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Viscount Legend ‘70s: Modulares Stagepiano


OKEY - epaper ⋅ Ausgabe 157/2020 vom 09.10.2020

Nach den erfolgreichen Legend Drawbar-Orgeln erweitert der italienische Hersteller Viscount die Modellreihe jetzt um einige Stage Pianos. Das neue an den Legend 70s getauften Modellen ist dabei der modulare Aufbau. Der Kunde kann - zumindest in einem gewissen Rahmen - selbst bestimmen, welche der verfügbaren Klangmodule er in seinem Legend ‘70s Piano haben möchte und an welcher Position auf dem Bedienfeld er diese positioniert. Das Stagepiano vom Maßschneider?


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Bildquelle: OKEY, Ausgabe 157/2020

Der Zusatz ‘70s in der Modellbezeichnung deutet es ja schon an: Vintage Sound ist angesagt - und zwar insbesondere der Sound der legendären ...

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... Stagepiano Typen wie Rhodes, Wurlitzer, aber natürlich auch die DX-Pianosounds, womit wir dann aber schon in den 1980er Jahren angekommen wären und ohne die kaum eine Hitballade dieses musikalisch so bunten Jahrzehnts auskam. Das EPiano Soundmodul ist dann auch Standard in allen Legend ‘70s Varianten, die Viscount anbietet.

Die Idee hinter Legend ‘70s ist ein modulares Konzept. Es gibt zwei Basis- Modelle, nämlich das Compact mit einer 73er Tastatur und das Artist mit 88 Tasten. Letzteres ist als Artist-W („wood“) auch mit einer Klaviatur mit Echtholz-Tastenkernen erhältlich.

Die Idee: Die Basis-Modelle bieten bereits eine klangliche Grundausstattung und können dann nach Bedarf mit weiteren Soundmodulen erweitert werden. Der Einbau eines Moduls ist schnell erledigt und man braucht dafür auch kein „Fachmann“ zu sein: ein paar Schrauben lösen, um die obere Metallschiene abzunehmen, die die Befestigungsschrauben der einzelnen Modulschächte abdeckt, dann das neue Modul mittels Flachbandkabel im gewünschten Schacht einstecken, das Modul in die Frontplatte einsetzen und mit 2 Schrauben fixieren, dann die Metallschiene wieder drüberschrauben - fertig. Das ist in wenigen Minuten erledigt. Die Anordnung der Module kann dabei sogar nahezu beliebig erfolgen, so kann man z.B. die Module, die man besonders häufig benötigt griffgünstig in der Mitte des Bedienfeldes platzieren, seltener benötigte vielleicht eher ganz nach rechts. Die Anordnung lässt sich auch durchaus nachträglich ändern: Es gibt ein Erkennungsprogramm, mit dem das Instrument die eingebauten Module und deren Positionen scannt und sich dann darauf einstellt. Sogar bereits erstellte Klangprogramme werden dabei automatisch auf die neue Anordnung angepasst. Nicht benutzte Modulpositionen werden durch entsprechende Blenden abgedeckt. Und wer Angst hat, dass das alles irgendwie Bastelcharakter hat: weit gefehlt! Die Verarbeitung des Instrumentes wie auch der Module ist makellos. Solide Metall- Frontplatten und griffige Bedienelemente vermitteln einen guten Eindruck, der sich beim täglichen Arbeiten mit dem Instrument noch bestätigt.

Zur Erklärung sein noch erwähnt, dass jedes Modul nur einmal vorhanden sein kann. Wer also meint, etwa mit einem zweiten Sound Collection Modul vier Sounds aus dieser Auswahl gleichzeitig spielen zu können, den muss ich leider enttäuschen…

In allen Modellen vorhanden ist zunächst das Basis-Modul, das die Steuerung für das gesamte Piano inkl. LCD-Display, Editierfunktionen und die Program- (Preset-) bzw. SONG-Verwaltung (bis zu vier Programs lassen sich in einem Song kombinieren) zur Verfügung stellt. Darüber hinaus enthält dieses Modul auch die Audio-Sektion mit zwei Effekt-DSPs, die sich wahlweise parallel oder in Reihenschaltung betreiben lassen sowie den globalen Hall und einen dreibändigen Summen-Equalizer zur Anpassung des Gesamtsounds. Alle Effekt-Sektionen lassen sich über entsprechende Bedienelemente in Echtzeit steuern und anpassen. Dazu kommen dann die Soundmodule: In den Basis-Versionen sind es jeweils die Module Electric Piano und Sound Collection, in den erweiterten EXModellen kommen Acoustic Piano und Clavi-Modul (beim Compact EX) bzw. auch noch das External Modul (Artist EX) dazu. Grundsätzlich ist die Modul- Auswahl aber bei allen Modellen flexibel und austauschbar. Die Basis-Modelle können nachträglich mit weiteren Modulen erweitert werden.

Die Legend ‘70s Tastaturen stammen von Fatar, bieten natürlich eine Hammermechanik (im Artist W mit Holzkerntasten graduiert gewichtet mit abnehmender Gewichtung zum Diskant hin) und drei Kontaktsensoren pro Taste für schnelle Repetitionen. Sie sind sehr angenehm und ausdrucksvoll spielbar. Trotz der Hammermechanik sind die doch recht voluminösen Instrumente nicht übermäßig schwer und damit noch relativ gut zu transportieren. Selbst das Artist W bleibt gewichtsmäßig knapp unter 20 kg!

Als Spielhilfen stehen links von der Tastatur ein Pitch- und ein Modulationsrad bereit. Das entsprechende Panel ist sehr schmal, aber dennoch lassen sich die Räder sicher im Spielbetrieb bedienen

Die Tastaturen sind an beliebiger Stelle splitbar, und die Soundmodule lassen sich im Split-Modus alternativ auf die linke oder die rechte Tastaturzone legen. Dieser Modus bietet sich an, um schnell mal zwei Klänge „nebeneinander“ auf der Tastatur zur Verfügung zu haben. Ist der Split-Modus nicht aktiviert, so lässt auf der Gesamttastatur pro Modul bzw. Sound (das Modul Sound Collection kann zwei Sounds gleichzeitig zur Verfügung stellen) eine eigener Tastaturbereich definieren, in dem der Sound aktiv ist. Somit lassen sich in diesem Modus auch Multi-Split-Kombinationen aus den verschiedenen Modulen realisieren. Insbesondere für das Sound Collection Modul ist das wertvoll, denn im Left-Right Splitmodus lassen sich die beiden gleichzeitig spielbaren Sounds dieses Moduls nicht auf die rechte und linke Seite verteilen. Hier kann nur das Modul als ganzes einer der beiden Tastaturbereiche zugewiesen werden.

Für die Legend ‘70s Modelle stehen - aktuell - insgesamt 5 verschiedene Module zur Verfügung, 4 Soundmodule und ein External-Modul zur Ansteuerung und Verwaltung externer MIDI-Sounderzeuger. Viscount verspricht, dass „viele weitere“ folgen sollen, wir dürfen also gespannt sein! Jedes Modul besitzt neben seiner eigenen, spezifischen Tonerzeugung, auf seinem Bedienpanel einen eigenen Ein-/Aus-Schalter, einen Lautstärkeregler, einen oder zwei Drehregler zur Auswahl der Klanggruppen bzw. der einzelnen Klänge (bzw. der Bank- und Program-Changes beim External Modul), sowie weitere Regler für bestimmte, modulspezifische Klangparameter oder z.B. Effekte. Jedes Modul kann wie schon angedeutet auf den linken oder rechten Bereich der gesplitteten Tastatur gelegt werden, außerdem kann es auf die Multi-Effekt-DSPs 1 und 2 geroutet werden. LEDs auf dem jeweiligen Modul zeigen die Split- Zugehörigkeit und die Zuordnung zu den Effekten an. Die derzeit verfügbaren Module im Einzelnen:

Electric Piano - Dieses Modul nutzt die aus den Viscount Physis Pianos bekannte hauseigene und patentierte Physical Modeling Technologie zur Klangerzeugung und liefert die Sounds der klassischen Stagepianos wie Rhodes, Wurlitzer, DX oder auch Electric Grand, dem der Yamaha Hybrid-Flügel CP80 mit seinem charakteristischen Sound als Vorbild dient. Insgesamt stehen 8 Modelle zur Verfügung, die weiterbearbeitet bzw. mit Effekten versehen werden können. Eine Tremolo-Sektion ist gleich im Modul selbst integriert, außerdem auch eine Amp-Emulation, mit der die E-Pianos über verschiedene virtuelle Vintage-Verstärkermodelle wiedergegeben werden können.

Das Electric Piano Modul gehört zur Standard-Ausstattung aller Legend‘70s Modelle, ist also immer mit „an Bord“. Und es klingt wirklich hervorragend! Die E-Pianos haben mir schon in Viscounts Physis Piano sehr gut gefallen, und auch hier überzeugen sie wieder! Die Originale werden sehr gut getroffen und dank der guten Effekte lassen sich alle typischen Varianten herauskitzeln.

Sound Collection - Das Allround- Modul mit einer Vielzahl verschiedener Klänge aus den Gruppen Pad, Strings, Choir, Brass, Keys, Organ, Bass und Others (u.a. Gitarren, Chromat. Percussion, usw…). Pro Kategorie gibt es zwischen 11 und 17 Einzelsounds. Wie das Acoustic Piano Modul basieren auch die Sounds der Sound Collection auf der HDS Sampling Technik. Das Modul kann dabei zwei Sounds gleichzeitig erzeugen, die sich auch separat editieren lassen: Drei Drehregler erlauben die Echtzeitkontrolle von Hüllkurven-Funktionen (Attack, Decay, Release), Filter Cutoff oder von Effekt-Intensitäten und Geschwindigkeiten, z.B. für den Rotor- Effekt bei den Tonewheel-Orgelsounds. Die Art der Parameter ist in den einzelnen Sounds festgelegt. Die drei Dreh- Controller auf dem Panel des Moduls wirken dabei immer auf den Sound, der gerade zur Bearbeitung aktiviert ist. Die Auswahl erfolgt über zwei Taster. Die entsprechenden Funktionen können aber auch auf ein Controller-Pedal gelegt und dann von dort gesteuert werden (Rotor- Umschaltung, Wah-Wah Pedal usw.).

Die Soundauswahl ist umfassend und qualitativ auch auf einem ordentlichen bis sehr guten Niveau. Besonders gut gefallen haben mir z.B. die Gitarren, Streicher und Pad-Sounds. Etwas enttäuscht war ich von den Orgel- Klängen, was vor allem an dem doch sehr „digitalen“ Rotor-Effekt lag. Aber gut, hier darf man natürlich nicht die herausragende Qualität der Legend Orgelmodelle erwarten, die ja eigens darauf „gezüchtet“ sind. Vermisst habe ich allerdings einige markante Lead-Synths. Die Pad-Abteilung ist gut vertreten, und es gibt auch einige Synthe-Brass Sounds, aber ausgesprochene Lead-Sounds sind irgendwie außen vor geblieben… oder ob das mal Thema für ein weiteres Modul wird? Warten wir es ab…

Auch das Sound Collection Modul gehört bei allen Legend‘70s Modellen zur Grundausstattung. Das Modul enthält übrigens in der „Keys“ Kategorie auch einige gute akustische Piano-Sounds. Hier sollte man ggf. ausprobieren, ob einem diese genügen und das separate Acoustic Piano Modul dadurch vielleicht entbehrlich wird und man dafür lieber (erst einmal?) auf ein anderes Modul zurückgreift.

Acoustic Piano - dieses Modul ist für die akustischen Piano Sounds zuständig. Hierbei setzt Viscount allerdings nicht - wie z.B. im Physis Piano - auf Physical Modeling, sondern auf eine samplebasierte Tonerzeugung. Viscount nennt es HDS „High Definition Sampling“ und verspricht eine besonders hohe Auflösung der Samples. Insgesamt sind 8 verschiedene Piano-Grundsounds vorhanden, darunter sowohl Grand Pianos, also Flügel, wie auch Upright Piano-Sounds. Das Modul ist 128- stimmig polyphon, eine Dämpfer- Resonance-Emulation sorgt für weiteren Klangrealismus. Der Dynamik-Umfang des Klanges sowie die Brillanz lassen sich direkt über Drehregler in Echtzeit kontrollieren. Auch dieses Modul kann klanglich überzeugen. Man findet eine breite Auswahl sehr ausgewogener Piano- Sounds, sowohl für Pop- wie auch für klassische Musik. Beim Physis Piano, bei dem auch die Akustik-Pianoklänge per Physical Modeling erzeugt werden, hat man zwar deutlich mehr Individualisierungsmöglichkeiten, aber wenn die Auswahl stimmig ist, kommt man auch mit weniger klar. Die hier im Legend ‘70s gebotene Auswahl ist so breit, dass man eigentlich damit alles an Piano-Soundanforderungen abdecken können sollte. Das Acoustic Piano Modul kann optional in alle Legend‘70s Modelle eingesetzt werden.

Clavi - Dem legendären elektromagnetischen Hohner Piano-Instrument „Clavinet“ widmet sich dieses Modul. Es gibt zwei Klangfaben (Clavinet Modelle D6 und E7), und über Taster sind verschiedene Filtercharakteristika zur Klangveränderung einstellbar (High-Pass, Bandpass, Low-Pass Filter). Und auch die Tonabnehmer (Upper und Lower Pickup) sind umschaltbar, bzw. kombinierbar (mit gleicher oder auch gegenläufiger Phase), um wie beim Original die entsprechenden Soundnuancen zu erzielen. Eine Mute-Funktion ist ebenfalls zuschaltbar, um einen mehr perkussiven, schnell abklingenden Ton zu erreichen.

Beim Clavinet-Modul kommt wie beim E-Piano Modul eine Physical Modeling Tonerzeugung zum Einsatz. Die Klangqualität ist auch hier sehr gut, und in der Kombination mit den Effekten und den moduleigenen Variationsmöglichkeiten sollten keine Wünsche für einen markanten Clavinet-Sound offenbleiben.

External - Dieses Modul erweitert das Legend‘70s Piano um MIDI-Masterkeyboard Funktionalitäten. Wobei - vorsicht - so ganz stimmt das auch nicht, denn die entsprechenden Funktionen sind grundsätzlich auch ohne Vorhandensein dieses Moduls bereits im Menü des Basismoduls vorhanden. Aber das Modul bietet eben die Möglichkeit, die MIDI-Sounds über ein eigenes Bedienfeld in Echtzeit kontrollieren zu können, so wie das bei den verschiedenen internen Soundmodulen auch möglich ist. Das External Modul ähnelt dabei nicht zufällig von der Anordnung der Bedienorgane dem Sound Collection Modul: Wie bei diesem lassen sich auch hier bis zu zwei Sounds bzw. Zonen gleichzeitig verwalten. Diese stammen nur eben nicht aus einer eigenen Tonerzeugung, sondern werden via MIDI auf einem angeschlossenen MIDI-Tonerzeuger angesprochen. Mittels Drehreglern auf dem Panel des Moduls lassen sich die Lautstärke und für beide Sounds die notwendigen Parameter wie Bank MSB / LSB, MIDI-Kanal und Port (USB oder MIDI-Buchsen) sowie die Program Chance Nummer festlegen. Auch auf diesem Modul gibt es drei Controller-Regler, um z.B. bestimmte Klangparameter zu steuern. Die jeweils zu sendenden MIDI-Controllernummern lassen sich ebenfalls pro Sound für jeden dieser drei Regler festlegen. Man kann auf diese Weise also zwei externe Soundprogramme nebst Echtzeitparametersteuerung recht flexibel in seine Performance auf dem Legend ‘70s einbinden.

Soweit also die bisherige Modulauswahl für die Legend‘70s Stagepianos,

mit der sich schon ein breites Einsatzgebiet abdecken lässt. Dennoch sind wir natürlich gespannt, welche Module Viscount künftig noch ergänzen wird. Denn je breiter die Auswahl hier letztlich sein wird, desto interessanter wird letztlich auch das modulare Konzept dieser Pianos. Spätestens an dieser Stelle macht es natürlich Sinn, ein Blick auf die Preise zu werfen: Das Legend‘70s Compact mit 73er Tastatur kostet mit den beiden Soundmodulen Electric Piano und Sound Collection 1.690,- EUR (UVP). Dieses Modell kann aufgrund der geringeren Gehäusebreite mit bis zu zwei weiteren Modulen bestückt werden. Für das Artist mit 88 Tasten und gleicher Soundmodul-Ausstattung verlangt Viscount 1.890,- EUR und das Artist-W mit Holzkern-Tastatur liegt bei 2.190,- EUR. Hier sind jeweils drei weitere Module einsetzbar. In den EX-Versionen bieten die Legend‘70s Pianos bereits eine erweiterte Modul-Ausstattung. Beim Compact sind dies das Acoustic Piano und das Clavi-Modul, beim Artist kommt noch das External Modul dazu, womit diese Modelle alle derzeit lieferbaren Module enthalten. Der Preis für das Topmodell Artist W EX mit 88 Holztasten und allen 5 Modulen liegt bei 2.666,- EUR. Zum Vergleich gibt es ein - von der Ausstattung (Holztastatur, mehrere frei kombinierbare Sound- Engines) am ehesten vergleichbares - Yamaha CP88 bereits für knapp über 2000,- EUR. Allerdings sind es dort dann maximal drei Sound-Engines gleichzeitig, es gibt nur insgesamt eine 128-stimmige Polyphonie und auch einige weitere Unterschiede, die nicht unbedingt einen wirklich verlässlichen Vergleich zulassen. Das Legend‘70s kann hier eine größere Flexibilität in die Waagschale werfen, die mit der Verfügbarkeit weiterer Soundmodule in der Zukunft noch wachsen kann. Die Rechnung kann also trotz des absolut gesehen höheren Preises je nach Anforderung durchaus für das Viscount Piano aufgehen.

Die Kosten für die einzelnen derzeit lieferbaren Zusatzmodule liegen übrigens bei 295,- EUR für das Acoustic Piano Modul und je 159,- EUR für Clavinet bzw. External Modul.

Wenngleich das Legend ‘70s Piano seine Sounds aus mehreren für sich separierten Soundmodulen generiert, lassen sich natürlich auch komplette Einstellungen des Instrumentes abspeichern und auf „Knopfdruck“ wieder hervorzaubern. Da sind zunächst die Programs, also die Klang- Presets, von denen man 16 x 16 einzelne im Instrument vorhalten kann. Ein Programm entspricht dabei einer Kompletteinstellung des Pianos, bestehend aus den Sounds der einzelnen Module, den dort festgelegten moduleigenen Parametereinstellungen und den übergeordneten Einstellungen wie Splitund Tastaturzonenfestlegung, Effekt- DSP-Konfiguration, Zuordnung der Sounds zu den Effekten, und den sonstigen über das Display einstellbare Parameter.

Bis zu 4 Programs lassen sich darüber hinaus in sog. Songs zusammenfassen. So kann man mehrere Programs, die man für einen bestimmten Titel benötigt in einem solchen Song zusammenstellen, um diese Einstellungen dann für den Live-Einsatz direkt im Zugriff zu haben. Für die 4 Program-Positionen im Song gibt es nämlich eigene kleine Anwahltaster auf dem Bedienfeld - praktisch!

Werfen wir abschließend noch einen Blick auf die Anschlüsse: Die Legend ‘70s Modelle bieten einen Stereo-Line- Ausgang und einen zusätzlichen Stereo- Ausgang (Aux), auf den einzelne Soundmodule geroutet werden können (unter Umgehung der internen Effekte). So können Klänge auch separat abgenommen und z.B. extern mit Effekten versehen werden.

Es kann zudem reichlich Fußmaschinerie angeschlossen werden: 2 frei belegbare Fußtaster, 2 belegbare Fußcontroller (Schweller), 1 Sustain-Taster und ein Taster zum Weiter- bzw. Zuzrückschalten in der Program- Abfolge.

MIDI-Verbindungen können wahlweise über die klassischen DIN-Buchsen oder über USB-to-Host hergestellt werden. Eine USB-to-Device Buchse nimmt USB Sticks auf, um hier User-Daten abzuspeichern bzw. einzuladen. Man kann die Buchse aber auch nutzen, um sein Handy oder Tablet aufzuladen.

Was dem Legend‘70s (derzeit) noch fehlt, ist die Möglichkeit, z.B. Audio-Files (wie Play-Alongs) direkt im Instrument abzuspielen bzw. das eigene Spiel als Audio- oder MIDI-Datei aufzunehmen. Es gibt aber die Möglichkeit, über einen Audio-In (Stereo Miniklinke) einen externen Player (bzw. Smartphone oder Tablet) anzuschließen und Audio von hier aus über das Piano wiederzugeben. Audio- oder MIDI-Recording - vielleicht ein Thema für ein weiteres Modul? Warten wir ab, was den Viscount Ingenieuren noch alles einfällt…

Hersteller: Viscount

Modell: Legend ‘70s

Tastaturversionen: Compact/EX: 73 Tasten Hammermechanik Artist/EX: 88 Tasten, Hammermechanik Artist W: 88 Holzkerntasten Hammermechanik

Tonerzeugungsmodule: Electric Piano (Physical Modeling): 8 E-Piano-Modelle Sound Collection (Sampling): 10 Klanggruppen mit verschiedenen Sounds, 2 gleichzeitig spielbar Acoustic Piano (Sampling): 8 akustische Piano- Typen Clavi (Physical Modeling): 2 Clavinet-Typen External: Modul zur MIDI-Ansteuerung externer Klangerzeuger

Polyphonie: Physical Modeling Module: voll polyphon Sampling Module: 128 stimmig

Effekte: 2 Multi-Effekt DSPs frei zuweisbar, Echtzeitkontrolle, modulspezifische Effekte, Hall, 3-Band Equalizer

Gesamt-Presets: 16 x 16 Programs, 9 x 40 Songs mit je 4 Programs

Display: monochrom LCD

Anschlüsse: Stereo Main Out, Stereo Aux Out, Stereo In (Miniklinke), 2 x Foot Controller, 2 x Foot Switch, Sustain, Program +/-, MIDI In/Out, USB to Host/ to Device, Kopfhörer

Optionales Zubehör: Metallständer, Module Acoustic Piano, Clavi, External, kostenloser Software-Editor (Mac, Windows, iOS)

Maße / Gewicht: Compact: 1112 x 180 x 475 mm, 16,2 kg Artist / W: 1330 x 180 x 475 mm, 18.8 / 19.5 kg

Preis (UVP): Compact: 1.648,- EUR Compact EX: 2.038,- EUR Artist: 1.844,- EUR Artist EX: 2.369,- EUR Artist W: 2.190,- EUR Artist W EX: 2.666,- EUR

Internet: www.viscountinstruments.com

Mit der neuen Legend ‘70s Reihe setzt Viscount die mit den Legend-Orgeln geborene Modellphilosophie im Bereich Stage Piano fort. Mit dem modularen Konzept beweist man zudem Ideenreichtum, um dem User die Möglichkeit eines maßgeschneiderten Instrumentes zu ermöglichen. Sinn macht das freilich nur, wenn das Ganze im Vergleich zum Wettbewerb auch preislich aufgeht. Ein vollbestücktes Legend ‘70s rangiert preislich durchaus im Bereich höherpreisiger Stagepianos, aber dafür ist es in Sachen Ausstattung und Flexibilität auch am ehesten mit den dort angesiedelten Mitbewerbern vergleichbar. Wenn das Konzept nun weiter von Viscount gepflegt und in Form neuer Module unterstützt wird, dann wird es damit natürlich umso interessanter für die verschiedensten Anwendungsfälle. Die Qualität in Sachen Sound und Performance braucht sich jedenfalls nicht hinter dem Wettbewerb zu verstecken. Beste Voraussetzungen also für eine erfolgreiche Karriere dieser interessanten neuen Stagepianos!