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VOLLBLUT – DER KURZE DRAHT VON BEIN ZU HIRN


St.GEORG - epaper ⋅ Ausgabe 110/2019 vom 21.10.2019

In 96 Prozent unserer Reitpferde steckt einVOLLBLÜTER, ein Vertreter der edelsten Pferderasse, gezüchtet auf Schnelligkeit. Im Idealfall intelligent, feinnervig, hart und ausdauernd. Aber die Liaison zwischen Vollblut- und Warmblutzucht, die sich über viele Jahrzehnte bewährt hat, droht auseinander zu brechen


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Bildquelle: St.GEORG, Ausgabe 110/2019

Dank der Zuchtphilosophie des verstorbenen Friedrich Butt und der züchterischen Passion von Prof. Dr. Volker Steinkraus eine nahezu reine Vollblüterin: Butts Avondale unter Anna Siemer.


Es gab eine Zeit, da wurden den Züchtern ihre Vollblutnachkommen aus der Hand gerissen. In Holstein erhielten sie ...

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... sogar einen besonders gekennzeichneten Abstammungsnachweis. Der hellblaue Schein für Vollblutkinder zeugte von Zuchtfortschritt und war begehrter als der traditionelle rote.

Von den Nachkriegsjahren bis 2009 wurden beispielsweise in Holstein 131 verschiedene Vollbluthengste eingesetzt. Heute sind es drei, die um jede Stute kämpfen. Weitere, auch aus anderen Zuchtgebieten, werden angeboten. Dort ist es ähnlich. Im Warendorfer Landgestüt steht kein Vollblüter mehr, von einigen längst verstorbenen Hengsten gibt es noch Tiefgefrier-Samen. Celle bietet noch vier, das Haupt- und Landgestüt Marbach mit seiner Araberzucht und der blut-affinen Landstallmeisterin Dr. Astrid von Velsen-Zerweck fünf Veredler an.

Wenn ein Hengsthalter tatsächlich einen Vollblüter aufstellt, dann weiß er, dass er vielleicht ein gutes Werk tut, aber kein Geschäft machen wird. Eine Handvoll Stuten, selten mehr als ein Dutzend, bekommt ein Vollbluthengst im Schnitt. Unrentabel – für Privathengsthalter – von denen dennoch einige das Risiko eingehen – genauso wie für die staatlichen Institutionen, sprich Landgestüte, die auch mit sehr spitzem Bleistift rechnen müssen. Niedrige Deckgelder – zum Vergleich: in Holstein 450 Euro für Fragonard xx, 2500 Euro für Top-Hengst Casall – können Züchter nicht locken. Gegen die Folgekosten, die die Aufzucht eines Fohlens und später die Ausbildung eines Jungpferdes bis zum Verkauf verursachen, sind das buchstäblich Peanuts. Und wenn ein Züchter zum Blüter geht, dann oft nicht mit der besten Stute. Mit der geht er zu den teuren Starhengsten und hofft auf einen Olympiasieger. Den bekommt er mit einem Vollblüter wahrscheinlich nicht, jedenfalls nicht in den Disziplinen Springen und Dressur.

Vielleicht in der Vielseitigkeit, in der Vollblut nach wie vor eine wichtigere Rolle spielt, der Blutanteil aber nicht mehr so entscheidend ist. Früher wurden mindestens Dreiviertelblüter bevorzugt, heute genügen Vollblutanteile von 50 Prozent. Selbst mit 45 Prozent kann ein Pferd pfeilschnell durchs Gelände laufen, wie die Quality-Tochter Quintana unter Anna-Katharina Vogel bei der EM in Luhmühlen mit der absolut schnellsten Zeit bewies. Die überschaubare Zahl der Züchter von Vielseitigkeitspferden in Deutschland weiß das Vollblut zu schätzen. Etwa der unvergessene Friedrich Butt, der den deutschen Spitzensport mit 35 Buschpferden versorgte, immer wieder Vollblüter einkreuzte, sodass die Butt-Pferde heute bis auf einen winzigen Rest fast reine Blüter sind, wie Butts Avondale mit 99,80 Prozent, bei der EM Luhmühlen von Anna Siemer eindrucksvoll vorgestellt.

Veredelte Oldenburg in den 1970- er Jahren: Vollkorn xx – hochbeinig und bergauf.


Bergab konstruiert, kurze Vorderbeine, überbaut: Frankel ist einer der aktuell besten Vollbluthengste der Welt.


UND DAS SPRINGEN?

Der Springpferdezüchter schätzt zwar die schnelle Reaktion und die Intelligenz des Blüters, aber ob dieser Vermögen und Manier zumindest erhält, weiß er erst nach Jahren. Hat er dann ein „Hängebein“ im Stall stehen, wird er es nicht los.

Der Dressurpferdezüchter muss sich darauf gefasst machen, dass sein Fohlen vor allem im Trab, der „Geldgangart“, weniger spektakulär als seine Altersgenossen daherkommt. Aber auch in anderen Reitpferdepoints, die spätere Leichtrittigkeit versprechen, wie ein gut angesetzter Hals, sind Einbußen zu erwarten.

Das alles bezieht sich auf die sogenannte F1-Generation, also die direkten Vollblutnachkommen. Der Wert des Vollbluts zeigt sich oft erst eine Generation später, in der F2-Generation. Die gibt es nicht ohne die F1-Pferde. Geduld und langer Atem sind da züchterisch gefragt. Wer eine qualitätsvolle Halbblutstute besitzt, dem steht die Welt offen, da passen viele Hengste. „Für den Vollblüter sollte man die beste Mutterlinie nehmen, den besten Stamm mit guter Springqualität“, sagt der Holsteiner Zuchtleiter Dr. Thomas Nissen. Nur dann habe der Blüter auch die Chance, Qualität zu vererben.

In den 1950er-Jahren, als die Umzüchtung vom Arbeits- zum Reitpferd Fahrt aufnahm, da konnte fast jeder Vollblüter etwas verbessern, die Pferde edler, gängiger, sportlicher machen. Heute führt zwar fast jedes Warmblutpferd Vollblut, aber manchmal weit hinten im Pedigree. Obwohl weniger Blüter benutzt werden, ist der Blutanteil paradoxerweise gestiegen. Eine Untersuchung von Dr. Florian Sitzenstock, heute Uni Osnabrück, an mehr als 200.000 Hannoveraner Fohlen, geboren zwischen 1980 und 2006 zeigt, dass der durchschnittliche Vollblutanteil in diesem Zeitraum von 20 Prozent auf 25 Prozent angestiegen ist. Der Anteil der Pferde ganz ohne Vollblutahnen ist hingegen von 40 auf vier Prozent gefallen. Haben unsere Reitpferde also schon Blut genug? Wird das Original nicht mehr gebraucht?

„Jein“, sagt sinngemäß der Oldenburger Zuchtleiter Dr. Wolfgang Schulze-Schleppinghoff (siehe Interview rechts). Frisches Blut, schon um die genetische Vielfalt zu erhalten, hält er für „unabdingbar“, wie auch Thomas Nissen: „Sonst besteht die Gefahr, dass die Pferde wieder gröber werden.“

SCHWIERIGE PARTNERSUCHE

Da steht das nächste große Problem im Raum: Den Vollbluthengst zu finden, der passt. Am liebsten einen neuen Dark Ronald. Und das für möglichst wenig Geld. Der irische Stempelhengst Dark Ronald (geboren 1905, s. S. 79) kostete bereits vor hundert Jahren 500.000 Mark, ein hoher Preis, selbst wenn man die beginnende Inflationszeit berücksichtigt. Die mangelnde Bereitschaft, für einen guten Blüter Geld auszugeben, beklagt Peter Brauer, früher Sprecher des Direktoriums für Vollblutzucht und Rennen, heute selbstständiger Vollblut-Agent. „Für einen meines Erachtens geeigneten Hengst bieten mir die Warmblutleute 10.000 Euro, dann verkaufe ich den doch lieber nach Frankreich für 30.000 Euro.“ Anders als in Deutschland, blüht der Hindernisrennsport in Frankreich, dort, wie auch in Großbritannien und Irland, gibt es ganze Linien, die darauf spezialisiert sind. Dort würde man wahrscheinlich auf der Suche nach Springgenen fündig.

Aber auch die Vollblutzucht hat sich verändert. „Wir brauchen die großrahmigen Rechtecktypen, nicht die kompakten Quadratpferde, die heute für Speedrennen gezüchtet werden“, sagt Dr. André Hahn vom Oldenburger Zuchtverband. Die deutschen Linien genießen in der internationalen Rennpferdezucht einen ausgezeichneten Ruf, gelten als hart, gesund und ausdauernd. „Wenn Sie heute eine Diana-Siegerin (klassisches Rennen für dreijährige Stuten) haben, können Sie die morgen für zwei Millionen verkaufen“, sagt Peter Brauer.

Bei diesem Preisgefüge stehen die besten Hengste, das sind oft auch die korrektesten, für die Warmblutzucht nicht zur Verfügung. Zwar ist die Rennleistung nicht unbedingt entscheidend, siehe die beiden Legenden Ladykiller xx und Heraldik xx, aber eine gewisse Klasse wird doch verlangt. Hier treffen zwei Welten aufeinander, die verschiedene Sprachen sprechen. Liest sich für den Vollblutmann die Qualität vor allem am Pedigree ab, ist dies für den normalen Reitpferdezüchter ein Buch mit sieben Siegeln, dafür kann er die Abstammung von Casall oder Donnerhall bis ins vorvorige Jahrhundert herunterbeten. Er würde gerne den Blüter im Trab beurteilen können, möglichst unter dem Reiter und überm Sprung, wie Heraldik xx.

Dafür erntet er Kopfschütteln. Schon wer sich einen Vollblüter vortraben lassen will oder gar am Sprunggelenk herummäkelt, gilt als Sonderling. Der Graben zwischen den beiden Pferdesportszenen ist tiefer geworden, man redet kaum noch miteinander. Pferdeleute, die in beiden Welten zuhause sind, sind selten, einer ist der Hamburger Kaufmann Addi Darboven (s. S. 84).

Bleibt noch der Weg über Vollblutstuten. „Natürlich gibt es Stuten, die im Phänotyp unseren Vorstellungen entsprechen“, sagt Dr. Friedrich Christoph v. Saldern, ehemaliger Leiter der Tierklinik Telgte und mehrere Jahre Tierarzt im irischen Vollblutgestüt Coolmore. „Aber das sind dann Einzelprodukte.“ Und das Pedigree sagt auch hier den wenigsten Züchtern etwas, die Anpaarung bleibt ein Vabanquespiel.

Nochmal gefragt: Hat sich die Suche nach dem perfekten Blüter überlebt? „Nein“, sagt André Hahn. „Ich sehe sofort den Blüter in einem Pferd, die lange Kruppe, die gute Sattellage und der lange hohe Widerrist, mit klaren Beinen und straffer Textur.“ „Nein“, sagt auch von Saldern. „Das Atemvolumen und das Herz eines Vollblüters sind größer und er ist unabhängiger vom Klima. Und er hat diesen Extra-Kick, den man für ein Championatspferd braucht.“ Oder, wie es mal ein Springreiter ausdrückte, „beim Blüter habe ich den kurzen Weg vom Bein zum Hirn“. Der kurze Draht vom Reiterbein zum Pferdehirn. Darum geht es in jedem Pferdesport. Deswegen lohnt es sich, weiter zu suchen.

DER ÜBERVATER: DARK RONALD xx

v. Bay Donald xx, a.d. Darkie xx v. Thurio xx, geb. 1905

Nahezu jedes deutsche Sportpferd führt ihn im Stammbaum: Dark Ronald.


Das Herz von Dark Ronald im Pferdemuseum Münster.


Er ist seit fast 100 Jahren tot, aber er wird noch heute gerne zitiert, wenn es um den großen Einfluss des Vollbluts auf die deutsche Warmblutzucht geht. Bei fast jedem Pferd, das einen deutschen Vollblüter im Pedigree führt, stößt man auf den Dunkelbraunen, der 1913 vom Oberlandstallmeister Burchard v. Oettingen für den damals horrenden Preis von 500.000 Mark für das Preußische Land-und Hauptgestüt Graditz angekauft wurde. Dark Ronald erwies sich als der erfolgreichste nach Deutschland importierte Hengst aller Zeiten. Seine Söhne gewannen 22 Beschälerchampionate, seine Spuren hinterließ er auch in der deutschen Reitpferdezucht. Sein Bild zeigt einen ausdrucksvollen Hengst mit viel Substanz, der den Typ des modernen Reitpferdes nahezu vollendet verkörpert. Aus der deutschen Vollblutzucht ist er über die Linie seines Ururenkels Literat, dessen Sohn Surumu, dem Enkel Acatenango und Urenkel Lando nicht wegzudenken.

DIE WFFS-QUELLE?

Dark Ronald ist in Verdacht geraten, die Fohlenkrankheit WFFS (Warmblood Fragile Foal Syndrome) vererbt zu haben. Alle Warmblutfohlen, die an dieser Neugeborenen-Krankheit sterben, haben ihn im Stammbaum.

FURIOSO xx: v. Precipitation xx-Son in Law xx, geb. 1939

Auch dieser französische Vollblüter hat nie in Deutschland gestanden. Er zeugte Lutteur, den Olympiasieger 1964 unter Pierre Jonquères d’Oriola, der mit einer bis dahin nicht gekannten Leichtigkeit über schwerste Kurse galoppierte. Bei nahezu jedem Pferd, das in Deutschland mit „F“ beginnt, stecktFurioso II , geb. 1965, der in Oldenburg wirkte, dahinter. Im Springsport haben sich zwei Linien durchgesetzt: Die desFor Pleasure , der unter zwei Reitern, Lars Nieberg und Marcus Ehning, olympisches Teamgold gewann und die des in den Niederlanden eingesetzten HannoveranersVoltaire (über Kannan z. B. Großvater des Olympiasiegers 2012, Nino des Buissonnets).
In der Dressur avancierte der RheinländerFlorestan , ein Furioso II-Enkel, zum Linienbegründer. Ohne ihn keinFidertanz (Söhne: u. a. Franziskus und Foundation), keinFürst Heinrich (dessen Sohn Fürstenball bislang 65 gekörte Söhne hat), oder Fürst Romancier (Sohn For Romance). Schließlich:Jazz – als Dressurpferd im Championatseinsatz für die Niederlande, ist ein Urenkel von Furioso II und war die Nummer eins der Weltrangliste der Dressurvererber. Auf ihn gehen Hengste wie Don Juan de Hus, Apache oder Johnson zurück.
Furioso xx ist auch über Furioso IIs VollbruderMexico Urgroßvater des KWPNRappenFerro (Olympia 2000). Er wiederum ist Großvater des HengstesZack , Sechster der Dressurweltrangliste, und des Olympiasiegers 2016 Valegro (Charlotte Dujardin).

ER ZEUGTE LANDGRAF UND LORD: LADYKILLER xx: v. Sailing Light xx-Loaningdale xx, geb. 1961

Vater der überragenden Hengste Lord und Landgraf: Ladykiller xx


Fast wäre Ladykiller an der Mindesthürde gescheitert, die ein Vollbluthengst für die Warmblutzucht überwinden muss: 80 Kilo GAG („Generalausgleich“, berechnet anhand der Rennleistung). Er schaffte gerade mal 80,50 Kilo, wurde aber über seine SöhneLandgraf undLord einer der großen Vollblutvererber der Sportpferdezucht nach 1945. 36 seiner Söhne wurden gekört, zu seinen direkten Sportnachkommen zählen Landgräfin (Hugo Simon), Boy (Eddie Macken) und Ladad (Herbert Blöcker). Noch größer ist die Zahl seiner erfolgreichen Enkel, 1100 eingetragene Sportpferde stellte Landgraf, sein Halbbruder Lord kommt auf 666 FN-registrierte Sportnachkommen, davon 200 S-erfolgreich, und 69 gekörte Söhne. Lord selbst ging Vielseitigkeit bis Klasse S unter Herbert Blöcker. Sein berühmtester Nachkomme ist das Championatspferd Livius, in den 1980er Jahren erfolgreich unter Peter Luther. Heute ist die Ladykiller xx-Linie dünn geworden. In Benelux hält man sie überNumero Uno undLevisto aufrecht. Während einem der Anfangsbuchstabe L noch bei Spring- und Vielseitigkeitspferden begegnet, hat kaum einer auf dem Schirm, wie omnipräsent Ladykiller xx auch in der aktuellen Dressurszene als Stammvater ist: Er verbirgt sich hinter dem „V“ wieVitalis oderVivaldi , der über seinen VaterKrack C aufLacapo zurückgeht, einen Landgraf-Sohn.

Holsteiner Stempelhengst Landgraf v. Ladykiller xx.

ZUR PERSON: DR. WOLFGANG SCHULZESCHLEPPINGHOFF

… ist einer der dienstältesten Zuchtleiter Deutschlands. Der 65-Jährige ist mit kurzer Pause seit 1988 beim Verband der Züchter des Oldenburger Pferdes und seit dessen Gründung auch beim Springpferdezuchtverband Oldenburg International (OS) tätig. Der „Zuchtwertschätzung im Vollblutsport“ widmete er seine Promotion an der Universität Kiel.

MR. VIELSEITIGKEIT: HERALDIK xx: v. Caramel xx-Calé xx, geb. 1982

Manier und Vermögen: Heraldik xx unter Hengsthalter Thomas Casper.


Heraldik xx war wie viele in der Warmblutzucht erfolgreiche Vollbluthengste als Rennpferd kein Treffer. Er verletzte sich vor seinem ersten Start im Training und wechselte schnell den Beruf. Der in der Slowakei gezogene Rappe ging selbst international in schweren Springen und war auch dressurmäßig bis zur Klasse S ausgebildet. Durch glückliche Fügung kam er zum Gestüt Birkhof der Familie Casper in Donzdorf (Baden-Württemberg). Heraldik xx bekam mehr Stuten als die meisten Vollbluthengste seiner Zeit und das lag auch daran, dass er wie ein Sportpferd unter dem Sattel vorgestellt werden konnte. Die Züchter bekamen einen ganz anderen Eindruck von ihm als von seinen üblicherweise an der Hand des Vorführers hektisch zappelnden Kollegen. Heraldik xx nutzte seine Chancen aufs Beste, ihm verdanken wir Weltklasse-Vielseitigkeitspferde wie Butts Abraxxas (Ingrid Klimke), Butts Avedon und Butts Leon (Andreas Dibowski), außerdem ist er Muttervater des dreifachen Olympiasiegers Sam (Michael Jung).
Seine 968 eingetragenen Nachkommen gewannen rund 1,4 Millionen Euro. 17 gekörte Söhne und 224 Zuchtstuten verzeichnet die Erfolgsdatenbank der Deutschen Reiterlichen Vereinigung. Das alles macht Heraldik xx zum erfolgreichsten Vollblüter, der nach 1945 in Deutschland wirkte.

SAMS ERZEUGER: STAN THE MAN xx: v. Tachypous xx-Sahib xx, geb. 1982

Olympiasieger Sam v. Stan the Man xx und Michael Jung.


Seine Kinder haben sechs Olympiamedaillen gewonnen, davon vier goldene. Allen voran der geniale Sam, dem Michael Jung drei Olympiasiege verdankt. 1996 wurde Sam the Man unter Bodo Battenberg in der olympischen Mannschaftsprüfung Neunter. Der Brite Leslie Law ritt die Vollgeschwister Shear H20 und Shear L’Eau erfolgreich bei den Olympischen Spielen in Sydney und Athen. Zunächst in Irland eingesetzt, hat Stan the Man xx nur wenige Jahre in Deutschland gedeckt, was im Nachhinein bedauerlich ist. Immerhin haben 81 FN-registrierte Sportpferde ihn als Vater, sie gewannen fast 880.000 Euro, davon Sam allein 763.850 Euro.

Stan the Man xx

„CORDES“ VATER: RANTZAU xx v. Foxlight xx-Cavaliere d’Appino xx, geb. 1946

Der in den 1970er-Jahren in Frankreich hoch renommierte Fuchs gilt als einer der besten Blüter, die je in der französischen Sportpferdezucht gewirkt haben. In Holstein stellte er die Weichen neu über seinen SohnCor de la Bryère (Bild), der mütterlicherseits auch noch das Blut des anderen großen Franzosen, Furioso xx, führt – beide tragen über Son in Law xx die Gene des Dark Ronald in sich. „Corde“ ist der mit Abstand einflussreichste Hengst der Holsteiner Springpferdezucht.

HANNOVERS LIEBLINGS-BLÜTER: LAURIES CRUSADOR XX: v. Welsh Pageant xx-High Top xx, geb. 1985

Der in England gezogene „Laurie“ war ein mittelmäßiges Rennpferd, aber bildschön und mit für einen Vollblüter beachtlichen Trab ausgestattet. Er ist einer der wenigen, wenn nicht überhaupt der einzige Vollbluthengst, dessen lineare Zuchtwerte sich, was Dressur angeht, im positiven Bereich bewegen. Aufgestellt im Landgestüt Celle, lieferte er vor allem der hannoverschen Zucht mehrere Top-Dressurpferde, wie Lesotho (Ellen Schulten-Baumer) und Le Bo (Carola Koppelmann). 1282 FN-registrierte Nachkommen gewannen 1,056 Millionen Euro. Mit 71 gekörten Söhnen (darunterLondonderry ) und 929 Zuchtstuten drückte er auch der Zucht seinen Stempel auf.


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