Lesezeit ca. 6 Min.
arrow_back

Vienna calling


Logo von Donna
Donna - epaper ⋅ Ausgabe 11/2022 vom 05.10.2022

Reise

Artikelbild für den Artikel "Vienna calling" aus der Ausgabe 11/2022 von Donna. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Donna, Ausgabe 11/2022

Seit 1897 in Betrieb und genauso lange ein Wahrzeichen der Stadt: das Riesenrad im Wiener Prater

Altersvorsorge auf Wienerisch: Jeden ersten Samstag im Oktober bilden sich vor dem Bestattungsmuseum am Zentralfriedhof lange Schlangen. Im stehen drei Särge, in die man sich probeweise legen kühlen Keller darf. Während eine Bläsertruppe „Hits der Trauermusik“ zum Besten gibt und ein Pathologe aus seinem Arbeitsalltag erzählt. Selfies sind natürlich erlaubt. Jedes Jahr nehme ich mir vor, dieses Event endlich zu besuchen. Immer kommt etwas dazwischen. Der Tod muss warten.

Mindestens ein Spaziergang am Zentralfriedhof bei möglichst grauem Himmel ist im Herbst aber Fixpunkt – nicht weil ich besonders morbid bin, sondern weil der Zentralfriedhof eine Art Naherholungsgebiet ist. In den ruhigeren Ecken tummeln sich Hase, Fuchs, Igel, Dachs, Reh – und bei den Promi-Gräbern von Falco, Udo Jürgens (mit Klavier aus Marmor) oder Franz West (eine pinke Wurst) erheiterte Touristen.

Als ich Ende der ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 3,49€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Donna. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1050 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 11/2022 von „Die Rettung: Freundinnen“. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
„Die Rettung: Freundinnen“
Titelbild der Ausgabe 11/2022 von Aus Liebe zum Dackel. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Aus Liebe zum Dackel
Titelbild der Ausgabe 11/2022 von Lucinde ist 52. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Lucinde ist 52
Mehr Lesetipps
Blättern im Magazin
Heilt und wärmt
Vorheriger Artikel
Heilt und wärmt
Raten Sie mal!
Nächster Artikel
Raten Sie mal!
Mehr Lesetipps

... 1980er-Jahre nach Wien gezogen bin, habe ich den Totenkult der Wiener nicht verstanden. Ich war jung, wollte ausgehen und etwas erleben. Damals kam mir die ganze Stadt wie ein Friedhof vor: graue Häuserfassaden, ein sehr überschaubares Kulturangebot, Männer mit Pelzmützen. Die hinterfotzigen Reportagen von Filmemacherin Elizabeth T. Spira haben diese Ära dokumentiert. Wien war die perfekte Kulisse für Ost-West-Agentenfilme in Schwarz-Weiß im Stil von „Der Spion, der aus der Kälte kam“. Jeder sah verdächtig aus.

Vielleicht übertreibe ich etwas. Aber das gehört schließlich zum legendären Wiener Schmäh, der böse und abgründig ist. Aus der Distanz werde ich fast wehmütig, wie abgeranzt damals alles war – außer der prächtigen historischen Innenstadt natürlich, in die sich Menschen aus Wien aber nur in Ausnahmesituationen verirren, um in der „Loosbar“ zu versumpfen oder um durch ein paar Edelboutiquen zu ziehen.

Ausgehen

Aromenparadies: Bruder Küche & Bar Schweinebauch mit Roter Rübe und Senf oder in Milchsäure gegarte Forelle – den Gerichten (und Getränken) merkt man die Lust am Spielen mit Essenzen an. Einige der selbst fermentierten Produkte kann man im kleinen Geschäft nebenan kaufen.

Regionales, aber international: Rundbar Relativ neu und schon eine feste Größe ist die „Rundbar” im siebten Bezirk. Das junge Team ist auf Naturwein spezialisiert und die Küche auf regionale Produkte, die international interpretiert werden. Die Tapas sind köstlich, dazu ein Glas Wein, einen Kardamom-Spritzer oder einen der ungewöhnlichen Cocktails.

Der Klassiker: Loosbar Wenn Hollywood-Star Chris Hemsworth in Wien dreht, genehmigt er sich hier schon mal einen Drink, womit die „Loos American Bar” – 1908 vom österreichischen Architekten Adolf Loos entworfen – aber nie werben würde. Hat sie nicht nötig. Wiens kleinste Bar ist und bleibt eben die coolste.

Beliebter als die schöne blaue Donau selbst: ihr südlichster Arm, der Donaukanal

Shoppen Zum Einkaufen gehe ich selten in die Innenstadt. Bei mir im dritten Bezirk ist die Wiener Seife zu Hause: ein sympathischer Souterrain-Shop, alles von Hand gefertigt, minimalistischer Stil, maximaler Duft (ich liebe Weihrauch, Safran ist neu, muss ich bald mal ausprobieren). Elegant, alltagstauglich und unverwüstlich sind die Taschen von Sagan Vienna. Das Label wurde 2016 von der Kroatin Tanja Bradaric und dem Japaner Taro Ohmae gegründet und sitzt im siebten Bezirk, dem Einkaufs-Eldorado von Wien. Der Klassiker im Sagan-Sortiment verwendet ein Geflecht, das an die bekannten Thonet-Kaffeehausstühle erinnert. In der Nähe findet man den Concept-Store Park mit seinen großen, hellen Räumen und allem, was das Modeherz begehrt.

Ansehen Wien ist eine Kulturstadt. Das kann ziemlich überfordernd sein, weil dauernd irgendwo eine Vernissage stattfindet. In der Schleifmühlgasse beim Naschmarkt ist die Galeriedichte besonders hoch, und man kann gleich mehrere Ausstellungen an einem Eröffnungsabend abhaken. Georg Kargl etwa zeigt regelmäßig eine meiner Lieblingskünstlerinnen: Jakob Lena Knebl mischt nicht nur Geschlechterrollen auf, sondern experimentiert auch mit Möbeln und Mode, Kunst und Kitsch. Wenn ich keine Lust auf Touristen habe, gehe ich ins Naturhistorische Museum, staune über die alten Vitrinen und kann mich immer wieder begeistern für die Glasmodelle von Quallen. Wer es zeitgemäßer mag, geht in die Albertina Modern, wo man zum Beispiel Ausstellungen über die Kunst der 1980er-Jahre oder feministische Arbeiten sehen kann. Und dann gleich ins Haupthaus: In der Albertina läuft bis Januar eine tolle Schau über Jean-Michel Basquiat, der als einer der ersten Schwarzen Künstler zum Superstar wurde.

Durchatmen

Im Vergleich zu früher wirkt Wien mittlerweile wie ausgetauscht. Eine helle, luftige, moderne, internationale Stadt. Von vielen neuen Ecken würde ich gar nichts mitbekommen, wenn nicht eine Freundin in ein Wohnprojekt im Nordbahnviertel ge-zogen wäre. Von der Gemeinschaftsküche auf dem Dach blickt man über ganz Wien, nirgends lässt sich schöner Silvester feiern. Die Seestadt Aspern wiederum ist ein unfertiger Trabant. Auf dem Weg geht es mit der U-Bahn an Wiesen und Äckern vorbei. Auf diesen Fahrten fühle ich mich oft wie eine Touristin in der eigenen Stadt, so viel gibt es zu entdecken.

Ich wohne nah an einer der vielen grünen Lungen der Stadt: dem Prater, der als Central Park von Wien gilt. Mit dem Fahrrad komme ich auch zur Alten Donau, die im Winter manchmal zufriert. Dann ist sie voll mit Eisläufern, dahinter eine stattliche Skyline. Statt Schlittschuhe anzulegen, schlage ich ein Loch ins Eis, um abzutauchen. Wien hat mittler- weile eine beachtliche Eisschwimmer-Community. Wie harmonisch Naturnähe und Urbanität in dieser Stadt zusammengehen, fasziniert mich immer wieder.

Genießen

Am original Wiener Schnitzel kommt man nicht vorbei. Kulinarisch hat die Stadt in den letzten Jahren aber ordentlich aufgeholt, viele hippe Restaurants und Bars haben eröffnet. Eines meiner Lieblingslokale ist das Bruder im sechsten Bezirk, eine Top-Location für Naturweine. Die Betreiber Hubert und Lucas lieben nicht nur Fermentiertes, sondern auch ihre Gäste. Der Schmäh rennt, jeder fühlt sich sofort als Stammgast. Ich würde öfter hingehen, wenn ich nachher nicht immer schrecklich verkatert wäre. Zum

Fine-Dining-Fan hat mich das Zwei-Sterne-Restaurant Mraz & Sohn gemacht, geführt vom jungen, wilden Koch Lukas Mraz. Die Atmosphäre ist locker, das Essen spielt raffiniert mit bekannten, oft unterschätzten Gerichten.

Am Samstag ist der Naschmarkt beliebtester Treffpunkt: Ganz Wien flaniert an den Ständen entlang. Sehen und gesehen werden, Freundinnen treffen, Humus essen oder Day-Drinking im Savoy, Wiens ältester gay bar, die offen für alle ist. In Spazierweite liegt das neue Hotel Indigo: helle Räume, viele Pflanzen, zeitgemäßes Design.

Erkunden

Klar, Wohnen und Ausgehen sind auch in Wien teuer geworden. Über Gentrifizierung können wir aber noch immer Scherze machen. Es gibt keine Bezirke, in denen Altes und Neues nicht friedlich koexistieren würden. Kein Viertel ist fest in der Hand nur einer Gesellschaftsgruppe. Dieser Mix macht für mich den besonderen Charme dieser Stadt aus. Selbst alte Gemeindebauten werden aufgewertet und erwachen zu neuem Leben. Wie der Terrassenbau Alterlaa des Architekten Harry Glück aus den 1970er-Jahren, sehr grün und mit luxuriösen Pools auf dem Dach. Die berühmten Wiener Gemein- debauten, die ab den 1920er-Jahren errichtet wurden, stehen an jeder Ecke. Oft sind sie liebevoll mit Mosaiken oder Statuen verziert. Am imposantesten ist der Karl-Marx-Hof, direkt an der U4. Und am Graben in der Innenstadt gibt es sogar eine öffentliche Toilette, die im Jugendstil gehalten ist – so viel Stil muss sein.

Tradition erleben Gegenwart und Zukunft gehen in Wien auf eine Käsekrainer mit Dosenbier. So wie Mick Jagger, als er kürzlich ein Konzert in der Stadt gegeben hat. Und Helene Fischer soll die berühmte Eitrige (so heißen Käsekrainer in Wien) für sich und ihre Crew direkt ins Konzertstadion bestellt haben – natürlich vom Traditionswürstelstand Bitzinger direkt hinter der Oper: in Wien der beste Platz, um Promis zu treffen. Auch das ist absurd. Aber typisch Wien.

Wohnen

Mit historischem Flair: Hotel Motto Zentral auf der Mariahilfer Straße liegt das neu eröffnete Haus, dessen Einrichtung an das Paris der 1920er-Jahre erinnert. Nicht entgehen lassen: Terrasse und Restaurant im Obergeschoss mit der imposanten Glaskuppel, die intern Ananas heißt.

Grüne Oase im Siebten: Hotel Gilbert Wenn skandinavische Gemütlichkeit auf Wiener Charme trifft. Besonders schön: das viele Grün in Lobby und hauseigenem Café. Im Restaurant serviert Foodbloggerin Parvin Razavi österreichische Küche mit persischem Twist – auch bei den Wienern sehr gefragt.

Mittendrin: Hotel Indigo Das Haus im lebhaften fünften Bezirk ist der perfekte Ausgangsort, um Staatsoper, Stephansdom, Naschmarkt und einige Museen zu erkunden. indigo/hotels/de/de/ vienna/vienr/hoteldetail