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Viele Begegnungen und Überraschungen


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aquaristik - epaper ⋅ Ausgabe 1/2023 vom 07.12.2022

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Bildquelle: aquaristik, Ausgabe 1/2023

Ein Zufluss des Ri?o Atabapo, Heimat vieler kleiner Salmlerarten.

Kolumbien ist als Herkunftsland für viele Welse in der Aquaristik bekannt. Einige Arten sind seit Jahren im Hobby verbreitet und stehen ihren Verwandten aus Brasilien oder Peru in nichts nach. Auch Salmler gibt es hier reichlich.

Die deutsche Firma JBL bietet für Aquarianer und Terrarianer regelmäßig Reisen in die Herkunftsländer bei uns beliebter Arten an, um die natürlichen Biotope besuchen und studieren zu können. Die letzte Expedition führte nach Kolumbien und im Mittelpunkt stand der Wunsch, so viel wie möglich zu beobachten und neue Erfahrungen mit nach Hause zu nehmen. Was zuvor nur aus dem Aquarium bekannt war, konnte hautnah in der Natur erlebt werden. Dabei gab es auch Überraschungen und einige eingebrannte Vorstellungen konnten widerlegt, andere Ideen wiederum bekräftigt werden.

Die untersuchten Biotope können fast alle dem Schwarzwasser zugeordnet werden. Besonders die ...

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... kleineren Zuflüsse des mächtigen Río Atabapo sowie deren Mündungsbereiche waren sehr artenreich. So konnten einige Arten dokumentiert werden, über deren Lebensweise bisher wenig bekannt war.

Im Caño Bocón, einem Zufluss des Río Inírida, leben verschiedene Salmlerarten eng beieinander. Kopfsteher wie Leporinus falcipinnis und Anostomus cf. ternetzi schwimmen gemeinsam an den Ufern umher und suchen nach Nahrung.

Dabei picken sie an Ästen und Blättern, sind aber auch stets interessiert, wenn man den Bodengrund aufwirbelt und Detritus ins Freiwasser gelangt.

Sowohl in der Natur als auch im Aquarium sind Kopfsteher Pflanzenfresser, die große Mengen an Futter benötigen. Ihren Namen haben sie von der Angewohnheit, den Kopf leicht diagonal nach unten zu halten und oft so verweilend im Wasser zu stehen. Mit dem JBL-Testkoffer ermittelten wir am 9. Februar um 14.10 Uhr folgende, für die Region typische Wasserparameter: 29,5 °C, pH 5 und 5 µS/cm.

Genau andersherum

Ebenfalls schräg, aber genau andersrum machen es die Spitzmaulziersalmler Nannostomus eques und N. unifasciatus. Beide Arten können im flachen Wasser und zwischen Wurzelgeflechten dabei beobachtet werden, wie sie sich an Äste herantreiben lassen und diese nach Mikroorganismen und interessantem Aufwuchs absuchen. Die Schwimmbewegungen werden dabei auf ein Minimum reduziert. Die Fische verlieren sich daher auf den ersten Blick in ihrer Umgebung und sind doch zahlreich vertreten.

Wie aufgereiht stehen 25 bis 30 Individuen im Wasser, ihre Gruppe dehnt sich auf fast einen Meter Länge. Der Wasserstand beträgt kaum 12 cm, das Sonnenlicht bricht durch das Blätterdach und fällt auf den hellen Sand, der regelmäßig von einer schwachen Strömung leicht aufgewirbelt wird.

Unbemerkt und ungesehen sitzen kleine Messerfische im Bodengrund, die diesen erst nachts verlassen: Rhamphichthys cf. apurensis, eine weit verbreitete Art im Einzug des Río Orinoco, wozu auch dieser Zufluss des Río Mavicure zählt, in dem wir gerade schnorcheln. Selbst sie bevorzugen die schräge Schwimmweise, halten sich stets bodennah auf und picken mit ihrem leicht unterständigen Maul immer wieder in den Sand. Ihre präferierte Nahrung sind Insektenlarven und Würmer. Der Fang gelingt nur, wenn man den Kescher gezielt in den Bodengrund treibt und danach aussiebt.

Bodensalmler und Hexenwelse

Dabei kann es aber zu weiteren Überraschungen kommen, denn auch kleine Salmler nutzen den Bodengrund als Nahrungsquelle oder seine Farbe und Struktur als Tarnung. Sie werden daher als „Bodensalmler“ bezeichnet, meist sind sie farblich zurückhaltend und kleinbleibend. Umso spannender sind sie in der Beobachtung, denn viele Arten haben es nicht in die Aquaristik geschafft und entsprechend wenig ist über sie bekannt.

Syntop mit den angesprochenen Messerfischen findet sich so zum Beispiel Characidium pellucidum, ein sehr schlanker, beinahe transparenter Salmler. Mit dem bloßen Auge und auf Sand ist er oft nicht zu entdecken, zappelt aber öfter im Netz, wenn man Sand gezielt abfischt.

Wie viele Bodensalmler stützt sich die Art auf ihre Brustflossen und behält die Umgebung genau im Auge. Sobald etwas vorbeischwebt, was sich als Nahrung eignet, stößt der Salmler blitzschnell hervor und schnappt sich den Brocken. Mit Lebendfutter werden diese Fische im Aquarium zu einem echten Hingucker, dann ähnelt es beinahe einem Tanz, wenn mehrere Exemplare vom Sand hochschießen und gezielt das Futter schnappen.

Den Lebensraum teilen sie sich mit einem Hexenwels (Rineloricaria formosa), der sich zwar ebenfalls einbuddeln kann, aber immer die Augen aus dem Sand herausschauen lässt. Die Art ist sehr erfolgreich und entsprechend weit verbreitet. Mit ihren Rückenbändern imitiert sie die Struktur des Bodengrunds und verschwimmt so ebenso mit ihrer Umgebung wie obige Spitzmaulziersalmler.

Das breite Maul wird zur Futtersuche gekonnt eingesetzt und die Oberfläche des Bodens nach Fressbarem abgesucht. Eine noch bessere Tarnung ist kaum vorstellbar, aber es gibt in diesen Biotopen eine weitere Welsgruppe – und die kann es besser.

Trugdornwelse (Auchenipteridae) verstecken sich in Holzansammlungen und verkriechen sich so tief in Ritzen oder Löchern im Ufer, dass sie mit dem Netz nicht erreichbar sind. Mit der Hand müssen sie mühselig aus ihren Verstecken herausgeholt werden. Der Aufwand lohnt sich, denn einige Arten, wie der Jaguardornwels (Liosomodoras oncinus) sind wunderschön, während andere Arten wie Tetranematichthys wallacei eher durch ihre Skurrilität beeindrucken. Sammelt man sie aus ihren Ritzen, beginnen viele Exemplare zu „knurren“, indem sie ihre Brustflossen in der Gelenkpfanne reiben.

Wolke von Panzerwelsen

Es geht auch ganz anders: Der populäre Rotkopfsalmler (Hemigrammus bleheri) lebt eine Etage über den bisher besprochenen Arten und ist weniger strukturgebunden. In lockeren Verbänden zieht der auffällige Salmler über das Flussbett hinweg, selten verweilend und immer in der Sicherheit ausstrahlenden Nähe von Artgenossen.

Dabei werden allerdings keine Schwärme gebildet, wie man sie aus Schaubecken kennt. Die in der Natur vorkommenden Gruppen sind deutlich kleiner, brechen auch schon mal zu Teilgruppen auseinander und Einzeltiere entfernen sich mitunter kurzzeitig von der Gruppe. Die strukturreiche Umgebung und der niedrige Wasserstand vermitteln den Fischen so viel Sicherheit, dass sie sich nicht so eng beieinander aufhalten müssen.

Und noch eine Art versucht gar nicht erst, unauffällig zu bleiben: In großen Schwärmen pflügt eine Gruppe Panzerwelse (Corydoras delphax) durch den schmalen Bach. Einige Individuen schwimmen unter den Ästen, andere darüber. Es bietet sich der Anblick einer Wolke von Panzerwelsen, die ihrem Namen in mehr als einer Weise alle Ehre machen.

Mit ihren empfindlichen Barteln tasten sie den Bodengrund selbst, das Falllaub, Äste und Steinflächen nach Futter ab. Sie stoßen ihren rundlichen Kopf dabei aber nur schwach in das Substrat und konzentrieren sich auf dessen Oberfläche. Dabei leuchtet der gelb-orange Schulterfleck im rötlichen Wasser auf und strahlt im letzten Sonnenlicht des Tages.

Noch lange bleiben einem diese einmaligen Beobachtungen im Kopf, insbesondere weil man sie auf wenigen Quadratmetern machen kann und dafür nur ein oder zwei Biotope aufsuchen muss. So etwas vergisst man nicht, auch weil wir die beobachteten Panzerwelse schnell an anderer Stelle wiedertreffen sollten…

Text & Fotos: Daniel Konn-Vetterlein