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VISUALS AUS DER WISSENSCHAFT


digit! - epaper ⋅ Ausgabe 2/2020 vom 21.02.2020

Nicole Ottawa und Oliver Meckes gehören mit ihrem Unternehmen „eye of science“ zu den wenigen professionellen Mikrofotografen weltweit. Sie behaupten sich dank exzellenter Qualität in einer zunehmend umkämpften Marktnische.


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Bildquelle: digit!, Ausgabe 2/2020

Klassiker Tiere und Bakterien (im Uhrzeigersinn): Hausstaub-Milbe (400:1), Bärtierchen (400:1), Rota-Virus und Bakterium Escherichia coli (60.000:1), Anthrax-Erreger Bacillus anthracis (10.000:1), Zecke im vollgesogenen Zustand (18:1).

Darum gehts

Dinge, die man mit dem bloßen Auge nicht sehen kann, haben Oliver Meckes schon immer fasziniert. Bereits als Kind mikroskopierte er, und als ...

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... er zur Konfirmation seine erste Spiegelreflexkamera bekam, pflanzte er diese an das Okular des Mikroskops an und machte seine ersten mikrofotografischen Aufnahmen. Ein Diaprojektor mit selbstgebautem Spiegelkasten diente als Beleuchtungseinheit.

Dann verlor Meckes seine frühe Leidenschaft für Details aus dem Auge. Anfang der 80er-Jahre absolvierte der gebürtige Schwabe eine Ausbildung zum Fotoeinzelhandelskaufmann und gleich anschließend zum Fotografen. In welchen Bereich er einsteigen sollte, wusste er zunächst nicht, doch als er auf den Seiten des BFF auf die fantastischen Bildwelten des Mikrofotografie-Pioniers und BFF-Gründungsmitglieds Manfred Kage stieß, wusste er, dass er seine Bestimmung gefunden hatte. 1986 bewarb er sich erfolgreich um ein Praktikum bei Kages „Institut für wissenschaftliche Fotografie“ - und blieb. Dort lernte er die Diplom-Biologin Nicole Ottawa kennen, die dort ebenfalls ein Praktikum absolvierte. Acht Jahre lang war Meckes weitgehend eigenständig für das operative Geschäft zuständig und lernte das Handwerk der Wissenschaftsfotografie mit mikroskopischen Mitteln von der Pike auf. 1995, Meckes und Ottawa waren inzwischen ein Paar, erstanden sie für eine fünfstellige Summe ein gebrauchtes Raster-Elektronen-Mikroskop (REM), ein professionelles Lichtmikroskop sowie Labor- und Präparationsgerätschaften und machten sich unter dem Namen „eye of science“ selbstständig.

Abteilung Medizin (im Uhrzeigersinn): Lungenbläschen (1.800:1), Haut und Barthaar (120:1), Magenschleimhaut (230:1), Nierenkörperchen (460:1).

Das steckt dahinter

Nicole Ottawa und Oliver Meckes produzieren hochwertige und visuell fesselnde Mikrofotografien aus den Bereichen Mikroorganismen, Kleintiere (Insekten und Spinnentiere), Medizin, Botanik sowie technische und natürliche Materialien für den editoriellen Bereich und für Kunden aus der Industrie, welche die Bilder für Publikationen und Give-aways wie Jahresberichte, Imagebroschüren, Messepräsentationen, Kalender oder zur Raumgestaltung nutzen. Darüber hinaus vertreiben sie ihre Bilder über Stockbildagenturen wie Science Photo Library (www.science-photo.de).

Die allermeisten ihrer Bilder entstehen im REM, da nur dieses in der Lage ist, die erforderliche Auflösung zu produzieren und weil sie „räumliche Aufnahmen“ ermöglichen. Lichtmikroskope sind wegen der zu geringen Schärfentiefe nur zu zweidimensionalen Abbildungen fähig. Der Nachteil der REMs: Sie liefern lediglich Schwarzweißbilder. Erst durch die Nachkolorierung im Rechner entstehen Motive, die nicht allein wissenschaftlichen Maßstäben standhalten, sondern auch für Nichtwissenschaftler verständlich sind und vor allem den „Eyecatcher-Faktor“ besitzen. „Wir waren vermutlich die ersten, die Digital Imaging an REM-Aufnahmen gemacht haben“, sagt Meckes. „Als wir anfingen, war das extrem schwierig, auch mit hochge- rüsteten PCs waren nur Auflösungen von 2K möglich. Wir haben viel Zeit und Geld in die Verbesserung unserer Bilder gesteckt und gehörten zu den wenigen, die REM-Farbbilder anbieten konnten“, erinnert sich Meckes.“ Ein Jahr nach unserer Gründung hatten wir große Bildstrecken in Geo und Stern.“ Damals, so der „eye of science“-Gründer, habe man im editoriellen Bereich noch gutes Geld verdienen und allein von Storys in Magazinen leben können. Dank opulenten, bis zu 14-seitigen Bildstrecken und Honoraren im fünfstelligen Bereich hätten er und seine Frau sich damals manchmal mehrere Monate mit einem Thema beschäftigen können.

Blick ins Labor von „eye of science“: Nahezu alle Bilder entstehen im Raster-Elektronen-Mikroskop


Nicole Ottawa und Oliver Meckes (unten) teilen sich die Arbeit weitgehend paritätisch.


Das sagt der Fotograf

„Heute ist das Geschäft mit den Wissenschaftsbildern viel schwieriger geworden, nicht nur, weil die Verlage weniger Geld zur Verfügung haben und entsprechend geringere Honorare zahlen, sondern auch, weil wir uns einer harten und preisaggressiven Konkurrenz gegenübersehen. Es gibt immer mehr Player, die zwar keine Ahnung von Medizin, Biologie oder von Mikrofotografie haben, sich aber gut mit 3D-Programmen auskennen und REM-Aufnahmen mehr schlecht als recht nachbauen, mit halbseidenen Bildlegenden versehen und dann über Micro-Stock-Agenturen zu Spottpreisen verkaufen. Nicht alle Kunden haben ein Bewusstsein davon, wie viel Aufwand hinter echten, wissenschaftlich korrekten und visuell attraktiven REM-Aufnahmen steckt und dass wir für diesen Mehraufwand - allein die Nachbearbeitung kann einen ganzen Tag in Anspruch nehmen - einen wesentlich höheren Preis verlangen müssen. Vor allem die Anfragen aus der Industrie sind rückläufig und machen nicht mehr die Hälfte, sondern nur noch ein Drittel unseres Auftragsvolumens aus. Seit Kurzem sind wir erstmals in der Situation, dass wir aktiv akqui rieren. Wir sind zuversichtlich, dass wir die Rückgänge kompensieren können, zumal die Rückmeldungen auf unsere Newsletter und sonstigen Kommunikationsmaßnahmen recht erfolgreich sind. Hinzu kommt: Wer wirklich Wert auf Qualität und wissenschaftliche Akkuratesse legt, kommt an uns nicht so leicht vorbei: Neben uns gibt es weltweit höchstens noch eine Handvoll weiterer Player, die auf diesem Niveau arbeiten, hierzulande sind wir, behaupte ich, beim Thema Qualität praktisch unangefochten.“

Im Uhrzeigersinn: Koffein-Kristall im Lichtmikroskop (40:1), Kamille (Blütenblatt mit Fruchtblatt [80:1]), Zierpflanze Pelargonie (60:1).


OLIVER MECKES absolvierte Ausbildungen zum Foto-Einzelhandelskaufmann und zum Fotografen. Anschließend arbeitete er am Institut für wissenschaftliche Fotografie von Manfred Kage, wo er die Biologin Nicole Ottawa kennenlernte, mit der er gemeinsam einige Jahre am Institut arbeitete, ehe sie gemeinsam 1995 nach Reutlingen zogen und „eye of science“ gründeten, das Mikrofotografien für Medien wie Stern, Geo, Time Magazine, Bild der Wissenschaft, Science, Nature, BBC sowie Industriekunden wie Adobe, BASF, Bayer, Beiersdorf, Schering und viele andere produziert.

www.eyeofscience.de