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VOLL AUF SPEED: 2020er SSC Tuatara


Gasoline - epaper ⋅ Ausgabe 6/2019 vom 21.11.2019

Nach dem Start der Corvette C8 schießt SSC mit dem Tuatara die nächste amerikanische Mittelmotor-Rakete ab. Ansage eins: mindestens 300 mph, also 483 km/h Spitze. Ansage zwei: machbar dank 1750 PS.


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Bildquelle: Gasoline, Ausgabe 6/2019

„Mit Sportwagen lässt sich ein kleines Vermögen machen. Wenn man mit einem großen anfängt.“ Dieses Bonmot, unter anderem dem deutschen Tüftler Walter Treser zugeschrieben, bringt das Problem auf den Punkt: Gerade Entwicklung, Marketing und Vertrieb schlagen bei geringen Stückzahlen brutal ins Kontor, weswegen es ganz besonders Hersteller von Kleinserienflitzern der mittleren bis gehobenen Preisklasse schwer ...

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... haben – die können sich eben nicht über Mondpreise definieren und positionieren. Doch auch im erheblich kostspieligeren Supersport-Segment sind vollmundige Ankündigungen kleiner Manufakturen mittlerweile die Regel. Bisweilen bleibt es bei aufregenden CGI-Bildern, aber das war es dann. Kein fahrtüchtiger Prototyp oder gar ein Serienmodell zum Anfassen. So ähnlich verhielt es sich es auch bei SSC North America, wobei es hier immerhin harte Fakten in Form einer Studie gab. Die wurde allerdings bereits 2011 mit Verweis auf wahnwitzige Leistung und entsprechende Performance präsentiert, doch nun ist es soweit: Nur kurze acht Jahre später wurde das erste Tuatara-Serienmodell bei „The Quail – A Motorsports Gathering“ im Rahmen der renommierten Monterey Car Week seinem künftigen Besitzer ausgehändigt. Einen Vorgeschmack gab der Vorserien-Tuatara, der im August 2018 in Pebble Beach debütierte.

Der Name Shelby verpflichtet

Als der Tuatara – die Maori-Bezeichnung für eine bemerkenswerte neuseeländische Echse – 2011 für Furore sorgte, war er keinesfalls das Erstlingswerk irgendeiner Marktschreier-Bude. Denn mit dem rekordbrechenden Ultimate Aero hatte sich das Unternehmen einige Jahre zuvor einen Namen macht. Vielleicht erinnert sich noch jemand daran: Der bis 2013 gebaute Ultimate Aero wurde 2007 mit einer Geschwindigkeit von 412,28 km/h zum schnellsten Serienauto der Welt gekürt und hielt diesen Titel bis 2010 inne, als ihn der Bugatti Veyron Super Sport mit 431,07 km/h entthronte. SSC North America hat jüngst kräftig mit dem Fehdehandschuh gewedelt und ernsthaftes Interesse bekundet, diesen Titel zurückzuerobern. Das vom ehemaligen Rekordhalter Koenigsegg Agera RS im Jahr 2017 erreichte Tempo von 447,19 km/h (277,9 mph) soll ebenfalls kein Thema sein, vielmehr ist das 1998 von Jerod Shelby – nicht mit good ol’ Caroll verwandt – gegründete Unternehmen zuversichtlich, dass der Tuatara zum kleinen Kreis der Serienautos gehört, die die 300-mph-Marke knacken. Konkrete Testergebnisse diesbezüglich stehen noch aus, sodass wir mehr als gespannt sind, wie er sich auf einer langen Geraden schlägt. Nebenbei bemerkt: Hennessey erhebt mit seinem neuen Venom F5 ebenfalls Anspruch auf die Vmax-Krone, während ein Bugatti Chiron Super Sport im August dieses Jahres auf 304,77 mph (490,48 km/h) getrieben wurde.

Wohlbekannte Tugenden

Um die 483 Sachen zu reißen, bedient sich Shelby Super Cars konsequent erprobter Rezepte: Leichtbau, Leistung, Aerodynamik. Ersteren garantieren das Monocoque und die Außenhaut aus Kohlefaser sowie Crashboxes aus Aluminium, die maßgeblich zum Trockengewicht von 1.247 kg beitragen. Überraschend leicht baut auch der potente Motor mit schlanken 194 kg. Der mittig längs verbaute 6,0-l-Twinturbo-V8 mit Flatplane-Kurbelwelle und Ladeluft-Wasserkühlern wurde wesentlich von Nelson Racing Engines ersonnen, weitere Motorbaugruppen steuert Linder Power Systems bei. Mit Normalbenzin von 91 Oktan liegen bei 6.800 Umdrehungen 1.350 PS an. Mit dem klopffesteren E85-Sprit (108 Oktan) sind es 1.750 PS bei brüllenden 8.800 Touren, womit dann auch der rote Bereich beginnt. Das maximale Drehmoment beträgt 1.735 Nm bei 6.800 Umdrehungen. Zugunsten der Gewichtseinsparung kam irgendwelcher Hybridboostschnickschnack genauso wenig wie Allradantrieb in Frage, die Motorkraft in Vortrieb verwandeln müssen allein die Hinterräder. Dorthin gelangt sie bemerkenswerterweise nicht wie bei der Konkurrenz über ein Doppelkupplungsgetriebe, sondern über eine automatisierte Sieben-Gang-Schaltung mit Schaltwippen. Wer schon einmal automatisierte Schaltgetriebe gefahren ist, weiß, wie haarsträubend langsam diese in manchen Fällen agieren können – dagegen wirkt selbst eine alte Wandlerautomatik regelrecht sportlich. SSC hat daher die Hilfe von Automac in Anspruch genommen, um Gangwechsel in weniger als 100 Millisekunden zu absolvieren.

Heute mal tief oder ganz tief?

Das Fahrwerk mit 2.672 mm Radstand umfasst vorn wie hinten je zwei Dreieckslenker an Federbeinen mit auf Kopfdruck justierbaren Penske-Dämpfern sowie eine Hydraulik zur Höhenregulierung. Für bessere Alltagstauglichkeit sorgt das Frontlift-System auf Wunsch für 40 mm mehr Bodenfreiheit an der Vorderachse. Im Sport-Modus wird der 4.632 mm lange, 2.065 mm breite und 1.066 mm flache Tuatara zum Allround-Fahrerauto. Die Bodenfreiheit stellt sich vorn auf 102 und hinten auf 114 mm ein, die Schaltcharakteristik wird sanfter und ermöglicht eine einfache Bedienung in städtischem Einsatz.

Gar nicht mal so teuer: Mit einem Preis von voraussichtlich 1,3 Mio. Dollar – zu dem aber noch Steuern und Zölle kommen – fügt sich der SSC Tuatara bestens in sein Umfeld ein


Schmetterlingstüren geben den Zugang zum Innenraum frei, unter der vorderen Klappe findet sich ein kleiner Gepäckraum


Im Track-Modus verwandelt sich der Tuatara in ein Performance-Biest, nicht nur aufgrund der hier in 50 Millisekunden erledigten Schaltvorgänge. Die Fahrwerksgeometrie wird auf extremes Handling für den Pisteneinsatz angepasst, wobei die vordere Fahrhöhe auf 70 und die hintere auf 83 mm abgesenkt wird. Der aktive Heckflügel fungiert dynamisch als Anpressfläche und passt seine Neigung und Höhe dem Tempo an, um einen starken Luftstrom und einen ausgeglichenen präzisen Abtrieb zu gewährleisten. Beim Verzögern stellt sich der Heckflügel entsprechend auf, um als Luftbremse seinen Teil zum souveränen Geschwindigkeitsabbau zu leisten. Hinter den einteiligen Carbonrädern im 20-Zoll-Format sitzen vorn Sechs- und hinten Vier-Kolben-Bremsen mit geschlitzten, innenbelüfteten Carbon-Keramik-Scheiben mit 406 respektive 381 mm Durchmesser. Den Kontakt zur Straße stellen Michelin Pilot Sport Cup 2 in 245/35 und 345/30 her.

Preis/Leistungs-Verhältnis adäquat

Aerodynamische Exzellenz ist Grundvoraussetzung bei dem von SSC angestrebten Tempo, da darf nichts den Luftstrom behindern. Kein Wunder, dass Kameras herkömmliche Seitenspiegel ersetzen; beim Innenspiegel verfuhr man wegen schlechter rückwärtiger Sicht kurzerhand genauso. Das Exterieur von Ex-Pininfarina-Designer Jason Castriota zeichnet sich durch zwei wesentliche Eckdaten aus: den cW-Wert von 0,279 und die Stirnfläche von 1,672 m². In der zwangsläufig tropfenförmigen Kabine genießen Fahrer und Beifahrer einen prächtigen Rundumblick. Ein fortschrittliches Human-Machine-Interface versorgt den Fahrer im Digitalcockpit mit wichtigen Fahrund Fahrzeuginformationen. Auf dem zentralen Touchscreen lassen sich darüber hinaus fast alle Funktionen und Informationen mit einem Fingerdruck aufrufen. Hergestellt wird der Tuatara in einem eigens dafür errichteten Werk in West Richland, Washington; die Produktion ist auf 100 Exemplare begrenzt. Wer von seinem Taschengeld noch einen niedrigen siebenstelligen Betrag übrig hat, kann sich eines der verbliebenen 99 sichern.

Familienbild: links der 2006 lancierte SSC Ultimate Aero, rechts sein noch schnellerer Nachfolger


Neben der immensen Höchstgeschwindigkeit soll der Tuatara in 2,5 Sekunden von 0 auf 100 spurten und die Viertelmeile in 9,75 Sekunden absolvieren


Das Hypercar erzeugt mit seiner kompletten Karosse reichlich Abtrieb, wodurch der Heckspoiler überschaubar ausfallen konnte


Kunst im Verborgenen: Bei geschlossener Airbox entziehen sich die adretten Ansaugtrichter leider dem Auge des Betrachters


Mit 8,8:1 ist der 6,0-l-V8 moderat verdichtet, mit dem zusätzlichen Druck zweier Turbolader und E85-Sprit aber für 1.750 PS und 1.735 Nm gut


Nelson Racing Engines zauberte dieses ansehnliche wie potente Twinturbo-Kraftpaket mit 4,78 PS pro Kubikzoll


Im Trackmodus senkt sich die Karosserie vorn auf 70 und hinten auf 83 mm Bodenfreiheit ab


Bilder: SSC North America