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Volle Hütte


LinuxUser - epaper ⋅ Ausgabe 10/2021 vom 16.09.2021

Proxmox 7.0

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Bildquelle: LinuxUser, Ausgabe 10/2021

README

Arbeiten Sie häufig mit virtuellen Maschinen, finden aber den Umgang mit Virtualbox, VMware Workstation und Co. umständlich, sollten Sie einen Blick auf Proxmox werfen:

Das Profi-Tool läuft auf einem separaten Server-PC, die VMs nutzen Sie im Browser.

Wer Geld im Überfluss und einen passenden Hobbyraum hat, kann den mit diversen PC-Arbeitsplätzen vollstellen und allerlei Linux-, Windows-und MacOS-Installationen auf den Rechnern betreiben. Je nach Lust und Laune schaltet er dann den PC mit dem gewünschten Betriebssystem ein und nutzt ihn.

Das ist aber ein untypisches Szenario – wahrscheinlicher haben Sie nur Platz für einen oder zwei Rechner.

Virtuelle Maschinen (VMs) machen die gleichzeitige Nutzung mehrerer Systeme komfortabel: Programme wie Virtualbox und VMware Player lassen Sie komplette Installationen einer Linux-Distribution oder eines Windows-Systems auf virtueller Hardware ...

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... einrichten, die Sie bei Bedarf starten und im Fenster bedienen.

Brauchen Sie die VM nicht mehr, speichern Sie den aktuellen Zustand und schalten die virtuelle Maschine aus oder fahren sie regulär herunter.

Es gibt aber einige Nachteile: Wenn Sie etwa nach einem Update den Rechner, auf dem die Virtualisierungssoftware läuft, neu starten müssen, schalten Sie dabei auch alle VMs aus. Außerdem teilen sich die virtuellen Maschinen die Rechenleistung mit den sonstigen Anwendungen. Auf Notebooks kann die hohe Last auch für störende ständige Lüftergeräusche sorgen. Darum bietet es sich an, die VMs auf einen separaten Rechner auszulagern.

Hier kommt Proxmox ins Spiel: Das eigenständige Virtualisierungssystem bietet ähnliche Funktionen wie VMware vSphere, und Sie können darauf virtuelle Maschinen mit KVM und Container mit LXC laufen lassen. Sie nutzen also mit einem Produkt zwei verschiedene Virtualisierungstechniken. Grob vereinfacht sind Container kompakter und brauchen weniger Ressourcen, dafür sind VMs flexibler und unterstützen auch grafische Oberflächen.

Ein mit Proxmox konfigurierter PC kann später ohne Monitor und sonstige Peripheriegeräte in einem anderen Raum stehen. Er braucht nur Strom und eine Netzwerkverbindung. Die VMs und Container steuern Sie dann bequem über den Webbrowser, und das von jedem beliebigen Rechner im lokalen Netz aus 1 . Sie können sich auch von mehreren Rechnern aus am Proxmox-Server anmelden und damit dieselben VM-Oberflächen mehrfach betrachten und steuern.

Die im Juli 2021 erschienene Proxmox- Version 7 basiert auf Debian 11 „Bullseye“. Für den Test haben wir Proxmox auf einer alten Z420-Workstation von HP eingesetzt, die mit einem Hexacore-Xeon-Prozessor (sechs Kerne mit maximal 3,2 GHz, dank Hyperthreading von Linux als Zwölf-Kern-Maschine erkannt) und 32 GByte RAM für diese Aufgabe gut gerüstet ist. Workstations und Server dieser Klasse gibt es bei Gebrauchthändlern schon ab 300 Euro. Sie empfehlen sich aber nur, wenn sie später in einem Abstellraum oder im Keller stehen: Sie verursachen wegen der leistungsfähigen Lüfter einen hohen Lärmpegel.

Prinzipiell lässt sich auch jeder andere ausgemusterte PC verwenden, sofern sein Prozessor halbwegs aktuell ist und die nötigen Virtualisierungsfeatures mitbringt – der Proxmox-Installer warnt direkt beim Booten, falls das nicht der Fall sein sollte. Es gibt auch Berichte über den erfolgreichen Einsatz auf Notebooks, aber da tritt ebenfalls Lüfterlärm auf, sobald der Prozessor beansprucht wird.

Vorbereitung

Laden Sie das aktuelle Installer-Image für Proxmox VE vom Server herunter. Sie finden es unter Downloads | Proxmox Virtual Environment | ISO Images. Beim Schreiben dieses Beitrags gab es dort vier Links: direkte Downloads und Bittorrent-Links für VE 7.0 und VE 6.4. Wir wählten für den Test den Proxmox VE 7.0 ISO Installer aus und luden damit das ISO-Image proxmoxve_7.0-1.iso herunter.

Die 1 GByte große Abbilddatei können Sie auf einen DVD-Rohling schreiben, falls Sie noch einen Brenner besitzen und auch der Server über ein DVD-Laufwerk verfügt. Einfacher und umweltfreundlicher ist es, die Image-Datei mit Dd auf einen USB-Stick zu schreiben. Das Proxmox-Team empfiehlt dazu das Kommando aus Listing 1.

Mit Lsblk ermitteln Sie vorher, welche Gerätedatei das System dem USB-Stick zugeordnet hat 2 2 . Als Zielgerät fungiert immer der ganze Stick (im Beispiel: /dev/ sdb), nicht eine Partition. Vorsicht: Das Dd-Kommando löscht ohne Rückfrage alle eventuell auf dem Stick vorhandenen Partitionen und Dateien. Ein Wiederherstellen der überschriebenen Daten gelingt in der Regel nicht.

Ser ver-Installation

Den ersten Teil der Einrichtung führen Sie am Server durch und brauchen dafür Monitor, Tastatur und Maus. Sobald Sie die grundlegenden Arbeiten erledigt haben, kann der Server aber in einen anderen Raum (in den Keller oder auf den Dachboden) wandern, sofern er dort eine Verbindung zum lokalen Netz findet. Für die restlichen Setup-Schritte und die tägliche Verwendung nutzen Sie dann das Web-Interface von Proxmox.

Die Systemeinrichtung beginnt mit dem Booten des Proxmox-Installers, in der Regel von einem USB-Stick. Das erfordert eventuell im BIOS beziehungsweise im UEFI-Setup Ihres Rechners Änderungen an der Boot-Reihenfolge. Externe USB-Speicher sollten dort vor der eingebauten Festplatte stehen, damit nicht automatisch ein bereits installiertes System startet. Auf einigen Rechnern können Sie auch per Hotkey ein Boot-

Menü aufrufen, über das Sie (einmalig) den Start vom USB-Stick festlegen.

Im Bootmenü des Installationssystems wählen Sie den Eintrag Install Proxmox VE aus. Der Bootvorgang ist schnell erledigt, und der Installer prüft als Erstes, ob die für die Virtualisierung nötigen Erweiterungen des Prozessors aktiviert sind – falls nicht, erscheint eine Warnung. Sie sollten dann die Installation zunächst abbrechen und im BIOS oder UEFI-Setup die Virtualisierungsfunktionen (Intel VT, VT-x, AMD-V oder generisch Virtualization Technology genannt) aktivieren.

Nach dem Booten startet eine minimale grafische Oberfläche, auf der Sie zunächst durch einen Mausklick auf I agree der Lizenz (EULA) zustimmen. Die Software selbst steht nach Angaben des Herstellers unter der freien Lizenz GNU AGPL v3, und den Quellcode können Sie in einem öffentlichen Code Repository inspizieren .

Eine erste Entscheidung steht an, wenn Proxmox nach der Zielplatte (Target Harddisk) fragt 3 . Ist im Rechner nur eine Platte verbaut, wählt der Installer diese aus, ansonsten einfach die erste Disk. Sie können die Platte hier nicht partitionieren, um etwa eine Parallelinstallation mit bereits vorhandenen Systemen aufzubauen. Ein Server im Dual-Boot-Betrieb wäre aber auch ungewöhnlich. Im fertig installierten System gelingt später das Partitionieren zusätzlicher Platten.

Als Standarddateisystem dient Ext4. Proxmox formatiert aber nicht direkt eine Partition mit Ext4, sondern richtet ein LVM-System (Logical Volume Management) ein, sodass Sie später bequem zusätzliche Platten einrichten und nutzen können. Das Ext4-Dateisystem schreibt der Installer auf eine logische Platte (/dev/mapper/pve‐data). Ein Klick auf Options öffnet den Dialog, den Sie mittig in Abbildung 3 sehen. Darin ändern Sie bei Bedarf Einstellungen zum Dateisystem und Größenvorgaben. Dank LVM lassen sich die Standardwerte aber auch später noch modifizieren. Falls im Rechner mehrere Platten stecken, empfiehlt es sich, hier eine der kleineren Platten auszuwählen und die großen Disks für VM-Images zu nutzen. Weiter geht es mit einem Klick auf Next.

Im folgenden Dialog wählen Sie das Land, die Zeitzone und die Tastaturbelegung (Keyboard Layout). Im Test waren hier mit Germany, Europe/​Berlin und German bereits passende Werte vorgegeben. Die Einstellungen zur Tastatur sind aber nur für das Festlegen des Passworts wichtig (um etwa nicht versehentlich [Y] und [Z] zu vertauschen), da Sie im späteren Betrieb das Web-Interface verwenden. Entsprechend gibt es hier auch keine Spielereien wie Anpassungen zu den Akzenttasten.

Weiter geht es mit der Vergabe eines Root-Passworts. Hier verlangt der Installer, dass Sie eine E-Mail-Adresse eingeben, an die der Server nach Einrichtung eines Mailservers Benachrichtigungen schickt. Als Nächstes geht es an die Netzwerkkonfiguration. Standardmäßig bezieht das Tool die Adresse und alle weiteren Daten vom DCHP-Server, der auf Ihrem Router läuft, falls Ihr Heimnetzwerk so konfiguriert ist. Alternativ füllen Sie die Felder manuell aus. Proxmox nutzt hier die CIDR-Notation , über die Sie kompakt die IP-Adresse und die Netzwerkmaske angeben, also beispielsweise 192.168.178.123/24.

Es folgt eine Zusammenfassung der Einstellungen; mit einem Klick auf Install geht es dann los. Die weiteren Schritte erledigt die Installationsroutine autonom. Am Ende zeigt sie kurz die Zugangsdaten für den auf Port 8006 laufenden Webserver an und bootet dann neu. Das erfolgt automatisch, falls Sie in der Übersichtsseite das Häkchen bei Automatically reboot after successful installation gesetzt haben. Den USB-Stick können Sie jetzt entfernen.

Web-GUI

Für die weiteren Konfigurationsschritte der frischen Proxmox-Installation benötigen Sie einen Webbrowser. Im Rahmen des Tests kam Firefox unter Linux und MacOS zum Einsatz. Geben Sie in Firefox die Adresse https://ServerIP:8006 ein. Der Proxmox-Server zeigt die richtige IP-Adresse auf dem Textmodus-Anmeldebildschirm an. Beachten Sie, dass sich der DHCP-Server Ihres Routers die Zuordnung der Adresse zu dieser Maschine merkt, aber diese Zuordnung eventuell nicht dauerhaft bleibt. Viele Router geben Ihnen die Möglichkeit, Rechnern eine bestimmte Adresse fest zuzuordnen; alternativ tragen Sie in den Proxmox-Einstellungen eine feste IP-Adresse ein.

Wichtig ist auch die Angabe des Protokolls (https:) als Teil der URL: Ohne den Zusatz versucht Firefox, eine Verbindung mit dem unverschlüsselten Protokoll (http:) aufzubauen, was nicht klappt.

Download-Link ermitteln

Download-Seiten für Linux-Distributionen und andere große Softwarepakete enthalten oft keine direkten Links. Stattdessen generiert die Seite nach dem Anklicken eines Buttons dynamisch einen Download-Link und startet dann das Herunterladen. Das dient in der Regel dazu, die Download-Last per Load Balancing auf verschiedene Server oder Mirrors zu verteilen.

Mit einem kleinen Trick kommen Sie an den echten Download-Link heran: Starten Sie zunächst auf dem Desktop-Rechner das Herunterladen. In Firefox klappen Sie nun die Liste der aktiven und abgeschlossenen Downloads auf, öffnen mit einem Rechtsklick das Kontextmenü zum neuen (gerade aktivierten) Eintrag, und wählen darin Download-Link kopieren aus 7 . Sobald Sie den Link auf diese Weise in die Zwischenablage praktiziert haben, brechen Sie den Download-Vorgang ab. Jetzt fügen Sie den Link im Proxmox-Web-Interface ein und starten den Dateitransfer direkt zum Proxmox-Server.

Der Trick gelingt auch mit anderen Browsern. In Chromium klicken Sie nach dem Start des Downloads unten rechts in der Download- Leiste auf Alle anzeigen. Es erscheint eine Liste aller Downloads, die auch die vollständigen Links enthält. Fallen sie sehr lang aus, lassen sie sich eventuell nicht vollständig lesen, was aber keine Rolle spielt. Klicken Sie zu guter Letzt mit der rechten Maustaste auf einen solchen Link und wählen Sie im Kontextmenü Adresse des Links kopieren.

Die Sicherheitswarnung, die Firefox anzeigt, werden Sie mit Klicks auf Erweitert und (im dann erscheinenden Kasten)

Risiko akzeptieren und fortfahren los: Ihr neuer Proxmox-Server verwendet ein selbst signiertes Zertifikat, was im Internet als unsicher gilt, in Ihrem Heimnetz aber kein Problem darstellt. Bei zukünftigen Aufrufen der Seite sollte der Browser die Warnung nicht mehr anzeigen.

Es erscheint nun der Login-Dialog der Web-Oberfläche von Proxmox. Stellen Sie zuerst unter Language die Sprache auf German um, denn danach lädt der Server die komplette Login-Seite neu und leert dabei alle Eingabefelder.

Geben Sie als Nächstes Ihre Zugangsdaten ein: Der Benutzername (oder User name, wenn Sie bei englischen Einstellungen bleiben) lautet root, das Kennwort haben Sie bei der Proxmox-Installation festgelegt. Nach einem Klick auf Anmelden erscheint ein Warnhinweis (Keine gültige Subscription), den Sie mit einem Klick auf OK quittieren. Proxmox zeigt diesen Hinweis bei jedem Login an, das ist aber die einzige Einschränkung.

Rechts oben sehen Sie bereits blau hinterlegt die beiden wichtigsten Funktionen der Oberfläche: Sie können dort sowohl neue virtuelle Maschinen (Erstelle VM) als auch neue LXC-Container (Erstelle CT) anlegen.

Bevor Sie anfangen, mit virtuellen Maschinen und Containern zu arbeiten, sollten Sie noch eine nervige Voreinstellung anpassen: Proxmox ist ab Werk so konfi- guriert, dass es nach Updates auf einem hauseigenen Server sucht, zu dem Sie nur Zutritt erhalten, wenn Sie einen Abovertrag abschließen (Community-Abo ab 90 Euro pro Jahr und CPU). Ohne ein Abo erzeugen Aktualisierungsversuche lediglich Fehlermeldungen. Ersetzen Sie das problematische Repository einfach durch ein frei nutzbares Alternativ-Repository, dann ist Ruhe.

Klicken Sie dazu zunächst links unterhalb von Rechenzentrum auf pve und dann im Hauptbereich unter Updates auf Repositories 4 . Es erscheint eine Übersicht der aktivierten Apt-Repos. Markieren Sie den untersten Eintrag pve-enterprise und schalten Sie die Paketquelle mit einem Klick auf Deaktivieren ab. Klicken Sie dann auf Hinzufügen, schließen die Warnung (erneut Keine gültige Subscription), wählen Sie neben Repository die Option No-Subscription und klicken auf Hinzufügen. Es erscheint nun noch eine Warnung, dass dieses Repository nicht für Produktionssysteme empfohlen ist, aber die dürfen Sie getrost ignorieren.

Alternativ zur Einrichtung über Dialoge können Sie auch direkt die Konfigurationsdateien bearbeiten. Dazu wählen Sie unter Rechenzentrum | pve den Eintrag Shell. Im Hauptfenster startet dann eine frische Shell, in der Sie mit Vi oder Nano die Dateien /etc/apt/sources.

list und /etc/apt/sources.list.d/ pve‐enterprise.list anpassen 5 . Den Eintrag in pve‐enterprise.list deaktivieren Sie durch Voranstellen einer Raute. In der Datei sources.list ergänzen Sie die Zeile aus Listing 2.

Klicken Sie nun auf Updates und dann oben auf Aktualisieren (was eine erneute Warnung zum fehlenden Abo provoziert). In einem separaten Fenster erscheinen die Meldungen, die das Kommando apt update ausgibt. Danach können Sie die Liste der Pakete ansehen, für die Aktualisierungen verfügbar sind.

Klicken Sie auf Upgrade, um die neuen Pakete herunterzuladen und einzuspielen. Es öffnet sich ein neues Fenster, in dem Proxmox das Kommando apt‐get dist‐upgrade ausführt 6 . Geben Sie hier Y ein. Während die Updates laufen, müssen Sie eventuell Fragen zur Paketkonfiguration beantworten. Übernehmen Sie dabei einfach alle Vorschläge.

Die Aktualisierung dauert einige Minuten. Sobald der Root-Shell-Prompt im Terminalfenster erscheint, booten Sie mit shutdown ‐r now neu und melden sich nach kurzer Wartezeit wieder am System an. Dass die Aktualisierungen wirklich eingespielt wurden, erkennen Sie an der nun leeren Liste der Updates. Im Test sprang außerdem die Proxmox-Versionsnummer von 7.0-8 auf 7.0-10.

ISO- und Container-Images

Jetzt ist das System fertig eingerichtet, und Sie können damit beginnen, es zu nutzen. Dazu laden Sie zunächst eines oder mehrere ISO-Images (Installationsdatenträger) und Container-Images herunter. Die Vorgehensweise dabei unterscheidet sich leicht.

ISO-Images können Sie von dem Rechner aus hochladen, an dem Sie gerade arbeiten. Dazu klicken Sie links auf Rechenzentrum | pve | local (pve) und dann im Hauptfenster auf ISO-Images.

Rechts wählen Sie dann Hochladen und klicken im Dialog auf Datei auswählen.

Nun öffnet sich ein Standard-Dateiauswahldialog, in dem Sie das ISO-Image einer Installations-DVD auswählen. Das wird oft ein Linux-Image sein, Sie können aber auch mit Windows, FreeBSD und anderen Gastsystemen arbeiten. Bestätigen Sie die Auswahl, beginnt Proxmox mit dem Datentransfer. Ein Fortschrittsbalken informiert Sie darüber, wie lange das noch dauert.

Kennen Sie die Download-URL eines Images, laden Sie es auch direkt von der Quelle auf den Proxmox-Server hoch, ohne es erst lokal auf Ihrem Arbeitsplatzrechner zu speichern. Dazu klicken Sie im Bereich ISO-Images nicht auf Hochladen, sondern auf Von URL herunterladen. In das Feld URL tragen Sie den entsprechenden Link ein. Der lässt sich in einigen Fällen nicht ganz leicht ermitteln (siehe Kasten Download-Link ermitteln).

Klicken Sie dann auf Query URL, damit Proxmox den Dateinamen des ISO- Images bestimmen kann. Nach einem Klick auf Herunterladen beginnt der Transfer. Hier gibt es zunächst keinen Fortschrittsbalken. Mit ein wenig Verzögerung erscheint aber die Ausgabe des eingesetzten Tools Wget, die in immer neuen Ausgabezeilen auch Prozentwerte anzeigt. Sobald 100 Prozent erreicht sind, können Sie das Fenster schließen.

Benötigen Sie keine vollständige VM, sondern nur einen Container, springen Sie in den Bereich Container Templates und klicken dort auf die Option Templates. Damit öffnen Sie eine umfangreiche Liste von Vorlagen, aus der Sie einen Eintrag auswählen und dann auf Herunterladen klicken 8 .

Container-Templates benötigen deutlich weniger Speicherplatz. So belegen zum Beispiel die Templates von Fedora 34, Ubuntu 21.04 und OpenSuse Leap 15.2 lediglich 85 MByte, 215 MByte beziehungsweise 36 MByte, während die entsprechenden Installer-ISO-Images der vollständigen Distributionen ein oder mehrere Gigabyte Umfang aufweisen (Fedora: 1,9 GByte, Ubuntu: 1,1 GByte, OpenSuse: 4,3 GByte).

Jetzt wird es virtuell

Erzeugen Sie nun Ihre erste virtuelle Maschine: Dazu klicken Sie auf den schon erwähnten Button Erstelle VM am oberen Rand des Proxmox-Fensters. Es öffnet sich ein kleines Dialogfenster mit acht Reitern, auf denen Sie Ihre VM konfigurieren. Haben Sie schon Erfahrungen mit Virtualbox oder VMware Workstation beziehungsweise VMware Player gesammelt, dann kommt Ihnen ein Großteil der Einstellungen bekannt vor. Am schnellsten richten Sie eine VM mit den im folgenden geschilderten Schritten ein.

Auf dem ersten Reiter Allgemein vergeben Sie einen Namen, etwa ubuntu‐001. Die VM ID zählt Proxmox automatisch für Sie hoch. Zu den folgenden Reitern gelangen Sie jeweils mit Klicks auf Vorwärts. Auf dem zweiten Reiter OS wählen Sie neben ISO-Image eine der hochgeladenen ISO-Dateien aus. Die Angaben zum Betriebssystem (Typ und Version) passen zu Linux-Installationen. Alternativ stehen hier Microsoft Windows, Solaris Kernel oder Sonstige zur Auswahl.

Dateien zum Artikel herunterladen unter

www.linux-user.de/dl/46571

Auf dem Reiter System ändern Sie nichts, aber beim vierten Reiter Laufwerk passen Sie die Disk-Größe an. Proxmox erwartet einen Wert in GByte und gibt in der Standardkonfiguration einer Linux-Maschine 32 GByte Plattenplatz.

Wechseln Sie zum CPU-Reiter, und tragen Sie dort unter Cores ein, mit wie vielen Kernen die VM laufen soll. Das ist für die spätere Performance relevant. VMs, denen Sie hier mehr (virtuelle) Kerne geben, erhalten im Betrieb mehr Rechenzeit als VMs mit weniger Kernen. Unter Sockets steht in der Regel mit 1 der richtige Wert, es sei denn, Ihr Server besitzt ein Mainboard, auf dem mehrere Prozessoren (in separaten Sockeln) installiert sind.

Der Reiter Speicher dient der RAM-Zuteilung. Passen Sie die Vorgabe von 2048 MByte an, falls Sie der VM mehr oder weniger Speicher geben wollen.

Die Netzwerk-Einstellungen verbinden die VM standardmäßig über eine von Proxmox erzeugte Bridge mit Ihrem lokalen Netz. Läuft dort ein DHCP-Server, erhält die neue VM also automatisch eine IP-Adresse und lässt sich darüber von anderen Rechnern aus erreichen.

Welche Netzwerkkarte (Modell) Proxmox hier virtuell anbietet, hängt von der Betriebssystemversion ab, die Sie auf dem zweiten Reiter angegeben haben.

Für ein altes Windows 2000 simuliert Proxmox etwa eine klassische Realtek- RTL8139-Karte, während es bei aktuellen Windows-Versionen eine Intel E1000 und bei Linux eine paravirtualisierte VirtIO- Karte anbietet. Falls Ihnen das alles nichts oder wenig sagt, übernehmen Sie einfach die Vorgaben.

Der letzte Reiter enthält eine Zusammenfassung der Einstellungen 9 . Aktivieren Sie dort das Häkchen bei Nach Erstellen starten und klicken Sie auf Abschließen. Nun erzeugt Proxmox die VM und bootet sie sofort.

OS-Installation in der VM

In der Übersicht am linken Rand taucht nun unterhalb von pve ein neuer Eintrag 100 (ubuntu-001) auf. Klicken Sie ihn an, und wechseln Sie zum Bereich Konsole, dann sehen Sie den Bootmanager des ausgewählten ISO-Images. Dort richten Sie nun in gewohnter Weise das Gastsystem ein 10 . Ziehen Sie das Browserfenster größer, falls der Text durch Skalierung zu klein erscheint. Alternativ klicken Sie am linken Rand der Konsolendarstellung auf die kleine Schaltfläche und klappen damit das VNC-Menü auf. Über dessen zweites Icon schalten Sie die Konsole in den Vollbildmodus.

Sobald der Installer seine Arbeit erledigt hat, booten Sie das in der VM installierte System einmal neu. Danach steht es Ihnen zur Verfügung. Bei Servern klappt der Zugriff über das Netzwerk, bei Desktop-Distributionen nutzen Sie die Konsole im Proxmox-Browserfenster. Arbeiten Sie mit mehreren VMs gleichzeitig, ist durch die Auswahl des jeweiligen Konsole-Eintrags immer nur eine VM sichtbar. Sie können aber rechts oben auf Konsole klicken, um ein echtes neues Fenster zu erzeugen, in dem dann diese VM läuft. Auf einem großen Monitor platzieren Sie damit bei Bedarf mehrere VMs und behalten sie im Blick 11 .

Mit Templates arbeiten

Haben Sie eine VM zufriedenstellend eingerichtet, empfiehlt es sich, sie in ein Template (eine Vorlage) zu verwandeln.

Ein solches Template können Sie nicht mehr booten, aber beliebig oft klonen.

Die Konvertierung in ein Template setzt voraus, dass Sie die Maschine zunächst ordentlich herunterfahren. Tun Sie das, und öffnen Sie dann per Rechtsklick auf den VM-Eintrag (etwa auf 100 (ubuntu-001)) das Kontextmenü, in dem Sie den Eintrag Konvertiere zu Template finden. Rufen Sie ihn auf und bestätigen Sie die Aktion. Proxmox schließt die Umwandlung dann in wenigen Sekunden ab.

Ein Start ist nun nicht mehr möglich, aber per Rechtsklick und Auswahl von Klon im Kontextmenü starten Sie den Assistenten, der Klone erzeugt. Vergeben Sie einen Namen, und wählen Sie zwischen verknüpfter Klon (Proxmox speichert im Betrieb nur die Änderungen gegenüber dem Template) und vollständiger Klon (Proxmox erzeugt eine komplette Kopie). Platzsparender ist der verknüpfte Klon, etwas leistungsfähiger ist der vollständige.

Klone starten nicht automatisch. Sobald der neue Eintrag in der Liste der VMs erscheint, wählen Sie ihn aus und klicken dann im Hauptfenster auf Start. Alternativ gelingt das auch über einen Eintrag im Kontextmenü.

Container

Alternativ oder ergänzend zu VMs nutzen Sie Proxmox-Container. Klicken Sie auf Erstelle CT, um einen neuen Container zu erzeugen. Das Fenster, in dem Sie nun Einstellungen festlegen, hat (wie bei der VM-Erzeugung) mehrere Reiter mit ähnlichen Funktionen. Container durchlaufen keine Installationsroutine, darum müssen Sie das Root-Passwort gleich beim Erzeugen des Containers angeben.

Im ersten Reiter Allgemein tragen Sie einen Host-Namen und das Root-Passwort ein. Unter Template geben Sie die Vorlage an, also eine der Template-Dateien, die Sie installiert haben. Wählen Sie auf den folgenden Reitern die Plattengröße, die Anzahl der genutzten Kerne und die Größe von Speicher und Swapspace in MByte aus. Bei den Netzwerkeinstellungen stellen Sie für IPv4 die Vorgabe von statischer Konfiguration auf DHCP um. Dann nutzen auch die Container die Bridge und erhalten von Ihrem heimischen DHCP-Server alle nötigen Informationen.

Auch hier gibt es eine Zusammenfassung der Einstellungen, in der Sie unten bei Nach Erstellen starten ein Häkchen setzen können 12 . Mit einem Klick auf Abschließen geht es dann los. Die Konsole eines gestarteten Containers läuft immer im Textmodus und lässt sich (wie bei VMs) in einem separaten Fenster darstellen. Mit den Ubuntu-und OpenSuse-Containern funktionierte die Netzwerkeinrichtung via DHCP auf Anhieb, bei Fedora mussten wir mit dhclient eth0 den Bezug einer IP-Adresse händisch anstoßen.

Fazit

Im Test funktionierte Proxmox sehr gut. Das Einrichten von VMs und Containern war nicht wesentlich komplexer als bei Desktop-Virtualisierern wie Virtualbox.

Dafür gewinnen Sie die Flexibilität, von jedem Rechner im lokalen Netz aus auf die Systeme zuzugreifen. Das klappt freilich nur, wenn Sie einen separaten Computer für die Proxmox-Installation übrighaben. Das kann aber durchaus ein älteres System sein, idealerweise mit viel Arbeitsspeicher.

Wer sich auf eine Admin-Karriere vorbereiten möchte, lernt beim spielerischen Ausprobieren von Proxmox außerdem einiges darüber, wie Virtualisierung im professionellen Umfeld funktioniert.

Die Einarbeitung in Produkte wie VMware vSphere fällt leichter, wenn Sie bereits Erfahrungen mit Proxmox gesammelt haben. (agr/cla)

Weitere Infos und interessante Links

www.linux-user.de/qr/46571