Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 5 Min.

Vielseitige Kornelkirsche


TASPO BAUMZEITUNG - epaper ⋅ Ausgabe 3/2018 vom 08.06.2018

Die Kornelkirsche (Cornus mas) ist wegen ihrer frühen, auffälligen Blüten als Ziergehölz weit verbreitet. Weniger bekannt ist ihre Verwendbarkeit als Hochstamm für öffentliche Anlagen und im Straßenbegleitgrün. Als Fruchtgehölz erfährt sie derzeit neue Aufmerksamkeit.


Artikelbild für den Artikel "Vielseitige Kornelkirsche" aus der Ausgabe 3/2018 von TASPO BAUMZEITUNG. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Die zum Rekordbaum ernannte Kornelkirsche in Nürnberg ist Bestandteil des Straßenbegleitgrüns. Sie erreicht einen Umfang in Brusthöhe (1,30 Meter) von 2,10 Meter, geschätztes Alter: 200 Jahre.


Fotos: Herbert Franz Gruber

Innerhalb der GattungCornus (Hartriegel) werden die Kornelkirschen als Untergattung mit sechs Arten weltweit ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 16,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von TASPO BAUMZEITUNG. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 3/2018 von Passendes Saatgut gesucht. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Passendes Saatgut gesucht
Titelbild der Ausgabe 3/2018 von Drohnen und mehr. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Drohnen und mehr
Titelbild der Ausgabe 3/2018 von Waldversuch unter Dach. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Waldversuch unter Dach
Titelbild der Ausgabe 3/2018 von Mehr als Kletterwettkämpfe. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Mehr als Kletterwettkämpfe
Titelbild der Ausgabe 3/2018 von Mehr als nur Bäume gepflanzt. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Mehr als nur Bäume gepflanzt
Titelbild der Ausgabe 3/2018 von Von Artenschutz bis Ausschreibung. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Von Artenschutz bis Ausschreibung
Vorheriger Artikel
Baumwissen auf hohem Niveau
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Feuchte-Sensoren im Boden senken Pflegeaufwand
aus dieser Ausgabe

Innerhalb der GattungCornus (Hartriegel) werden die Kornelkirschen als Untergattung mit sechs Arten weltweit beschrieben. Zwei sehr ähnliche Arten,Cornus officinalis undCornus chinensis, werden bisweilen eingebürgert, so dass es hier zu Verwechslungen kommen kann. Kornelkirschen wachsen meist strauchförmig; alte oder in Baumschulen hochstämmig erzogene Exemplare wachsen zu kleinen Bäumen heran, die ein beachtliches Alter von über 200 Jahren erreichen können.

Auffällige, frühe Blüten

Die vierzähligen, in kleinen Büscheln stehenden, gestielten Blüten erscheinen bereits im zeitigen Vorfrühling. Von Laien werden sie oft mit Forsythien verwechselt, sie blühen jedoch deutlich früher als dieses eingebürgerte Ziergehölz. Zwischen der Kornelkirschen- und der Forsythienblüte vergehen je nach Witterung zwischen 14 Tagen und drei Wochen. Anders als Forsythien werden Kornelkirschen von Bienen besucht. Die frühe Blüte kennzeichnet das Gehölz als erste Bienennahrung im Frühling mit gutem Nektarwert. Der Pollenwert wird als mittel eingestuft. Die länglichen, ovalen bis eiförmigen Steinfrüchte, die aus den Blüten reifen, haben einen zweifächrigen Steinkern. Dieser ist im Vergleich zum echten Kirschkern an den Enden spitz und länglich. Die Blätter verraten deutlich ihre Verwandtschaft zum Hartriegel. Ihre von der Mittelrippe abzweigenden Blattadern richten sich nach vorne zur Blattspitze, die als Träufelspitze das Regenwasser aufsammelt und zu Boden leitet.

Das in Mitteleuropa heimische Gehölz hat hier eine lückenhafte Verbreitung. Auffällig sind gehäufte Vorkommen in Gebieten mit kalkhaltigen Sedimentgesteinen, wie Keuper, Jura und Kreide. Wildwachsende Kornelkirschen finden sich am Oberlauf der Werra, im Kyffhäusergebirge, in der Frankenalb und der Schwäbischen Alb. In diesen Gegenden ist das Gehölz im Brauchtum der ortsansässigen Bevölkerung verwurzelt und hat zahlreiche Regionalnamen. Die Sträucher und Bäume werden als Dirlitze, Herlitze, Hornstrauch, Kornelle oder Wälschkirsche bezeichnet. In Franken ist der Volksname „Dieterla“ bekannt. Im österreichischen Mostviertel, wo die Kornelkirsche eine traditionelle Bedeutung als Fruchtgehölz hat, spricht man vom „Dirndlbaum“. Aus dem Mostviertel in Niederösterreich sind auch die stärksten Exemplare in Europa bekannt. Die „Sigrid-Dirndl“ in Michelsbach bringt es auf einen Stammumfang von 280 Zentimeter bei einer Wuchshöhe von acht Meter. Nach derzeitiger Kenntnislage steht die stärkste Kornelkirsche Deutschlands in Nürnberg. Dort ist der vermutlich deutlich über 200 Jahre alte Baum Bestandteil des Straßen-begleitgrüns in der Oedenburger Straße (siehe Kasten Seite 34). In historischen Zeiten gab es in der Nähe eine Schlossanlage, die mit der einstigen Pflanzung und der langen Erhaltung des Baumes in Zusammenhang gebracht werden kann. Ein weiteres sehr starkes Exemplar steht im Nürnberger Kraftshof mit einem Stammumfang von 132 Zentimeter in Brusthöhe (Messung 2014).

Die Verbreitung der Kornelkirsche auf dem fränkischen Jura lässt auch im nahen Bamberg alte und stattliche Kornelkirschen wachsen. Hier stehen im Terrassengarten des ehemaligen Klosters Michelsberg mehrere über 200-jährige Exemplare, deren stärkste Vertreter auf 173 Zentimeter Stammumfang kommen (Messung 2014). Die Bäume ragen aus einer Formschnitt - hecke heraus, die ebenfalls aus Kornel - kirschen besteht. In regelmäßigen Abständen wurden immer wieder Einzelexemplare stehengelassen und nicht beschnitten, was der Anpflanzung ein eigenes Gepräge verleiht, besonders zur Blütezeit. Die Eignung der Kornelkirsche für formale Hecken ist seit Jahrhunderten bekannt. Viele Baumschulen bieten heute Kornelkirschen zudem als Formgehölze an, die sich auch für den Stand als markanter Solitär eignen.

Beulige Verwachsungen und ein hohler Stamm erschweren die Altersbestimmung.


Die Früchte der Kornelkirsche erinnern im Geschmack an Sauerkirschen.


Zur Blattspitze gerichtete Blattadern kennzeichnen Cornus mas als Hartriegelgewächs.


Wegen ihrer zeitigen Blüte ist die Kornelkirsche ein wichtiges Bienengehölz.


Beliebtes Fruchtgehölz

Kornelkirschen kommen als Fruchtgehölze zunehmend in Mode. Aktuell werden rund 250 Sorten und Selektionen beschrie-ben, die vorwiegend zur Fruchtgewinnung herangezogen werden. Am bekanntesten ist derzeit die Sorte ‘Jolico‘, die deutlich größere Früchte bildet als die Wildform. Auch Sorten mit gelben oder birnenförmigen „Kirschen“ sind erhältlich. Im Zierpflanzenbau haben die weiß-panaschierte Sorte ‘Variegata’ und die gelbliche ‘Aurea’ schon zahlreiche Liebhaber gefunden.

In Gebieten mit starker, natürlicher Verbreitung ist die Kornelkirsche in der Volkskultur verwurzelt. Die Früchte werden für Marmelade, Obstbrände, als Most oder auch als Beigabe zu Senf verwendet. Die geriebenen Kerne entfalten ein süßliches Vanille-Aroma, weshalb sie der Wiener Melange zugegeben werden. Das Fruchtfleisch liefert wertvolle Inhaltsstoffe wie Vitamin C und B sowie Kalzium, Kalium und Magnesium. Hundert Gramm Kornelkirschen enthalten bis zu zehn Gramm Fruchtzucker und rund 60 Kilokalorien.

Das zähe und schwer spaltbare Holz ist schwer zu verarbeiten, da es beim Trocknen stark schwindet. Es ist mit einer Rohdichte von 0,88 bis 1,03 g/cm sehr schwer und schwimmt nicht. Es wird für Sonderverwendungen wie Knöpfe, Leitersprossen und Spazierstöcke herangezogen.

DER AUTOR

Herbert Franz Gruber ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit bei der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft (DDG).

Die Kornelkirsche als Straßenbaum

Hochstämmige Kornelkirschen sind in ihrer Verwendbarkeit als kleinkronige Straßenbäume bislang unterschätzt worden. Die GALK-Liste von 2018 beurteilt die Kornelkirsche als: „kleinkronige, sehr zeitig blühende Bäume, für enge Straßenräume geeignet, Stämme mit abblätternder Borke, anspruchslos, nicht frostempflindlich und stadtklimafest.“ Zu beachten seien Fruchtfall und Lichtraumprofil.

Ein besonderes Zeugnis erhält die Kornelkirsche in der KlimaArtenMatrix (KLAMStadt) für Stadtbaumarten und -sträucher. In der Kategorie 1.1. bekommt sie die höchstmögliche Bewertung und wird bezüglich Trockentoleranz, Winterhärte, Frosthärte und Spätfrostgefährdung als sehr geeignet eingestuft.

Hochstämmige Kornelkirschen bieten sich für die Bepflanzung kleinerer Wohnstraßen an, insbesondere dort, wo die Akzeptanz größerer Bäume seitens der Bevölkerung schwierig erscheint. Als Bienengehölz und Fruchtlieferant ist sie für Mensch und Tier interessant. Die schwarz abreifenden, zunächst meist roten Früchte fallen im Spätsommer herab und dienen zahlreichen Tieren als Nahrung. Die Robustheit der Kornelkirsche und ihre Toleranz gegenüber den Auswirkungen des Stadtklimas kennzeichnen sie als Zukunftsbaum.

EINE KORNELKIRSCHE IST REKORDBAUM 2018

Nürnbergs Bürgermeister Christian Vogel während des Festaktes zur Ernennung der Kornelkirsche zum Rekordbaum 2018.


Die Deutsche Dendrologische Gesellschaft (DDG) und die Gesellschaft Deutsches Arboretum (GDA) haben die nach derzeitigem Kenntnisstand stärkste Kornelkirsche Deutschlands zum Rekordbaum des Jahres 2018 (Champion Tree of the Year 2018) ernannt. Der in Nürnberg stehende Baum ist Bestandteil des Straßenbegleitgrüns in der Oedenburger Straße. Das langsam wachsende Gehölz wurde mit einem Stammumfang in Brusthöhe von 2,10 Meter sowie einem Kronendurchmesser von sieben Meter und einer Wuchshöhe von acht Meter vermessen. Am Wochenende nach dem „Tag des Baumes“ (25. April) bedankte sich Nürnbergs Bürgermeister Christian Vogel für die Nominierung im Rahmen eines kleinen Festaktes am Baum. Dabei wurde auch eine Informationstafel enthüllt, die auf die Besonderheit des Gehölzes hinweist.

Seit dem Jahr 2010 ernennen DDG und GDA jeweils in abwechselnder Verantwortung und Initiative einen „Rekordbaum des Jahres“. Mit der Wahl will die in diesem Jahr für die Kür zuständige DDG das Augenmerk besonders auf kleinwüchsige und langsam wachsende Gehölze lenken, die von Laien in ihrer Bedeutung oft unterschätzt werden und deshalb leider oft nicht erhalten werden.
Gruber