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Vielfalt im Umbruch


Strassenbahn Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 10/2019 vom 20.09.2019

Reisetipp Posen (Pozna ´n) ■ Moderne Niederflurwagen „Moderus Gamma“ aus einheimischer Produktion kommen in der westpolnischen Metropole mehr und mehr in Dienst, die vormals Düsseldorfer DÜWAGs rollen dafür verstärkt aufs Abstellgleis. Doch zumindest die einstigen Frankfurter GT8 (Typ O) haben als Zweirichtungswagen für Baustellenverkehre noch eine Gnadenfrist


Die westpolnische Großstadt Posen (polnisch: Pozna´n) ist mit rund 540.000 Einwohnern die fünftgrößte Stadt des Landes und besitzt eine wechselvolle Geschichte: Zeitweise gehörte sie zu Preußen und zum Deutschen Reich, seit 1920 – mit Ausnahme ...

Artikelbild für den Artikel "Vielfalt im Umbruch" aus der Ausgabe 10/2019 von Strassenbahn Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Strassenbahn Magazin, Ausgabe 10/2019

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... der deutschen Besatzungszeit während des Zweiten Weltkriegs – ist sie Teil Polens und Hauptstadt der Woiwodschaft Großpolen. Heute ist die quirlige Universitätsstadt mit historischem Kern an der Warthe ein Zentrum von Industrie, Handel und Forschung. Der städtische Nahverkehr wird geprägt durch einen großen, normalspurigen Straßenbahnbetrieb, der einige Besonderheiten aufweist. Bekannte Sehenswürdigkeiten in der Stadt sind unter anderem die im Stil der Renaissance erbauten Gebäude rund um den Alten Markt sowie die Kathedrale St. Peter-und-Paul.

Viel Betrieb bietet die Schleife Górczyn. Am 10. Mai 2018 stehen in der ersten Reihe GT8 702 (noch im Originallack) und der grüne 699, dazwischen der Tw 408 von CKD-Tatra


MICHAEL KOCHEMS (2)

Sichtlich am Ende ihrer Lebensdauer sind die ex-VGF-O-Wagen, hier Tw 907, angekommen, dennoch sind sie bislang noch unentbehrlich


Vieler Düsseldorfer GT8 erhielten in Posen Neulack in den Hausfarben von MPK, so auch Tw 693 (ex-Rheinbahn 2966)


MICHAEL BEITELSMANN (2)

Im Museumswagen vorbei an den Sehenswürdigkeiten

Wie auch in anderen Städten kann man in den Frühlings- und Sommermonaten zwischen Ende April und Ende September an den Wochenenden und feiertags mit historischen Straßenbahnen durch die Stadt fahren. Die Linie „0“ ist etwa neun Kilometer lang und führt auf einem Rundkurs vorbei an sehenswerten Anlagen durch die Stadt. Zu ihrer Nutzung müssen wie auch bei der historischen Buslinie 100 spezielle Fahrscheine erworben werden. Zum Einsatz kommen auf der „0“ gewöhnlich Zweiachserzüge der polnischen Nachkriegsbauart 4N (Triebwagen) mit Beiwagen Typ 4ND oder ein Exemplar der früher in vielen polnischen Städten heimisch gewesenen Gelenkwagentypen 102N (mit der charakteristischen nach oben vorgeneigten geraden Frontscheibe) bzw. 102Na der Waggonfabrik Konstal aus dem oberschlesischen Chorzów. Doch auch der als Museumswagen im ursprünglichen Rheinbahn-Lack erhaltene GT6 Nr. 615, ex-Düsseldorf 2513, dreht hier gelegentlich seine Runden.

Längst ausgeschieden sind die Frankfurter DÜWAGs Typ M, doch Tw 2616 dient in Posen weiterhin als Schlepptriebwagen


FREDERIK BUCHLEITNER

Fast wie einst in Düsseldorf: Die ex-Rheinbahn-Tw 2666 und 2653 (neu 704) Ende 2010 unmittelbar nach der Übernahme


MAREK MALCZEWSKI

Nicht aus Düsseldorf, sondern aus Frankfurt/Main hat es den GT8 906 nach Polen verschlagen. Am 10. Mai 2018 ist er auf Linie 29 unterwegs


Auf der Posener Schnellstraßenbahn unterwegs

Eine moderne Besonderheit im Posener Tramnetz ist die häufig „Pestka“ genannte Schnellstraßenbahn (offiziell PST – Pozna´nski Szybki Tramwaj), die schrittweise seit dem 1. Februar 1997 das Stadtzentrum um den Hauptbahnhof kreuzungsfrei mit den nördlichen Vororten verbindet. Solche Pläne gab es erstmals bereits in den 1920er-Jahren. Ab der unmittelbar am Hauptbahnhof in einer eigenen kleinen Bahnhofshalle gelegenen Station Westbahnhof (Dworzec Zachodni) geht es auf eigener Trasse schnurstracks und zum Teil parallel zur Eisenbahn und zu Schnellstraßen nordwärts über 7,3 Kilometer bis zur Endstelle Sobieskiego in einem Neubaugebiet. Die wenigen Zwischenstationen sind gut ausgebaut über Treppen und Rampen zugänglich. Die Linien 12, 14, 15 und 16 fahren zumindest auf Teilstücken der Schnellstraßenbahn gemeinsam und bieten den Nutzern entlang der Trasse eine dichte Taktfolge.

Zwischen Westbahnhof und der Haltestelle Most Teatralny verlaufen die Gleise der Schnellstraßenbahn parallel zur nur wenige Meter entfernten alten Strecke, auf der nach wie vor die Mehrzahl der Linien fährt. An der genannten Haltestelle besteht zudem eine Verknüpfung, bei der die Linien von/ nach Richtung Norden auf die alte Strecke übergehen können.

Übrigens kommen auf den Schnellstraßenbahnlinien nicht nur moderne Niederflurwagen zum Einsatz. Auch die älteren Vierachser aus polnischer Produktion können dort beobachtet werden.

Die an die Pop-Lackierung der Bundesbahn angelehnte, orangekieselgraue Standardlackierung der 1970er aus Frankfurt am Main hat sich in Posen am Tw 904 bis heute gehalten


FREDERIK BUCHLEITNER

Zum vielfältigen Posener Wagenpark gehören auch zehn Moderus-Beta-Wagen in Zweirichtungsausführung. Vor typischer Gründerzeitkulisse fährt der Achtachser Nr. 918 über den Rynek Wildecki


Grün-gelbe Trams dominieren

Der aktuelle Fuhrpark der Posener Straßenbahn ist äußerst vielfältig. Neben zahlreichen niederflurigen Neuwagen kommen bis heute noch einige „Klassiker“, unter anderem Gebrauchtfahrzeuge aus Deutschland, zum Einsatz. Der Großteil der Wagen trägt eine leuchtend grüne Farbgebung mit gelben Zierstreifen und ebenfalls gelb abgesetzten Türen, die sowohl den betagten als auch modernen Triebwagen gut steht.

Zwischen 1995 und 2005 gelangten neben einigen GT6-Wagen auch insgesamt 57 achtachsige DÜWAG-Einrichtungswagen von Düsseldorf nach Posen. Aus Frankfurt am Main erwarb der Verkehrsbetrieb außerdem sechs GT8-Zweirichtungsfahrzeuge, die ihre früheren Nummern behalten haben und von denen fünf noch im Bestand sind. Die zuvor ebenfalls erstandenen Frankfurter Einrichtungs-Sechs- und Achtachser sind wie die Düsseldorfer GT6 heute hier nicht mehr im Einsatz. Inzwischen befinden sich von den verschiedenen Achtachsern nur noch etwa 20 Exemplare im Bestand, werden aber mit dem Zugang weiterer Niederflurwagen immer seltener eingesetzt. Sobald die jüngsten Fahrzeuganschaffungen stabil im Einsatz stehen, kann in näherer Zukunft mit der vollständigen Ausmusterung der auch hier häufig „Helmut“ genannten Gebrauchtwagen aus Deutschland gerechnet werden. Eine Sonderrolle nehmen dabei die als Zweirichter ausgeführten fünf Frankfurter O-Wagen ein, die für den Einsatz auf Linien mit temporären Stumpfendstellen wohl noch eine Gnadenfrist haben.

Streckennetzplan Posen mit einer hohen Streckendichte im Zentrum und vergleichsweise kurzen Außenstrecken


GRAFIK ROBERT SCHWANDL

„Moderus Alfa“ – im Bild Tw 198 und 197 – heißen die modernisierten Konstal-105N, von denen 40 Stück in Posen fahren


MICHAEL BEITELSMANN (3)

Die ersten im Ausland neu beschafften Bahnen von MPK waren die 14 Combino im Jahr 2004, hier der „Erstling“ 501 auf der D ąbrowskiego


Noch immer repräsentieren gut 50 vierachsige Konstal 105Na-Triebwagen, gebaut zwischen 1979 und 1992, die klassische polnische Fahrzeuggeneration. Aus vorhandenen 105N(a) wurden in den vergangenen Jahren außerdem 40 Moderus Alfa-Wagen umgebaut. Sie erhielten dabei eine neue Innenausstattung, eine neue elektrische Ausrüstung und ein erneuertes Außendesign.

Vom einheimischen Hersteller Modertrans stammen zudem die insgesamt 54 achtachsigen Moderus Beta-Wagen, die aus je zwei alten Konstal 105N(a)-Triebwagen bestehen, welche durch Niederflur-Mittelteile verbunden wurden. Sie wurden in mehreren Serien zwischen 2011 und 2017 ausgeliefert. Zehn dieser Fahrzeuge sind in Zweirichtungsbauweise ausgeführt, außer an den zwei Fahrerständen und den Türen auf beiden Seiten auch erkennbar an den abweichenden Betriebsnummern.

Aus Tschechien stammen die zehn teilweise niederflurigen Bahnen vom Typ Tatra RT6N1 (Nr. 401–410). Diese waren anfänglich für die Inbetriebnahme der Stadtbahn 1997 vorgesehen, jedoch erwies sich die Störungsanfälligkeit als sehr hoch, sodass sie auf andere Linien verbannt wurden. Vier dieser Fahrzeuge wurden ursprünglich nach Prag geliefert, weiterhin übernahm Posen aus Brünn die letzten dortigen Wagen dieses Typs, der die letzte Neuentwicklung der einst bedeutenden Fahrzeugschmiede Cˇ KD Tatra darstellt. Somit ist Posen der einzige Betrieb, der diese Fahrzeuge überhaupt noch einsetzt.

Prächtige Bauwerke wie das Stadttheater und alte Konstal-Bahnen machen den Reiz Posens als Reiseziel für Straßenbahnfotografen aus


MICHAEL BEITELSMANN

Der Prototyp der neuen „Moderus Gama“ trägt die Nummer 500 und fällt durch seine abweichende blaue Lackierung auf. Die Serienwagen mit anderem Design sind wiederum grün/gelb lackiert


MICHAEL KOCHEMS

Der Peter-und-Pauls-Dom auf der Posener Dominsel inmitten der Warthe zählt als älteste Kathedrale Polens zu den bedeutendsten Bauwerken der Stadt. Mit den Linien 3, 4, 8 und 17 ist er bestens zu erreichen


Regelrechte Exoten – nicht nur in Posen, sondern weltweit – stellen die RT6N1 dar, sind sie mittlerweile doch nur noch hier zu finden. Insgesamt wurden nur 19 Exemplare gebaut


MICHAEL BEITELSMANN

Klassiker trifft Architekturkleinod: Der DÜWAG-GT8 702 am 14. Juni 2019 auf Linie 8 beim Queren des Plac Cyryla Ratajskiego


FREDERIK BUCHLEITNER

Passend zur Aufnahme in die Europäische Union 2004 erwarb der Verkehrsbetrieb 14 fünfteilige Combino-Bahnen in Einrichtungsausführung des Herstellers Siemens; aufgrund der seinerzeitigen Konstruktionsprobleme blieb es bei dieser Kleinserie.

Weit verbreitet sind die fünfteiligen und 32 Meter langen Bahnen des Typs Tramino des polnischen Hersteller Solaris, die 2011 bis 2012 beschafft worden sind. Neben dem Vorausfahrzeug mit der Nr. 560 verkehren heute 45 Serienfahrzeuge auf zahlreichen Linien durch Posen.

Der neueste „Hit“ auf Posens Schienen ist der Typ „Moderus Gamma“ des Herstellers Modertrans. Abweichend von der sonst üblichen lokalen Farbgebung hellgrün/gelb, kommt der Prototyp Nr. 500 im edlen blaumetallic daher und besticht auch sonst durch sein futuristisches Design. Insgesamt 50 Fahrzeuge dieses Einrichtungstyps sind bestellt, die ersten dreiteiligen Serienfahrzeuge mit den Nummern 601 ff. sind bereits im Einsatz.

Tipps und Fotostellen

Das umfangreiche Netz bietet zahlreiche Fotostellen, wahlweise im quirligen Stadtzentrum mit diversen historischen Bauten, entlang der Ausfallstraßen mit teils sehr rustikalen, teils aber auch umfassend modernisierten Mehrfamilienhäusern oder auch in den Außenbezirken mit einer zunehmenden Anzahl von Grünflächen.

Die Gebrauchtwagen aus Deutschland kommen nach jüngsten Informationen vor allem auf den Linien 1, 5, 7, 8, 9, 17 und 18 zum Einsatz.

Problemlos einen ganzen Tag kann man mit zahlreichen Motiven im Zentrum im Bereich zwischen Most Teatralny – wo buchstäblich fast jede Minute eine Bahn aus einer der vier Himmelsrichtungen auftaucht –, Plac Wielkopolski und dem Hauptbahnhof (Pozna´n Główny) zubringen. Speziell die historischen Gebäude um die Haltestelle Fredry bilden schöne Bildhintergründe. Etwas Vorsicht ist jedoch in den engen Straßen der Altstadt geboten, verkehren die meisten Linien hier doch im Richtungsbetrieb, sodass sich leider nicht jedes Motiv mit dem richtigen Sonnenstand immer umsetzen lässt.

Entlang der Stadtbahnlinie in den Norden gibt es ebenso Motive, wie auch im Süden. Dort lädt beispielsweise die dreigleisige, stark frequentierte Wendeschleife Górczyn (Linien 5, 8 und 14) mit einem erhöhten Fotopunkt von einer benachbarten Straßenbrücke zu zahlreichen Bildern ein.

Aufgrund dichter Zugfolge ähnlich „Speicherkartenintensiv” enden Besuche an den beiden Kreisverkehren Rondo Starołe˛ka und Rondo Rataje im Osten beziehungsweise Südosten der Stadt.

Weitere Informationen: www.mpk.poznan.pl

Daten und Fakten