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Voll entspannt


LinuxUser - epaper ⋅ Ausgabe 10/2021 vom 16.09.2021

rlxOS

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Bildquelle: LinuxUser, Ausgabe 10/2021

README

Die moderne Linux-Distribution rlxOS setzt auf ein unveränderliches Dateisystem, dessen Änderungen es per OverlayFS in einer separaten Ebene speichert.

Die Linux-Distro-Szene ist in einem nicht zu überbieten: Vielfalt. Der geneigte Linux-Anwender hat die Wahl zwischen Hunderten von Distributionen.

Was eingefleischte Distro-Hopper entzückt, empfinden andere als Überforderung. Dabei unterscheiden sich viele Distributionen nur in Nuancen voneinander. Über das Subjekt dieses Artikels lässt sich das mit Bestimmtheit nicht sagen: Das Konzept von rlxOS stammt in keiner Weise von der Stange.

Die Distribution, deren Namen die Entwickler als Relax-OS ausgesprochen wissen wollen, zählt zu den modernen Linux-Derivaten mit einem fortschrittlichem Konzept, zu denen beispielsweise auch Fedora Silverblue gehört. Die Entwickler von Red Hat, Fedora, Endless OS, Systemd und des Gnome-Desktops sehen diese ...

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... Konzepte als die Zukunft der Distributionen an, was aber in den Communities bisher beileibe nicht überall enthusiastischen Anklang findet.

Unverwundbares System

Generell sehen die genannten Konzepte unter anderem vor, das Dateisystem gegen eine Verwundbarkeit durch Updates zu immunisieren, indem man bei Aktualisierungen immer das komplette Abbild austauscht. Derartige Systeme bezeichnet man im Fachjargon als immutable, also als unveränderlich. Geht beim Update etwas schief, dann kann der Anwender beim Neustart in Grub auf das vorherige Abbild zurückrollen. Zudem bevorzugen entsprechende Distributionen oft neue Paketsysteme wie Flatpak oder AppImage gegenüber Paketen in den klassischen Formaten DEB und RPM sowie weiteren, die Maintainer der jeweiligen Distribution betreuen.

In die Riege dieser Immutable-Distributionen reiht sich auch rlxOS ein. Das Basiskonzept ist keineswegs neu: Änderungen am System landen in einem Layer oberhalb des nur lesbaren Root-Dateisystems und können dieses somit nicht verändern. Wir werden gleich sehen, wo dieses Prinzip bereits lange zur Anwendung kommt. Sehen wir uns aber zunächst an, wie sich dieser moderne Ansatz bei dem noch sehr jungen rlxOS bemerkbar macht.

Dazu laden wir zunächst das 1,3 GByte große Abbild des aktuellen rlxOS 2107 von der Webseite herunter. Es gibt nur ein 64-Bit-Abbild, dessen Bezeichnung erkennen lässt, dass Gnome als Desktop Verwendung findet. Das im letzten Jahr als Releax OS gestartete rlxOS baut auf keiner anderen Distribution auf, sondern wurde von Grund auf neu erstellt und nutzt Wayland als Standardsitzung.

Relax!

Das nicht als Live-Medium ausgelegte rlxOS startet direkt in einen grafischen Installer 1 . Dass es kein Live-Medium gibt, liegt vermutlich daran, dass rlxOS in seiner installierten Form mit einem Overlay-System über dem unveränderlichen Root-Dateisystem denselben Mechanismus verwendet, den Live-Medien nutzen, um Änderungen am System zu speichern. Daher handelt es sich bei rlxOS quasi sowieso um eine Art Live-System mit Persistenz. Wie dieser Overlay-Mechanismus funktioniert, erklärt der Kasten OverlayFS.

Der Installer fordert Sie zunächst auf, eine Partition bereitzustellen. Nach einem Klick auf den dafür angebotenen Schalter öffnet sich das Tool GParted, in dem Sie bei Bedarf eine neue Partition anlegen. Danach führt ein Klick auf Next zur Auswahl der gewünschten Partition und im nächsten Schritt zur Auswahl des Boot-Devices. Anschließend ist rlxOS bereit für die Installation.

OverlayFS

Mit OverlayFS lässt sich ein (in der Regel beschreibbarer) Verzeichnisbaum über einen anderen, schreibgeschützten Verzeichnisbaum legen, der in aller Regel das Root-

Dateisystem enthält. Alle Änderungen erfolgen in der oberen, beschreibbaren Ebene.

Diese Art von Mechanismus kennt man seit den Anfängen von Knoppix von Live-CDs, es gibt aber eine Vielzahl anderer Anwendungen. Neben OverlayFS existieren noch weitere sogenannte Union-Dateisysteme wie beispielsweise das originale UnionFS, Aufs oder das von Docker verwendete Overlay2, wobei es sich bei OverlayFS um die leistungsfähigste Variante handelt. In gewisser Hinsicht zählen auch Device-Mapper, ZFS und Btrfs zu dieser Gattung, auch wenn die dortige Verwendung in unserem Zusammenhang eher nebensächlich erscheint, da sie eher reinen Storage-Zwecken dient.

An dieser Stelle sollten Sie nicht zur Kaffeetasse greifen und noch nicht einmal blinzeln, sonst verpassen Sie die Systemeinrichtung. Bei uns dauerte die Installation auf einem Rechner mit einer schnellen Ryzen-7-CPU von AMD ganze 12 Sekunden. Das erklärt sich dadurch, dass es sich hier prinzipbedingt nicht um eine wirkliche Installation handelt: Der Installer erstellt (vereinfacht dargestellt) lediglich das Dateisystem und schreibt das als SquashFS komprimierte System- Image hinein, das er dann startet. Somit verbraucht rlxOS zunächst auch nicht mehr Platz als die 1,3 GByte des Abbilds.

Willkommen

Nach dem obligatorischen Neustart sehen Sie sich dem von Gnome gewohnten Willkommensbildschirm 2 gegenüber, der die Installation in wenigen Schritten mit Angaben zum Tastaturlayout und der Zeitzone sowie dem Anlegen eines Benutzerkontos abschließt. Im Test banden wir dabei auch unsere Nextcloud-Instanz ein, die sich später problemlos im Dateimanager öffnen ließ 3 .

Nach dem Abschluss des Vorgangs finden Sie sich in einer angepassten Gnome-Umgebung wieder, die am unteren Rand eine Leiste der Erweiterung Dash to Panel aufweist 4 . Als Theme und Icon-

Satz kommt Qogir zum Einsatz.

Als Nächstes können Sie eine weitere Welcome-Tour durchlaufen, die unter anderem darauf hinweist, dass rlxOS das Paketformat AppImage nativ unterstützt. Es bietet dafür den eigenen App-Shop Bazaar an , der zum Testzeitpunkt allerdings erst die vier Apps Firefox, Anydesk, Audacious und das Spiel OAD enthielt.

Daneben kommt rlxOS auch mit Flatpaks und Snaps zurecht, installiert allerdings die nötigen Frameworks nicht vor.

Wir finden die Welcome-Tour für eine Distribution, die vom Herkömmlichen abweicht, etwas zu oberflächlich, und empfehlen die Lektüre der Dokumentation sowie einen Besuch auf Github , wo das Projekt gepflegt wird. Das Blog erlaubt weitere Einblicke. So führt es etwa in den hauseigenen Paketmanager Pkgupd ein und erklärt, wie Sie rlxOS direkt aus einem bereits installierten Linux heraus ohne den Installer auf die Platte bannen .

App-Grid

Dateien zum Artikel herunterladen unter

www.linux-user.de/dl/46625

Auf dem Desktop, in den rlxOS Sie nach der Tour durch die Eigenheiten entlässt, bleibt der obere Rand zunächst leer. Erst wenn Sie auf das Symbol links in der Leiste klicken, erscheint der gewohnte Anblick des App-Grid 5 . Benötigen Sie lediglich die Suchmaske, genügt ein Klick auf die drei Punkte ganz links unten.

Die Leiste zeigt standardmäßig lediglich sechs Einträge. Haben Sie mehr Apps geöffnet, dann expandiert sie beim Überfahren des ersten und letzten sichtbaren Eintrags mit dem Mauszeiger nach rechts und links. Ganz rechts ist die Systemablage untergebracht. In den Einstellungen lassen sich unter dem Menüpunkt Erweiterungen weitere vordefinierte Addons aktivieren.

Die angebotene Auswahl an vorinstallierten Anwendungen ist typisch für Gnome, wenn auch nicht so umfangreich wie etwa bei Fedora oder Ubuntu. So fehlt etwa die Anwendungsverwaltung Gnome Software, die hier auch nicht wirklich Sinn ergeben würde. Für alle üblichen Anwendungsszenarien wie Surfen im Netz, Musik, Videos oder Bildbearbeitung gibt es aber zumindest jeweils eine App. Dazu zählen Web als Browser, Evolution für E-Mail, der Totem-Videoplayer und Shotwell als Fotomanager. Hinzu kommen die von Gnome gewohnten System-Apps. Als Init-System vertraut rlxOS Systemd und stützt sich des Weiteren auf einen Kernel 5.8.

Apps kontrollieren

Eine grafische Paketverwaltung bringt rlxOS derzeit nicht mit. Für das Terminal steht das Frontend Appctl bereit, das sich ähnlich wie Apt oder Dnf verhält und auf ein Repository mit rund 800 Anwendungen zugreift. Sie können aber auch fremde Repos einbinden, wie die Dokumentation verrät . Auf diesem Weg lässt sich etwa statt des vorinstallierten Vim beispielsweise der eventuell vertrautere Editor Nano einrichten, der im rlxOS-Repository fehlt. Die wichtigsten Befehle zur Bedienung von Appctl finden Sie in der Tabelle Arbeiten mit Appctl auf der nächsten Seite; Hilfe zur Bedienung erhalten Sie nach Eingabe des Befehls appctl im Terminal.

Haben Sie rlxOS frisch installiert, sollten Sie als Erstes nachsehen, ob sich das System aktualisieren lässt. Dazu tippen Sie in einem Terminal sudo appctl up‐ date 6 . Falls bei Ihnen anders als im Test eine Aktualisierung verfügbar ist, führen Sie anschließend das Kommando aus den letzten beiden Zeilen von Listing 1 aus und können beim nächsten Neustart entscheiden, ob Sie das neue oder das alte Image starten möchten.

Alternativ kopieren Sie zur Systemaktualisierung ein aktualisiertes Systemabbild von der offiziellen Website nach run/initramfs/rlxOS/system/ und aktualisieren dann die Grub-Konfiguration. Auch dann können Sie die verschiedenen Versionen, die alle in einer Partition residieren, von Grub aus nach Bedarf booten. Betreiben Sie rlxOS als Dualoder Multiboot-System, muss das Paket osprober installiert sein.

Universelle Paketformate

Mit dem als unterstützt angekündigten AppImage-Format hatten wir im Test einige Probleme. Egal, wo die Pakete herkamen, sie ließen sich nicht zum Start überreden, obwohl wir sie mittels sudo chmod a+x Paket ausführbar gemacht hatten. Angeblich fehlte eine App zum Ausführen.

Mit etwas Stöbern stellten wir fest, dass FUSE nicht installiert war. Dem halfen wir mit einem beherzten sudo appctl install fuse3 schnell ab. Nach einem Neustart ließen sich die heruntergeladenen AppImages dann starten. Um sie in das App-Grid einzubinden, rufen Sie den Befehl appimaged auf, der für die Integration sorgt und künftig heruntergeladene AppImages nach dem ersten Start einbindet.

Völlig unproblematisch verlief die Integration mit Flatpak. Das Framework ließ sich mit sudo appctl install flatpak schnell auf die Platte befördern und integrierte dann Flathub bereits. Die dann von dort heruntergeladenen Flatpak-Referenzdateien mussten wir nur noch ausführen. Als Beispiel luden wir den Editor Atom herunter und installierten ihn mit flatpak install flathub io.ato.

Atom. Danach ließ er sich sofort benutzen 7 . Snap haben wir nicht getestet.

Fazit und Ausblick

Zunächst zu den positiven Aspekten des Newcomers: rlxOS macht Spaß, lässt sich im Handumdrehen installieren und läuft auch schnell. Die Gnome-Shell lädt zum Arbeiten ein, da sie nicht der etwas realitätsfremden Designphilosophie der Gnome-Entwickler folgt. Wer mit Flatpak und AppImage ideologisch keine Probleme hat, kann mit rlxOS gut arbeiten und braucht keine Angst davor zu haben, sich das System zu zerschießen.

Es gibt aber auch einige negative Punkte, die zum größten Teils dem noch geringen Alter der Distribution zuzuschreiben sind. Der eigene AppImage-

App-Store enthält bisher nur vier Apps, aber es gibt auf AppImageHub und dem Store auf Github ausreichend Auswahl. Da stellt sich die Frage, wozu überhaupt ein eigener Shop gut sein soll, da er bisher nicht mehr leistet als die etablierten Shops.

Die Einbindung von AppImage bedarf noch etwas Feinschliff. Die Aktualisierung von Grub nach dem Einspielen eines neuen Images sollten die rlxOS-Entwickler entweder auf einen einzigen kurzen Befehl vereinfachen oder gleich in Form eines Buttons integrieren.

Die Welcome-Tour bietet einen Ausblick darauf, was bei rlxOS als Nächstes kommen soll 8 . Dazu zählen ein virtueller Assistent namens Rlxbot, die von Javascript abgeleitete Programmiersprache Source sowie ein Systemmonitor namens Health, der den Betriebszustand des Systems im Auge behält.

Gemessen am sehr geringen Alter der Distribution ist sie in erstaunlich gutem Zustand, wenn man bedenkt, dass die Entwickler rlxOS von Grund auf bauen.

Geht die Entwicklung so flott weiter, werden wir in ein oder zwei Jahren bestimmt noch einmal mit rlxOS relaxen. (jlu)

Weitere Infos und interessante Links

www.linux-user.de/qr/46625