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Viele Gewalttäter werden zu milde bestraft


Bildwoche - epaper ⋅ Ausgabe 34/2019 vom 15.08.2019

TV-Anwalt Ingo Lenßen klagt an:

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Bildquelle: Bildwoche, Ausgabe 34/2019

ANTEILNAHME Auf einem Spendenkonto für die Familie gingen bereits 100.000 Euro ein


BAHNSTEIG-ATTACKE Ein Junge (8) und seine Mutter (40) wurden Ende Juli im Frankfurter Hauptbahnhof von einem 40-Jährigen vor einen einfahrenden ICE gestoßen. Die Mutter konnte sich retten, der Junge starb. Jetzt kam heraus, dass die Überwachungskameras zum Tatzeitpunkt nicht funktionierten


Auch wenn die unfassbaren Taten in Frankfurt und Stuttgart schon rund zwei Wochen zurückliegen, steht ganz Deutschland immer noch unter Schock! Aus dem Nichts stößt ein Mann (40) eine Mutter (40) und ihren ...

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... Sohn (8) im Frankfurter Hauptbahnhof vor einen einfahrenden ICE. Die Frau rollt sich blitzschnell zur Seite, kann sich so retten – ihren Sohn allerdings nicht. Der Achtjährige wird überrollt und stirbt. Ein aus Eritrea stammender Mann, der in der Schweiz lebt, wird unmittelbar nach der Tat gefasst, sitzt in U-Haft, wird dort psychiatrisch behandelt. Der Mann, der selbst drei Kinder hat, soll an Paranoia leiden. Auch beim Stuttgarter Schwertmörder wird über eine psychische Erkrankung spekuliert. Der 28-Jährige tötet auf offener Straße seinen Mitbewohner mit einem Samurai-Schwert, das er am Tattag gekauft hat. Das Opfer stirbt noch am Tatort. Die Polizei fasst den Täter Stunden später, er gesteht alles. Ein eventuelles Motiv: Der Mörder ist in Deutschland als syrischer Flüchtling registriert – angeblich stammt er aber aus Jordanien. Vielleicht kam sein Mitbewohner hinter das Geheimnis … Zurück bleibt ein verunsichertes und aufgewühltes Land. Sind wir bei uns überhaupt noch sicher?

Einige Urteile sind nicht immer nachvollziehbar

Eine Frage, die auch TV-Anwalt Ingo Lenßen (58) beschäftigt. Er glaubt zwar nicht, dass solch furchtbare Vergehen wie in Frankfurt oder Stuttgart durch härtere Strafen verhindert werden können. „Täter solcher Delikte, so glaube ich, machen sich vor der Tat keine Gedanken darüber, mit welcher Strafe sie zu rechnen haben“, erklärt der Jurist. Trotzdem geht es seiner Meinung nach in deutschen Gerichtssälen oftmals ungerecht zu. „Dass ein Dealer für eine geringe Menge Drogen eine fünfjährige Freiheitsstrafe bekommt und Gruppenvergewaltiger nur Bewährungsstrafen, das ist extrem fragwürdig. Solche Urteile sind für den Bürger nicht immer nachvollziehbar, um es einmal milde auszudrücken“, erklärt der Jurist. „Oder wenn bei ähnlichen Vergehen das Strafmaß weit auseinander liegt. Da kann ich nur den Kopf schütteln.“ Und so hat sich Deutschlands bekanntester Strafverteidiger in seinem neuen Buch (s.r.) mit Gerichtsurteilen befasst, die für ihn aus unterschiedlichsten Gründen nicht nachvollziehbar sind. Und sich dabei folgende Fragen gestellt: Werden Verbrecher nicht in jedem Bundesland gleich bestraft? Wird mehr auf die Täter als auf die Opfer geschaut? Bildwoche dokumentiert drei Fälle.

„In der Justiz läuf t einiges extrem schief “

Fall 1: Prügel-Demonstranten kommen teilweise davon

Pegida-Demonstration in Dresden: Ein betrunkener, mehrfach vorbestrafter Mann schlug einem Kameramann grundlos so hart ins Gesicht, dass der Schädelknochen brach. Vor Gericht zeigte sich der Täter geständig, entschuldigte sich, sodass er mit einer Geldstrafe von 4.950 Euro davonkam. Deutlich härter bestraft wurde dagegen ein holländischer Demonstrant beim G20-Gipfel in Hamburg: Er warf zwei Flaschen auf einen Polizeibeamten in Schutzmontur, der bei dem Angriff unverletzt blieb. Das Urteil: zwei Jahren und sieben Monate Freiheitsstrafe.Das meint Ingo Lenßen: „Warum muss ein Demonstrant wegen eines Wurfs ohne Folgen ins Gefängnis?

Und ein anderer, der jemanden schwer verletzt hat, bekommt nur eine Geldbuße? Fakt ist: Polizisten werden gerichtlich besonders geschützt und das ist auch gut. Doch hätte der Flaschenwerfer auf einen Familienvater gezielt, wäre das Verfahren wahrscheinlich eingestellt worden. Ist das gerecht?“

Fall 2: Totschläger wird zu lasch verurteilt

Bei einer Prügelei in einem Festzelt biss ein Besucher einem Mann fast das komplette Ohr ab. Das Urteil: Der Täter bekam eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und acht Monaten. In einem anderen Fall erstach ein 17-Jähriger vor einer Shisha- Bar einen 19-Jährigen. Der Richter milderte das Urteil aufgrund verminderter Schuldfähigkeit wegen Drogenkonsums ab, verhängte eine Jugendstrafe von gut sieben Jahren.

Das meint Ingo Lenßen: „Mit dem ersten Urteil bin ich zufrieden – mit dem zweiten nicht. Denn es ist wahrscheinlich, dass die rund 7-jährige Haft nach einem Drittel der verbüßten Strafe zur Bewährung ausgesetzt wird. Der Richter begründete es damit, dass er dem Angeklagten noch eine Chance für die Zukunft geben will. Für die Opferfamilie schwer verständlich …“

Fall 3: In München gibt es längere Haft als in Berlin

Ein Berliner Busfahrer wurde während seiner Arbeit von zwei Männern niedergestochen. Auch eine Frau, die helfen wollte, wurde verletzt. Das Urteil: Haftstrafen von dreieinhalb bzw. drei Jahren. Anders in München: Zwei Männer, die einen Rentner in einer U-Bahn durch Schläge schwer verletzten, müssen zwölf bzw. achteinhalb Jahren einsitzen.

Das meint Ingo Lenßen:

„Auch wenn der Münchner Rentner schwerer verletzt wurde: Hier zeigt sich, dass die Härte von Strafen doch immer wieder vom Bundesland abhängig ist.“

GRAUSAMER SCHWERT-MORD Ein 28-Jähriger ging Ende Juli mit einem Schwert auf seinen Mitbewohner los und stach mehrmals auf ihn ein. Der Familienvater starb, die Polizei fasste den Täter Stunden später (Symbolbild)


TRAGÖDIE Der Familienvater wurde in Stuttgart auf offener Straße umgebracht


Buch-Tipp

Ingo Lenßen: „Ungerechtigkeit im Namen des Volkes: Deutschlands bekanntester Strafjurist klagt an“. Gräfe und Unzer, 19,99 Euro

So urteilen andere Länder

Sexualtäter kommen bei uns oft zu milde davon, so die Kritik vieler Deutscher. Fakt ist: Unsere Nachbarn greifen härter durch, wie folgende Fälle zeigen

Schweiz

Ein Kollege belästigte eine junge Angestellte in der Küche des Hotels, in dem beide arbeiteten. Er begrapschte sie und machte ihr eindeutige Angebote. Die Frau wehrte sich, konnte aber erst nach einer halben Stunde den Raum verlassen. Zwar kam es nicht zum Geschlechtsverkehr, allerdings zu einer Anklage wegen versuchter Vergewaltigung! Vor Gericht bestritt der Angeklagte die Tat, doch die Beweise sprachen gegen ihn: Er wurde zu 34 Monate Freiheitsstrafe verurteilt.

Spanien

Eine junge Frau wird von fünf Männern umzingelt, in einen dunklen Hausflur gedrängt und vergewaltigt. Die Täter hatten die Tat gefilmt und wurden jeweils zu neun Jahre Haft verurteilt. „Dieses für spanische Verhältnisse milde Urteil sorgte sogar für Proteste auf den Straßen“, weiß Lenßen.

Italien

Ein junges Pärchen wurde von einer Gruppe Migranten am Strand überfallen. Der Mann wurde mit einer Flasche bewusstlos geschlagen, die junge Frau dann von den vier Tätern nacheinander vergewaltigt und ins Meer geworfen. Sie überlebte, die Täter wurden gefasst, der Haupttäter zu 16 Jahren Gefängnis verdonnert.


Fotos: AdobeStock, GRÄFE UND UNZER VERLAG GmbH, iStock, picture alliance