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VIER VOR ACHT?


Off Road - epaper ⋅ Ausgabe 9/2021 vom 10.08.2021

FAHRBERICHT LAND ROVER DEFENDER V8 und PLUG-IN-HYBRID

Artikelbild für den Artikel "VIER VOR ACHT?" aus der Ausgabe 9/2021 von Off Road. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Off Road, Ausgabe 9/2021

Langsam verheilen die Wunden, die sich mit dem Abschied des klassischen Land Rover Defender bei treuen Liebhabern britischer Automobilkunst mit dem Produktionsende des rustikalen Arbeitstieres aus Solihull aufgetan haben. Inzwischen sind gut fünf Jahre verstrichen und eine lange Zeit warteten eingefleischte Landy-Jünger auf einen würdigen Nachfolger. Noch immer ist sich die Szene nicht einig darüber, ob das neue Modell „L663“ in puncto Geländetauglichkeit in des Vorgängers Fußstapfen zu treten vermag – ein klassischer Generationen- konflikt: alte Schule versus neue Schule.

Während sich die einen noch den Kopf darüber zerbrechen, ob sie ihren Klassiker mit der genieteten Aluminium-Karosserie behalten und weiter hegen wollen, hat so mancher andere vielleicht schon mit dem Kauf eines neuen Defender geliebäugelt – konnte sich aber bei der Wahl der ...

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... richtigen Motorisierung mangels Alternativen nicht so recht entscheiden. In der Zwischenzeit hat Land Rover nicht geschlafen: Im Verborgenen forschten findige Ingenieure nach weiteren Verkaufsargu- menten, die dem neuen, glatten Blechgewand eine Charakterkur verpassen sollen. Hat sich das Warten also gelohnt?

EIN FAHRZEUG, ZWEI MOTOREN, ZWEI CHARAKTERE

Äußerlich unterscheiden sich die beiden Zwillingsbrüder nur in wenigen Details voneinander: Der Plug-in-Hybrid kommt mit einem zweiflutigen Endschalldämpfer, der neue Achtzylinder mit einer optisch präsenteren Abgasanlage mit vier Endrohren daher. Bis auf die V8-Embleme und die blau lackierten Sechs- Kolben-Bremssättel an der Vor-derachse verrät der elegante Engländer wenig über seine inneren Werte. Gleiches gilt für den Hybrid, dessen Antriebskonzept sich nur aufgrund der zweiten Tankklappe auf der linken Fahrzeugseite sowie des Schriftzugs am Heck erahnen lässt. Im aufgeräumt und hochwertig anmutenden Innenraum sticht beim V8-Modell der deutlich größere Touchscreen ins Auge. Das modulare Innenraumkonzept mit mehrfach teil- und umklappbarer Rückbank ist dagegen nicht neu und ebenfalls in anderen Varianten verfügbar.

GEPFLEGTER RASEN ODER GEPFLEGT RASEN

Während sich über optische Eindrücke sicherlich lange streiten lässt, kommen wir bei den technischen Eckdaten zu etwas handfesteren Argumenten – den Anfang macht der Defender V8: Satte 5,0 Liter Hubraum, acht Zylinder und eine klassische Kompressor-Aufladung klingen nach Zutaten eines Spaßrezeptes, das heutzutage viel zu selten serviert wird. Dank 525 PS und 625 Newtonmetern beschleunigt der sanft anmutende Riese mit brachialem Antritt in nur knapp über 5 Sekunden auf Tempo 100. Wer kein Freund schneller Gangart ist, darf diesen Absatz gern überspringen. Mit aktiviertem Dynamik-Modus, der dem V8-Motor vorbehalten ist, mutiert der britische Landlord zur angriffslustigen Wildkatze. Das sanfte Dahingleiten kann mit einem Knopfdruck in ein straffes, akkurates Fahren verwandelt werden. Im Zusammenspiel mit den Schaltwippen, der großzügig dimensionierten, bissigen Bremsanlage und den langen Federwegen einer präzise ansprechenden Einzelradaufhängung entsteht echtes Rallyefeeling. Gibt man dem inneren Spieltrieb nach und treibt den gut 2,6 Tonnen schweren Dampfhammer versiert über die Piste, wird das Kind im Manne obendrein von bissigem V8-Gebrüll und Kompressor-Heulen belohnt. Ja, der neue Defender hat gewiss Charakter.

DER DEFENDER V8 IST EIN MULTITALENT – AUCH ABSEITS DER STRASSE

Wer jetzt glaubt, dass die neue Topmotorisierung ihre Trümpfe bereits auf der Straße verspielt hat, der irrt gewaltig. Land Rover ist sich seiner Traditionen bewusst, das gilt auch für den V8. Im Offroad-Modus steigt die Bodenfreiheit auf über 29 Zentimeter an, das Untersetzungsgetriebe ist ebenso an Bord wie die zwei automatisch agierenden Sperrdifferenziale in Verteilergetriebe und Hinterachsdifferential. Der großvolumige Motor spricht mit der kurzen Untersetzung äußerst feinfühlig an und lässt sich abseits der Straße gut dosieren. Auch hier macht sich das satte Drehmoment bemerkbar. Die Kraftreserven der Maschine schaffen Vertrauen getreu dem Motto „Haben beruhigt“. Ausgesprochen präzise klettert der Luxus-Defender mit Drehzahlen knapp oberhalb der 1000er-Marke über steile Hindernisse, Felspassagen und Hohlwege. Das Fahrwerk verschränkt selbst in der höchsten Stufe der Luftfederung ausgezeichnet und die sauber abgestimmte Traktionskontrolle übernimmt den letzten Feinschliff. Für noch mehr Traktion gibt es als Werkszubehör sogar eine MT-Bereifung aus dem Hause Goodyear.

DEN ÜBERRASCHUNGSEFFEKT SICHERT SICH DER HYBRID

Gut gebrüllt, Löwe: Mit hohen Erwartungen steigen wir vom säuselnden V8 in den Plug-in- Hybrid um: Den Startknopf gedrückt, die Zündung ist an – und jetzt? Jetzt können wir losrollen, geräuschlos versteht sich. Drei verschiedene Modi stehen zur Auswahl: ein reiner E-Modus mit 40 Kilometern Reichweite, ein Hybridmodus, bei dem E-Maschine und Vierzylinder-Benziner gemeinsam für Vortrieb sorgen, und last but not least ein Save-Modus, der den Fokus auf den Verbrenner-Betrieb verlagert und die Batterie schont. Das geräuschlose Gleiten hat einen eigenen Charme und ermöglicht zügiges Mitschwimmen im Alltagsverkehr mit bis zu 140 Stundenkilometern. Braucht man mehr Wumms, schaltet sich der Verbrenner zu und steigert die Systemleistung auf üppige 404 PS. Beim Drehmoment muss sich der Hybrid nicht hinterm V8 verstecken und übertrumpft diesen sogar: Fordert man die 640 Newtonmeter ab, katapultiert der Defender P400e seine Fahrgäste in nur 5,6 Sekunden auf Tempo 100. Der Vierzylinder der neuen Ingenium-Baureihe klingt kernig, ist äußerst agil zuwege und verrichtet dennoch akustisch zurückhaltend seinen Dienst. Die spontane Gasannahme und Leichtfüßigkeit dieser Antriebskombinationen überrascht beim Fahren stets aufs Neue – und bereitet auf ganz eigene Art Freude.

LAUTLOSE PIRSCH IM GELÄNDE

Besonders im Gelände überzeugt der Antrieb: Die über 100 PS starke E-Maschine sitzt im Antriebsstrang zwischen Verbrenner und Automatikgetriebe. So kann sie ihr üppiges Drehmoment über alle Gangstufen inklusive der Untersetzung hinweg an die Räder übertragen. Das funktioniert sogar im reinen E-Modus, was beim Kraxeln am Hang oder Fahren im Sand für enorme Kraftreserven sorgt. Sich nahezu geräuschlos durch das Terrain zu bewegen ist ein spannendes Erlebnis für sich – und steigert die Konzentration beim Fahren im Gelände. Im Hinblick auf die Wattiefe muss man keine Abstriche machen. Der gesamte E-Antrieb ist laut Land Rover wasserdicht, selbst ein geflute- ter Innenraum soll ihn nicht außer Gefecht setzen. Der einzige Wermutstropfen: Der knapp 16 kW/h fassende Akku lässt sich nur mittels Steckdose wieder aufladen – mit passendem Anschluss in rund 30 Minuten. Ist die elektrische Energie komplett erschöpft, muss sich der Fahrer allein auf den Verbrenner und den 90 Liter fassenden Tank verlassen.

FAZIT

Der V8-Dampfhammer macht im Defender richtig Laune - und auch der Plug-in-Hybrid sorgt mit Understatement-Faktor für viel Fahrspaß. Mit dem P400e hat Land Rover eine zeitgemäße Motorisierung entwickelt, die nicht nur im Rechenexempel für den einen oder anderen interessant sein dürfte. Während sich die zwei Brüder im Antritt ein enges Kopf-an-Kopf-Rennen liefern, eilt der V8 beim Preis um mehr als 40 000 Euro voraus. Beiden Fahrzeugen gemein ist der äußerst gelungene Spagat zwischen hervorragendem Handling auf der Straße und besten Klettereigenschaften im Gelände.

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