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VIEL MEHR ALS NOSTALGIE


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LP Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 5/2022 vom 08.07.2022

Plattenspieler Altmann Industrieelektronik 751

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Bildquelle: LP Magazin, Ausgabe 5/2022

Mitspieler

Phonovorstufen:

· DS Audio DS 003

· Malvalve preamp three phono

Vollverstärker:

· Thivan Labs 811 Anniversary

Lautsprecher:

· DIY Focal / JBL

Gegenspieler

Plattenspieler:

· Technics SL1000 MK2 / EPA-100

· TechDAS Air Force III / Reed 3p / Reed 1x

Tonabnehmer:

· DS Audio DS 003

· Ortofon Per Windfeld Ti

Gespieltes

Nightmares On Wax In A Space Outta Sound

Don Ellis Soaring

Asteroid S/T

Led Zeppelin How The West Was Won

Und das aus gutem Grund: Das, was es dort ausschnittweise zu sehen gibt hat nicht nur den Anschein von Technics-Komponenten aus den Siebzigern – es sind auch welche. Aber wie kann es sein, dass wir anno 2022 einen Plattenspieler zum Covermodel erklären, der schon 1975 das Licht der Welt erblickte und der definitiv seit 1982 nicht mehr gebaut wird?

Okay, erst ein wenig Historie: Besagtes Gerät ist der Technics-Plattenspieler SP- 10 MK2. Er trat ...

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... 1975 die Nachfolge des SP-10 an, der 1969 erschien und der erste überhaupt in Serie gebaute direkt angetriebene Plattenspieler war. Zwischen 1982 und 1986 gab’s das Nachfolgemodell SP-10 MK3 und seit dem Neustart von Technics 2018 den SP-10 R. Der MK 2 ist der Klassiker schlechthin, wie seine Kollegen auch bestand er nur aus einer Laufwerkseinheit und einem Netzteil. Das musste erst in eine Behausung eingebaut und mit einem Tonarm ergänzt werden, um daraus ein spielfertiges Gerät zu machen. Der SP- 10 ist ein Rundfunklaufwerk, dass auf gnadenlose Zuverlässigkeit und technische Qualität hin konzipiert wurde. Seine Gleichlaufwerte und die Fähigkeit, seine Nenndrehzahl nach nur eine Viertelumdrehung des Tellers zu erreichen sind bis heute legendär. Und jetzt kommt da Einer und bringt einen Plattenspieler auf den Markt, der auf nagelneuen Laufwerken vom Typ SP-10 MK2 basiert. Der Mann heißt Michael Altmann, betreibt ein Ingenieurbüro in Mainz und hatte seit seiner ersten Begegnung mit dem SP-10 MK2 vor über 25 Jahren die Ahnung, dass es eine gute Idee sein könnte, sich von den Geräten mal einen Vorrat anzulegen. Und so kaufte er den kompletten Restbestand eines damals großen Händlers auf und lagerte ihn in ungeöffneter Originalverpackung perfekt klimatisiert 25 Jahre lang professionell überwacht ein. Im vergangenen Jahr hielt Michael Altmann die Zeit für gekommen, seinen eigenen Schatz zu heben und einen kompletten Plattenspieler auf Basis des SP-10 MK2 zu bauen. Den kann man nunmehr, fertig bestückt mit Tonarm und Tonabnehmer, käuflich erwerben. Die schlechte Nachricht dabei ist der Preis: Der „Plattenspieler 751“ kostet komplett 34600 Euro. Michael Altmann argumentiert das, ganz der Ingenieur, der er ist, als „ganz normale Industriekalkulation“ und weist darauf hin, dass hier auch 25 Jahre Lagerkosten eingeflossen sind.

Rein optisch ist der 751 eine angenehm schlichte und schnörkellose Erscheinung. Sie wird von dem annähernd quadratischen silberfarbenen Laufwerk bestimmt, das in eine 20 Millimeter dicke schwarz eloxierte Aluminiumplatte eingelassen wird. Rechts vom Laufwerk ist ein ebenfalls nicht mehr erhältlicher Klassiker verbaut: ein neun Zoll langer Jelco-Tonarm. Dieser Hersteller hat im letzten Jahr nach hundertjähriger Tätigkeit den Betrieb eingestellt, Michael Altmann hat sich auch hier mit genügend Material eingedeckt. Der Tonarm steckt im serienmäßigen Montagekragen, der bewusst fest mit der Basis verschraubt ist, Michael Altmann hält eine möglichst starre Verbindung zwischen Tonarm- und Plattentellerachse für sehr wichtig. An dem Gerät ist mehr dran, als sich dem Betrachter zunächst erschließt: Da wäre zum Beispiel der schwere Messingklotz unter dem Chassis auf der linken Seite – der dient dazu, den Schwerpunkt des Plattenspielers genau auf die Position der Tellerachse zu legen.

Der SP-10 MK2 war eigentlich nicht dazu gedacht, „auf eigenen Füßen zu stehen“, hier tut er das aber. Dazu hat der Konstrukteur einigen Aufwand in Dämpfungselemente gesteckt, die eine bestmögliche Entkopplung des Gerätes vom Untergrund ermöglichen sollen. Dem Vernehmen nach soll’s so merklich besser als mit hängend eingebautem Laufwerk klingen.

Der Umgang mit dem Gerät ist für den altgedienten HiFi-Fan eine wahre Freude. Da ich selbst Besitzer zweier Technics SP-10 MK2 in unterschiedlichen Ausbaustufen bin, fühle ich mich mit dem Gerät sofort wohl. Das beginnt mit dem satten Klack des Kippschalters auf der Front des Netzteils und endet nicht beim Vorhandensein der Kabelfernbedienung fürs Starten und Stoppen des Tellers. Und tatsächlich läuft hier alles noch ein bisschen strammer als bei meinen beiden Oldies, die halt keine 25 Jahre im Dornröschenschlaf verbracht haben.

Noch ein paar Worte zum SP-10 MK2 selbst: Er war der erste Plattenspieler, bei dem eine per Quarz stabilisierte Drehzahlregelung per PLL („Phase Locked Loop“, phasenstarre Regelschleife) realisiert wurde. Mit keiner andere Technik ist eine solche Drehzahlkonstanz möglich, zudem ist hier niemals eine Justage erforderlich. Fühlt sich erstaunlich modern an nach all den Jahren.

Wer soviel Geld für einen Plattenspieler ausgibt, der will Sicherheit, wenn dann doch mal was kaputtgehen sollte: Beim SP-10 MK2 ist das Problem deutlich kleiner als bei so ziemlich allen anderen Direkttrieblern aus der großen Zeit der japanischen Plattenspieler. Hier kommen nämlich keine nicht mehr existierenden Spezialchips in der Steuerung zum Einsatz, sondern digitale Standard- („TTL“-) Chips, die bis zum heutigen Tag produziert werden. Derer gibt’s 14 Stück, dazu gesellen sich 108 Einzeltransistoren und 32 weitere Halbleiter. Der knapp drei Kilogramm schwere Teller des Gerätes wird mit dem Antriebsmotor verschraubt, sonst würde er bei den hier auftretenden Beschleunigungsraten gnadenlos durchrutschen. Man kann ein bisschen süchtig werden nach diesem Antrieb, nur durch vollkommen sinnfreies Betätigen der großformatigen Start- und Stopptaste. Das, was der Plattenteller dabei macht hat etwas von dem, was ein Tesla auf der Straße tut.

Der eingesetzte Jelco-Tonarm ist vom Typ TK850S und definitiv eine gute Wahl. Dort kommen extrem leichtgängige Messerlager zum Einsatz, mit 13,5 Gramm effektiver Masse ist er mittelschwer und verträgt sich mit dem eingesetzten Ortofon Cadenza Bronze ausgezeichnet. Der Hersteller vermeldet eine Tiefenresonanz von zehn Hertz – genau dort wollen wir sie haben. Der Arm ist natürlich in der Höhe ver-, das Antiskating ist per Drehknopf einstellbar. Ein gutes Tonarmkabel (Jelco JA502) gehört zum Lieferumfang. Bedauerlich, dass dieser robuste und unprätentiöse Tonarm nicht mehr gefertigt wird.

Die Kombination mit dem Cadenza Bronze war eine gute Idee. Es ist der kleinste Tonabnehmer im Ortofon-Programm mit dem Replikant-100-Diamanten, dessen extrem feine und detaillierte Wiedergabe schon mehrfach aufgefallen ist. Dieser Plattenspieler ergänzt diesen Aspekt mit einem Fundament, das wirklich Seinesgleichen sucht. Es hat nur ein paar Momente des legendären Nightmares On Wax-Albums „In A Space Outta Sound“ gebraucht und ich wusste: Ich muss mich ganz dringend mit meinen beiden SP-10 beschäftigen. Das, was Altmanns 751 hieran souveräner Lässigkeit abliefert, das gibt‘s nicht oft. Nicht übertrieben hart, sondern vollkommen entspannt und schulterzuckend ballert das Gerät die berühmten elektronischen Eskapaden des Albums in den Raum. Unerschütterlich behält er dabei die Übersicht, der abgebildete Raum ist groß und stabil, sofern man das bei weitgehend elektronischer Musik sagen kann. Beeindruckend ist die riesige Wall Of Sound allemal. Ich sag‘s nicht gerne: Mein schöner originaler MK2 in Obsidianzarge mit EPA-100-Tonarm (er hieß in der Form SL-1000 MK2) kommt da nicht mit. Das Feuerwerk, das Don Ellis und seine Mannschaft auf „Soaring“ abbrennen, kommt über den 751 einfach schneidiger, hitziger und überzeugender. Unglaublich, wie souverän das Gerät den Überblick bei der Vielzahl von Klängen behält. Einiges an diesem Klangbild erinnert mich an den Sound des aktuellen Technics SL-1000 R, dessen Bassperformance ich bis heute für maßstabsetzend halte. Das funktioniert auch mit robusterem Material: Die schwedischen Retro-Rocker „Asteroid“ sind bestimmt nicht verdächtig, sich um audiophile Tugenden zu scheren, aber über den 751 bollert ihr 2016er Debut einfach noch dreckiger und schwerer als üblich. Und dabei geht noch nicht einmal der Gesang im Lärm der Gitarre unter – große Klasse. Tja, liebe Leser, das hier, das könnte der Dreher für die einsame Insel sein!

Holger Barske

Altmann Industrieelektronik 751 

5/22

» Kompakt, schlicht, betont geschmeidig im Handling und klanglich eine absolute Wucht: Diese Ausgabe des Technics-Klassikers ist definitiv eine Sünde wert.