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Volksmusik (Er)leben, Lesen und Schreiben


zwiefach - epaper ⋅ Ausgabe 2/2020 vom 25.02.2020

Elisabeth und Klement Feichtenhofer befassen sich beruflich und privat seit vielen Jahren mit Volksmusik. Dazu zählt das Musizieren in den unterschiedlichsten Musikgruppen und ihre berufliche Tätigkeit als Musiklehrer in verschiedenen Gemeinden der Steiermark. Durch die umfangreiche Tätigkeit auf dem Gebiet der Volksmusik sind sie in der sogenannten »Volksmusikszene« tief verwurzelt und beheimatet.


Die Steirische Harmonika und ihre Griffschrift:

Die Steirische Harmonika ist im Vergleich zu anderen Instrumenten ein relativ junges Musikinstrument (ca. 200 Jahre alt). Vorhandenes volksmusikalisches ...

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Bildquelle: zwiefach, Ausgabe 2/2020

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... Notenmaterial auf der Steirischen zu musizieren war sicherlich eine große Herausforderung und nur sehr begabten Musikern vorbehalten. Daher erfolgte viele Jahre lang die Weitergabe der Stücke durch das Vorspielen eines Lehrers und Nachspielen des Schülers bzw. das Abhören von anderen Musikanten und Musikgruppen. Mitte der 1970er Jahre änderte sich durch die Herausgabe der ersten Harmonikaschulen durch Max Rosenzopf (Griffschrift) und Josef Peyer (Notenschrift) die Methode des Erlernens der Steirischen Harmonika grundlegend. Vor allem die von Max Rosenzopf weiterentwickelte Griffschrift stellte eine sehr einfach zu vermittelnde Methode dar, die für einen größeren Kreis an lernwilligen Harmonikaschülern geeignet war. Dadurch wurde die Verbreitung von meistens bisher sehr regional gespielten Stücken möglich gemacht. In dieser Zeit entstanden auch die ersten Volksmusikseminare, die ebenfalls maßgeblich zur Verbreitung der Steirischen Harmonika beigetragen haben. Von Beginn an setzte man auch hier hauptsächlich die Griffschrift- Methode ein.

So funktioniert die Griffschrift

Die Steirische Harmonika besteht aus Melodieseite (Diskantseite) und Bass- Seite. Je nach Ausführung des Instruments besteht die Diskantseite aus drei bis fünf Reihen. Die Steirische Harmonika ist ein wechseltöniges Instrument. Nur ein Ton auf jeder Reihe der Melodieseite klingt auf Druck und Zug gleich. Diesen Ton nennt man Gleichton und er ist in der Mitte der jeweiligen Reihe angeordnet. Alle anderen Töne klingen auf Druck und Zug verschieden. Das bedeutet, dass auf einem Knopf in jeder Reihe (mit Ausnahme des Gleichtons) zwei unterschiedliche Töne erklingen.

Um dies in der Notenschrift darzustellen, würde man für jeden Knopf zwei Noten lernen müssen! Hier hat die Griffschrift den entscheidenden Vorteil, dass nur ein Notenzeichen dargestellt ist. Dieses Notenzeichen (oder Note) sind bei Zudruck durch einen leicht zu sehenden Strich unterhalb der Notenzeile gekennzeichnet. Das gleiche Notenzeichen (oder Note) ohne Strich wird auf Zug gespielt. Die Bässe sind in Buchstaben angegeben. Großbuchstaben stehen für Bässe und Kleinbuchstaben für den Begleitakkord. Ein weiterer Vorteil ist, dass zum Erlernen des Instruments immer die gleiche Lernmethode angewandt werden kann, unabhängig davon, welche Grundstimmung die Steirische Harmonika hat.

Ein kleiner Nachteil der Griffschrift liegt allerdings darin, dass durch die Anordnung der Harmonikatöne bzw. Knöpfe und die dazu passende Schreibweise eine exakte Tonhöhe nicht angegeben werden kann. Für Personen mit Vorkenntnissen auf einem klingenden Instrument ist die Griffschrift- Schreibweise sicherlich gewöhnungsbedürftig. Durch die unterschiedlichen Grundstimmungen der Harmonika (G - C - F, A- D - G oder B - Es - As u. a.) müssen andere Instrumente (Saitenmusikinstrumente, Blasmusikinstrumente etc.), die gemeinsam mit einer Steirischen Harmonika zusammenspielen, immer die entsprechenden Noten für ihr Instrument haben.

Elisabeth und Klement Feichtenhofer beschäftigen sich seit Jahren mit Lehrmethoden für die Steirische


Buchcover der Harmonikaschule von Elisabeth und Klement Feichtenhofer


Verschiedene Lernmethoden der Steirischen Harmonika

Da es unterschiedliche Arten des Erlernens einer Steirischen Harmonika gibt, möchten wir hier einige Methoden des Lernens erklären. Die jungen Harmonikaspieler in den öffentlichen Musikschulen kann man meistens in drei verschiedene Gruppen teilen:

Erste Gruppe: Jene Harmonikaspieler, die vorzugsweise nach Gehör und auswendig spielen. Diese zukünftigen »Musikanten« haben ein sehr ausgeprägtes Gehör, eine sehr schnelle Auffassungsgabe, ein gutes Rhythmusgefühl und eine außerordentlich gut ausgeprägte Musikalität. Für diese Schüler ist das Lernen der Griffschrift und das Musizieren nach Noten eher nebensächlich. Begleitend dazu wird bei uns im Musikunterricht aber sehr wohl die Griffschrift verwendet und beigebracht. Dadurch lernt man schon die Notenwerte und musikalischen Zeichen, die auch beim Erlernen eines weiteren Instruments sehr wichtig sind.

Die zweite Gruppe sind Musikschüler, die sehr visuell (durch Veranlagung, Schule usw. …) geprägt sind. Hier ist der Musikunterricht mit dem Lesen und Lernen der Griffschrift ein entscheidender und großer Vorteil. Dabei spielen wir dem Harmonikaschüler das neue Stück vorerst einmal vor. Damit kann er sich schon einmal einen ersten Eindruck auf sein neues Stück verschaffen. Dann zeigen wir ihm - noch auswendig - die ersten Takte und Griffe. Wenn er dann (meistens) die ersten acht Takte gelernt hat, beginnen wir, das Gelernte mit den Griffschriftnoten zu wiederholen und zu festigen. So ist es leicht möglich, Teil für Teil eines Stückes gut zu erlernen. Wichtig in diesem Zusammenhang ist auch die zur Verfügung stehende Unterrichtszeit. Da die Steirische Harmonika ein seit vielen Jahren beliebtes Musikinstrument ist, hängt es von der Musikschule oder dem Lehrer ab, wieviel Zeit für den Musikunterricht zur Verfügung gestellt werden kann. Durch die sehr breite musikalische Aufmerksamkeit seitens der Medien, die bereits sehr zahlreich vorhandene Griffschriftliteratur und die ausgezeichnete Ausbildung der Musiklehrer durch diverse Universitäten und Konservatorien steigt der »Boom« für dieses Instrument weiter an. Auch durch die große Vorbildwirkung von Musikanten wie Herbert Pixner, Franz Posch, Hermann Huber und viele andere hervorragende Harmonikaspieler und Musikgruppen wird die Aufmerksamkeit noch stärker auf die Steirische Harmonika gelenkt.

Die dritte Gruppe der lernwilligen Harmonikaspieler sind sozusagen reine Notenleser. Für diese Schüler ist die Unterstützung durch die leicht erlernbare Griffschrift von großem Vorteil. Auch hier versuchen wir im Unterricht neben dem Erlernen der Noten das Auswendigspiel nach Möglichkeit zu vermitteln.

Harmonika und neue Medien

Die neuen Medien, wie die eigene Aufnahme des Stückes mit dem Handy, das Anhören von CDs sowie viele Hörbeispiele aus dem Internet, unterstützen alle drei Gruppen maßgeblich bei ihrem weiteren Lernerfolg. Über Youtube gibt es bereits eine große Anzahl von Volksmusikaufnahmen und viele eifrige Schüler nutzen diese auch für ihre eigenen Lernwünsche. Auch werden seit einigen Jahren Musikunterricht und das Erlernen der Steirischen Harmonika im Internet über kostenpflichtige Lernplattformen angeboten.

Im Allgemeinen kann man sagen, dass sich das Erlernen der Steirischen Harmonika in den letzten Jahrzehnten sehr gewandelt hat. Die Natürlichkeit und die Regionalität der Musikstücke kommt beim Musikunterricht durch die Präsenz in den Medien, das Internet und durch die allgemeine Globalisierung leider manchmal zu kurz. Hier liegt es am Musiklehrer, diesem Trend entgegenzuwirken. Auch bei diversen Volksmusikwettbewerben hat hier bereits ein Umdenken stattgefunden. So ist bei vielen Volksmusikwettbewerben die regionale Spielweise und die Identifikation mit dem regional gewachsenen Spielgut der Harmonikaspieler ein besonderes Kriterium.

Über den Werdegang unseres Notenverlages

Im Jahre 2000 haben wir begonnen, unsere Harmonikaschule im Eigenverlag herauszugeben. Die didaktische Aufbereitung, das erstmalige Arbeiten mit einem professionellen Notenprogramm, das Finden einer Druckerei (zumal die erste Auflage sehr gering war) und die Finanzierung waren sehr zeitintensiv und schwierig. Wir waren unerfahren und mussten viele Erkundigungen einholen, bis wir endlich unser erstes Lehrwerk in Händen hatten.

Die gute Annahme seitens Musikschülern, Lehrerkollegen und Musikanten erleichterte uns den Weg, ebenso kamen uns die langjährige Erfahrung im Musikunterricht und das Musizieren in den verschiedensten Ensembles (Sonntagsmusi, Steirische Tanzlmusi usw.) sehr zugute.

Wir wünschen allen jungen und reiferen Volksmusikanten, welche die Steirische Harmonika oder ein anderes Volksmusikinstrument erlernen wollen, für die Zukunft viel Spaß und Freude beim Musizieren.