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Viertel-Runde


Tourenfahrer - Motorrad Reisen - epaper ⋅ Ausgabe 12/2019 vom 12.11.2019

Bei einer Reise durch Österreich müssen nicht immer hohe Berge auf dem Routenplan stehen. Unser südliches Nachbarland hat auch in flacheren Regionen viel Kurvenreiches zu bieten, wie TF-Autor Andreas Hülsmann (Text & Fotos) auf seiner Tour durch das Mostviertel und die Wachau herausgefunden hat.


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Bildquelle: Tourenfahrer - Motorrad Reisen, Ausgabe 12/2019

Fruchtig: Im Mostviertel dreht sich fast alles um die Birne, doch auch aus Äpfeln wird in der Region Most gewonnen.


Durch die Weinberge der Wachau ziehen sich viele kurvige Wege wie hier bei Weißenkirchen – Donaublick inbegriffen.


In den Fünfzigern und Sechzigern bot die Gegend die Kulisse für so manchen ...

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... cineastischen Kassenschlager


Das kannst du nicht machen!« In dieser Angelegenheit versteht Andreas kein Spaß. Dem Wirt des TF-Partnerhauses »Drei Hacken« im österreichischen Yspertal steht das Entsetzen im Gesicht geschrieben. Meine belanglose Bemerkung, die Wachau bei meinem Besuch außen vor zu lassen, löst bei ihm schon fast eine Schockstarre aus.

Geplant war ursprünglich eine gemeinsame Tour durch das Mostviertel, aber eine fast schon überfallartig zu nennende Anhäufung von Gästen verlangt seine Anwesenheit im Hotel. »Tut mir leid, aber im Moment kann ich hier nicht weg«, sagt Andreas und präsentiert mir gleichzeitig einen Lösungsvorschlag. Peter, Gast im Drei Hacken, hat auch keine Lust, sich allein auf den Weg zu machen. So sitzen wir beide am Abend zusammen und baldowern mithilfe des »Gebetbuches«, die morgige Etappe aus. Die Kladde bietet zwar keinen religiösen Beistand, vielmehr hat Andreas darin mehr als 10.000 Kilometer regionale Kurvenstrecken für seine Gäste zusammengetragen und sie auf 30 Routen aufgeteilt.

Peter und ich entscheiden uns für die »Tour de Most«. Andreas _ ndet es zwar schade, dass wir morgen nicht in die Wachau fahren, kommentiert jedoch unsere Entscheidung mit den Worten »eine gute Wahl«. Schließlich bleiben mir noch ein paar Tage und einer davon wird mich sicher auch in die Wachau führen. Aber morgen, da werde ich mit Peter das Mostviertel durchstreifen. Der Leitfaden für unseren Aus_ ug wird die 200 Kilometer lange Moststraße sein, die sich von Amstetten bis nach Sankt Valentin durch Niederösterreich schlängelt.

Der nächste Tag bestätigt die meteorologischen Prophezeiungen des gestrigen Abends. Schon früh am Morgen lockt die wärmende Sonne und Peter und ich sitzen zeitig auf unseren Motorrädern. Das ist auch gut so, denn gegen Nachmittag soll es eine regnerische Störfront geben. Die letzten Schwaden Morgennebel verziehen sich gerade, als wir die Donau bei Ybbs Richtung Amstetten überqueren. Kurz darauf sind wir auf der Moststraße. An die 300.000 Most-Obstbäume sollen in diesem Viertel stehen, die zur Blüte im Frühling einen weißen Teppich über das Land legen.

Was dem Mostviertel die Birne, ist der Wachau der Wein. Einige der besten Rebensäfte Europas stammen von hier.


Statt mich durch die Touristenmassen zu schieben, drehe ich lieber noch eine Runde durch die Weinberge


Für die Mostgewinnung kommen überwiegend Äpfel zum Einsatz, doch hier an der Donau dominiert die Birne. Jahrhundertelang lebten die Menschen sehr gut vom Birnenmost. Der angenehme Geschmack, die kaum vorhandenen Kalorien und einen Alkoholgehalt von vier bis acht Prozent machten den Most zu einem äußerst beliebten Getränk. Die prächtigen »Vierkanter«-Bauernhöfe entlang der Moststraße, deren Gebäude in einem geschlossenen Viereck zusammenstehen, sind heute noch ein Beweis für diesen Wohlstand.

Doch Bier, Limonaden und amerikanisches Zuckerwasser machten dem Birnenmost Mitte des letzten Jahrhunderts zunehmend das Leben schwer. Der Anbau lohnte sich kaum noch. Aus der einstigen Existenzgrundlage vieler Bauern wurde Liebhaberei, nicht mehr als ein Hobby, dem nur wenige Bauern noch nachgingen. Der Birnenmost verschwand zunehmend von den Getränkekarten der ansässigen Gastronomie. Folge dieses Schattendaseins: Massenhaft wurden Obstbäume gefällt, die für das Land so typischen Streuobstwiesen verschwanden mehr und mehr. Heute sieht das wieder ganz anders aus, wie Peter und ich auf unserer Tour feststellen können. Jetzt, Anfang September, kommen die Früchte langsam zur Reife. Birnen, aber auch Äpfel – die Bäume hängen übervoll.

Die Roadbook-Vorgaben aus Andreas’ »Gebetbuch« halten uns in Trab. Kaum haben wir die Donau überquert, gibt sich die »Tour de Most« kurvenreich. Allerdings nehmen wir es nicht so genau. Immer wieder nutzen wir den einen oder anderen Abzweig, der uns interessant erscheint, und lassen uns nach einigen Kilometern wieder von der elektronischen Orientierungshilfe zurück auf die Route lotsen. So gelangen wir zur Burg Plankenstein. Ein monumentaler Steinklotz, der trotzig auf einer Anhöhe steht. Wo einst Ritter lebten, be_ ndet sich heute eine gehobene Gastronomie. Die Burg bietet zudem viel Zeitvertreib, wie zum Beispiel einen Klettergarten und ist bekannt für ihre Krimi-Dinner.

Schon bei der Anfahrt rückt eine alte Harley-Davidson ins Blickfeld. Das Ami-Bike hat Signalwirkung, steht es doch hoch oben auf einem großen Felsblock. Ein Blickfang, der offensichtlich auch Motorradfahrer in die alte Burg locken soll. Bei uns funktioniert es. Da sich der Tag ohnehin schon in den frühen Nachmittag verschoben hat, ist die Burg ein guter Ort für eine Pause. Dass wir die Motorräder im Burghof parken dürfen, ist ein weiteres Indiz für die motorradfahrerfreundliche Atmosphäre.


Mostbaron – ein herrschaftlich klingender Name, der mit einigen Erwartungen verbunden ist


Da sich im Gegensatz zu den Prognosen das gute Wetter auch am Nachmittag hält, gibt es für uns keinen Grund, sich jetzt schon Richtung Yspertal zu bewegen. Leider ist die kleine L 5226 aufgrund von Holzarbeiten in den Wäldern gesperrt, sodass wir nicht den kürzesten und sicher auch schöneren Weg – denn die Karte zeigt ein sehr intensiv gebogenes Stück Straße – nach Puchenstuben nehmen können. Wir müssen also zurück auf die gut ausgebaute L 89, die uns bei Weitem nicht so kurvenreich an Ziel führt. In Puchenstuben zweigt eine kleine Straße ab, die den vielversprechenden Namen Ötscher-Panoramastraße trägt.

Weit kommen wir nicht. Wir werden von einem »frischen Apfelkuchen« gestoppt. Fast hätte ich der Versuchung widerstanden, aber beim Zusatz »selbst gemacht « gebe ich jegliche Gegenwehr auf. Peter wäre jetzt die einzige Instanz, die unsere Fahrt in Schwung halten könnte, doch auch er ist nicht abgeneigt. Die letzte Pause mit einem üppigen Mahl an der Burg Plankenstein liegt gerade einmal eine Stunde zurück. Aber wir hatten keinen Nachtisch und hier ergibt sich eine wunderbare Gelegenheit, dies nachzuholen. Wir bereuen die Unterbrechung nicht, nur auf den Birnenmost verzichten wir. Denn Alkohol – auch in geringen Mengen – und Motorradfahren ist keine gute Idee und wir haben heute noch einige Kilometer vor uns.

Eine halbe Stunde später sitzen wir wieder auf unseren 1290er-KTMs. Mit den Reise-Enduros pendeln wir den Straßenverlauf entlang. Die ganzjährig befahrbare Panoramastraße führt vorbei am Ötscher, einem bis zu knapp 1900 Meter hohem Bergmassiv in den Ybbstaler Alpen. »Toter Mann« heißt ein Punkt an dieser Straße. Der spektakuläre Name macht neugierig und uns bietet sich ein wunderbarer Blick ins Erlauftal. Warum dieser eigentlich sehr schöne Fleck einen so morbiden Namen trägt, bleibt für uns unklar.

Die Birne fällt nicht weit vom Stamm. Oder doch? Die »Neidzelle« sorgt mitunter für Grenzstreitigkeiten darüber, wem das Fallobst gehört.


Die Route von Trübenbach nach Puchenstuben wurde nicht einfach in die Berglandschaft geschlagen, um Motorradfahrern mit spektakulären Kurven und schönen Aussichten zu erfreuen. Sie wurde für den Bau eines Kraftwerkes angelegt; auf dieser Straße sollten Material und Arbeiter zur Baustelle gebracht werden. Eigentlich war alles schon so weit, dass mit den Arbeiten begonnen werden konnte – immerhin gab es schon die Straße. Das Vorhaben scheiterte an den massiven Protesten der Bevölkerung. Und statt des Kraftwerkes gibt es heute den Naturpark Ötscher-Tormäuer.

Nach knapp 40 eindrucksvollen Kilometern kommen wir bei Langseitenrotte wieder auf die Bundesstraße 20. Der Himmel verdichtet sich und wie es scheint, trifft die für den Mittag angekündigte Schlechtwetterfront mit etwas Verspätung doch noch ein. Wir ziehen uns zurück. Getrieben von dunklen Wolken, geht es über große Straßen Richtung Donau. Zwei Stunden später sitzen wir bei Andreas und erzählen ihm von unseren Erlebnissen. Viel Neues erfährt er nicht, nickt nur, kennt er doch jeden Kilometer, den wir gefahren sind, genau. Er gibt uns noch einige Tipps für den nächsten Tag, denn die »Tour de Most« haben wir eigentlich nur zur Hälfte geschafft. Allerdings wird Peter nicht mehr dabei sein, weil er sich dann schon auf den Heimweg begeben wird.

»Hast du Lust, morgen einen Mostbaron kennenzulernen?«, lautet die knappe Frage von Andreas. Natürlich habe ich. Und wenn wir schon unterwegs sind, so der Drei-Hacken-Wirt, dann können wir bei gutem Wetter auch noch den einen oder anderen Umweg fahren. Der Grund für unseren gemeinsamen Ausflug ist, dass Andreas Nachschub in Sachen Birnenmost braucht.

Am nächsten Morgen klopfen wir schon früh an die Tür von Manfred Zeiner. Die dunstig-feuchte Wetterlage schränkte die Freude auf Umwege deutlich ein. Manfred Zeiner veredelt in seinem Betrieb jährlich mehr als 40.000 Liter Birnensaft und ist einer von 21 Mostbaronen. An diesen herrschaftlich klingenden Namen sind einige Bedingungen und Erwartungen geknüpft. Die Mostbarone haben einen Eid geschworen. Es geht um die Kultur rund um den Most, darum, die Traditionen zu pflegen und auch den Qualitätsanspruch hochzuhalten. Zu dieser »Adelsgesellschaft« gehören nicht nur Mostbauern, sondern auch Hoteliers wie auch Gastwirte. Der Most ist Mitte der Achtzigerjahre wieder zu einem beliebten Getränk geworden – für die Mostbarone eine Herausforderung, dafür Sorge zu tragen, dass dieses Getränk auch weiterhin beliebt bleibt.

Grill, Pfanne oder Kochtopf:»Drei Hacken«-Wirt Andreas Starkmann zaubert kulinarische Köstlichkeiten.


Der Ausdruck »Fleischhauerei « trifft es perfekt und meint nichts anderes als eine Metzgerei.


200 Kilometer Rundkurs: Die Moststraße führt durch ein Gebiet mit über 300.000 Birnbäumen.



Nebenbei erfahre ich, dass es hier in der Region noch mehr als 100 verschiedene Birnensorten gibt


Gemeinsam fahren Andreas und ich noch ein Stück. Aber schon beim ersten kleineren Stopp bemerke ich seine Unruhe. Das Wissen um sein ausgebuchtes Hotel nagt an seiner Gelassenheit. Er entschuldigt sich mit den Worten: »Tut mir leid, aber das Haus ist voll.« Schließlich kocht er auch für seine Gäste und derlei bedarf stets einer längeren Vorbereitung.

Dass so ein Birnbaum an die 150 Jahre alt werden kann, erfahre ich etwas später in einem der vielen kleinen Dörfer entlang der Moststraße. Die KTM erregt die Aufmerksamkeit einer Dame, die sich ausgesprochen gut in der Modelpalette auskennt. KTM sei die Hausmarke ihres Mannes, der selbst Ende seiner Sechzigerjahre noch fahre, und auch ihre Söhne bewegen bevorzugt die Motorräder aus Mattighofen.

Ebenso profund sind die Kenntnisse meiner Gesprächspartnerin in Sachen Most. Sie selbst moste noch jedes Jahr einige Hektoliter für den privaten Gebrauch. Und so nebenbei erfahre ich, dass es hier in der Region noch mehr als 100 verschiedene Birnensorten gibt, von denen sich aber nur ein knappes Dutzend effektiv für die Mostherstellung eignet. Und mehr mit einem Augenzwinkern weist sie mich auf ein weiteres Phänomen hin. Immer wieder gebe es Streitigkeiten unter den Bauern, erklärt sie mir. Der Grund dafür sei die »Neidzeile«. Um Ackerfläche zu sparen, habe man früher die Bäume immer dicht entlang der Grenzen gepflanzt und zu Erntezeit gebe es regelmäßig Differenzen darüber, wem die Früchte nun gehören, die auf der anderen Ackerfläche oder des Weges landen.

Am Nachmittag nehme ich den ersten Kontakt mit der Wachau auf. Einer der schönsten Landstriche Europas soll mich dort erwarten, so beschreibt es zumindest mein Reiseführer. Aber zunächst erwarten mich jede Menge anderer Touristen. Die Landschaft und das reichliche Vorhandensein historischer Bausubstanz sind nicht allein der Grund dafür, warum die Besucher die Wachau geradezu überrennen, aber Wald, Most-, und Weinviertel links liegen lassen. Diese Gegend entlang der Donau war in den Fünfzigern und Sechzigern Kulisse für so manchen cineastischen Kassenschlager. Auch Teile der »Sissi«-Verfilmung mit Romy Schneider und Karlheinz Böhm wurden in der Wachau gedreht.

Ein Denkmal fürs Obst im Amstetten: Den Menschen im Mostviertel hat die Birne einiges an Wohlstand gebracht.


Das TF-Partnerhaus »Drei Hacken« in Yspertal bietet eine gute Basis für Touren durch Mostviertel und Wachau.


Eine der architektonischen Glanzpunkte ist zweifellos die Benediktinerabtei Stift Melk, und das merkt man dem prächtigen sakralen Bau auch an, der jeden Tag von ganzen Touristenscharen bestürmt wird. Heute haben vier der ellenlangen Fluss- Kreuzfahrtschiffe vor dem Stift am Ufer der Donau festgemacht. Nein, ich will mich nicht mit diesen Massen durch das Wahrzeichen des Weltkulturerbes Wachau drängeln.

Bei dem schönen Wetter drehe ich lieber noch eine Runde durch die Weinberge, für die die Wachau auch bekannt ist. Kurz hinter Melk geht es auf die andere Seite der Donau. Ich fahre noch ein Stück stromaufwärts und biege kurz darauf Richtung Weitenegg ab. Die 216 ist eine kurvige Straße und führt mich durch Orte mit einprägenden Namen wie »Am Schuß« oder »Streitwiesen « und einige Kilometer weiter lande ich am späten Nachmittag wieder in Yspertal. Jetzt wird mir auch klar, warum Andreas am Vormittag so unruhig war. Der Wirt des TF-Partnerhauses hat für seine Gäste aufgefahren und den Grill angeschmissen. Es wird ein langer Abend im Drei Hacken und zu später Stunde entwickelt sich unter den Gästen eine kurzweilige Tauschbörse für Motorrad-Geschichten.

Ich habe noch einen Tag. Das Wetter passt und mein Ziel ist das kleine Motorrad- Museum in Krems-Egelsee. Durch kleine Straßen, die sich durch die Weinberge ziehen, taste ich mich mithilfe des GPS an den Ort heran. Andreas hat für mich einen Termin vereinbart, außerhalb von Samstagen wie auch Sonn-, und Feiertagen (April bis Oktober) bleibt das Museum geschlossen. An die 160 Motorräder und 220 Motoren bilden in den Räumen die Geschichte des Motorrades ab. 1960 begann die Sammelleidenschaft von Herbert Kirchmayer, der das Museum 1984 auch für die Öffentlichkeit zugänglich machte. Das älteste Stück, eine Bock & Hollender, wird in drei Jahren 120 Lenze alt. Motorrad- Enthusiast Kirchmayer fokussierte sei- ne Sammelleidenschaft hauptsächlich auf Zweiräder »made in Österreich«. Weit mehr als 50 Prozent der Exponate kommen aus der Fabrikation von Puch, KTM, Lohner und HWM.

Birne zum Trinken: Als Most gibt es das vielseitige Obst in den allerlei Varianten.



Nur 600 Besucher im Jahr – das Museum ist für ihn Liebhaberei und Enthusiasmus, erklärt Christian Kirchmayer


Die Sammlung zeigt mir Christian Kirchmayer, der die Tradition seines Vaters im Museum fortsetzt. Als ich ihn frage, wie viele zweiradinteressierte Besucher den Weg jährlich nach Egelsee finden, lacht er und schätzt die Zahl auf 600. Es seien Liebhaberei und Enthusiasmus, eine Gewinnabsicht stecke sicher nicht hinter dem Engagement. Wir reden noch eine Weile, mein Gegenüber spricht über Details und Besonderheiten von einigen Motorrädern im Museum.

Mit der KTM durchstreife ich im Anschluss auf kleinen Straßen die sonnigen Steinterrassen, auf den die Reben gedeihen. Die Hälfte der besten Weingüter Europas soll es in der Wachau geben, weiß der Feinschmecker-Führer Gault-Millau zu berichten. Dass sich in dieser Region auch einige der besten Restaurants Österreich befinden sollen, verwundert da nicht. Mich zieht es mehr in eine Heurigenschenke, wo ich ganz traditionell ein Wiener Schnitzel – wenn man schon in der Nähe der Stadt ist – und zum Nachtisch Kaiserschmarren bestelle.

Der Nachmittag gehört dem puren Vergnügen. Ich scheuche die KTM über kleine kurvige Straßen, achte dabei nicht auf mein Navi, sondern fahre nach Intuition. Rechts oder links abbiegen ist reine Gefühlssache. Ich lasse es einfach rollen, Wetter, Straßen, Spaß – alles passt, denn morgen geht es leider schon wieder zurück. Der Abschied von Andreas ist herzlich und er verspricht mir mehr Zeit und eine gemeinsame Tagestour, wenn ich ihn wieder besuche. Die ersten Kilometer der Heimreise führen mich aber nochmals auf die südliche Seite der Donau. Ich habe eine Verabredung mit dem Mostbaron vom »Mostg’wölb«. Schließlich müssen noch ein paar Flaschen vom alkoholischen Birnensaft ins Gepäck, bevor es nach Hause geht.

Zweirad-Geschichte: 160 historische Motorräder sind in Krems-Egelsee ausgestellt.


Allgemeines

Das Mostviertel ist Niederösterreichs westlichste Region. Es wird von ca. 300.000 Obstbäumen geprägt und im Norden von der Donau, westlich von Oberösterreich und südlich von der Steiermark begrenzt. Im Osten stößt das Mostviertel an den Wienerwald. Es ist das größte Mostbirnen-Anbaugebiet Europas. Ein Highlight ist die Moststraße, die in einem Rundkurs von ca. 200 km durch das Viertel führt. Auf die gute Qualität des Birnenmostes achten die 21 Mostbarone, die sich einem besonders hohen Standard bei der Erzeugung von Birnenmost verschrieben haben. Verliehen wird diese Auszeichnung an Produzenten, Edelbrenner, Hoteliers und Gastronomen.

Anreise

Von Norden geht es über die A 3 Richtung Passau, weiter in Österreich führt die A 8 bzw. A 25 nach Linz, im Anschluss geht es über die A 1 bis Amstetten. Wer aus dem Südwesten kommt, fährt ab München über die A 94 (B 20, B 12) bis Braunau am Inn, von dort geht es in Österreich weiter über die Bundesstraße 141 sowie die Autobahnen A 8, A 25, A 1. Auf österreichischen Autobahnen besteht Vignettenpflicht. Das »Pickerl« kostet für ein Motorrad 5,30 Euro (zehn Tage), oder 13,40 Euro (zwei Monate).

Klima und Reisezeit

Für Reisen in das Mostviertel bzw. nach Niederösterreich eignen sich die Monate von Ende April bis Ende September. Im Frühling zur Obstbaumblüte liegt das Land unter einer »weißen Decke«. Im Herbst wird das Obst geerntet – wie auch der Wein in der benachbarten Wachau, wobei das Land sich in Herbstfarben zeigt. Das Wetter wird vom mitteleuropäischen Klima bestimmt. Die durchschnittlichen Temperaturen liegen im Frühjahr und Herbst bei 18 bis 20 Grad, wobei das Thermometer in den Sommermonaten auf bis zu 25 bis 28 Grad ansteigt.

Unterkünfte

Wer wie der Autor das TF-Partnerhaus »Pension Gasthof Drei Hacken« in Yspertal als Basis nutzen möchte, hat einen zentralen Punkt für Ausfahrten in das Mostviertel oder die Wachau. Gastwirt Andreas Starkmann hält zudem an die 10.000 Kilometer Tourenvorschläge bereit. Weitere TF-Partnerhäuser nahe der Route sind »Perbersdorfer Heuriger – Hotel« in Neuhofen und »Hotel Goldener Löwe« in Türnitz – weitere Infos unter www.tourenfahrer-hotels.de.

Haltepunkte

Wer sich für historische Zweiräder interessiert, der sollte beim »Motorrad-Museum Krems-Egelsee« vorbeischauen. Die Familie Kirchmayr hat über ein halbes Jahrhundert mehr als 160 historische Motorräder und 220 Motoren gesammelt. Dieses Kleinod der Zeitgeschichte hat in der Zeit von April bis Oktober gegen telefonische Voranmeldung geöffnet. Ein Ort der Gemütlichkeit sind die Heurigen, die bei einem Aufenthalt im Mostviertel oder in der Wachau unbedingt besucht werden sollten. Eigentlich ist ein Heuriger nicht mehr als eine Gaststätte – aber mit einem speziellen Flair. Dort serviert man dem Gast neben Wein und Most auch kulinarische Köstlichkeiten.

Ein Glanzpunkt barocker Baukunst ist die Benediktinerabtei Stift Melk, Wahrzeichen des UNESCO-Weltkulturerbes Wachau. Dem ensprechend groß ist der Besucher andrang, wodurch der kulturelle Genuss durchaus getrübt werden kann.

Literatur / Karte

Gunnar Strunz: Niederösterreich, Trescher Verlag, 3. Auflage (2017), ISBN: 978-3-89794-363-6, 16,95 Euro.
Auto + Freizeitkarte Niederösterreich, M.: 1:150.000, freytag & berndt, ISBN: 978-3-7079-1521-1, 10,90 Euro.