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VINYL Lebt


Audio Video Foto Bild - epaper ⋅ Ausgabe 7/2019 vom 05.06.2019

Über dreiMillionen Schallplatten gehen mittlerweile jedes Jahr über die Ladentresen. Hier fifinden Sieaktuelle Plattenspieler ab 200 Euro im Test.


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Bildquelle: Audio Video Foto Bild, Ausgabe 7/2019

Das Comeback der Schallplatte ist ein Phänomen. In den 90ern verschwand der 70 Jahre alte Tonträger nahezu komplett vom Markt – zuerst verdrängt von der CD; Musik-Downloads und -Streams schienen dem Vinyl den Rest zu geben. Nur ein paar unerschütterliche Audiophile und traditionsbewusste DJs blieben der schwarzen Scheibe treu.

Ein gigantisches Plattenlager

Dann drehte sich der Wind: CDs galten als kühl und langweilig, und Downloads wie auch Streams sind ...

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... nichts zum Anfassen. Und plötzlich war Vinyl wieder da: Die Schallplatten gab’s nicht mehr nur in wenigen kleinen Läden, auch Saturn und andere große Märkte räumten den schwarzen Scheiben wieder immer mehr Platz ein.

Es gibt zwar längst nicht jede Neuveröffentlichung auch auf Vinyl, die Auswahl ist aber erstaunlich groß, gerade im Bereich der „Erwachsenen-Popmusik“. Auch vereinzelte Jazz- und Klassik-Alben kommen neu auf den Markt.

Und dann gibt’s noch den schier unendlichen Fundus an Schallplatten, der in den vergangenen Jahrzehnten produziert wurde. Der wird gehortet, vererbt, im Internet gehandelt und auf Flohmärkten verscherbelt (siehe Tipps auf Seite 54).


„Mit Vinyl bleibt Musik anfassbar. Das Knistern gehört für mich dazu.“Florian Rüttinger Geschäftsführender Redakteur mit „Chet“ von Chet Baker (1959)


Logisch, dass damit die Nachfrage nach Plattenspielern wächst – und nach fundierten Tests wie diesem. Zumal es ein spektakuläres Comeback gibt: Die Panasonic-Tochter Technics war längst von der Bühne abgetreten, feiert jetzt aber wieder mit neuen Plattenspielern große Erfolge. Im Test ist mit dem SL-1500C das neueste Modell – nicht etwa eine Auftragsproduktion mit Technics-Aufkleber, sondern ein durch und durch eigenständiges, traumhaft verarbeitetes Stück Mechanik aus dem Panasonic-Konzern. Mit knapp 1000 Euro ist der Spaß freilich nicht billig.

Antrieb direkt oder per Riemen

Einen ganz ähnlich aussehenden Plattenspieler gibt’s auch schon für nicht mal 300 Euro von Audio Technica. Der brandneue AT-LP120XUSB arbeitet wie die Technics-Modelle mit Direkt- Antrieb. Dabei mündet die Motorachse unmittelbar in die Plattentellerachse. Mit dieser Technik lässt sich die Drehzahl sehr konstant halten; außerdem kommen Direkttriebler flott auf Touren – wichtig für DJs.

Die anderen Plattenspieler im Test arbeiten wie die meisten aktuellen Modelle mit Riemenantrieb. Da können die Hersteller günstige Motoren verwenden, zudem lässt der Riemen weniger Motorvibrationen zum Plattenteller durchdringen. Bei günstigen Geräten mit leichtem Plattenteller besteht jedoch die Gefahr, dass die Drehzahl schwankt und die Musik hörbar leiert.

Im Test war davon glücklicherweise nichts zu hören. Schon beim ebenfalls brandneuen Sony PS-LX310BT für gerade mal 200 Euro machte der Antrieb einen soliden Eindruck. Der Tonarm dagegen zeigt, wo Sony gespart hat: Die Lager sind wackelig, die Auflagekraft ist nicht einstellbar. Ganz frei von Lagerspiel waren auch die Tonarme von Audio Technica, Denon und Yamaha nicht. Pro-Ject beweist dagegen, dass auch günstige Plattenspieler mit präziser Mechanik punkten können.

Gut eingekauft: Die Tonabnehmer

Erstaunliche Einigkeit herrschte im Test bei den Tonabnehmern – diese kleinen Bauteile am vorderen Ende des Tonarms setzen die Schwingungen der Nadel in elektrische Ströme um. Alle Testkandidaten haben fix und fertig montierte Tonabnehmer, sodass auch Laien die Plattenspieler problemlos und ohne Justage-Kenntnisse in Betrieb nehmen können.

Die meisten Hersteller nutzen Tonabnehmer von Audio Technica. Das ist nicht verwunderlich, denn die Auswahl auf dem Markt ist überschaubar. Pro- Jec und Technics kaufen bei Ortofon in Dänemark – ebenfalls eine gute Wahl.

Die Tonabnehmer arbeiten durchweg nach dem sogenanntenM oving-M agnet-( MM-)Prinzip. Das ist die gängige Bauform im bezahlbaren Preisbereich. Im Gegensatz zu teurenM oving-C oil- (MC-)Abtastern haben MM-Systeme einfach tauschbare Nadeln. Die kosten 20 bis 30 Euro, ein Austausch empfiehlt sich nach 500 bis 1000 abgespielten Schallplatten.

Problemloser Anschluss

Hat die vorhandene Stereo-Anlage überhaupt noch einen sogenannten Phono-Anschluss für Plattenspieler, ist der in der Regel für MM-Systeme ausgelegt. Eine Umschaltung für die viel leiseren MCs haben nur teure Verstärker.

Damit die Verbindung auch mit modernen Anlagen und Lautsprechern ohne Plattenspieler-Eingang klappt, haben bis auf den Dual alle getesteten Modelle eingebaute Vorverstärker. Sony überträgt den Ton auf Wunsch sogar auf Bluetooth-Lautsprecher, Yamaha ins WLAN. Das ist originell und in Einzelfällen praktisch, vom Analog-Feeling bleibt damit freilich wenig übrig.[cdl]

FAZIT

Die solide und präzise gefertigte Mecha nik des Technics macht sich bezahlt: Im Test klang er klar am besten, gefolgt vom minimalistischen Pro-Ject. Die anderen klangen weniger genau und etwas verwa schen, Spaß machen sie trotzdem. Ob Mu sik von Vinyl besser klingt als etwa ein In ternet-Stream? Eine objektive Antwort da rauf gibt es nicht; es klingt anders. Vinyl erfordert jedenfalls mehr Umsicht und Hingabe und lässt sich nicht so beiläufig wie ein Stream konsumieren. Außerdem bieten Schallplatten auch viel fürs Auge – und das hört ja bekanntlich mit.

CROSLEY BERMUDA: SCHÖNE NOSTALGIE

Der US-Hersteller Crosley spielt in einer eigenen Liga – in der es weniger ernsthaft als bei Technics, Sony & Co. zugeht. Das neue Modell Bermuda etwa ist der größte von mehreren Koffer- Plattenspielern. Vier angeschraubte Holzfüße machen ihn zum Tonmöbel. Das taugt aber eher zur Deko als zum Hörgenuss. Der Plattenspieler ist von billigster Machart, der eingebaute Lautsprecher ebenfalls. Es plärrt und scheppert, dass man kaum eine ganze Plattenseite hören mag. Aber was will man für einen Preis von 250 Euro schon erwarten?

8 PLATTENSPIELER im Vergleich

PLATTENSPIELER & VINYL: DAS MÜSSEN SIE WISSEN!

Das Schöne an der analogen Technik: Man kann sie anfassen und ihr bei der Arbeit zusehen. Sie ist aber auch sensibel, die eingepressten Schwingungen in der Vinylrille haben bei hohen Tönen eine Auslenkung von nur wenigen Millionsteln Metern. Entsprechend leidet der Klang durch jede Schieflage, Vibration und andere mechanische Störungen. Hier sehen Sie, wie Sie Probleme vermeiden.

PLATTENSPIELER waagerecht aufstellen

Gerade Unterlage: Plattenspieler gehören auf eine ebene, in allen Richtungen exakt waagerecht ausgerichtete Unterlage. Das lässt sich mit runden Wasserwagen („Libellen“) kontrollieren, mit etwas Umsicht tut’s auch die Wasserwaage aus dem Baumarkt.

ABTAST-NADEL regelmäßig reinigen

Abbürsten: Die Nadel holt nicht nur wundervolle Klänge aus der Rille, sondern auch weniger wundervollen Staub. Den sollten Sie mit einer nicht zu weichen Nadelbürste entfernen, am besten nach jeder Plattenseite. Vorsicht bei Plattenbürsten und -tüchern! Die reiben den Staub in die Rille. Wenn Sie Ihre Platten sorgfältig behandeln, kommen Sie mit einer Nadelbürste aus.

ANSCHLÜSSE für jede Anlage

Eingebaute Vorverstärker: Tonabnehmer liefern viel kleinere Ausgangsspannungen als etwa CD-Spieler. Außerdem sind in einem genau festgelegten Verhältnis (RIAA-Kurve) auf Schallplatten Bässe zu leise und Höhen zu laut aufgenommen. Viele aktuelle Plattenspieler haben Vorverstärker eingebaut, die all das ausgleichen. Die lassen sich an jeden Stereo-Eingang anschließen. Fehlt der Vorverstärker, ist an der Stereo-Anlage ein Phono-Eingang erforderlich.

ANTRIEBSRIEMEN nicht anfassen

Vorsichtig umlegen: In den meisten Plattenspielern treibt ein Gummiriemen den Plattenteller an. Vor der ersten Inbetriebnahme müssen Sie den über die Motorachse legen. Dazu klebt oft ein Streifen Plastikfolie an der Aussparung im Teller, über die der Riemen zugänglich ist. Fehlt diese Folie, sind dünne Baumwollhandschuhe ideal.

GEWICHT richtig einstellen

Auflagekraft: Über das Gewicht am Ende des Tonarms lässt sich die Auflagekraft einstellen, mit der die Nadel durch die Rille pflügt: Dazu stellen Sie das Gewicht zunächst so ein, dass der Tonarm in der Schwebe bleibt. Nun drehen Sie nur die Skala vor dem Gewicht in Nullstellung, anschließend Gewicht mitsamt Skala auf den vom Hersteller empfohlenen Wert, meist 2 bis 2,5 Millinewton.


Fotos: iStock