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VIER METER ZUM GLÜCK


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Auto Bild - epaper ⋅ Ausgabe 33/2022 vom 18.08.2022
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Während Fiesta und i20 aufgeladene Dreizylinder samt Mildhybrid nutzen, fährt der Yaris mit einem Dreizylinder-Saugmotor

Hyundai i20 1.0 T-GDI 48V

120 PS 7,7 l/100 km Testverbrauch ab 25 255 Euro

Toyota Yaris 1.5 VVT-i

125 PS 5,4 l/100 km Testverbrauch ab 20 150 Euro

Ford Fiesta 1.0 EcoBoost Hybrid

125 PS 6,6 l/100 km Testverbrauch ab 24 250 Euro

JETZT IM SOMMER sind die Nächte oft klar. Wer gen Norden schaut und den Polarstern ausfindig macht, der hat schon eine Ecke des Sternbilds Kleiner Wagen entdeckt. Sie gehören nicht zu den Sternenguckern? Auch kein Problem! Wir hätten da noch drei andere kleine Wagen parat: Hyundai i20, Toyota Yaris und Ford Fiesta schaffen es mit 120 bis 125 PS nicht quer durch die Milchstraße, aber mit jeder Menge Technik souverän durch den Alltag. Wer strahlt hier am hellsten?

Die Änderungen am Herausforderer müssen wir auf jeden Fall nicht mit dem Fernglas suchen. Nach fünf Jahren Bauzeit hat Ford den Fiesta aufgefrischt – nicht aggressiv, aber sichtbar. Die Front ist komplett neu, ...

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... den alten Grill haben sie mehr oder weniger um 180 Grad gedreht und die Pflaume reingesetzt, die vorher weiter oben saß. Vorn leuchtet jetzt Matrix-Licht, hinten gibt’s – bis auf abgedunkelte Rücklichter – nichts Neues zu melden. Der Dreitürer fällt ab sofort weg.

AUTONOMES FAHREN

Adaptive Tempomaten bieten alle drei. Aber nur der des Fiesta übernimmt nun automatisch Tempolimits. Praktisch!

Dafür haben die Kölner im Innenraum ein wichtiges Technik-Update spendiert. Vor dem Fahrer thront – wie in den größeren Geschwistern – nun ein XL-Bildschirm. Wer zwischen den verschiedenen Fahrmodi wechselt, bekommt schwungvolle Übergangsanimationen geboten, ganz ähnlich wie im Hyundai. Bei beiden vermissen wir allerdings einen echten Mehrwert zu analogen Instrumenten, zum Beispiel eine groß einblendbare Navi-Karte oder einen ganz reduzierten Modus, der wenig ablenkt. Der Toyota kommt mit zwei konventionellen, teildigitalen Rundinstrumenten und einem Farbbildschirm dazwischen, dafür aber zusätzlich mit 10 Zoll großem, frei schwebendem Head-up-Display.

Überhaupt bleibt der rundlich geformte Yaris am unkonventionellsten. Mit nur 3,94 Meter Länge fällt die Parkplatzsuche noch mal leichter als mit Ford (4,07 Meter) und Hyundai (4,04 Meter). Wer hinten einsteigt, stört sich allerdings am kleinen Türausschnitt. Der Platz für Knie hinten ist eher mickrig, der für die Koffer (286 Liter) geht in Ordnung. Die im Style-Trimm enthaltenen Sportsitze strahlen zusammen mit dem hoch platzierten Schalthebel fast schon Rallye-Flair aus. Wer in Ford und Hyundai einsteigt, sieht hingegen schnell Rot – also die vielen roten Nähte, die in ST-Line und N-Line warten. Der Hyundai gibt sich insgesamt eher nüch- tern-sportlich, die kurzen Überhänge garantieren zusammen mit dem längsten Radstand (2,58 Meter) im Trio dafür den luftigsten Innenraum. Wer regelmäßig zu viert fährt, ist mit dem Hyundai klar am besten bedient. Allerdings klaut der Mildhybrid- Akku hinten stolze 90 Liter Laderaum, nur 262 Liter bleiben übrig. Beim Ford sitzt der Energiespeicher raumsparend unter dem Beifahrersitz – macht 292 Liter Ladevolumen.

!Das Facelift hat geholfen, aber auch ansonsten wirkt der Fiesta noch frisch

FORD FIESTA 1.0 ECOBOOST

Was den Platz für die Passagiere angeht, rangiert der Fiesta ungefähr zwischen Toyota und Hyundai. Das weiche Sportlenkrad und der gepolsterte Dachhimmel fassen sich gut an, bei den Sitzen hat Ford allerdings einfach das Titanium-Gestühl genommen und neu bezogen. Ergo fehlt jetzt Seitenhalt, schnelle Kurven verbringen Fahrer und Beifahrer entweder auf der Armlehne oder an der Türverkleidung.

Was so gar nicht zu den dynamischen Talenten des Kölners passt. Der Einliter-Dreizylinder leistet 125 PS und 210 Newtonmeter, ist gekoppelt an ein knackiges Sechsgang-Schaltgetriebe. Seine E-Unterstützung spielt im Stadtverkehr den Anlasser, und wer auf der Autobahn hinterm Lkw hängen bleibt, hört das leise Fiepen der Rekuperation. In 10,6 Sekunden sprintet der Fiesta auf Tempo 100, 200 km/h Spitze sind drin. Das Ford-Aggregat hat eigentlich nur eine Schwäche: Untertouriges Cruisen (genauer: Teillast unterhalb von 2000 Umdrehungen) quittiert der EcoBoost mit deutlichen Vibrationen. Das Sechsgang- Schaltgetriebe ist ungünstigerweise genau so gestuft, dass man bei Stadttempo 50 im vierten Gang in diesem Bereich festhängt. Die Konsequenz: Man fährt stattdessen im dritten Gang. Beim Verbrauchstest haben wir uns natürlich an die Schaltanzeige gehalten und früh die Gänge gewechselt, was dann 6,6 Liter Verbrauch ergab.

Aber im Alltag dürfte das den Durst doch ein ganzes Stück in die Höhe treiben. Auf dem Papier mit 120 PS und 200 Newtonmetern minimal schwächer präsentiert sich der Hyundai, ist beim Sprint auf Landstraßentempo aber 0,1 Sekunde schneller. Hyundai konnte ihn nur mit Doppelkupplung liefern – die macht durchaus Laune, schaltet zügig, gibt beim Herunterschalten sogar Zwischengas. Allerdings macht sie den i20 auch arg durstig: 7,7 Liter zeigt der Test, da hilft auch der – unmerklich arbeitende – Mildhybrid nichts. Bei vergangenen Tests mit Handschaltung haben wir schon mal 6,4 Liter gemessen. Wer die sportliche N-Line wählt, muss sich außerdem mit dem ziemlich dröhnigen Sportauspuff abfinden – gerade im Leerlauf bräuchte es dringend eine Klappe zum Leisestellen.

SPRACH-BEDIENUNG

Das System im i20 kann am meisten – braucht aber stets Netz. Nichts für die Tiefgarage also ...

HYUNDAI i20 1.0 T-GDI

TOYOTA YARIS 1.5 VVT-i

TOUCHMONITOR

Der Bildschirm im Yaris ist träge und pixelig. Ein viel besseres System zieht jetzt im Corolla ein – hoffentlich kriegt der Kleine das auch bald.

Unter der Haube des Toyota werkelt ein knurriger 1,5-Liter-Sauger mit 125 PS. Während untenrum – ganz ähnlich wie bei den Einliter-Turbos – nicht viel geht, dreht der Antrieb freudig bis über 6000 Touren, 10,6 Sekunden vergehen bis Tempo 100. Die Übersetzung der tollen Sechsgangbox dürfte gern noch kürzer sein, trotzdem macht die lineare Kraftentfaltung Laune, dazu verbraucht der Toyota am wenigsten: 5,4 Liter gingen im Test durch die Einspritzdüsen, was auch mit nur 1081 Kilogramm Leergewicht zu tun haben dürfte. Ford und Hyundai bringen rund 100 Kilogramm mehr auf die Waage. Diesen Gewichtsvorteil verdankt der Yaris zum Teil seinem dünnen Blechkleid. Auf der Autobahn, wo es im Toyota am lautesten zugeht, fällt außerdem auf, dass sie ihn bei 180 km/h abgeregelt haben, was man sich getrost hätte sparen können. Erst einmal, weil viel mehr als 190 km/h ohnehin nicht drin gewesen wären. Und zweitens, weil die Motorsteuerung die Leistung so rabiat kappt, dass man auf knapp über 170 km/h zurückfällt, dann wieder beschleunigt, dann wieder eingebremst wird. Vollgas wird also zur Geduldsprobe.

Was die Fahrwerke angeht, wirken alle drei auf kurvigen Landstraßen quietschfidel. Alle drei untersteuern spät, erst wenn es sein muss, hält sie das ESP auf Kurs. Hyundai und Ford vermitteln mehr Gefühl in der Lenkung als der Yaris, der dafür besser bremst.

Beim Thema Konnektivität bieten alle das Nötigste: Apple CarPlay und Android Auto sind stets an Bord, funktionieren aber nur im Yaris kabellos. Die Sprachsteuerung des i20 bietet die meisten Funktionen, braucht allerdings Internet. Der Toyota tut sich selbst mit einfachen Kommandos schwer.

Er bleibt aber auch am günstigsten, kostet inklusive Technik-Paket knapp über 26 000 Euro. Wer Ford und Hyundai sein eigen nennen will, muss sechs bis sieben Hunderter mehr auf den Tisch legen. Der Fiesta sammelt dafür Punkte mit dem längsten Wartungsintervall (zwei Jahre/30 000 Kilometer. Der Hyundai punktet mit fünf, der Yaris gar mit drei plus sieben Jahren Garantie (bei regelmäßiger Wartung).

Am Ende gewinnt der i20 die Eigenschaftswertung, der Fiesta macht die vier fehlenden Punkte aber im Kostenkapitel exakt wieder wett. Ergibt also zwei erste Plätze, Toyota dahinter. Ganz schön groß, diese drei kleinen Wagen.

PLATZIERUNG Punkte maximal 800

1. Ford Fiesta Gelungenes Facelift, dynamisch begabt. Nur die Vibrationen sollte Ford in den Griff bekommen. 523 Punkte

1. Hyundai i20 Geräumig und technisch auf dem neuesten Stand. Mit Doppelkupplung durstig, lauter Auspuff stört. 523 Punkte

3. Toyota Yaris Unkonventioneller, spaßiger Kleinwagen. Mehr Platz innen und eine bessere Dämmung täten gut. 510 Punkte

FAZIT

JONAS UHLIG, DENNIS HEINEMANN

Hyundai i20 und Ford Fiesta sind sich in vielerlei Hinsicht sehr ähnlich, bieten modernes Infotainment und liegen bei Fahrdynamik und im Umweltkapitel sogar exakt gleichauf – zwei verdiente Sieger. Der leichte, engere Toyota vergnügt mit dem drehfreudigen Saugmotor, zehn Jahren Garantie und fährt insgesamt nur knapp hinterher.