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Virage Linux: Musikalisch


LinuxUser - epaper ⋅ Ausgabe 4/2020 vom 19.03.2020

Virage Linux richtet sich an Musiker, die eine quelloffene Digital Audio Workstation nutzen möchten.


Digital Audio Workstation Virage Linux

Artikelbild für den Artikel "Virage Linux: Musikalisch" aus der Ausgabe 4/2020 von LinuxUser. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: LinuxUser, Ausgabe 4/2020

© spectral, 123RF

Längst besitzt der Computer auch bei Musikern und Tontechnikern einen hohen Stellenwert. Spezielle Software wie etwa Cubase des Herstellers Steinberg oder das früher von der Firma Emagic entwickelte und inzwischen dem Apple- Imperium einverleibte Logic genießen bei Kreativen und Audiophilen einen ausgezeichneten Ruf und kommen daher in Tonstudios zum Einsatz.

Da es diese Standardanwendungen nicht für Linux gibt, haben sich das freie Betriebssystem und ...

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... quelloffene Software in Musikstudios bislang nur in Nischen etabliert. Doch mit Virage Linux . gibt es nun eine spezielle Linux-Distribution für Kreative aus der Musikbranche, die als ausgewachsene Digital Audio Workstation (DAW) den etablierten Programmen Konkurrenz machen möchte.

Technisches

Professionelle Musikproduktionssoftware geht in ihrem Funktionsumfang weit über das Spektrum der althergebrachten analogen Mischpulte hinaus. Die einschlägigen Programme beherrschen den kompletten Workflow, von der Aufnahme über das Arrangement und Abmischen bis hin zum Mastern. Mit ihrer Hilfe lassen sich Audiodateien schneiden und transkodieren, wobei die Software meist zahlreiche Dateiformate für jeden Anspruch unterstützt.

Der PC ersetzt dabei größtenteils voluminöse Mischpulte mit Hunderten von Schiebereglern: Die Bedienung der Slider und Knöpfe am Bildschirm erfolgt überwiegend mit der Maus, die Ergebnisse stehen in Echtzeit zur Verfügung. Mehrere MIDI-Ein- und Ausgänge erleichtern Aufnahmen; durch Plugins lässt sich die DAW mit Instrumenten und Effekten nachrüsten, wobei das System idealerweise auch solche von Drittherstellern unterstützt.

Virage Linux

Mit Virage Linux bekommt der professionelle Musiker nun ein Betriebssystem an die Hand, das speziell für seine Zwecke konzipiert wurde. Es enthält eine sorgfältig zusammengestellte Programmauswahl, die alle Bereiche einer DAW abdeckt. Dabei bietet das System des spanischen Entwicklers Salvador Gómez auch die Möglichkeit, plattformfremde Applikationen zu verwenden.

Als Basis des Betriebssystems dient der „Testing“-Zweig von Devuan. Der Debian- Fork verzichtet auf Systemd und nutzt nach wie vor SysVinit als Initialisierungssystem. Über eine Echtzeit-Kernel- Modifikation minimiert Virage Linux Latenzen, die sich bei der Audiobearbeitung besonders negativ auswirken.

Sie erhalten das Betriebssystem auf der Webseite des Projekts. Die rund 1,5 GByte großen Abbilder sind als Hybrid-Images ausgelegt, die sich sowohl von DVD als auch von USB booten lassen. Das 64-Bit- System steht in Varianten für Rechner mit BIOS- und UEFI-Interface bereit.

Start frei!

Virage Linux startet zunächst in ein wenig spektakuläres Grub-Bootmenü, aus dem Sie das Live-System hochfahren. Dabei wählen Sie zwischen einer englischen und einer spanischen Lokalisierung. Anschließend bootet Virage in einen optisch modern gestalteten XFCEDesktop mit einer horizontalen Starterleiste am unteren Rand und einem herkömmlichen Panel am oberen Rand.

Bei beiden Leisten handelt es sich um das XFCE-Panel. Das am unteren Bildschirmrand haben die Entwickler so angepasst, dass es dem Desktop ein MacOS- ähnliches Aussehen verschafft 1. Der Menüknopf oben links öffnet ein Startmenü, in dem außer der Abwesenheit der Rubrik Spiele keine Besonderheiten auffallen. Erst ein Rundgang durch die einzelnen Menüs verdeutlicht, dass Virage Linux kein Allrounder sein möchte.

In den Menüs Office, Internet und Graphics finden Sie lediglich einige grundlegende Anwendungen, wie Chromium als Webbrowser und Filezilla zur Datenübertragung. Demgegenüber präsentiert sich das Menü Multimedia prall bestückt mit Software sowohl für Produzenten als auch Konsumenten von Musik.

Virage Linux 3 „Beowulf“ bootfähig auf Heft-DVD


Installation

Für die Installation auf dem Massenspeicher nutzt Virage den von Refracta Linux her bekannten gleichnamigen grafischen Assistenten, der sich im Menü System findet. Er ruft im Verlauf der Systemeinrichtung auch die Lokalisierungsroutinen auf. Dabei stellen Sie in einem Ncurses-Bildschirm sowohl die deutsche Lokalisierung des Desktops als auch die deutsche Tastaturbelegung ein.

Für unpartitionierte Festplatten ruft der Refracta-Installer Gparted auf, mit dem Sie das System nach Ihren Vorstellungen vorbereiten. Etwas gewöhnungs- bedürftig: Der Installer erfragt erst nach der Konfiguration des Bootloaders die Benutzereinstellungen, in denen Sie festlegen, ob Sie das Root-Konto aktivieren möchten und welche Nutzer sich mit welchen Passwörtern am System anmelden können. Nach einem anschließenden Warmstart lädt das System komplett deutsch lokalisiert und mit entsprechender Tastaturbelegung.

Dateien zum Artikel herunterladen unter www.linux-user.de/dl/ 44036

1 Erinnert optisch stark an Apples Systeme: die neueste Version von Virage Linux.


Software

2 LMMS öffnet mehrere Unterfenster im eigentlichen Programmfenster.


Aus der unteren Panel-Leiste starten Sie neben Chromium, Filezilla und Gimp sowie dem Terminal einige der wichtigsten Applikationen für kreative Musikproduktionen. Die beiden Echtzeit-Synthesizer Yoshimi . und Zynaddsubfx . finden sich hier ebenso wie der beliebte Audioeditor Audacity. Mit Hydrogen ist ein Schlagzeug-Sequenzer integriert, und der virtuelle Gitarrenverstärker Guitarix . verstärkt über die Soundkarte ein herkömmliches Instrument.

Mit Reaper . findet sich zudem eines der Standardprogramme für die Musikproduktion direkt in der Panel-Leiste. Allerdings handelt es sich bei Reaper nicht um freie Software, sondern um eine kommerzielle DAW. Eine Lizenz kostet je nach Anwendungsbereich 60 oder 225 US-Dollar. Die in Virage Linux implementierte Trial-Version läuft nach 60 Tagen ab. Zudem bezeichnet der Hersteller den Linux-Support als noch experimentell und empfiehlt, die Windows-Variante via Wine zu starten.

Ein weiteres plattformübergreifendes Programm zur Audioproduktion ist LMMS . Dieses unter der GPL stehende Programm umfasst einen Software-Synthesizer, einen Beat- und einen Bassline- Editor zum Anlegen von Rhythmen sowie ein MIDI-Kontrollsystem. Letzteres steuert angeschlossene externe MIDIQuellen wie beispielsweise Keyboards. LMMS führt zahlreiche vorgefertigte Synthesizer-Samples und Sounds in seinem Repertoire. Mit dem ebenfalls vorhandenen Song-Editor bearbeiten Sie die einzelnen Spuren und fügen sie anschließend zu einem Gesamtwerk zusammen 2.

Mit Carla . bringt Virage Linux einen leistungsfähigen Plugin-Host mit, über den Sie Erweiterungen zahlreicher Formate in verschiedene Audioanwendungen integrieren. Carla unterstützt dabei alle fünf unter Linux relevanten Formate für Musikproduktionssoftware inklusive LV2 und der VST-Module. Letztere bindet das System zusätzlich mithilfe von Wine ein. Aus diesem Grund bringt Virage Linux bereits ein vorkonfiguriertes Wine- Modul mit.

Typische Optik

3 Auch der Jack- Daemon ist mit an Bord und lässt sich grafisch bedienen.


Die grafische Oberfläche von Carla stellt ein Rack dar, wie es in der Musikproduktion üblich ist. Wie bei einer realen Verkabelung schafft Carla dabei über eine sogenannte Patchbay virtuelle Verbindungen zwischen allen Anschlüssen der Plugins auf der einen Seite und den eingepflegten Komponenten für Audio und MIDI auf der anderen. Inkompatible Formate zwischen den einzelnen Applikationen und Komponenten gehören damit der Vergangenheit an.

Unter der Haube setzt Virage Linux wegen dessen geringer Latenzzeiten auf den Audio-Server Jack . Mithilfe einer grafischen Schnittstelle verbindet der Jack-Daemon dabei unterschiedliche Anwendungen und Schnittstellen. Mit Qjackctl, das Sie ebenfalls in der unteren XFCE-Leiste finden, geschieht das mit wenigen Mausklicks 3.

Darüber hinaus finden Sie mit Jamin ein Interface für das Mastern von Audiospuren mit Jack. Mit Meterbridge enthält das Betriebssystem zudem ein einfaches grafisches VU-Meter für den Audio-Server. Neben den professionellen Applikationen zur Musikproduktion enthalten die Menüs auch einige Anwendungen zum Abspielen von Audio- und Videodateien: Neben Audacious findet sich im Menü Multimedia außerdem der flexible Mediaplayer VLC.

Systemwartung

Neben den Kreativprogrammen bietet Virage Linux solide Hausmannskost für die allgemeine Systemverwaltung. So enthält das System mit Bleachbit ein Werkzeug für das Löschen nicht mehr benötigter Dateien, und über ein kleines Programm mit dem sperrigen Namen Thunar-Massenumbenennen lassen sich schnell mehrere Dateien in einem Rutsch umbenennen.

Für das Paketmanagement steht das grafische Frontend Synaptic bereit, das bei Bedarf eine große Zahl von Paketquellen einbindet. Dabei handelt es sich vorwiegend um Repositories, die Anwendungen für kreative Produktionen bereitstellen, wie beispielsweise die Archive von KXStudio 4.

Fazit

Mit Virage Linux sind kreative audiophile Köpfe nicht mehr auf ein proprietäres Betriebssystem angewiesen, wenn es um Musikproduktion geht. Das System umfasst schon in der Standardkonfiguration zahlreiche professionelle Anwendungen, sodass Musiker ohne lästiges manuelles Nachinstallieren sofort loslegen können.

Fehlt trotzdem noch eine Applikation für spezielle Zwecke, bietet die um diverse Quellen erweiterte Paketverwaltung Synaptic eine große Auswahl. Dabei haben die Entwickler auch die Repositories des Projekts KXStudio eingebunden, sodass spätestens nach ein paar Mausklicks faktisch alle gängigen und unter Linux verfügbaren Applikationen zur Musikproduktion auf dem Rechner bereitstehen. (cla) ■

Weitere Infos und interessante Links www.linux-user.de/qr/ 44036

4 Virage Linux hat bereits viele Paketquellen eingepflegt.

README

Linux gehört für Profi-Musiker und Tontechniker bislang nicht zu den bevorzugten Plattformen. Mit dem Devuan-Derivat Virage Linux könnte sich das jetzt ändern.

Lokalisierung

Nach dem Start sollten Sie als Erstes die englische Tastaturbelegung auf Deutsch umstellen, um fehlerhafte Eingaben insbesondere bei Passwörtern zu vermeiden. Dazu nutzen Sie im Dialog Settings | Keyboard den Reiter Layout. Dort fügen Sie die deutsche Tastaturbelegung über den Add-Button unten links ein und löschen die englische. Virage Linux übernimmt die Änderungen sofort, sodass Sie ohne zusätzlichen Neustart auch im Terminal die deutsche Tastaturbelegung vorfinden.