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VIELLEICHT Mitternachtsblau


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Nylon - epaper ⋅ Ausgabe 1/2022 vom 15.04.2022
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Bildquelle: Nylon, Ausgabe 1/2022

Styling NINA PET TERS

Top von Chanel

Lippenstift „Frost Lipstick On and On“ von MAC, Lipgloss „Pout Bomb Plumping Gloss Glaze“ von Makeup Revolution, beides über zalando.de

In wenigen Stunden, da wird Sarah Griffiths, besser bekannt als Griff, wieder am Küchentisch ihrer Mutter im englischen Dorf Kings Langley sitzen. Es ist ein kleiner, idyllischer Ort, in dem die 21-jährige Sängerin zu Hause ist, typisch englisch eben, mit kleinen Backsteinhäusern, grünen Wiesen, einem Weiher im Stadtzentrum. Als wir uns zum Interview für diese Coverstory treffen, sitzt Griff aber noch in einem Berliner Fotostudio, die Beine übereinandergeschlagen, der silberne Lidschatten glänzt auf ihren Augen, das Designerkleid hat sie über den Knien gerafft. Es ist ein altes Klischee, Künstler*innen ständig danach zu fragen, ob sie auf der Bühne grundlegend andere Menschen wären als im echten Leben. Bei Griff ist jedoch ...

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... spürbar, dass sie heute am Set als Performerin im Mittelpunkt steht. Umgeben von einer kleinen, bestimmenden Entourage achtet auch sie selbst bedächtig auf ihre Looks, bleibt ruhig, aber stets professionell. Sie ist die, die mit Songs wie „Black Hole“ und „One Night“ zu mehr als fünf Millionen Hörer*innen auf Spotify singt, schon einen Brit Award als beste Newcomerin abgeräumt hat und als Liebling internationaler Designermarken gilt. Die, die ihre Songs am liebsten im Kinderzimmer schrieb, aber schon mit 15 Jahren den Zug nach London nahm, um sich mit Musikproduzent*innen zu treffen. Die, deren Duett „Head on Fire“ mit Pop-Kollegin Sigrid sechs Jahre später in jeder Pop-Playlist zu finden ist. Doch als wir da so sitzen, ist Griff trotzdem auch die, die nicht mehr im Mittelpunkt steht, sondern ein paar Stunden später neben ihren Geschwistern am Küchentisch sitzend vom heutigen Tag erzählen wird. Vorher aber spricht sie noch mit uns – über Pläne für ein Debütalbum, die große Pop-Karriere und darüber, warum Flexibilität für sie Grenzen hat.

Griff, du hast schon ein Mixtape veröffentlicht, mehrere Awards gewonnen und gerade deine erste US­Tour hinter dir – ein ganzes Album hast du aber noch nicht herausgebracht. Wie wichtig ist es dir, irgendwann ein Studioalbum zu veröffentlichen? Es kommt darauf an, welche Art von Künstler*in du sein willst, aber im Pop bedeutet es noch viel. Und für mich hat es auch einen großen Wert. Ich hoffe, dass sich viele Menschen noch ein musikalisches Gesamtwerk wünschen und man damit eine feste Fanbase gewinnen kann. Für mich bedeutet es mehr, als eine EP oder ein Mixtape zu schreiben, weil die so random sind. Ein ganzes Album ist eher wie ein Meilenstein, der zeigt, wo ich gerade stehe. Ein Oberthema habe ich aber noch nicht. Ich versuche erst mal, zu schreiben und zu schauen, was so kommt. Das passt zum Thema unserer Ausgabe: Flexibilität. Bist du grundsätzlich ein flexibler Mensch? Ich bin flexibel in dem Sinne, dass ich jung bin und noch herausfinde, wer ich bin und was ich tue. Andererseits glaube ich auch, dass es insbesondere als junge Frau wichtig ist, nicht zu flexibel damit zu sein, wofür du stehst und wer du bist, denn sonst werden Leute versuchen, das zu verändern.

Du hast eine ziemlich ruhige Ausstrahlung, wirkst andererseits aber sehr entschlossen – nicht dass sich diese Eigenschaften widersprechen müssten. Danke, das nehme ich als Kompliment! Ich glaube, meine ruhige Art kommt daher, dass ich in einem ziemlich chaotischen und lauten Haushalt aufgewachsen bin. Als jüngstes Kind habe ich gelernt, mich abzuschotten. Aber ja, ich bin auch sehr entschlossen. Ich glaube, das muss man sein, um eine Pop-Karriere anzustreben. Dass es bei euch zu Hause chaotisch war, hast du schon häufiger in Interviews erwähnt. Als ich mir vor unserem Gespräch eine Mini­Doku über dich angeschaut habe, schienen die Szenen zu Hause aber alles andere als chaotisch, sondern ziemlich ruhig. Da liefen ja auch die Kameras. Das war vielleicht nicht die realistischste Darstellung unseres Familienlebens. Wenn ich an meine Mutter denke, erinnert es mich daran, dass chinesische Kultur ziemlich emotional ist. Chinesische Mütter haben den Ruf, streng, laut und wie „Tigermütter“ zu sein. Meine hat definitiv ein gewisses Temperament und sie war streng. Sie lebt, um zu überleben – Anmut und Dekoration waren ihr aber auch wichtig. Außerdem hatten wir immer Pflegekinder in der Familie, es haben also die ganze Zeit Kinder im Haus geschrien. Es war viel los bei uns zu Hause.

Kleid von Simone Rocha, Strumpfhose von Wolford, Schuhe: Griff’s own, Handschuhe: Stylist’s own

Unten: Kleid & Arm-Cuffs von Prada

Hat dir das volle Haus vielleicht sogar dabei geholfen, dich abzugrenzen und deine Musikkarriere zu verfolgen?

Ja, definitiv. Die Aufmerksamkeit lag nicht mehr auf mir, das war schön. Meine Mutter war beschäftigt, ich kam also mit einigem davon und konnte mein eigenes Leben führen, ohne dass meine Familie zu sehr ein Auge auf mich hatte. Meine Mutter witzelt gerne, ich hätte mich selbst erzogen.

War das ein großer Kontrast, als das Spotlight auf einmal ausschließlich auf dich gerichtet war?

Ja, und es fällt mir immer noch schwer. Ich liebe es, Songs zu schreiben, das habe ich schon immer in meinem Kinderzimmer gemacht. Ich bin zuerst Songwriterin und dann Künstlerin. Vor der Kamera zu stehen, eine Persönlichkeit auf Social Media zu sein, all das liegt mir nicht im Blut. Ich liebe die Aufmerksamkeit nicht.

Du sprichst häufiger von deiner besten Freundin Rose. Ihr kennt euch noch aus Schulzeiten. Wie würde sie dich beschreiben? Seid ihr euch ähnlich?

Ja! Dadurch haben wir gebondet, würde ich sagen. Außerdem lieben wir beide Mode, sie geht auch gerade auf eine Mode-Uni. Das war unser Ding, das wir geteilt haben. Vermutlich würde sie sagen, ich sei über die Maßen frech und entschlossen, auf der anderen Seite aber hoffentlich auch ziemlich normal und bodenständig.

Du bist dafür bekannt, dir deine eigenen Outfits zu schneidern, selbst Looks für den roten Teppich kamen

schon aus deinem eigenen „Atelier“. Wie flexibel bist du in deinem Style?

Ich schätze, man muss sich weiterentwickeln! Alles, was ich kreiere, reflektiert, wie ich mich gerade fühle, ob das nun Mode oder Musik ist. In diesem Sinne schaffe ich also eine Welt um mich, die nicht einfach jedem Trend folgt. Es gibt diese Erwartungshaltung, besonders an weibliche Künstler*innen, dass man sich stetig entwickeln und verändern muss. Im Moment ist es mir als junge aufstrebende Künstlerin aber eben wichtig zu zeigen, wer ich bin, was mein Image ist und dass ich mich nicht ändern lasse. Ich glaube, darin bin ich ziemlich standhaft.

Und was ist dein Image?

Es ist alles ziemlich DIY, nicht clean und aufpoliert, sondern dekonstruiert, außerdem verspielt und nicht zu ernst, „light and uplifting“, auch in meinen Beats. Meine Songs sind keine glänzenden Popsongs, sondern ein wenig rough. Selbst meine Outfits sind ein wenig albern, keine funkelnden Looks eines Pop-Girls.

Ich finde es interessant, dass du auf der einen Seite so bestimmt mit deinem Image umgehen willst, für ein Debütalbum aber noch kein klares Konzept hast.

Ich habe noch nicht viel geschrieben und weiß nicht, was dabei rauskommen wird. Deshalb ergibt es keinen Sinn, jetzt schon zu sagen, dass das Album auf eine bestimmte Art und Weise klingen soll. Ich muss noch herausfinden, wo ich gerade stehe und was ich fühle. Irgendwann wird es dann ein Thema und kreatives Konzept geben. Wenn ich

„Ich glaube, meine ruhige Art kommt daher, dass ich in einem chaotischen Haushalt aufgewachsen bin.“

aber jetzt schon sage: „Es soll alles Mitternachtsblau sein“, würde mich das einschränken.

Du begleitest dieses Jahr Dua Lipa und Ed Sheeran auf Tour und arbeitest für diverse Formate immer wieder mit anderen Artists zusammen, zuletzt mit Sigrid, MØ und King Princess. Wonach suchst du in Collab­Partner*innen?

Zuerst einmal muss mir ihre Musik sehr gut gefallen. Dann hoffe ich aber auch, dass sie eine andere Fanbase haben als ich selbst. Darum geht es ja: Wir bringen zwei Welten zusammen und hoffen, dass wir einander das Publikum vergrößern. Bei Sigrid ging es nicht darum, eine Collab aufzunehmen, sondern dass ich sie einfach sehr mag und wir gute Freundinnen sind. Der Remix mit MØ und King Princess sollte zeigen, wie junge Frauen im Pop zusammenkommen. Das finde ich sehr, sehr wichtig. Wir alle leiden im Stillen unter dem Wettbewerb und den Vergleichen. Besonders im Pop sind die Interaktionen so unbeständig: Gerade bist du noch „the hot thing“ und dann wieder nicht. Das bringt einen ganz schön durcheinander.

Über derartige Vergleiche sprechen viele Künstler*innen schon seit Jahrzehnten – wen siehst du da in der Verantwortung, endlich etwas zu verändern: die Musiker*innen selbst, Konsumierende, Label­Verantwortliche, Magazine wie uns?

Ich mag es nicht, anderen die Schuld zu geben, sondern tue lieber das, was ich kann, um die Dinge zu verändern. Ich denke, es liegt ein wenig in der Natur des Menschen, Dinge zu vergleichen und das „most sexy“, das Heißeste zu finden.

Ich weiß also nicht, ob es der Fehler einzelner Menschen ist. Vielleicht liegt es auch an der Industrie an sich. Es wird da in einem gewissen Jargon darüber geredet, wer das nächste „Ding“ wird. Das merkt man auch daran, wie Plattenlabels Verträge machen: Sie nehmen TikTok-Künstler*-innen unter Vertrag, weil die eben gerade das Neue sind. Sie bleiben aber nicht lange bei Künstler*innen, die sich noch entwickeln, und investieren nicht in sie. Da kommt alles zusammen.

Ich finde es immer komisch, wenn neue Künstlerinnen zum Beispiel als „die neue Dua Lipa“ beschrieben werden. Ich verstehe, dass das für Medien Aufmerksamkeit schafft und beispielsweise Radiosender schnell erkennen müssen, in welches Genre ein*e Künstler*in passt – aber am Ende haben doch weder der*die Newcomer*in noch Dua Lipa etwas von solchen Vergleichen. Und trotzdem beteiligen wir uns daran.

Ja, wir lieben es, aber es ist unkreativ und faul. Es bedeutet, dass Menschen nicht daran denken, neue Kunst zu schaffen, sondern nur an das, was schon funktioniert. Es ist okay, aber auch ziemlich geschäftlich. Faules Marketing eben.

Wir haben dich in der Vergangenheit schon zweimal interviewt. Die letzten beiden Male hast du gesagt, dein Lebensmotto und der Titel deiner Biografie wären „Ich hab keine Ahnung“. Wie sieht’s jetzt damit aus?

[lacht] Ich versuche, über so was nicht viel nachzudenken. Ich habe immer noch keine Ahnung und kein Lebensmotto – vielleicht könnte es lauten „I’m still figuring it out“. ◆

„Meine Beats und mein Image sind nicht aufpoliert, sondern dekonstruiert und nicht zu ernst.“

Haare & Make-up: Naomzz @ Collective Interest, Assistenz: Caroline Raick, Produktion: Jenny Weser, Retusche: Charlotte Hansel, Set-Design: lilobritz, Foto-Assistenz: Max Zimmermann, Sebastian Haas, Styling-Assistenz: Helen Veith, Studio: KMX Studio

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