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Viele Ausbildungen nicht höher gewertet


Rente & Co - epaper ⋅ Ausgabe 5/2021 vom 18.08.2021

Bei welchen Ausbildungen tauchen im Versicherungsverlauf die meisten Fehler auf?

Ganz eindeutig bei Zeiten, die eine betriebliche Ausbildung betreffen – also die klassische Lehre. Das liegt vor allem daran, weil hier zwei Dinge zusammenkommen, die für die Rente wichtig sind: Zum einen muss die Zeit, in der eine betriebliche Ausbildung stattfand, auch als entsprechende Pflichtbeitragszeit berufliche Ausbildung gekennzeichnet sein; zum anderen muss diese Zeit höher gewertet werden, das heißt: Maßgeblich für die Entgeltpunkte, die diese Zeit für die spätere Rente bringt, ist nicht das tatsächliche Lehrlingsgehalt, sondern ein höherer fiktiver Wert. Und nur wenn beide Dinge zusammenkommen, ist eine betriebliche Ausbildung korrekt im Versicherungsverlauf für die Rente vermerkt.

Wieso fällt ein Fehler nicht sofort auf?

Weil es beim Kontrollieren des Versicherungsverlaufs, den jeder Arbeitnehmer erhält, ...

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... keine Lücke gibt – die Ausbildungszeit ist korrekt mit Beitragszeiten für eine Beschäftigung erfasst. Klar wird aber nicht, dass es sich bei der Beschäftigung um Zeiten einer Berufsausbildung handelt, die dann höher gewertet werden müssen.

Kann man den Fehler schnell erkennen?

Ja – und zwar dann, wenn hinter dem betreffenden Ausbildungszeitraum nur „Pflichtbeitragszeit“ steht. Das stimmt zwar, aber es zeigt eben nicht, dass es sich um eine Berufsausbildung handelt. Der Begriff „Pflichtbeitragszeit“ zeigt nur, dass es sich um eine Zeit mit pflichtversicherter Arbeit handelt. Die Rentenkasse wertet diese Zeit dann mit Entgeltpunkten entsprechend dem niedrigen (Lehrlings-)Einkommen, aber nicht höher.

Was muss korrekt vermerkt sein?

Hinter jeder Zeit mit einer beruflichen Ausbildung (Lehre) muss „Pflichtbeitragszeit berufliche Ausbildung“ stehen. Der große Unterschied stellt sich erst viel später heraus: Die Rentenkasse wertet die erreichten Entgeltpunkte für diese Zeit dann auf – auf maximal 0,75 EP. Faktisch bedeutet dies, dass für die Rente so getan wird, als habe man in einem Lehrlingsjahr 75 % dessen verdient, was der Durchschnitt aller Berufstätigen in diesem Jahr verdient hat – also deutlich mehr als das eigentliche Lehrlingsgehalt.

Und wie wirkt sich das auf die Höhe der Rente konkret aus?

Als Anhaltspunkt: 0,75 EP ergeben heute eine monatliche Rente von etwa 25 Euro. Wird dagegen ein altes Lehr- lingsgehalt von 500 Euro (250 Euro) pro Monat zugrunde gelegt, ergäbe sich heute eine Monatsrente von gut 10 Euro. Um es konkreter zu machen: Angenommen eine Frau, Jahrgang 1957, hat zwischen 1973 und 1976 eine Lehre im Einzelhandel gemacht, sie bekam brutto 500 Mark im Monat, also 6.000 Mark im Jahr. Das Durchschnittseinkommen lag 1973 bei 18.295 Mark. 6.000 Mark ergaben also rechnerisch 0,3279 EP pro Lehrjahr. Mit heutigem Rentenwert (34,19 Euro) multipliziert, würde jedes Jahr 11,21 Euro Rente ergeben. Wird nun korrekt höher gewertet (auf 0,75 EP), ergibt sich eine heutige Rente von 25,64 Euro, also mehr als doppelt so viel.

Sonderregeln

Wer einen sozialen und medizinischen Beruf erlernte, weiß, dass es viele Ausbildungen gibt, die zwar verpflichtend sind, bei denen aber kein Gehalt gezahlt wird, z. B. Schulen für Krankenpflege, Krankengymnas- tik oder Anerkennungsjahr für Erzieher. Dort gelten beim Höherwerten Sonderregeln:

• Die Ausbildung zählt einerseits als Wartezeit für die Rente,

• gleichzeitig werden für diese Zeit Entgeltpunkte mit 1 % der Bezugsgröße gutgeschrieben.

Voraussetzung: Es bestand jeweils Versicherungspflicht, was bei den meisten sozialen und medizinischen Ausbildungen der Fall ist.

Gerade in sozialen und medizinischen Berufen gibt es kaum Ausbildungen, die zwar verpflichtend sind, bei denen aber kein Gehalt gezahlt wird. Dann zählt die Ausbildung als Wartezeit, gleichzeitig werden Entgeltpunkte für die Zeit mit 1 % der Bezugsgröße (2021 = 3.290 Euro, es zählt aber die Zeit der Ausbildung) gutgeschrieben.

Und dieses Rechen-Verfahren wird für alle Lehrjahre durchgeführt?

Ja. Im Beispiel erhält die Frau also heute bei korrekter Höherwertung auf 0,75 EP für jedes der drei Lehrjahre heute 76,92 Euro pro Monat Rente. Würde nicht korrekt höher gewertet, erhielte sie nur 33,63 Euro. Und genau das macht es so schwierig: Im Versicherungsverlauf bzw. Rentenbescheid der Frau stehen für die Jahre 1973 bis 1976 EP- Werte – aber nicht die richtigen.

Gibt es die 0,75 EP immer für jedes Lehrjahr?

Leider nein. Und auch das macht die Sache so schwer nachvollziehbar. Denn die 0,75 EP je Lehrjahr sind ein Maximalwert. Diesen Maximalwert gibt es nur, wenn Betroffene während ihres gesamten Erwerbslebens 75 % der Einkünfte aller Arbeitnehmer verdient haben. Heißt: Wer also im Lauf des Lebens lange Zeit Teilzeit arbeitete oder längere Zeit gar nicht berufstätig, krank, arbeitslos war oder immer relativ wenig verdiente, erhält dann auch die Lehrjahre nur bis zu dem Prozentsatz höher gewertet, der dem Prozentsatz des eigenen Einkommens zum Durchschnitt aller Berufs- tätigen entspricht. Wer z. B. im ganzen Berufsleben nur 65 % des Durchschnittseinkommens hatte, erhält dann auch die Lehrjahre nur bis 65 % (also 0,65 EP) höher gewertet.

„Jede Berufsausbildung penibel prüfen. Immer geht es darum, wird die Zeit überhaupt anerkannt und, wenn ja, wirkt sie sich auch rentensteigernd aus

Thomas Jentsch, Rentenberater aus Wendlingen

Und wenn eine Ausbildung abgebrochen und eine neue Lehre begonnen wurde?

Auch bei einer abgebrochenen Lehre wird pro Jahr auf max. 75 % höher gewertet – es zählt dann der exakte Zeitraum. Und auch eine zweite Ausbildung (Lehre) wird entsprechend gewertet. Allerdings gibt es eine Höchstdauer: 36 Monate. Wer also nach einem Jahr eine Lehre abbricht und eine neue dreijährige Lehre startet, erhält die erste Lehrzeit voll höher gewertet, von der zweiten Lehre allerdings nur die ersten 24 Monate.

Zählt auch eine Ausbildung an einer Fachschule als klassische berufliche Ausbildung?

Ja, auch Zeiten an einer Fachschule zählen als „beitragsfreie Zeit“ nach § 74 SGB VI und werden ebenfalls mit maximal 0,75 Entgeltpunkten pro Schuljahr höher gewertet. Ein Fachschul-Besuch bringt also maximal 2,25 EP für die Rente.

Was tun, wenn im Versicherungsverlauf bei der Höherwertung ein Fehler entdeckt wird?

Wer noch nicht in Rente ist, sollte eine Kontenklärung beantragen oder eine Kontenergänzung bei der zuständigen Rentenkasse einreichen. Darin dann explizit darauf hinweisen, dass eine bestimmte Zeit nicht nur eine Pflichtbeitragszeit war, sondern eine berufliche Ausbildung betrifft.

Wer allerdings schon in Rente ist (und womöglich in den ersten Rentenbescheiden den Fehler gar nicht entdeckt hat), sollte einen Antrag auf Neufeststellung der Rente (§ 44 SGB X) stellen. Aber auch dann genau darauf hinweisen, dass eine bestimmte Zeit eine berufliche Ausbildung betrifft.

Müssen für die Korrektur-Anträge Nachweise mitgeschickt werden?

Ja, als Nachweise für eine berufliche Ausbildung gelten Lehrverträge, Abschlusszeugnisse der Handwerkskammer, Gesellenbriefe, Eintragungen in die Lehrlingsrolle sowie auch nachträgliche Bescheinigungen des ehemaligen Arbeitgebers.

Ausbildungen in der DDR

Viele Berufsausbildungen in Ostdeutschland folgten anderen Regeln als im Westen. Deshalb gibt es häufig Streit um die Bewertung dieser Zeiten.

• Machten Lehrlinge eine Berufsausbildung, obwohl sie Abitur hatten und nebenher studierten, so zählt dies wie im Westen als klassische Berufsausbildung – inkl. der Höherwertung dieser Pflichtbeitragszeiten. Voraussetzung: Der Beruf stand im Vordergrund und es wurden Rentenbeiträge eingezahlt.

• Die berufliche Grundausbildung in der neunten und zehnten Klasse einer DDR-Schule ist keine Beitragszeit (SG Bayreuth, Az. S 3 R 311/13), auch wenn nebenher eine Ausbildung, z. B. zum Maurer, gemacht wurde. Diese Berufsausbildung zählt also nicht als Pflichtbeitragszeit und ergibt keine Höherwertung.

• Auch Schulzeiten an einer Erweiterten Oberschule (EOS) zählen nicht als Beitragszeit, auch wenn es sich um Abitur mit Berufsausbildung handelte (LSG Berlin-Brandenburg, Az.: L 22 R 1188/10). Das Abitur stand im Vordergrund, weshalb auch keine Beiträge in die Rentenkasse Ost gezahlt wurden. Das heißt: Es gibt keine Pflichtbeitragszeit und damit keine Höherwertung.

• Ähnliches bei Hochschulzeiten: Keine Pflichtbeitragszeiten (LSG Berlin-Brandenburg, Az.: L 5 RA 2/02 und LSG Sachsen-Anhalt, Az.: L 1 R 101/12), obwohl Studenten in der DDR in der Rentenkasse Ost pflichtversichert waren.