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Viel mehr Netto-Rente


Rente & Co - epaper ⋅ Ausgabe 1/2021 vom 16.12.2020

Hunderttausende Rentner zahlen möglicherweise zu viele Krankenkassen- Beiträge, weil sie ein neues Gesetz nicht nutzen. Denn die Regeln für freiwillig gesetzlich Versicherte wurden deutlich verbessert.


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Bildquelle: Rente & Co, Ausgabe 1/2021

WAS GILT JETZT: Die neue Regel

Kinder zählen nun - aber nur auf Antrag! - mit, wenn es beim Renten-Antrag um die 9/10-Regel geht und um die Frage pflicht- oder freiwillig versichert.

Eine der wichtigsten finanziellen Entscheidungen trifft die Rentenkasse: Wie ist man im Alter krankenversichert? „Pflichtversichert in der Krankenversicherung der Rentner“ oder „freiwillig gesetzlich krankenversichert“? Was nach ...

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... Bürokratie klingt, entscheidet über Tausende Euro. Denn „Pflichtversicherte in der Krankenversicherung der Rentner“ zahlen nur auf ihre Rente(n) und auf Betriebsrente bzw. Direktversicherung Krankenkassen-Beitrag, freiwillig gesetzlich Versicherte auch noch auf weitere Einkünfte wie private Rentenversicherung, Zinsen, Miet-Einnahmen (s. re.). Getroffen wird die Entscheidung nach der 9/10-Regel: Wer in der zweiten Hälfte des Berufslebens zu 9/10 in einer gesetzlichen Krankenkasse war, ist pflichtversichert in der Krankenversicherung der Rentner - und zahlt auf weniger Einkünfte Beiträge. Dabei ist es unerheblich, ob man während der zweiten Berufshälfte pflichtversichert war, familienversichert über den Ehepartner oder freiwillig versichert. Entscheidend ist die Mitgliedschaft. Und weil es bei vielen sehr knapp zugeht, hilft die neue Regel vielen.

Quelle: GKV Spitzenverband * als Arbeitnehmer, Rentner und Familienangehörige ** In der Regel haben Beamte zusätzlich eine private Krankenversicherung.

KINDERZEITEN FÜR VÄTER: So wird jetzt gerechnet

Unabhängig davon, wer ein Kind erzogen hat, werden für jedes Kind drei Jahre der zweiten Hälfte des Berufslebens dazugezählt.

Maßgeblich für den Krankenkassen-Status als Rentner ist die 2. Berufshälfte. Die Rentenkasse rechnet so:

► Wann war der erste Tag der Berufstätigkeit? Das ist oft der erste Tag der Lehre. Studienbeginn, Wehroder Zivildienst oder Mini-Job zählen nicht.
► Gerechnet wird nicht bis zum geplanten Rentenbeginn, sondern bis zum Datum des Renten-Antrags.
► Dieser Zeitraum wird - Tag-genau - halbiert.
► Nun wird geprüft, ob man zu 9/10 in der zweiten Hälfte Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse war.

Das Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetz (HHVG) gewährt nun über § 5 Abs. 2 Satz 3, dass für jedes Kind drei Jahre Vorversicherungszeit der zweiten Hälfte des Berufslebens zugeordnet werden. Ein Beispiel: Michael Krone beantragte am 1.7.2017 Rente; seine Lehre begann am 1.9.1968, von 2000 bis 2006 war er privat versichert. Seit 2007 wieder angestellt und pflichtversichert. Er hat 48 Arbeitsjahre und zehn Monate Berufszeit; die zweite Hälfte begann im Januar 1993. Von da bis zum Rentenantrag war er 6 Jahre und 11 Monate sowie 12 Jahre und 9 Monate in einer Krankenkasse: 19 Jahre und 8 Monate. Wegen der 9/10-Regel hätte er aber von 24 Jahren und 5 Monaten gut 22 Jahre in der Kasse sein müssen. Aber: Da er zwei Kinder hat, werden auf Antrag 6 Jahre der zweiten Hälfte zugeordnet, sodass er auf 25 Jahre und 8 Monate kommt und die 9/10-Regel doch erfüllt.

ANTRAG STELLEN: Das sollten Rentner tun

Renten- und Krankenkasse wenden die neuen, besseren Regeln nicht automatisch an. Wer schon in Rente ist, sollte sofort einen Antrag stellen.

Von der neuen Regel profitieren automatisch nur jene, die einen neuen Renten-Antrag stellen - hier werden Kinder direkt berücksichtigt (zuletzt wurde das Gesetz im Mai 2019 geändert). Wer jedoch schon länger in Rente und nicht pflichtversichert in der Krankenversicherung der Rentner ist, sondern freiwillig gesetzlich krankenversichert, geht nach wie vor leer aus. Denn eine Prüfung des Krankenkassen-Status bei Bestandsrentnern findet nicht statt; das bestätigt auch der GKV-Spitzenverband.
Hier hilft deshalb nur ein Antrag auf Neu-Berechnung. Und zwar dann, wenn Kinder vorhanden sind und die 9/10-Grenze nicht erreicht wurde. Gestellt werden muss der Antrag auf Überprüfung der Vorversicherungszeit bzw. der Rahmenfrist bei der Krankenversicherung der Rentner bei der Krankenkasse. Die informiert dann die gesetzliche Rentenversicherung.
Wichtig: Oft kommt es bei der 9/10-Regel - trotz Kinder-Gutschrift - auf wenige Tage an. Dann vorsorglich einen zweiten Antrag auf Neu-Berechnung ausschließlich auf Tages-Basis stellen. Denn: Bei der normalen Berechnung wird von 30 Kalendertagen und 365 Tagen pro Jahr ausgegangen. Je nach Berufsverlauf kann aber die Tag-genaue Rechnung mit teilweise 31 Tagen und 366 Tagen in einzelnen Jahren entscheidende Vorteile bringen. Dass es um Tausende Euro geht, zeigt das Beispiel von Michael Krone.


„Viele Hunderttausend Rentner zahlen zu viele Krankenkassen-Beiträge - meist ohne es zu wissen “


Peter Knöppel, Rentenberater aus Halle (Saale)


Foto: privat; Illustration: Shutterstock.com