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Viel Gewehr fürs Geld!


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JÄGER - epaper ⋅ Ausgabe 110/2022 vom 14.10.2022

WAFFENWAHL

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Der 98er gibt auch im neuen Gewand einen veritablen Repetierer ab.

1500 Euro Budget

Was zeichnet eine gute Waffe aus? Auch wenn Geschmäcker bekanntlich verschieden sind, ist wahrscheinlich die Mehrheit aller Jäger einer Meinung, was eine gute und solide Waffe mitbringen sollte.

Zunächst einmal sollte sie präzise sein. Das bedeutet, dass die Waffe oder der Lauf mit einer Vielzahl an Geschossgewichten und Laborierungen zurechtkommen sollte, um nach Möglichkeit Streukreise unter 20 mm liefern zu können. Ob diese Präzision später vom Schützen überhaupt reproduziert werden kann, ist eine andere Frage, das Werkzeug jedoch ist in der Lage dazu. Ebenso sollte die Waffe zuverlässig sein. Das heißt, sie muss zuverlässig in Funktion und Handhabung sein. In jeder Situation sollte mit der Waffe geschossen werden können, die Sicherung muss immer funktionieren. Zudem muss die sichere und schnelle Zufuhr der nächsten Patrone gewährleistet sein.

Als letzten ...

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... Punkt möchte ich die Bedienbarkeit aufführen. Bedienbarkeit bedeutet für mich, dass die Waffe intuitiv und leicht, bei Licht oder Dunkelheit bedient werden kann.

Ergreifende Details

Welches Material der Schaft hat oder welche zusätzlichen Kaufoptionen es noch gibt, ist wiederum reine Geschmackssache. Hier geht es um das persönliche Wohlbefinden, jedoch nicht um die grundlegende Funktion der Waffe als solche. Die Grundlegende Funktion wäre, einen Schuss sicher und präzise antragen zu können. Natürlich vereinfachen bestimmte Features den Schuss. Hier seien zum Beispiel eine höhenverstellbare Wangenauflage, ein Schalldämpfer oder ein angepasster Schaft genannt.

Der Unkaputtbare

Wenn wir von der Basis eines guten und zuverlässigen Repetiersystem ausgehen, kommen wir am guten alten K98 nicht vorbei. In Puncto Zuverlässigkeit und Robustheit sucht der alte 98er wohl immer noch seines Gleichen. Das System mag nach heutigen Maßstäben vielleicht etwas grob wirken, jedoch bedingt genau diese grobe und unkomplizierte Bauweise seine Zuverlässigkeit. Es muss auch nicht mehr der alte 98er von Großvater sein. Heute gibt es viele Variationen von 98ern, welche komplett fertig angeboten werden. So zum Beispiel der 98er mit Lochschaft von Sabatti. Natürlich kann man auch ein altes System kaufen und dieses mit nahezu unzähligen Aftermarket Produkten aufrüsten.

Weitere Informationen finden Sie hier.

So wird aus einem alten 98er, welcher nicht mehr wirklich den jagdlichen Standards entspricht, wieder ein moderner und zuverlässigerer Revierbegleiter. Ich selbst habe den alten 98er meines Großvaters auch umgebaut. Der alte Holzschaft, welcher mir nicht recht passte, wurde durch einen Lochschaft ersetzt, der Deutsche Stecher gegen einen feinen Timmney-Abzug getauscht und der Lauf wurde mit einem Gewinde für Schalldämpfer versehen.

System und Lauf wurden für eine noch bessere Widerstandsfähigkeit mit Ceracote beschichtet und die Suhler Einhakmontage gegen eine Picatinnyschiene ausgetauscht. Alles in allem haben mich die Umbauten ca. 500 Euro gekostet. Da ich, wie viele Jäger, diesen 98er bereits im Schrank stehen hatte, halte ich nun für 500 Euro eine sehr solide und robuste Waffe im Universalkaliber 8x57IS in Händen. Eine qualitativ bessere Waffe ist für eine solch geringe Summe nicht zu bekommen. Es handelt sich nicht um eine Ersatzwaffe, sondern um einen vollwertigen Repetierer.

Wer keine Lust auf das Basteln oder den klapprigen Schloßgang eines 98ers hat, dem stehen noch viele weitere Marken und Modelle zur Verfügung, welche trotz ihres geringen Anschaffungspreises vollwertige Repetierer bieten. Da es den Rahmen sprengen würde alle auf dem Markt erhältlichen Modelle zu erwähne, habe ich mir einige wenige ausgesucht, an denen ich das Für und Wider erklären möchte.

Sauer ohne Kompromisse

Meine Alltagswaffe ist eine Sauer 100, also der preisgünstigste Repetierer, den Sauer im Sortiment führt. Hier bekommt man eine Waffe ohne viele Schnörkel, dafür mit tadelloser Funktion. Ein reines Arbeitstier sozusagen: Sehr guter Abzug, 5-Schuss-Magazin, sehr guter Schloßgang, 3-Stellungssicherung, gut passender Schaft.

Im Kaliber .308 Win. kann ich aus dieser Waffe verschiedenste Geschossgewichte und Geschosse verschießen, ohne dass ich etwas verstellen muss oder die Präzision zu wünschen übrig lässt. Was braucht man nun mehr? Ich für meinen Teil nichts. Natürlich entfällt die Möglichkeit zum Lauf- und somit zum Kaliberwechsel, doch da die Waffe so preiswert ist, habe ich mir einfach die gleiche Waffe noch einmal in einem anderen Kaliber gekauft.

Wie bin ich zu einer solchen Waffe gekommen und warum ist es keine Sauer 404 oder Blaser R8 geworden? Als Student war man knapp bei Kasse, gejagt werden musste trotzdem und so konnte das mühsam verdiente Geld eben nicht in das Highend-Modell investiert werden, sondern in das günstige Modell.

Ich habe es bis heute nicht bereut, führe die Waffe nach wie vor unglaublich gerne und ziehe sie jeder anderen Büchse vor. Natürlich könnte ich jetzt auf eine andere Waffe umsatteln, jedoch gibt es für mich keinen Grund. Was ich da- mit sagen möchte ist, die Waffe allein macht einen nicht zu einem erfolgreichen Jäger und solange sie die drei anfangs erwähnten Kriterien erfüllt, brauche ich nichts anderes. Eine Sauer 100 bekommt man je nach Ausführung bereits ab 1200 Euro.

Führiger Finne

Der weltweit wohl meistverkaufte Jagdrepetierer ist die Tikka T3(x). Eine Waffe, die schon länger auf dem Markt ist und die auf jedem Kontinent Jäger und Schützen begeistert. Hier bekommt man sehr viel Qualität für einen sehr günstigen Preis. In Deutschland bekommt dieser Repetierer immer mehr Anhänger. Im Rest Europas ist der finnische Repetierer bereits seit Jahrzehnten bekannt und beliebt.

Neben dem nahezu perfekten Handling besitzt die Waffe einen hervorragenden Abzug und einen Schloßgang, welcher dem der Sauer in nichts nachsteht. Diese Waffe gibt es in den unterschiedlichsten Konfigurationen und Ausführungen. Tikka hat hier für jeden ein passendes Modell. Leider ist in Deutschland oftmals jeder Repetierer, der keine Handspannung besitzt, für das Sicherheitsgefühl nicht gut genug. Ich denke nur, dass eine Waffe eine Waffe ist, welche, ganz egal, wie genau die Sicherung funktioniert, immer mit der selben Sorgfalt behandelt werden sollte. Nur so kann man Unfälle ausschließen, ob mit normaler Schlagstücksicherung oder mit Handspannung.

Ein weiteres großes Plus an einer Tikka ist ihre außerordentlich hohe Eigenpräzision. Diese Repetierer sind durch die Bank weg wahre Lochstanzer - und das von der Stange. Wer also eine hochpräzise Büchse für ein wirklich überschaubares Budget sucht, sollte sich unbedingt eine Tikka anschauen. Der Preis für eine Tikka im Schalenwildtauglichen Kaliber beginnt bei etwa 1500 Euro.

Suhler Arbeitstier

Ein weiterer qualitativ guter Repetierer ist die Jaeger 10 der Firma Haenel. Ein wirklich schlankes und ansprechendes Gewehr. Der Vorderschaft besitzt nicht die sonst gewohnte runde Form, sondern tendiert eher zu einem leichten Dreieck. Er liegt trotz der schlanken Maße angenehm und fest in der Hand. Wer an dieser Waffe Verzierungen oder sonstige Verschönerungen sucht, tut dies vergeblich, denn es handelt sich hier in der Tat um ein reines Werkzeug.

Der Abzug ist eine Kombination aus Direktabzug und französischem Stecher. Uneingestochen steht der Abzug sehr trocken und überzeugt durch seine Charakteristik. Jedoch ist er mit seinen 1200 Gramm etwas zu schwer für meinen Geschmack. Mit etwas Geschick lässt er sich jedoch einstellen. Das Züngel lässt sich problemlos einstechen, kriecht aber ein wenig und bricht dann sehr schnell (400Gramm). Sollte eine Schussgelegenheit eingestochen verstreichen, entsticht sich die Waffe beim Öffnen der Kammer von alleine, was ihr in Puncto Sicherheit einen eindeutigen Pluspunkt verleiht. Da sich meine Sympathie für Stecher jeglicher Art in Grenzen hält, benutze ich diesen nicht. Die Sicherung ist eine auf der rechten Seite angebrachte Schiebesicherung. Sie ist gut erreichbar und lässt sich fast geräuschlos bedienen. Das Magazin ist aus Stahlblech und fasst 3 Patronen. So ist man mit vier Patronen (3+1) für den Ansitz absolut ausreichend ausgestattet, für die Drückjagd wären zwei weitere aber durchaus wünschenswert. Die offene Visierung besteht aus einer Kimme, welche mit zwei weißen Punkten ausgestattet ist, zudem verfügt die Waffe über ein rotes Korn.

Das Korn ist schräg auf dem Kornsattel montiert und eignet sich mit einiger Übung sehr gut für den bewegten Schuss auf kurze Entfernungen. Als Montagebasis wurde auf dieser Waffe eine Picatinny-Schiene verbaut, da sich hier eine Vielzahl kostengünstiger Oberteile finden lässt. Für einen solchen Repetierer der Marke Haenel bezahlt man derzeit etwa 1300 Euro.

Weitere erwähnenswerte Repetierer wären die Remmington 700 oder auch verschiedene Repetierer der Marke Savage. Auch ist die Mauser M18 natürlich ein sehr interessantes Arbeitsgerät.

Alles in allem kann man sagen, dass man nicht immer 4000 bis 5000 Euro für einen guten Repetierer ausgeben muss. Wer auf schlichte und funktionelle Waffen steht oder nur ein begrenztes Budget zur Verfügung hat, macht hier mit einem günstigen Repetierer keinen Fehler, ganz im Gegenteil!

Patrik Bollrath

32 Jahre alt, aufgewachsen in Schleswig-Holstein. Nach seinem Masterstudium in Göttingen arbeitete er in der Jagdbranche und ist Förster in Schleswig-Holstein. Er ist leidenschaftlicher Reh-und Damwildjäger. Doch auch Rotund Sikawild haben es ihm angetan. Er bewirtschaftet unter anderem ein großes Niederwildrevier und ist Experte für Lockjagd. Habitatverbesserung und Wildbiologie im Hoch- und Niederwildrevier gehören ebenso zu seiner Expertise.