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VÖLLIGES RAD AB


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GRIP - epaper ⋅ Ausgabe 3/2022 vom 22.04.2022
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Bildquelle: GRIP, Ausgabe 3/2022

Can-Am Ryker Sport

NEIN, DER KIPPT NICHT UM. NEE, DAS MACHT DER DOCH NICHT. ODER? ODER?

Natürlich kippt er nicht um – Elchtest-Überraschungstage sind lange vorbei. Und trotzdem hört dieses herrlich mulmige Gefühl nicht auf – besonders in schnellen Kurven oder sehr engen. Dabei ist doch genau das der Nervenkitzel. Das muss der innere Schweinehund erstmal kapieren, damit er seine Vernunftbremse vergisst. Denn man sitzt auf nichts anderem als auf kiloweise schrägem Fahrspaß, erfunden in Kanada.

Die Rede ist von dreirädrigen Motorrädern. Oder dreirädrigen Autos, da ist sich die Fachwelt nicht so einig. Genauer: Der kanadische Allesbauer Bombardier lässt sich seit genau 50 Jahren in ihrer Abteilung BRP (Bombardier Recrational Products) reine Spaßmobile einfallen wie unter anderem Sea-Doos (Wasserschlitten), Ski-Doos (Snowmobile) und eben die Can-Am-Dreiräder Ryker, Spyder F3 und Spyder RT. Ganz kurze Erklärung dazu: Der ...

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Die Rede ist von dreirädrigen Motorrädern. Oder dreirädrigen Autos, da ist sich die Fachwelt nicht so einig. Genauer: Der kanadische Allesbauer Bombardier lässt sich seit genau 50 Jahren in ihrer Abteilung BRP (Bombardier Recrational Products) reine Spaßmobile einfallen wie unter anderem Sea-Doos (Wasserschlitten), Ski-Doos (Snowmobile) und eben die Can-Am-Dreiräder Ryker, Spyder F3 und Spyder RT. Ganz kurze Erklärung dazu: Der Ryker ist das Einstiegsmodell. Es bietet wenig Komfort, aber viel Agilität durch 62 bis 82 PS aus einem 900-Kubik-Dreizylinder, die null Probleme haben mit lächerlichen 291 Kilo Gewicht. Der F3 in verschiedenen Ausprägungen ist ein gemütlicher Zwitter zwischen dem sportlichen Ryker und dem Grantourer Spyder RT für die Kurztrips zu zweit. Der RT dagegen ist die Maschine für den Connaisseur, der auch mal ein paar Tage mit seiner Gespielin verreisen will und nicht auf Komfort verzichten will, der dennoch auf solche überflüssigen Errungenschaften wie vier Räder, ein Dach über dem Kopf und ein Lenkrad pfeift.

Gedacht sind diese rasenden Trapeze für alle, die nie einen Motorradführerschein gemacht haben, aber auf das Biker-Feeling nicht verzichten wollen. Wobei der Ryker eher das Gerät für den motorsportbegeisterten Youngster ist, der was Eigenes braucht, weil er auf Papas Mercedes nicht driften lernen darf. Auf der anderen Seite ist der Spyder RT ein Fahrzeug für den Herbst des Lebens, das dem Piloten noch einmal reife Jugendlichkeit attestiert, bevor er wegen Hüftarthrose nicht mehr draufsteigen kann. Nur zur Komplettierung: Der F3 spricht wahrscheinlich alle diejenigen an, die gar nicht wissen, wie alt sie eigentlich sind.

Zuerst entern wir den Ryker. Der angetriebene einzelne Hinterreifen pfeift das Lied des Gummis, wenn man vom Stillstand Vollgas gibt, was zwischen den Häusern von Nizza, wo wir starten, nicht ganz passend wirkt. Das Schalten übernimmt eine Fliehkraftkupplung, man muss eigentlich nur lenken und bremsen – letzteres über ein Pedal für den rechten Fuß. Bei dem richtigen Untergrund sind sogar Drifts drin, bei einem Winkel von 30 Grad schaltet sich aber die Elektronik ein und

GRIP Faktor

Drivestyle ★★★☆☆

Performance ★★★☆☆

Preis 267,60 €/PS

FACTs

Can-Am Spyder RT Sea-to-Sky

Dreizylinder 1.300 cm3

85,8 kW (115 PS) bei 7.250/min

130,1 Nm max. bei 5.000/min

Sechsgang-Halbautomatik mit Rückwärtsgang

Hinterradantrieb

2.833/1.554/1.464 L/B/H mm

464 kg 180 km/h Vmax

30.775 Euro (in rot, schwarz, silber)

lässt nicht noch mehr quer zu. Überhaupt sorgen solche Annehmlichkeiten wie Traktionskontrolle und ABS für sichere Fahrten, was man besonders auf vielbefahrenen Landstraßen und der Autobahn zu schätzen weiß. Trotzdem muss man sich an die Bremse gewöhnen – sie erfordert einen recht kräftigen Tritt, soll sie beißen.

Den F3 haben wir uns bei unserer Testfahrt gespart, nicht aber den dank eines 1,3-Liter-Dreizylinders 115 PS starken Spyder RT. Das ist schon ein mächtiges Gerät, mit 464 Kilo fast doppelt so schwer wie der Ryker. Auch er besitzt alle Errungenschaften der Fahrsicherheit, nur dass man gar nicht erst versuchen sollte, mit ihm quer zu treiben. Das gelingt nämlich nicht. Dafür bleiben – wie in unserem Falle bei der Testfahrt im Hinterland der Cote D’Azur – Hintern und Finger halbwegs warm dank Sitzbank-und Griffheizung, sogar zweifach einstellbar. Eine absenkbare Windschutzscheibe lässt direkten Fahrwind ins Gesicht zu oder auch nicht, und wer will, kann sich sogar während der Fahrt mit Musik berieseln lassen. Allerdings muss man den Spyker RT schalten – mit dem Daumen wird hochgeschaltet im halbautomatischen Sechsganggetriebe, Runterschalten kann das System selber. Man kann aber auch händisch eingreifen – praktisch zum Beispiel, wenn man die Motorbremse bei steilen Abfahrten nutzen will.

GRIP Faktor

Drivestyle ★★★☆☆

Performance ★★★★☆

Preis 166,30 €/PS

FACTs

Can-Am Ryker Sport Dreizylinder 900 cm3

61,1 kW (82 PS) bei 8.000/min

79,1 Nm max. bei 6.500/min

CVT mit Rückwärtsgang

Hinterradantrieb

2.352/1.522/1.073 L/B/H mm

291 kg 162 km/h Vmax 13.637 Euro

Wer etwas über Sprintqualitäten wissen will, muss sich mit Folgendem zufriedengeben: Die Dinger jeder Größe und Motorisierung sind gefühlt verdammt fix. Tatsächlich haben die sicherheitsbewussten Kanadier Angst, man würde Rennen fahren, wenn man genaue Spezifikationen kennen würde. Immerhin sind die Top-Tempi auf Nachfrage klar: der „kleine Ryker“ mit 600er-Motor schafft 140 km/h, der „große“ 162 km/h, der F3 ist Tempokönig mit 200 km/h, der schwere Spyder RT schafft noch 180 km/h. Aber mehr als 130 km/h ist auf den Autobahnen rund um Nizza sowieso nicht erlaubt. Aber auch die fühlen sich schon ganz schön schnell an…

Beide – besser: alle drei – Fahrzeuge wollen somit erlernt werden. Wobei wir wieder bei den Kurvenfahrten sind. Der Lenker sperrt sich eigentlich stets gegen die Muskelkraft, und das nicht nur im Stand. Man muss schon ordentlich mit einem Arm schieben und mit dem anderen ziehen, also das Gerät in die Kurve zwingen. Das allerdings hat zur Folge, dass das Vorderrad der Kurvenaußenseite einknickt und das innere Rad abhebt. Jedenfalls gefühlt – natürlich passiert beides nicht. Und da ist er wieder, der Nervenkitzel – der Laie kann anfangs gar nicht anders, als entweder stark abzubremsen oder noch mehr einzulenken. Da nützt es auch nichts, dass laut BRP so ein Gerät eigentlich nicht umfallen kann. Wahrscheinlich wirft es in zu schnell angefahrenen Kurven eher seinen schlotternden Piloten ab… Man kann sich das während der Fahrt hundertmal sagen. Aber in jeder Kurve kommt erneut der Gedanke: Kippt die Kiste? Oder nicht? Oder doch? Aaaaaarrrggghhhhhhh….