings noch zum großen Teil frei von Bewuchs.

DIE EINGEMAUERTEN KANONENKUGELN

In etwa 4 Metern Höhe – noch im Bereich des Bruchsteinmauerwerks – sind sechs Steinkugeln eingemauert. Die Kanonenkugeln haben einen Durchmesser von 30 bis 50 cm und stammen aus der Zeit der Belagerung der Wiedertäufer-Stadt 1534/1535. Eine der Kugeln hat eine dunkelbraune, fast schwarze Färbung, dass man meinen könnte, sie sei aus Metall. Warum die Kugeln dort eingemauert worden sind, lässt sich heute nicht mit Sicherheit beantworten. Vielleicht sollten künftige Belagerer mit der hiermit herausgestellten Wehrhaftigkeit der Befestigung abgeschreckt werden.

VERSTECKT Wer nicht weiß, dass die letzten Mauerreste überwuchert an der Westerholtschen Wiese zu finden sind, könnte die Mauer glatt übersehen


DAS GEHEIMNIS DES TIEFEN LOCHS

Fast verdeckt von wuchernden Pflanzen lässt sich ein mit Bruchsteinen umfasstes rundes Loch entdecken. Der Durchmesser beträgt etwa 3 Meter bei einer Tiefe von 4 bis 5 Metern. Am Grund wächst Farn. Wie gelangt man dorthin? Eine Treppe oder einen anderen Zugang gibt es nicht. Nur mit einer Leiter kann hinabgestiegen werden. Für welchen Zweck wurde dieses aufwendige Bauwerk errichtet? Diente es zum Gießen von Kanonen oder Glocken? Ein Geheimnis, welches vielleicht nie gelüftet wird…

DIE KASEMATTE

Eine weitere Überraschung ist die Kasematte, eine alte Befestigungsanlage, die viele Jahrhunderte überstanden hat. Eine uralte, ausgetretene Treppe führt in den unteren Bereich des Rondells. Hinter einer niedrigen Tür verbirgt sich ein tonnenförmiges Gewölbe. Gemauert aus Ziegelsteinen, ca. 8 Meter lang, 5 Meter breit und 3 Meter hoch. Die Öffnungen nach außen sind zu einer Seite hin vergittert und mit Schutt zugeschüttet. Ein weiterer kleinerer Raum schließt sich an. Der Boden ist bedeckt mit losem, trockenem Sand. Vielleicht liegt er dort seit Jahrhunderten… Auch im Sommer ist es hier sehr kühl. Die Räume haben einst der Aufbewahrung von Proviant, ebenso von Schießpulver und Kriegsgeräten gedient. Am Mauerwerk allerdings zeigen sich starke Setzrisse. Man hat versucht, diesen Prozess mit Eisenbändern aufzuhalten. Ebenfalls von außen kaum zu sehen sind die versteckt im Gebüsch liegen zwei Stelen. Waren es Teile eines Grabes oder eines Kirchengebäudes? Wurden sie in der Täuferzeit hier abgelegt? Viele Fragen tun sich auf. Sicher ist: Für Archäologen und Historiker wird hier immer genug zu tun sein.

1912 Vor gut 100 Jahren bot sich dem Betrachter von der Promenade aus diese Ansicht


SELTENE EINBLICKE Kasematte (l.) und das geheimnisvolle Loch sind sonst nicht zu sehen


ABSCHRECKUNG? Warum diese Kugel eingemauert wurde, ist unklar. Eventuell, um Belagerern die Sinnlosigkeit ihres Unterfangens klarzumachen


MÜNSTERS STADTMAUER

Mit Verleihung der Stadtrechte Ende des 12. Jahrhunderts wurde begonnen, die Stadt mit einer Befestigung zu sichern.Es entstand eine bis zu 10 Meter hohe und über 4 Kilometer lange Stadtmauer mit einem vorgelagerten Graben, 10 Toren und 6 Türmen. Im Laufe der Zeit wurde die Mauer weiter verstärkt und auch mit einem weiteren Grabensystem versehen. Die mächtige Anlage brachte Münster den Ruf der Uneinnehmbarkeit ein. Nur zur Zeit der Wiedertäufer fiel Münster – allerdings durch Verrat, Belagerungen blieben militärisch ansonsten stets erfolglos.So auch im Dreißigjährigen Krieg, was vermutlich einer der Gründe war, weshalb Münster als Konferenzstadt für den späteren Westfälischen Frieden ausgewählt wurde. Nach dem Siebenjährigen Krieg hatte sich die Mauer jedoch überlebt und wurde geschliffen. Auf dem äußeren Befestigungsring entstand nun die Promenade, die einen immer parkähnlicheren Charakter annahm. Die Neuanlage nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs erfolgte deutlich nüchterner. Der letzte Rest der alten Mauer findet sich bis heute an der Westerholtschen Wiese, auf der seit den 1930er Jahren (und bis vor einigen Jahren) regelmäßig Reiturniere veranstaltet wurden.