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VMware- CEO: „Wir wollen die universelle Multicloud-Plattform sein“


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Computerwoche - epaper ⋅ Ausgabe 49/2021 vom 29.11.2021

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„Unternehmen, die früher wegen Dell nicht daran dachten, mit uns tiefe strategische Partnerschaften einzugehen, rufen uns jetzt an und fragen: Können wir mehr zusammen tun?“

Mit der Ausgabe einer Sonderdividende von gut 337 Millionen VMwareStammaktien an die Dell-Aktionäre – und insbesondere Michael Dell – hat der Virtualisierungsspezialist VMware Anfang November die Abspaltung von seiner Konzernmutter Dell abgeschlossen. Das Resultat ist ein eigenständiges börsennotiertes Unternehmen mit gut 37.000 Mitarbeitern und einer Marktkapitalisierung von rund 64 Milliarden Dollar. Die COMPUTERWOCHE hatte die Gelegenheit, ein Gespräch mit VMware-Chef Raghu Raghuram zu führen.

CW: Wie wird sich diese neue Unabhängigkeit von Dell auf Ihr Geschäft auswirken?

Raghu Raghuram: Ich denke schon positiv, es ist eine „das Beste aus beiden Welten“-Situation für uns. Langfristig bringt es uns drei große Vorteile, ein völlig unabhängiges Unternehmen zu sein. Der erste ist die Tatsache, dass es ein wesentlicher Erfolgsfaktor für unsere Multicloud-Strategie ist, wirklich unabhängig zu sein – von den Hyperscalern, den Hardware-Anbietern et cetera. Unternehmen, die früher wegen Dell nicht daran dachten, mit uns tiefe strategische Partnerschaften einzugehen, rufen uns jetzt an und fragen: Was können wir tun? Können wir mehr zusammen tun?

Der zweite Vorteil ist, dass wir ein eigenständiges börsennotiertes Unternehmen sind. Wir können unser Eigenkapital für Akquisitionen einsetzen, zum Beispiel für Übernahmen, zu denen wir früher ohne eigene Anteile nicht in der Lage gewesen wären. Und drittens können wir nun eine viel breitere Aktionärsbasis haben. Dank der neuen Struktur des Unternehmens kommen wir jetzt für Beteiligungen in Frage, also etwa für die Aufnahme in Indexfonds und alle Arten von Investmentfonds.

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„Wir wollen den Kunden helfen, Cloud Smart zu sein und nicht Cloud First.“

Raghu Raghuram, VMware-CEO

CW: OK, davon profitiert letztendlich auch der Aktienkurs ...

Raghuram: Ja, je breiter die Aktionäre gestreut sind, desto besser die Bewertung. Über Nacht landeten wir ungefähr auf Platz 150 der größten Unternehmen im SMP 500. Das sind die Vorteile, wenn man eigenständig ist.

Gleichzeitig werden wir weiterhin sehr eng mit Dell zusammenarbeiten. Wir haben für fünf Jahre eine kommerzielle Rahmenvereinbarung abgeschlossen, diese ist an die diesjährige Leistung gekoppelt und wächst mit dem Markt. Es gibt dabei eine Go-to-Market- und eine Technologieseite. Wir haben 15 Leistungsbeschreibungen mit Dell bezüglich einer intensiven technologischen Zusammenarbeit. Das wird die Partnerschaft weiter vorantreiben und neue kombinierte Lösungen für die Kunden von Dell und VMware bringen.

CW: Sie haben das nun verfügbare Eigenkapital erwähnt. Planen Sie Akquisitionen, und welche Bereiche sehen Sie, wo VMware Wissen oder Marktanteile hinzufügen möchte?

Raghuram: In der Unternehmensgeschichte von VMware haben wir mehr als 60 oder 70 Akquisitionen getätigt. Im Großen und Ganzen handelte es sich dabei um kleine Akquisitionen, die wir als Ergänzung zu einem bestehenden Produkt sahen. Wir haben nur vier Akquisitionen mit einem Kaufpreis von mehr als einer Milliarde Dollar getätigt, und ich gehe davon aus, dass sich dieses Muster fortsetzen wird.

Zum jetzigen Zeitpunkt haben wir keine Pläne für größere Akquisitionen für die Zukunft. Aber das Eigenkapital gibt uns die nötige Flexibilität, wenn wir sie brauchen.

CW: Sehen Sie denn Bereiche, in denen Sie etwas hinzukaufen könnten beziehungsweise müssten?

Raghuram: Wir haben heute etliche Produktkategorien und wir bauen diese weiter aus, um eine Best-of-Breed-Positionierung in jeder Kategorie zu erreichen. Das geschieht mit einer Kombination von Produkten, die wir bauen, und auch Technologien, die wir dazukaufen.

Man muss sich also die Produktkategorien ansehen, in denen wir tätig sind, und das sind dann wahrscheinlich die Bereiche, wo unsere nächsten Übernahmen sein werden.

CW: Wenn man an der Börse notiert ist, erwartet die Aktionäre normalerweise mehr Wachstum. Wo sehen Sie Bereiche, wo Sie dies erreichen können?

Raghuram: Wir befinden uns aktuell in einer sehr aufregenden Phase unserer Entwicklung und der Entwicklung der Branche, nämlich in der nächsten Phase der digitalen Transformation. Die Unternehmen wollen den Cloud-Anteil von derzeit zehn oder 15 Prozent deutlich steigern und ihre Anwendungen umgestalten, sie wollen den Netzwerk-Rand ausbauen. Das bedeutet also, dass die Unternehmen eine sehr verteilte Architektur im Gegensatz zu einer zentralisierten Architektur in Betracht ziehen.

Außerdem nutzen 75 Prozent unserer Kunden mindestens zwei Public Clouds, 40 Prozent sogar drei oder mehr. Die Welt wird also zur Multicloud, und wir wollen die universelle Plattform für Multicloud sein – eine, die es den Kunden ermöglicht, ihre Anwendungen zu modernisieren, sie in der Cloud ihrer Wahl zu nutzen und sie da zu verwalten und abzusichern. Das bringt uns auf eine Linie mit gängigen Branchentrends hinsichtlich Anwendungsmodernisierung und Cloud, die für uns große Wachstumsmärkte sind.

CW: In einem Interview haben Sie die neue VMware mit der Schweiz von Multicloud verglichen. Können Sie das näher erläutern?

Raghuram: Ja, also nehmen Sie das nicht wörtlich. Der Vergleich soll ausdrücken: Schaut, wir arbeiten mit allen Cloud-Partnern, aber wir schlagen uns auf die Seite der Kunden. Wir gehen da nicht rein und sagen: Mister Kunde, Sie müssen das benutzen, also nur AWS, Azure oder was auch immer.

Das ist also Punkt Nummer eins. Nummer zwei ist, dass wir den Kunden helfen, Cloud Smart zu sein und nicht Cloud First. Das bedeutet, dass es bei jedem Unternehmen mit einer vernünftigen Größe und einem Anwendungsportfolio der Fall ist, dass einige der Anwendungen besser geeignet sind, um in einer bestimmten Cloud zu laufen. Manche sind vielleicht besser für eine andere Cloud geeignet, und eine dritte Gruppe ist vielleicht immer noch on-Premises am besten aufgehoben. Wir können zu unserem Kunden gehen und sagen: Lassen Sie uns Ihr Anwendungsportfolio anschauen, und wir empfehlen Ihnen dann die Auswahlmöglichkeiten.

Hinzu kommt, dass unsere Technologie stark auf Kubernetes basiert, folglich ist auch alles offen. Wir geben den Kunden die Freiheit, ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen.

CW: Sie sind seit sechs Monaten CEO von VMware. Hat sich an der Art und Weise, wie VMware agiert, irgendetwas geändert im Vergleich zu Ihrem Vorgänger Pat Gelsinger?

„AWS, Microsoft oder Google, alle haben ihre eigene Cloud – sie sind also definitiv nicht Multicloud. Red Hat ist Multicloud, aber sie konzentrieren sich auf die Anwendungsentwicklung.“

Raghuram: Wir wollen zwei Dinge vorantreiben. Das eine ist die Beschleunigung unserer Transformation zu einem Multicloud-Unternehmen. Wenn Sie sich die Entwicklung von VMware ansehen: Die erste Phase war VMware als Hypervisor-Company, und damit wurden wir berühmt. Phase zwei von VMware begann vor etwa neun oder zehn Jahren, damals war VMware als ein Unternehmen für Softwaredefined Data Center bekannt. Das bedeutet, wir wenden dieselben Prinzipien der Servervirtualisierung auf das Netzwerk und den Speicher an, schaffen eine Automatisierung darum herum und entwickeln die Software. Auf diese Weise haben wir das Rechenzentrum in eine Software verwandelt, die es den Kunden ermöglicht, private Clouds aufzubauen. Phase drei von VMware dreht sich um diese Multicloud-Anwendungsreise, das ist also der erste Übergang, den ich als CEO vorantreibe.

Das zweite ist das richtige Geschäftsmodell, nämlich ein Abonnement- und SaaS-Geschäftsmodell, das sind die beiden Bereiche, in denen wir viel schneller vorankommen werden.

CW: Sie wollen führend im Bereich Multicloud- Computing werden, wie unterscheiden Sie sich von der Konkurrenz?

Raghuram: Wenn Sie darüber nachdenken: AWS, Microsoft oder Google, alle haben ihre eigene Cloud – sie sind also definitiv nicht Multicloud. Red Hat ist Multicloud, aber sie konzentrieren sich auf die Anwendungsentwicklung.

Wir sind in der Lage, Kunden bei der Erstellung moderner Anwendungen in jeder Cloud zu helfen. Wir können ihnen helfen, sie zu betreiben. Wir sind in der Lage, ihnen bei der Verwaltung zu helfen und sie abzusichern und anzubinden. Die Breite unseres Portfolios ist daher ein wichtiger Faktor. Der zweite Vorteil ist die Tiefe unserer Partnerschaften mit allen Anbietern und mit allen Hardware-Lieferanten. Und drittens stellt VMware eine vertrauenswürdige Basis für mehr als 500.000 Kunden dar. Wir sind in allen großen Organisationen in Deutschland vertreten. Wenn unsere Software nicht funktioniert, werden einige Krankenhäuser hier nicht funktionieren, oder einige Automobilunternehmen hier könnten keine neuen Modelle herstellen.

Wenn Kunden in die Cloud wechseln oder eine Multicloud-Lösung wünschen, wollen sie einen vertrauenswürdigen Partner haben. Gleichzeitig wollen sie die Freiheit und die Wahl haben und nicht in einer speziellen Cloud eingezwängt sein. Sie wollen in der Lage sein, die richtige Cloud für die richtige Reihe von Anwendungen zu wählen – und das können wir mit Hilfe unseres Portfolios gewährleisten.

CW: Gibt es Synergieeffekte, wenn man dieses breite Produktportfolio hat?

Raghuram: Ja, definitiv. Wenn man über die digitale Transformation nachdenkt, betrifft ein Teil davon die Anwendungen, der andere Teil die User Experience. Die Frage ist: Wie stellt man eine großartige digitale User Experience für die Mitarbeiter sicher? Und genau hier kommt Workspace One ins Spiel. Wenn Sie sich alle Workspace-One-Komponenten ansehen, laufen sie in der Cloud. Und betrachtet man, was sie alle miteinander verbindet, dann ist es ein Netzwerk. Da geht es um Sicherheit und um Management. So kommen die Synergien ins Spiel. Wenn ein Kunde also mit VMware anfängt, schaut er sich um und bedient sich womöglich in einen anderen Teil des Portfolios. Es ist aber eine Option, keine Pflicht.

CW: Ist es nicht manchmal problematisch, mit anderen Anbietern in einem Bereich zusammenzuarbeiten und in einem anderen Bereich mit ihnen zu konkurrieren?

Raghuram: Ja, aber ich denke, das liegt im Technologiebereich in der Natur der Sache. Aber wenn man die Welt aus der Sicht des Kunden betrachtet, dann kann man sich gut damit arrangieren. Zum Beispiel Red Hat:

Unsere Technologie für Anwendungsplattformen konkurriert damit, aber Red Hat ist gleichzeitig die am weitesten verbreitete Plattform, die auf unserem Hypervisor aufbaut. Wir arbeiten also mit ihnen zusammen, um sicherzustellen, dass unser Hypervisor ihre Software gut ausführt.

CW: Sie sind jetzt seit 18 Jahren bei VMware. Es ist sehr selten in der IT-Branche, dass jemand so lange für ein Unternehmen arbeitet. Was begeistert Sie immer wieder?

Raghuram: Das Großartige an meiner persönlichen Karriere ist, dass wir uns alle drei bis vier Jahre neu erfunden haben: neue Problemstellungen, völlig andere Bereiche und eine ganze Reihe spannender Herausforderungen und Erkenntnisse. Was ich bei VMware gemacht habe, war für mich immer frisch und neu. Der zweite wichtige Punkt ist die phänomenale Unternehmenskultur. Die Leute sind phänomenal, das hat sich in den letzten 18 Jahren nicht geändert. Das ist ein großer Anreiz. Der dritte Punkt ist die Wirkung, die wir haben, nicht nur bei Kunden, sondern auch auf Bereiche wie den Klimawandel, die Industrie als Ganzes oder die Produktivität der Entwickler. Es sind die Wirkung, die Kultur und die Tatsache, dass wir während unseres Wachstums die Chance hatten, viele neue und interessante Dinge zu tun.

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