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VITRA CAMPUS: DER OUDOLF GARTEN


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Taspo Garten-Design - epaper ⋅ Ausgabe 5/2021 vom 14.09.2021

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Bildquelle: Taspo Garten-Design, Ausgabe 5/2021

Auf dem Vitra Campus in Weil am Rhein legte der niederländische Gestalter Piet Oudolf 2020 einen 4.000 Quadratmeter großen Garten an. Dieses Jahr zeigt sich die kunstvoll komponierte Wildnis in voller Blüte.

Piet Oudolf gilt als Vordenker einer Generation von Gartengestaltern, die in den späten 1980ern begannen, die gängige Praxis in Frage zu stellen. Die traditionellen Pflanzungen schienen den Vertretern zu dekorativ, arbeitsaufwendig und ressourcenintensiv.

Sie setzten stattdessen auf mehrjährige, Stauden, Gräser, Büsche und Wiesenblumen, die als Gartenpflanzen lange ignoriert wurden, und auf eine ebenso unkonventionelle Anordnung der Gewächse. Oudolf selbst sieht sich nicht als Begründer einer Bewegung. „Ich überlasse es anderen, was sie in mir sehen wollen, für einige Leute bin ich wohl einfach ein Gärtner“, betont er gelassen. Ein Gärtner allerdings, den man in den letzten ...

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... Jahren mit der Gestaltung von öffentlichen Gärten auf der ganzen Welt betraut hat – darunter Aufträge für die Galerie Hauser & Wirth Somerset, die Serpentine Galleries oder die Biennale in Venedig – und der mit der New Yorker High Line einen neuen Diskurs über das Gärtnern in der Stadt angestoßen hat.

„In den ersten Jahrzehnten der Entwicklung des Vitra Campus war Landschaftsgestaltung kein Thema. Erst mit der Verbindung des nördlichen Teils des Campus mit dem südlichen und den Projekten von Álvaro Siza (Siza Promenade) und Günther Vogt kam es zu landschaftsbezogenen Interventionen. Mit dem Garten von Piet Oudolf hat der Campus eine neue Dimension erhalten, und den Besuchern eröffnet sich eine neue, stets wechselnde Erfahrung“, so Rolf Fehlbaum, Chairman Emeritus von Vitra.

Oudolfs Projekten gemein ist die Idee einer Landschaft, die wild und ungezähmt aussieht, ohne eine umsichtige Gestaltung in dieser Form jedoch nicht existieren könnte. Er spielt dabei mit einer Vorstellung von Wildnis, die er in der Gesellschaft ausmacht. „Ich versuche eigentlich nur, die Fantasien der Leute in die Realität umzusetzen“, sagt er. Seine Gärten seien jedoch ganz und gar nicht wild. Vielmehr achtet er auf eine ausgewogene Zusammensetzung oder „Community“, wie er es nennt, von Pflanzen mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen, Blütezeiten und Lebenszyklen, so dass seine Gärten das ganze Jahr über ein sinnliches Erlebnis bieten und den Zerfall ebenso akzentuieren wie die Hochsaison.

Dies setzt eine minutiöse Organisation voraus, die neben einem strengen Zeitplan und einer intensiven Suche nach den richtigen Pflanzen auch ein Bepflanzungsschema umfasst, das im Fall von Piet Oudolf allein schon aussieht wie ein Kunstwerk. Das kann man auch von der Zeichnung sagen, die Oudolfs Projekt auf dem Vitra Campus zu Grunde liegt. Rund 30.000 Pflanzen, darunter Persicaria amplexicaule ‘Alba’, Echinacea pallida ‘Hula Dancer’ oder Molinia ‘Moorhexe’, sind zum Einsatz gekommen. Sie bilden das Gerüst des Gartens, bei dem weitgehend auf gebaute Strukturen verzichtet wird und der dennoch nicht der Dekoration der umliegenden Architektur dient, sondern diese ergänzt und ihr eine neue Perspektive vermittelt, wie Oudolf betont.

Über Vitra

Die Vitra AG ist ein Schweizer Unternehmen für die Herstellung und den Handel mit Wohn- und Büromöbeln mit Zentrale in Birsfelden bei Basel. Zur Unternehmensgruppe gehören Filialen in 14 Ländern. Am deutschen Standort in Weil am Rhein befindet sich seit 1989 das Vitra Design Museum.

Der Vitra Campus in Weil am Rhein umfasst Fabrikations-, Logistik- und Verwaltungsbauten des Unternehmens ebenso wie das Vitra Design Museum, weitere vorwiegend kulturell genutzte Gebäude sowie das als Schauraum und Besuchercenter konzipierte VitraHaus. Auf kleinem Raum versammelt, findet sich hier eine Vielfalt von zeitgenössischen Architekturen, die von Architektinnen und Architekten wie Nicholas Grimshaw, Frank O. Gehry, Zaha Hadid, Tadao And, Álvaro Siza und SANAA errichtet wurden. Teil des Vitra Campus ist auch der knapp 30 Meter hohe Aussichtsund Rutschturm Vitra Slide Tower des belgischen Künst- lers Carsten Höller.

Im Juni 2016 wurde das Schaudepot des Basler Architekturbüro Herzog & de Meuron eröffnet. Es bietet Platz für rund 7.000 Möbel, 1.300 Leuchten und Nachlässe von Ray und Charles Eames, Verner Panton oder Alexander Girard.

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Der Garten will die Aufmerksamkeit der Besucherinnen von den Gebäuden auf den Boden lenken und in den Zustand einer „inspirierenden Desorientierung“ bringen. So wandelt man zwischen den Pflanzen auf verschlungenen Pfaden – eine strenge Geometrie mit geraden Linien und einem Kristallisationspunkt sucht man vergeblich. „Ich möchte, dass sich die Leute im Garten verlieren, statt einfach nur hindurchzulaufen“, sagt Oudolf, dem viel daran gelegen ist, dass den Besuchern seiner Gärten dasselbe widerfährt wie ihm – nämlich eine ebenso emotionale wie ästhetische Erfahrung.

Pflanzen sind für Piet Oudolf mehr als eine organische Materie, mit welcher der ehemalige Barkeeper und Fischhändler seine Gärten bestückt. Seine Beziehung zur Pflanzenwelt grenzt nach eigenen Angaben an eine Besessenheit. DIe Pflanzen setzt er im Sinne eines Theaterregisseurs ein: „Pflanzen sind für mich Persönlichkeiten, die ich entsprechend ihrem Auftreten und Verhalten einsetzen und zusammenstellen kann, jede performt auf ihre Weise, doch am Ende muss daraus ein spannendes Stück entstehen.“

Auf dem Vitra Campus werden seit 2020 auch Bienen gehalten: Neben dem Oudolf Garten befinden sich Bienenhäuser, die mittelfristig sechs Bienenvölker beherbergen sollen. Die Bienen werden in der sogenannten kombinierten Wildbaumethode gehalten, die es ihnen erlaubt, im unteren Bereich des Bienenstocks Naturwabenbau zu betreiben.

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