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Viel Potenzial in Polen


TASPO - epaper ⋅ Ausgabe 31/2018 vom 03.08.2018

Die Gartenbaubranche im Nachbarland entwickelt sich stetig weiter.


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Ein Beispiel für die kontinuierliche Entwicklung polnischer Baumschulen ist das Unternehmen Pol-Plants in Mogielnica.


Foto: ZSZP

Juniperus squamata ‘Blue Star‘ ist ein kompakter, langsam wachsender Zwergwacholder, bei Wazynscy im P9, C3 und C7,5.


Die Präsidentin des polnischen Gartencenterverbandes Marzena Bartosiewicz (r.) mit Sohn Marcin (l.).


Fotos: Dr. Antje Lemke

Polen ist mit über 38 Millionen Einwohnern der größte EU-Binnenmarkt in Osteuropa. 2017 wuchs die Wirtschaft um 4,2 Prozent, für 2018 wird ein Wirtschaftswachstum von 3,8 Prozent ...

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... prognostiziert durch die Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Bundesrepublik Deutschland Germany Trade & Invest (GTAI). Die Arbeitslosenquote liegt derzeit bei fünf Prozent, mit fallender Tendenz, so die Prognose, das Lohnniveau hingegen steigt.

Gute Voraussetzungen also für wachsenden Konsum der Polen, der sich auch bei Blumen und Pflanzen bemerkbar macht – auch wenn die Pro-Kopf-Ausgaben für Pflanzen deutlich unter denen einiger westeuropäischer Länder liegen.

Außerdem liegen grüne Themen auch in Polen im Trend, so Grzegorz Falkowski , Geschäftsführer des polnischen Baumschulverbands (ZSZP, Warschau). Seit Grün in der Stadtplanung einen höheren Stellenwert bekommt, wachse die Nachfrage nach Pflanzen.

Importe werden wichtig bleiben

„Die grüne Branche Polens entwickelt sich konstant weiter“, sagt Falkowski. Gerade die Baumschulproduktion spielt eine wichtige Rolle im polnischen Agrarsektor. „Die Betriebe investieren viel in ihre Entwicklung, auch dank Fördermitteln der EU.“ So habe die Anzahl größerer Baumschulen sowie die Gesamt-Produktionsfläche zugenommen. Der ZSZP vertritt gegenwärtig 134 Mitgliedsbetriebe.

Als Problem erweise sich derzeit der Fachkräftemangel in Polen, bei gleichzeitigem Anstieg der Lohnkosten. „Es wird für die Betriebe immer schwieriger, geeignete Mitarbeiter zu finden.“ Alles in allem kann der Bedarf an Pflanzen aus einheimischer Produktion nicht gedeckt werden, gerade bei größeren Pflanzen (Bäume ab 18/20) gebe es eine Lücke.

Polens Bedeutung als Exportmarkt für Grün wächst also. Allein die Niederlande haben im ersten Halbjahr 2017 rund 27 Prozent mehr Blumen und Pflanzen nach Polen exportiert, so die Marketingagentur CoConcept aus Luxemburg. Damit rangiere Polen erstmalig unter den fünf größten Abnehmerländern der Niederlande. Gerade im Absatz über Supermärkte stecke noch viel Potenzial, so Experten. Bisher entfällt der höchste Marktanteil auf den Gartenfachhandel – die Verbraucher kaufen ihre Pflanzen vor allem in Gartencentern und Baumschulen, so Falkowski.


„Der heimische Markt ist inzwischen leichter zu bedienen.
Tomasz Nowicki, Baumschule Wazynscy


Wichtigste Exportmärkte …

für die polnischen Pflanzenproduzenten bleiben die osteuropäischen Länder, zu denen langjährige, enge Beziehungen bestehen. Zudem schätzten die dortigen Konsumenten die robuste Qualität polnischer Pflanzen, sagte Falkowski. Insbesondere der russische Markt, der sich langsam erholt, spiele weiterhin eine wichtige Rolle. Das Embargo besteht zwar fort(siehe Kasten) , doch einige autorisierte Betriebe dürfen weiterhin nach Russland liefern, beispielsweise derThuja -Spezialist Sutkowscy (PL-Sinołęka) oder die Baumschule Tadeusz Kusibab (PL-Kraków). Neben Osteuropa sind auch Deutschland und die Niederlande wichtige Exportmärkte; auch bis nach Japan und in die USA werden Pflanzen verkauft.

Mit der vergangenen Saison waren die polnischen Baumschulen recht zufrieden: Zwar habe es sehr viel geregnet, doch der Absatz lief trotzdem gut, sowohl im Inland als auch im Export. Der heimische Markt sei inzwischen leichter zu bedienen, findet Tomasz Nowicki von der Baumschule Ważyńscy: „Bis vor zwei Jahren haben wir noch 80 Prozent unserer Produktion exportiert, insbesondereCornus mas ,Vaccinium ,Actinidia undHippophae . Inzwischen sind es nur noch 50 Prozent, es bleibt also mehr Ware im Land.“

Preis nicht mehr Hauptthema

Auch Marzena Bartosiewicz bescheinigt dem polnischen Gartenbausektor eine gute Entwicklung. Die Präsidentin des polnischen Gartencenterverbands leitet seit 25 Jahren eines der größten Gartencenter in Warschau (Hortorus Bartosiewicz). „Die Eigentümer der polnischen Gartencenter orientieren sich stark an Vorbildern in anderen Ländern; sie reisen viel herum, sehen sich an, wie anderswo Pflanzen präsentiert werden und lernen von den Erfahrungen anderer.“ Zunehmend bieten die Gartencenter auch Serviceleistungen an, Pflanzberatung etwa. „Service macht inzwischen einen großen Anteil an unserem Umsatz aus“, sagt Bartosiewicz.

Sie profitiere auch von dem Trend zu mehr Grün. Ein Beispiel dafür sei eine Kampagne für Konsumenten über Pflanzen, die die Luft reinhalten können; dazu werden in den Gartencentern Poster und Broschüren mit Artenlisten angeboten. Der polnische Gartencenterverband plane zudem eine Kampagne, um die Menschen stärker für Gartenprodukte zu interessieren und so die Verkaufszahlen anzukurbeln. Natürlich hänge der Absatz stark vom Wetter ab – ein Grund, weshalb Polens Gartencenter im Winter schließen. Wegen des polnischen Klimas legten die Verbraucher großen Wert auf winterharte Gehölze und Stauden.

Die Mentalität des Konsumenten habe sich geändert, weiß Bartosiewicz: „Die Menschen achten heute mehr auf die Qualität als auf den Preis.“ Entsprechend reagierten größere Gartencenter in den Städten mit ihrem Angebot. In Polen gebe es viele gute Baumschulen mit guten Pflanzen, die meist zu niedrigeren Preisen angeboten würden als ausländische Ware.

„Es dauert aber oft zu lange, die heimische Ware liefern zu lassen“, sagt Marzena Bartosiewicz. Daher importierten viele Gartencenter Pflanzen aus den Niederlanden, weil das effizienter sei. Es mangele also nicht an der Qualität polnischer Pflanzen, sondern an der Logistik, die besser werden müsse.

„Greenery“ soll Lücke schließen

Bartosiewicz hat die Verkaufsplattform Greenery ins Leben gerufen; diese Ordermesse für gewerbliche Einkäufer fand erstmals 2017 parallel zur „Green is Life“ in Warschau statt. Angelehnt an das Konzept von Groen-Direkt in den Niederlanden, wird hier ein breites Pflanzenangebot an einem einzigen Ort gebündelt, „bei geringem Logistikaufwand“. Die Pflanzen stammen zum Teil aus Polen sowie aus den Niederlanden, Italien und Deutschland. Einkäufer können die ausgestellten Warenproben im Verkaufszentrum von Greenery in Marki/Warschau begutachten und dann bestellen. Wer nicht vor Ort sein kann, kann im Anschluss auch online ordern. Ein solcher Vertriebsweg für Pflanzen habe bisher in Polen gefehlt, so die Organisatoren. Für 2018 seien zehn bis zwölf Ordermessen geplant.

Die Autorin

Dr. Antje Lemke ist freie Fachjournalistin. Sie studierte Agrarwissenschaften und promovierte im Gartenbau.

Russland-Embargo

Die wirtschaftlichen Sanktionen der EU gegen Russland, die seit Juli 2014 bestehen, wurden bis zum 31. Januar 2019 verlängert. Hintergrund ist die Annexion der Halbinsel Krim und der Hafenstadt Sewastopol durch die Russische Föderation. Russland reagierte darauf mit einem Importverbot für Agrarprodukte und Lebensmittel aus der EU, das bis Ende 2018 verlängert wurde.
(al)