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Volle Kanne!?


Motorboot Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 5/2019 vom 12.04.2019
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Verboten doch leider vielfach gängige Praxis: Die Betankung von Sportbooten aus ungeeigneten Kanistern und die Verschmutzung von Gewässern bei unbedachtem Umgang oder Unfällen.


(Foto: Fotolia.com/alri + seeyou/c.steps)

IBC 1000 Liter „Standard“ auf Anhänger mit Tankanlage im aufgesetztem Schrank.


(Foto: Maul-Tank)

Die Situation ist an zahlreichen Anlegern und in kleineren Häfen dieselbe: Die nächste Wassertankstelle ist weit entfernt. Viele Bootseigner behelfen sich damit, dass sie Ihren Kraftstoff von der nächsten Straßentankstelle in Kanistern zum Boot bringen und das Boot am Liegeplatz auch daraus ...

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... betanken.

Oft ist diese Vorgehensweise in den Hafensatzungen jedoch ausdrücklich verboten, da sie u.a. erhebliche Umweltrisiken birgt. Zudem fahren viele Skipper bereits beim Transport des Kraftstoffes, meist ohne es zu wissen, in rechtlich „rauen Gewässern“ mit hohem Eigenrisiko. Trotzdem ist das „Verfahren“ der Kanister-Betankung Gang und Gäbe, da es Crews und Vereinen oft am Wissen um Alternativen fehlt. Auf der boot Düsseldorf 2019 stellte die vogtländische Firma MAUL-TANK eine mobile Betankungs- und Transporttechnologie für Benzin, Kerosin oder Diesel/ Heizöl vor, die den neuesten Vorschriften entspricht und EU-weit abgestimmt ist. Wir befragten Entwickler und Hersteller Wilhelm Maul. Er hat umfangreiche Erfahrungen aus der Luftfahrt, wo die Situation der Kanister-Betankung auf kleineren Sportflugplätzen bis vor einigen Jahren vergleichbar war. Heute sind dort bereits mehr als 500 Anlagen im Einsatz und auch bei der Betankung von Booten bewähren sich die ersten Anwendungen.

WasserSport:
Herr Maul, worin liegt die Problematik beim Transport von Kraftstoffen in Kanistern und der Betankung aus dem Kanister zum Boot?

Wilhelm Maul:
Kraftstoffe sind flüssiges Gefahrgut. Je nach den Eigenschaften gehen von Kraftstoffen unterschiedlich große Gefahren aus, insbesondere in Bezug auf die Wassergefährdung und den Brand- und Explosionsschutz. Daher dürfen neben dem 5-Liter Reservekanister für das eigene Fahrzeug maximal drei Kanister, die ein gültiges Prüfzeichen des Bundesamtes für Materialforschung und –prüfung haben, à 20 Liter – also maximal 60 Liter mit ge-sichertem Verschluss und vorschriftsmäßiger Ladungssicherung – d.h. im festen Verbund mit dem Transportfahrzeug –mitgeführt werden. Wer das ignoriert, verstößt nicht nur gegen die deutsche Straßenverkehrsordnung, sondern auch gegen europäische Übereinkommen wie dem ADR und gegen nationale Verordnungen für den Transport von Gefahrgut wie der GGVSEB. Das kann sehr teuer werden und im Unglücksfall sogar den Versicherungsschutz kosten.

WasserSport:
Wie ist der Transport von solchen Gefahrstoffen in Bezug auf die Vorschriften geregelt?

Wilhelm Maul:
Größere Mengen Kraftstoff dürfen nach den besagten Vorschriften nur in zugelassenen Tanks als loser Behältertransport oder in sog. Intermediate Bulk Containern – kurz IBC, zu Deutsch: zugelassenen Großpackmitteln – als verpacktes Stückgut transportiert werden. Der Transport in normalen zugelassenen Tanks mit mehr als 450 Litern Inhalt erfordert allerdings den Führerschein für Gefahrgut nach dem ADR, i.d.R. aufbauend auf der Führerschein-Klasse C, also LKWs. Günstiger und praktikabler ist hingegen der Transport in IBCs, die der Verpackungsgruppe II nach dem ADR entsprechen. Die höhere Sicherheit des „Spezial-Paketes“, auch wenn es äußerlich aussieht wie ein Tank, ist ein vergleichsweise einfacheres Handling. Dazu muss man wissen: Für Gefahrgut werden zur Einordnung der Gefahr, die von dem Gut ausgeht, Gefahrgutpunkte zugeteilt. Die berechnen sich nach der entsprechenden Gefahrzahl des Gutes – Benzin hat hier die Zahl 3, Diesel die Zahl 1 – und der Menge des transportierten Kraftstoffes also: Liter x Gefahrzahl = Gefahrgutpunkte. Für bis zu 1000 Gefahrpunkte – also z.B. 1000 Liter Diesel, oder 333 Liter Benzin ist kein weiterer Führerschein erforderlich, für über 1000 Gefahrpunkte nur der Basiskurs zum ADR, der an einem Wochenendlehrgang mit IHK-Prüfung für fünf Jahre und unter 200, -€ Gebühr erworben werden kann. Allerdings dürfen IBCs nur bis zu 3000 Liter Volumen gebaut werden. Bei mehr als 1000 Gefahrpunkten wird der Gefahrstofftransport zudem kennzeichnungspflichtig mit einer orangen Tafel vorn und hinten offen.

WasserSport:
Wo wird der Umgang mit Kraftstoffen an Gewässern geregelt und wo können sich beispielsweise Betreiber von Hafenanlagen wie Vereine, Unternehmen u.a. informieren?

Wilhelm Maul:
Das Betreiben einer Tankanlage ergibt sich aus der EU-harmonisierten Betriebssicherheitsverordnung Der Betrieb ist selbst für Benzin seit 2019 nicht mehr erlaubnispflichtig, wenn die IBC’s mit einer mobilen Betriebsweise und mit CE-Konformität angewendet werden, da der Paragraph 18(8) der Betriebs-Sicherheits-Verordnung weggefallen ist. Die Gewerbeaufsichtsämter haben zudem ein großes Interesse an der Vermeidung des „wilden“ Kanister-Handlings. Das Betanken von Wasserfahrzeugen ist wasserrechtlich durch die TRwS 783, die Technischen Regeln für wassergefährdende Stoffe, geregelt. Wer diese Regeln einhält, hat einen Anspruch auf das Betreiben, sofern der Grundstückseigentümer zustimmt. Eine Kanister-Betankung von Land aus ist in der TRwS 783 gar nicht erst enthalten, weil nicht zulässig. Lediglich die Reservekanister, die sich auf dem Boot befinden, dürfen nachgefüllt werden.

IBC 2900 Liter „de luxe“ mit geeichter Zapfsäule und umfangreicher Ausstattung.


(Foto: Maul-Tank)

Mobiler Verlängerungszapfschlauch für Anlegestege bis 30 Meter.


(Foto: Maul-Tank)

Mit zugelassenen mobilen IBCs kann die sichere Betankung und die Einhaltung der Vorschriften in Vereinshäfen und an kleinen Sportbootanlegern gewährleistet werden.


Foto: Maul Tank)

WasserSport:
Welche Konsequenz ergibt sich daraus in der Praxis für Vereine und Hafenbetreiber, wenn sie sowohl in Bezug auf den Umweltschutz als auch rechtlich beim Betanken von Booten auf der sicheren Seite sein wollen?

Wilhelm Maul:
Zu den gemeinsamen Interessen von Vereinen und Hafenbetreibern gehört eine vorschriftengerechte Betankungstechnologie und Ausrüstung. Größe und Umsätze sind aber begrenzt und daher für außenstehende Mineralölgesellschaften als Investoren oft nicht attraktiv. Für den einzelnen Bootseigner ist eine individuelle Lösung verhältnismäßig teuer in der Anschaffung und Unterhaltung.
Für kleine Bootsvermietungen und Schulen gibt es schon preiswerte Lösungen für weniger als 10.000, -€ je Sorte. Mobile IBC 500 – Netto 333 Liter – werden an öffentlichen Tankstellen oder Füllstationen befüllt, regelkonform zum Anleger transportiert und geben von Land aus über einsehbare Schlauchleitung bis zum Boot den Kraftstoff sicher und kontrolliert ab.
Für Vereine kommt der organisatorische Aufwand und die Haftung des Vorstandes hinzu und führt deshalb zu größeren mobilen IBCs von 1000 Litern mit einem finanziellen Aufwand von gut 20.000, -€. Das ist natürlich nur durch eine straff geleitete Gemeinschaftsanlage für den Eigenverbrauch wirtschaftlich. Diese Bootsbetankungen begrenzen sich auf Vereinsmitglieder und Vereinsveranstaltungen. Die Kosten für die Anschaffung, Abschreibung und Unterhaltung dürfen auf den Kraftstoff-Tagespreis legal aufgeschlagen werden, Gewinnaufschläge sind jedoch nicht zulässig.
Auch die Selbstbedienung ist nur mittels Tankautomaten mit einer Totmann-Sicherheitseinrichtung zulässig.

Nicht jeder Eigner hat das Glück, eine öffentliche Tankstelle in seiner Nähe zu haben. Manche behelfen sich aus Unwissenheit mit individuellen „Tankanlagen“.


(Foto: Fotolia.com / Deyan Georgiev / Fotolia.com / Aisyaqilumar)

Auf der Habenseite für diesen Aufwand steht die Risikovermeidung des Vorstandes, einen illegalen Kraftstofftransport wissentlich geduldet zu haben, das persönliche Risiko auf dem Transport entfällt, eine lückenlose Rückverfolgung aller Tankvorgänge ist dokumentiert und die Abgabesicherheit im Hafenbereich ist gegeben.
Betreibt ein nicht gemeinnütziges Unternehmen die gleiche Betankungsanlage gewerblich mit Gewinnerzielungsabsicht, dann muss ergänzend die Eichverordnung eingehalten werden. Auch diese Anlagen sind im Angebot und erhöhen die Anschaffungskosten nochmals um 5.000, -€ zzgl. der Eichgebühren alle zwei Jahre. Auch größere mobile sIBC bis 3000 Liter sind hier im Einsatz.
Sobald wir von der mobilen Form abgehen und im Uferbereich eine Tankkapazität anlegen wollen, sind wir baugenehmigungspflichtig und gelten als ortsfeste Tankstelle. Dann reden wir über die drei- bis vierfache Investition und ca. zweijährige Planungsvorbereitungen.

WasserSport:
Die Verordnungen und Vorschriften sind in Ihrer Auslegung anspruchsvoll und eine entsprechende Installation entsprechender Betankungsanlagen u.ä. scheint gerade für kleinere Betreiber und Vereine praktisch schwer umsetzbar zu sein.

Wilhelm Maul:
Das scheint nur so. Ähnliche Argumente hatten wir an den kleinen Flugplätzen zu Hauf gehört und heute sind alle ausgestattet. Das mobile Prinzip hat sich hier außerordentlich bewährt. Glücklicherweise sind die entsprechenden Vorschriften heute auf europäischer Ebene einheitlich geregelt. Sie gelten für alle und sichern die Gleichbehandlung. Wer sie kennt und einhält, kommt zügig und ohne Streit weiter.
Der Anteil von Benzinverbrauchern bei der Bootsbetankung nimmt weiter zu und die Anzahl von stationären Bootstankstellen weiter ab. Wer sich nicht in Grauzonen bewegen will, dem wird mit der mobilen Bootsbetankung aus IBCs eine sinnvolle und zumutbare Lösung geboten. Das Pulverfass, auf dem man hier bisher geritten ist, ist durch Unwissenheit unterschätzt worden. Ein Glück, das bisher keine Lunte zündete.

Infos + Kontakt:
Fa. Wilhelm Maul, Prüftechnik und Tankanlagenbau e.K. Weischlitz
Postanschrift:
Am Stadtwald 19-23
D-08525 Plauen
Tel.: +49 3741 548511
www.maul-tank.de