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Viele Forschungsinitiativen und Startups: KI-Standort Europa kann mithalten


Computerwoche - epaper ⋅ Ausgabe 28/2021 vom 05.07.2021

Artikelbild für den Artikel "Viele Forschungsinitiativen und Startups: KI-Standort Europa kann mithalten" aus der Ausgabe 28/2021 von Computerwoche. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Computerwoche, Ausgabe 28/2021

Europas strenge Datenschutzbestimmungen (Stichwort: EU-DSGVO) seien keine großen Hindernisse bei der KI-Einführung, sagen die Analysten von Forrester Research. Umfragen zeigten sogar, dass die Europäer den Datenschutz seltener als Herausforderung nennen als ihre Kollegen in Nordamerika und China. Auch mangelnde Transparenz, die Sorge vor unbeabsichtigten Neben- wirkungen und die Unfähigkeit, den Überblick zu behalten, werden von den Europäern seltener genannt. Offensichtlich sind die Erfahrungen hinsichtlich Implementierung und Wartung von KI in der alten Welt schon so fortgeschritten, dass sich solche Sorgen zerstreut haben.

Vor allem wenn es um die Wissenschaft geht, kann Europa mithalten, obwohl es von China in der Anzahl der registrierten Forschungsprojekte überholt wurde. Doch große europäische Firmen wie Airbus, Bosch, Rolls Royce und Siemens haben viele KI-Innovationen entwickelt, zudem ist ...

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... Europa die Geburtsstätte interessanter Startups wie Blue Yonder, Deepmind und Featurespace. Allerdings machen sich die Marktforscher auch Sorgen um die europäische Startup-Szene: Zwar gebe es etliche attraktive Neugründungen mit teils exzellenten Ideen, doch eine Reihe von Problemen behinderten diese, ihre KI-Innovationen schnell zu skalieren. Das habe dazu geführt, dass europäische Startups von Firmen aus anderen Erdteilen übernommen wurden: zum Beispiel Blue Yonder, das von JDA Software geschluckt wurde, oder DeepMind, das bei Google landete.

Manche Jungunternehmen haben auch ihren Hauptsitz in die USA verlegt. Forrester nennt den schlecht entwickelten Markt für Risikokapital in Europa als Kernproblem. Für europäische Firmen sei es immer noch üblicher, sich Kapital von Banken zu besorgen, als auf anderen Wegen. Zwar gebe es für Startups im Frühstadium auch in der EU öffentliche Mittel, doch diese Zuschüsse seien vergleichsweise klein, und es brauche großen bürokratischen Aufwand, um an sie heranzukommen. Größere Summen stehen über den European Investment Fund und neuerdings auch über den kürzlich eingerichteten European Innovation Council Equity Fund zur Verfügung. Aber noch ist nicht absehbar, ob diese Finanzierungsquelle wirklich funktionieren wird. Außerdem ist es für andere Investoren nicht unbedingt attraktiv, wenn eine quasi-staatliche Organisation mit ihren langwierigen Entscheidungsprozessen mit am Tisch sitzt.

Während Accelerator-Programme, Innovation Hubs und Initiativen wie Startup Europe versuchen, die Startup-Szene anzukurbeln, gibt es relativ wenig Unterstützung für Unternehmen, die ihre Gründungsphase erfolgreich hinter sich gelassen haben und nun schnell eine kritische Größe erreichen möchten. Viele von der EU geförderte Betriebe schaffen es gar nicht bis zu dem Punkt, an dem sie wachsen können. Manchmal wollen sie es auch gar nicht, denn dann würde aus ihrer Sicht der finanzielle und bürokratische Aufwand zu viel Raum einnehmen. Zudem erschweren es lokale Gesetze und EU-Vorschriften, Talente mit Hilfe von Aktienoptionen anzulocken und zu halten. In einigen Ländern zeigen auch hohe Steuern auf Aktienoptionen abschreckende Wirkung. Haben Startups große Ambitionen, die über die nationalen Grenzen hinausgehen, stolpern sie im europäischen Markt (EU, Europäischer Wirtschaftsraum und Großbritannien) oft über die vielen länderspezifischen Aspekte, die kultureller, gesetzlicher und auch sprachlicher Art sind. Für sie ist der große und homogene US- Markt attraktiver, da weniger kompliziert zu bearbeiten. Auch gibt es dort eine einheitliche Währung und nur eine Sprache.

Nicht selten eröffnen europäische Startups Büros in den USA, um dort (zusätzliche) Finanzmittel einzuwerben (Criteo, Zendesk) und auch an die Börse zu gehen (Farfetch, Spotify). Die Europäische Kommission will die stolze Summe von 20 Milliarden Euro pro Jahr in öffentliche und private Funds investieren, um Europa zu einem weltweit führenden KI-Hotspot zu machen. Ob das Geld nach der Covid- Krise immer noch bereitgestellt wird, muss sich zeigen, aber das Ziel bleibt bestehen, ebenso der Glaube an die Vorteile, die KI der europäischen Wirtschaft und den Bürgern bringen kann. Gleichzeitig legt die EU großen Wert darauf, dass KI ethisch vertretbar ist und den Menschen nicht zum Nachteil gereicht. Mit ihrem Vorschlag für einen Rechtsrahmen zur Schaffung eines harmonisierten europäischen Ansatzes für KI will die EU offenbar einen globalen Präzedenzfall für KI-Regulierung schaffen – so wie sie es mit der EU-DSGVO getan hat. Momentan gibt es nur Vorschläge für Richtlinien, aber da der Vorschlag für eine EU-Verordnung auf dem Tisch liegt, ist es an der Zeit, sich vorzubereiten.

Forrester empfiehlt europäischen Entscheidern aus Wirtschaft und Technologie, sich mit den Regulierungsvorschlägen der EU zu beschäftigen und herauszufinden, was diese für das eigene Unternehmen bedeuten. Vermutlich wird es noch Änderungen und Grauzonen geben, weshalb die Betriebe Rechtsexperten, Dienstleister und Risiko-Experten hinzuziehen sollten. Die Bußgelder für Compliance-Verstöße könnten hier auf bis zu sechs Prozent des weltweiten Unternehmensumsatzes ansteigen – auf mehr also als die vier Prozent, die für DSGVO-Verstöße anfallen. Und wie bei der DSGVO werden auch Firmen jenseits der EU- Grenzen, die hier Dienstleistungen erbringen wollen, diese Vorschriften einhalten müssen.

Tools für ethisch korrekten KI-Einsatz

Daher rät Forrester auch dazu, Assessment- Tools für die Auswahl von KI-Lösungen einzusetzen und solche Lösungen zu nutzen, die nachweislich einen verantwortungsvollen Umgang mit der Technologie versprechen. Orientierung könne dabei die Expertengruppe der Europäischen Kommission für KI geben, die eine Bewertungsliste für vertrauenswürdige KI (ALTAI) entwickelt hat. Diese Checkliste ist den Analysten zufolge ein geeigneter Ausgangspunkt, um Firmen bei der Umsetzung der EU-Richtlinien in die Praxis zu unterstützen.

Zudem gibt es immer mehr Softwarelösungen, die bei der Entwicklung und beim Betrieb von KI-Modellen nach ethischen Richtlinien helfen. Eine wichtige Rolle spielt laut Forrester dabei das Testen, das sich zu einem Gutteil automatisieren lasse. Es helfe nicht nur, bessere KI-Lösungen zu entwickeln, sondern auch Compliance-Richtlinien einzuhalten.